Šilheřovice (deutsch Schillersdorf; ) ist eine Gemeinde im Okres Opava in Tschechien.
Geographie Šilheřovice liegt acht Kilometer nordöstlich von Hlučín. Nachbarorte sind Hať (Haatsch) im Norden, Rakowiec im Nordosten, Starý Bohumín und Vrbice (Wirbitz) im Südosten, Markvartovice (Markersdorf) und Petřkovice (Petrzkowitz), im Süden, Ludgeřovice und Hlučín im Südwesten und Darkovičky (Klein Darkowitz) im Westen. Nordöstlich verläuft die Landesgrenze zu Polen.
Geschichte Schillersdorf gehörte zum Herzogtum Troppau. Zusammen mit den benachbarten, deutsch besiedelten Orten Ludgersthal und Markersdorf lag es im Osten des Hultschiner Ländchens. Im 15. Jahrhundert gehörte es den Rittern von Schillersdorf, um 1530 den Herren Birka von Nassiedel (Bírka z Násile). 1560 erwarben die Herren von Würben die Herrschaft Schillersdorf, denen damals das gesamte Hultschiner Ländchen untertan war. Sie errichteten vermutlich eine Kastellburg, die erstmals 1609 urkundlich erwähnt wurde, als Schillersdorf von Bohunka Stosch von Kaunitz erworben wurde, der Gemahlin des Johann Saszowski von Geraltowitz alias Geraltowsky (polnisch Gierałtowski) aus dem schlesischen Uradelsgeschlecht Saszowski (Szaszowski, Schassowsky).Johann Sinapius: Schlesische Curiositäten, darinnen die ansehnlichen Geschlechter des Schlesischen Adels mit Erzehlung des Ursprungs, der Wappen, Genealogien (etc.)|Band=Band I |Verlag=Verlag des Autoris |Ort=Leipzig |Datum=1720 |Seiten=389–390 |Online=books.google.co.uk Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte es an die Gräfin Barbara Perpetua von Ursenberg, die Schillersdorf 1674 dem Troppauer Jesuitenkolleg verkaufte. Die Jesuiten errichteten Anfang des 18. Jahrhunderts die barocke Kirche mit dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt. Da sie von ihren Untertanen überhöhte Abgaben forderten, brach 1734 ein Bauernaufstand aus.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Schillersdorf 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Die Troppauer Jesuiten überließen die Herrschaft Schillersdorf im Austausch gegen die Minder-Standesherrschaft Olbersdorf dem nun ebenfalls in Preußen liegenden Jesuitenkolleg Neisse. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Schillersdorf von der Preußischen Hofkammer verwaltet. Sie verkaufte Schillersdorf 1787 an Karl Freiherr von Larisch, der es im gleichen Jahr an Johann Friedrich von Eichendorff veräußerte. Dieser errichtete an der Stelle der im Dreißigjährigen Krieg verwahrlosten alten Kastellburg ein Schloss im Stil des Klassizismus. Hier verlebte Joseph von Eichendorff, ein Neffe des damaligen Besitzers, einige Jugendjahre. 1817 erfolgte in der Grundherrschaft Schillersdorf die Aufhebung der Leibeigenschaft. 1835 wurde Schillersdorf von Franz Hubert Stücker von Weyershof erworben, der es 1846 dem Freiherrn Salomon Meyer von Rothschild verkaufte. Bei dessen Nachkommen blieben Gut und Schloss Schillersdorf bis zur Enteignung 1945. Unter den Rothschild wurde der Schlosspark erweitert und Treibhäuser sowie Orangerien errichtet.
Mit dem Friedensvertrag von Versailles von 1919 wurde Schillersdorf zusammen mit dem Hultschiner Ländchen 1920 ohne Volksabstimmung der Tschechoslowakei zugeschlagen. Die Kolonie Rakowiec wurde im Zuge einer Grenzbereinigung an das Deutsche Reich zurückgegeben und der Gemeinde Ruderswald zugeschlagen. Nach dem Münchener Abkommen vom 29. September 1938 wurde Schillersdorf zusammen mit dem Hultschiner Ländchen reichsdeutsch besetzt. Es gehörte nunmehr zum Landkreis Hultschin, der 1939 dem Landkreis Ratibor in der Provinz Schlesien eingegliedert wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fiel Schillersdorf erneut an die Tschechoslowakei zurück.
Einwohnerentwicklung 1869: 1197 Einwohner 1900: 1482 Einwohner 1930: 1564 Einwohner (davon 74 Deutsche) 1950: 1547 Einwohner 1991: 1554 Einwohner
Gemeindegliederung Für die Gemeinde Šilheřovice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Grundsiedlungseinheiten sind Paseky (Passek) und Šilheřovice. Zu Šilheřovice gehört außerdem die Einschicht Annin Dvůr (Annahof).
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=1.5|Schloss Šilheřovice Das Schloss Šilheřovice wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Johann Friedrich von Eichendorff errichtet und später im Stil der Neorenaissance umgebaut. Nach 1820 wurde der Schlosspark Schillersdorf mit dem Jagdschlösschen Schillersdorf angelegt. Ehemaliges Wasserhebewerk Passek, Kulturdenkmal
Persönlichkeiten Karl Sczuka (1900–1954), deutscher Komponist Georg Gawliczek (1919–1999), deutscher Fußballspieler und -trainer
Literatur Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 18, 198f.
Weblinks
Geschichte (tschechisch und deutsch) Schloss Šilheřovice (tschechisch)
Einzelnachweise