mini|Blick auf die Altenburger Altstadt
Altenburg ist eine ehemalige Residenzstadt im Osten des Freistaates Thüringen in der Metropolregion Mitteldeutschland. Altenburg ist Kreisstadt des Landkreises Altenburger Land. Mit ihren etwa 31.100 Einwohnern ist die Stadt in der Landesplanung als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums ausgewiesen. Altenburg ist durch das nach 1810 hier erfundene Kartenspiel Skat bekannt. Eine Ausstellung dazu befindet sich im Schloss- und Spielkartenmuseum.
Geographie Geographische Lage Altenburg liegt in der Mitte des Städtedreiecks Leipzig–Chemnitz–Gera, und zwar 39 km südlich von Leipzig, 38 km nordwestlich von Chemnitz, 28 km nordöstlich von Gera und 31 km nördlich von Zwickau. Es wurde auf einem hügligen Gebiet erbaut, dessen tiefster Punkt bei Zschernitzsch mit und dessen höchster bei Mockzig mit liegen. Das Gebiet gehört zu den Ausläufern des Erzgebirgsvorlandes, die nördlich der Stadt in der Leipziger Tieflandsbucht enden.
Altenburg wird von den Gewässern Pleiße, Blaue Flut und Deutscher Bach durchflossen. Der Fluss Pleiße durchfließt die Stadt im Ortsteil Ehrenberg im Süden. Der Deutsche Bach fließt im Norden Altenburgs durch die Stadtteile Steinwitz, Drescha, Nord und Kauerndorf, wo er in die Blaue Flut mündet. Diese entspringt bei Graicha im Altenburger Land und durchfließt die Stadt von Südwesten nach Nordosten. Sie wurde nach einer dort ansässigen Färberei benannt, die das meist blaue Färbereiabwasser ungeklärt in den Bach abließ.
Geologie In den tiefsten Schichten befindet sich eine altpaläozoische Schiefermasse, über der Porphyr, Zech- oder Buntsandstein lagern. Darüber befindet sich eine Schicht aus Kies, die teilweise kleine Lagerstätten von Braunkohle enthält. Das alles wird von einer etwa zehn Meter dicken Lehm- und Lössschicht bedeckt. An ein paar steilen Stellen wie zum Beispiel dem Schlossfelsen wurden aufgrund von Bodenerosion die obersten Schichten abgetragen, so dass der Porphyr zutage trat.
mini|Die Stadt- und Ortsteile von Altenburg
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn von Norden beginnend die Stadt Meuselwitz, Treben und Gerstenberg, im Nordosten Windischleuba, im Osten und Süden kragenförmig Nobitz, im Südwesten die Stadt Schmölln, im Westen Göhren und Lödla sowie im Nordwesten Rositz.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet ist in mehrere Stadtteile unterteilt. Die größten sind die Neubaugebiete Südost und Nord sowie das Zentrum. Ferner gibt es die kleineren, fast schon dörflich wirkenden Stadtteile Rasephas, Kauerndorf, Poschwitz, Zschernitzsch, Drescha und den Ortsteil Steinwitz. Während alle diese Stadtteile keine eigenen Ortsräte haben, besitzen die Ortsteile Ehrenberg, Kosma und Zetzscha mit ihren insgesamt 16 Ortslagen jeweils einen Ortsrat und einen Ortsbürgermeister.
Ortsteil Fläche (km²) EinwohnerAltenburg19,7631.101 Ehrenberg14,10998Kosma6,34306Zetzscha5,43544 Quelle: Stadt Altenburg, statistische Grunddaten von 2020, Ortsteile von 2023öffentliche Bekanntmachung der Stadt Altenburg über die Einwohnerzahlen der Ortsteile per Stand vom 31. Dezember 2023
Geschichte Besiedlung und Aufstieg zur Kaiserpfalz mini|hochkant|Das Nikolaiviertel ist eines der ältesten Gebiete Altenburgs mini|hochkant|Wachturm der Stadtmauer
Die ersten Siedlungen im heutigen Stadtgebiet entstanden vor rund sechstausend Jahren. Schon damals war der Boden im Altenburger Raum sehr fruchtbar, zudem boten die Wälder und die fischreichen Gewässer genug Nahrung. Auch gewährten die aufragenden Porphyritfelsen Schutz vor Angreifern. Zwischen 1300 und 700 v. Chr. fand eine starke Besiedlung des Gebietes statt, jedoch sind auch erhebliche Siedlungsschwankungen festzustellen. Nach den Kelten wurde die Region von den Hermunduren germanisch besiedelt. Die Franken zerstörten das Thüringer Reich bis 534 n. Chr., wobei die Gebiete zwischen Saale und Mulde erst 595 an das Reich angeschlossen wurden. Infolge einer Krise des Frankenreiches 631/632 wegen eines verlorenen Feldzuges gegen Böhmen drangen die Böhmen und ihre Verbündeten in thüringische Gebiete vor, konnten aber durch den neuen Herzog Ratulf abgewehrt werden. Ausdrücklich festigte er das Bündnis mit den Sorben, die ihn auch militärisch unterstützten, und wird sie eingeladen haben, in den dichten Wäldern rechts der Saale freies Land zu besiedeln und urbar zu machen. Immer mehr Sorben siedelten sich im Altenburger Raum an und bildeten dann einen Stamm, der sich Plisni nach dem hiesigen Fluss benannte. Ab dem Jahr 838/848 ist für die Gebiete rechts der Saale die fränkische Sorbenmark bekannt. Zwar ist deren östliche Grenze nicht genau bekannt, da aber der Markgraf Thakulf in Sarau an der Pleiße bei Schmölln Besitz hatte, den er dem Kloster Fulda verkaufte, ist damit zu rechnen, dass das Pleißner Land zur Sorbenmark dazu gehörte. In dieser Zeit entstand auf den Porphyritfelsen die erste Burganlage.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Altenburg im Jahr 976. Vorausgegangen war die Gründung der Markgrafschaften Merseburg, Zeitz und Meißen sowie der entsprechenden Bistümer. Am 1. August 976 schenkte Kaiser Otto II. die Stadt Altenburg dem Bistum Zeitz. Die Burg war nun Herrschaftsmittelpunkt eines Bezirkes, eines Burgwards. Die nächste urkundliche Erwähnung erfolgte erst 1132, als der spätere Kaiser Lothar III. die Kaiserpfalz Altenburg nutzte. In der Urkunde wird sie castro Plysn genannt. Die Kaiserpfalz war der Grund, dass aus der Siedlung, die sich unmittelbar bei der Pfalz befand, eine Stadt wurde, die den Namen Altenburg trug. Zudem trug die Reichsstraße Via Imperii dazu bei, dass sich Handwerker und Kaufleute ansiedelten. Neben der Siedlung am Brühl gab es eine weitere Siedlung um den Nikolaikirchturm. Dieses Gebiet kam erst unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa zu Altenburg. Nach Lothar von Supplinburg hielt sich König Konrad III. im Jahr 1150 in der Pfalz auf. Dabei verlieh Konrad auch den Burggrafentitel mit umfangreichen Gebietsrechten über die Bewohner des Pleißengaus und Burgkorneinkünften an die Burggrafen von Altenburg.
mini|Münze Friedrichs I. aus der Münzstätte Altenburg im Berliner Münzkabinett Friedrich I. Barbarossa hatte seinen ersten urkundlichen Aufenthalt im Februar 1165. Jedoch war sein zweiter Besuch im Juli 1172 von größerer Bedeutung. Nach seinem Rückschlag in Italien musste er seine Macht im Gebiet nördlich der Alpen ausbauen. Gebietsveränderungen wurden durchgeführt. 1174 wurden fränkische, egerländische und pleißenländische Territorien zusammengelegt. Nürnberg, Eger, Altenburg, Colditz, Lausick und Leisnig wurden zu wichtigen Orten staufischer Reichspolitik. Auch die Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Unserer Lieben Frauen St. Marien auf dem Berge vor Altenburg, die Barbarossa zugeschrieben wird, fiel in die Zeit. Barbarossa weilte noch vier weitere Male in Altenburg, in den Jahren 1180, 1181, 1183 und 1188, weshalb die Stadt den Beinamen Barbarossastadt erhielt. Auch die Nachfolger Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Otto IV., Friedrich II., Heinrich VII., König Rudolf von Habsburg und Adolf von Nassau nutzten Altenburg als Residenz. Der polnische (Senior-)Fürst Władysław II. der Vertriebene, Herzog von Schlesien, lebte dort mit seinen Söhnen Boleslaw und Mieszko seit 1146 bis zu seinem Tode 1159 in der Verbannung.
1192 wurde in einem Dokument erstmals der Neue Markt erwähnt. Es ist ein Beleg, dass sich die Stadt vom alten Markt Brühl in Richtung Süden ausbreitete. 1223 bekam Altenburg mit St. Nikolai eine zweite Stadtkirche. Der Kirchturm stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und diente vorher als Wachturm. Auch zwei weitere Klöster entstanden, 1238 am westlichen Ende der Stadt ein Franziskanerkloster und vor 1245 das Nonnenkloster der Magdalenerinnen (Weißfrauen). Die Stadtmauer und damit auch die Stadtgrenze wurden danach großzügig angelegt, sodass lange Zeit keine Erweiterung vorgenommen werden musste. Zudem besaß Altenburg fünf Stadttore.
Im Besitz der Wettiner mini|Schloss Altenburg
1253 bekamen die Wettiner erstmals politischen Einfluss auf das Pleißenland mit Altenburg, Chemnitz und Zwickau. Kaiser Friedrich II. gab es als Pfand einer Mitgift bei der Hochzeit seiner Tochter Margarethe mit Albrecht II., dem Sohn des Markgrafen Heinrich des Erlauchten. 1256 bestätigte Heinrich der Erlauchte das Stadtrecht von Altenburg. Zu Unruhen kam es im Jahr 1273. Grund dafür waren Spannungen zwischen der Stadtbevölkerung und den Augustiner-Chorherren.
Am 31. Mai 1307 führte Friedrich der Freidige mit seinem Bruder Dietrich IV. eine Streitmacht von Leipzig in Richtung Altenburg. Bei der Schlacht bei Lucka gewann Friedrich gegen König Albrechts Heer. Friedrich dem Freidigen wurde 1311 die Schutzherrschaft über das Pleißenland zugesprochen. 1329 wurde ihm das vom deutschen König offiziell anerkannt. Altenburg gehörte nun zur Mark Meißen und somit zum wettinischen Besitz. Friedrich der Strenge erneuerte 1356 das Altenburger Stadtrecht.
Im Jahr 1420 zog Friedrich I. zum ersten Kreuzzug gegen die Hussiten nach Böhmen. Drei weitere sollten folgen. Ein Aufgebot aus Altenburg nahm 1426 an der Schlacht bei Aussig teil. Die Taboriten unter Andreas Prokop schlugen jedoch das meißnische Aufgebot. 1429/30 zog ein Heer von Taboriten, Waisen und Pragern entlang der Elbe in die Mark Meißen. Altzell, Mügeln, Oschatz und Grimma wurden zerstört, bevor am 12. Januar 1430 Altenburg belagert und nach drei Tagen eingenommen wurde. Viele Einwohner waren zuvor geflüchtet, einige verteidigten die Burg. Das Schloss konnten die Hussiten jedoch nicht nehmen und so zogen sie weiter nach Süden. Sie zündeten noch die Stadt von zwei Seiten an. Da die Burgverteidiger einen Hinterhalt befürchteten, löschten sie nicht und die Stadt brannte bis auf einige Steingebäude vollständig ab. Auch St. Bartholomäi war zerstört. Danach belagerten die Hussiten Plauen, zerstörten Stadt und Schloss und richteten ein grausames Blutbad an.
Bei den Kämpfen zwischen Kurfürst Friedrich II. und dem vom Kaiser Sigismund eingesetzten Meißener Burggrafen Heinrich I. von Plauen 1437 stellten die Altenburger im Auftrag des Kurfürsten Aufgebote nach Frauenstein, Plauen und Böhmen. Zumeist wurden bis zu 16 Schützen, zwei Rüstwagen und ein Proviantwagen gestellt. Stärker wurde die Stadt im sächsischen Bruderkrieg (1446–1451) belastet. Es kam zu Einquartierungen und 1448 musste die Stadt 136 Mann vor Burg (Wendel-)Stein schicken. Später wurden noch Schützen und Gewappnete nach Nebra, Burgau (heute Jena) und Schwarzburg gestellt, auch sieben Reisige waren auszurüsten. 1455 raubte Kunz von Kauffungen die beiden Prinzen des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen, Ernst und Albrecht, aus dem Altenburger Schloss, um seine Forderungen gegenüber dem Kurfürsten durchzusetzen. Dieses Ereignis ging als Altenburger Prinzenraub in die Geschichte ein.
Altenburg und das teuerste Gewürz der Welt Laut einem Rechnungsbuch aus dem Jahr 1500 nahm die Stadtkasse Altenburg „mehrere Tausend Taler aus den Safrangärten“ rund um die Stadt ein. Historische Urkunden belegen, dass zu dieser Zeit ein „köstlicher Land-Saffran“ großflächig in Ostthüringen angebaut und „die Gegend daher die güldene Aue“ benannt wurde.
Die ersten Hinweise auf die Verwendung von Safran in Altenburg zu dieser Zeit zeigen, dass das wertvollste Gewürz der Welt schon damals eine Bedeutung in der Residenzstadt hatte. Der älteste bisher verfügbare Nachweis konnte im Aktenbestand des Thüringer Staatsarchivs Altenburg gefunden werden. Im Rechnungsbuch des Amtes Altenburg für das Jahr 1435/36 heißt es: „Item 1 ß 10 gr. vor 10 ob Saffera“, transkribiert bedeutet dieser Ausschnitt „Auch 1 Schock (,) 10 Groschen für 10 Lot Safran“. Das Lot wird in diesem Jahrhundert als Massemaß mit 14,6 Gramm gerechnet. Demzufolge wurden für 146 Gramm Safran insgesamt 70 Silbergroschen oder 3,34 Gulden bezahlt.
In der Zeit der Reformation