miniatur|Olivier Marchal (2012) Olivier Marchal (* 14. November 1958 in Talence) ist ein französischer Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor.

Leben Der Sohn eines Konditors und Hobby-Kriminalschriftstellersvgl. Profil bei allocine.fr (aufgerufen am 16. November 2009) besuchte ein Jesuiteninternat. Den dortigen Erziehern hält Olivier Marchal zugute, dass sie seine mangelnde Selbstdisziplin zügelten, und dass sie sein Interesse am Theater und besonders am Werk von Louis-Ferdinand Céline weckten. „Dank den Jesuiten war ich nicht völlig unausstehlich.“« Grâce à eux, j‘ai été un peu moins con. »

Als Jugendlicher und junger Mann war er fasziniert von den Filmen von Sidney Lumet, Jean-Pierre Melville, Henri Verneuil und Georges Lautner. Die idealistischen Vorstellungen, die diese Filme in ihm weckten, brachten ihn seinen eigenen Worten zufolge dazu, sich im Alter von 20 Jahren beim nationalen Wettbewerb der Polizei zu bewerben. Er bestand und wurde Inspektor bei der KriminalpolizeiService régional de police judiciaire in Versailles. Die offene Verachtung, die die Menschen ihn spüren ließen, wenn er seine Arbeit verrichtete, die Beleidigungen, die er zu hören bekam, wenn er beispielsweise in Bars Kontrollen durchführte, desillusionierten ihn rasch. Er charakterisiert sich heute, auf die damalige Zeit zurückblickend, als weichlich« un tendre poulet », respektvoll gegenüber den Ganoven, außer in Fällen von Gewalt gegen Kinder oder alte Menschen.

1982 bis 1985 diente er bei der Antiterroreinheit und war an den Ermittlungen gegen die linksextreme Terrororganisation Action Directe beteiligt. Dort lernte er den Kommissar Simon Michaël kennen, der zu jener Zeit am Drehbuch für den Film Die Bestechlichen (Les ripoux) von Claude Zidi schrieb und später ins Filmmetier wechseln sollte.

In seiner Freizeit pflegte er weiter seine Liebe zum Theater. Er nahm Kurse am Konservatorium im 20. Arrondissement. Um seine Theaterleidenschaft besser mit seinem Beruf verbinden zu können, meldete er sich 1985 freiwillig für den Nachtdienst. In sieben Dienstjahren im 13. Pariser Arrondissement wurde er mit menschlichen Katastrophen aller Art konfrontiert: Leichenfunde, Suizide von Kollegen, Familientragödien wie diejenige mit dem Mädchen, das mithalf, ihre Eltern zu ermorden. 1992 quittierte er, von Simon Michaël dazu ermuntert, schließlich den Polizeidienst.

Das Lebensthema von Olivier Marchal ist die Auseinandersetzung mit der Gewalt, die Spannung zwischen Faszination und Abscheu.Soweit nicht anders vermerkt, folgt dieser Abschnitt dem Artikel von Macha Séry in Le Monde vom 10. November 2009. „Ich zahle der Gewalt eine Schuld“, sagt er über sich. „Ich verabscheue es, sie zu filmen, aber ich trage sie in mir.“« C’est une dette que je paie à la violence. Je déteste de la filmer mais je l’ai en moi. » 2002 kam der erste große Spielfilm heraus, in dem er Regie führte: Gangsters. Nationale Berühmtheit als Regisseur erzielte er 2004 mit dem Film 36 – Tödliche Rivalen (im Original 36 quai des Orfèvres, nach der Adresse der Pariser Kriminalpolizei), einer Krimi-Version des Grafen von Monte Christo. Der Film wurde achtmal für den César nominiert, Frankreichs wichtigsten Filmpreis. Seine Filme nehmen den Standpunkt des unbeliebten Flic ein, erzählen die Geschehnisse mit einer gewissen Nostalgie, von vergangenem Glück und gegenwärtigem Schmerz. Auf die Spitze trieb er diese Betrachtungsweise 2008 in dem Film MR 73 – Bis dass der Tod dich erlöst. Dieser Film, der die Geschichte einer Vendetta eines alkoholkranken Polizisten erzählt, fand überwiegend negative Aufnahme bei der Kritik. Es wurde beklagt, dass der Film reaktionär, ja lepenistisch sei.

2009 erzielten die ersten beiden Episoden seiner Serie Braquo mit jeweils 1,3 Millionen Zuschauern einen Zuschauerrekord bei dem Bezahl-Fernsehsender Canal+. bei seriesvox.com, besucht am 12. November 2009 Diese stellt mehrere Pariser Kriminalpolizisten (gespielt von unter anderem Jean-Hugues Anglade und Nicolas Duvauchelle) in den Mittelpunkt, die beschließen, die ungerechte Verurteilung und den Selbstmord ihres Vorgesetzten zu rächen.

Vom Erscheinungsbild her ist Marchal ein kräftiger Mann mit melancholischer Ausstrahlung, legerem Äußeren, struppigem grauschwarzem Haar und struppigem grauem Vollbart. Sein Schauspieler-Kollege Geoffroy Thiébaut charakterisiert ihn als grobschlächtig, aber im Grunde gutmütig: „Ein Bär, und ein Teddybär.“« un ours et un nounours » Andere, wie der Produzent Claude Chelli, heben hervor, wie die Erfahrungen bei der Polizei ihn geprägt haben: „Jene Zeit hat ihn gezeichnet. ... Olivier ist ein Gefolterter.“« Cette époque-là l’a profondément marqué. ... Olivier est quelqu’un de torturé. » Marchal ist seit 1989 verheiratet mit der Schauspielerin Catherine Marchal, die er regelmäßig mit Rollen in seinen Regiearbeiten betraut. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder; das jüngste wurde im Sommer 2009 geboren.

Filmografie Schauspieler Kino-Spielfilm 1988: Der Panther II – Eiskalt wie Feuer (Ne réveillez pas un flic qui dort) 1993: Doppelte Tarnung (Profil bas) 1998: La Puce 2006: Kein Sterbenswort (Ne le dis à personne) 2007: Die City-Krieger (Truands) 2007: Scorpion – Der Kämpfer (Scorpion) 2008: Eine Polizeiromanze (Un roman policier) 2008: Le Bruit des gens autour 2008: Ohne Schuld (Pour elle) 2009: Diamond 13 (Diamant 13) 2009: Quelque chose à te dire 2009: Les acteurs sont fatigués; auch Regie 2011: Jos Sohn (Le fils à Jo) 2013: Un p'tit gars de Ménilmontant 2013: Paris Countdown – Deine Zeit läuft ab (Le jour attendra) 2014: Belle comme la femme d'un autre 2014: Fastlife 2020: Tony Rodriguez. Aller en prison, c’est son rêve von John Sehil

Fernsehen 1993: Troublante voisine – Regie: Raoul Chenille 1993–2000: Kommissar Moulin (Commissaire Moulin, Fernsehserie, 4 Folgen) 1996–2001: Quai n°1 2000: Nur adoptiert (La tresse d'Aminata) 2002: Chut ! – Regie: Philippe Setbon, mit Sophie Guillemin 2003: Les Robinsonnes – Regie: Laurent Dussaux 2005: Éliane – Regie: Caroline Huppert, mit Florence Pernel 2006: Les Innocents – nach Georges Simenon 2006: Une fille de ferme – nach Guy de Maupassant 2006: Sie muss meine Tochter sein – Mütter/Töchter (L'Enfant d'une autre) – Regie: Virginie Wagon 2007: Confidences sur canapé – Regie: Laurent Dussaux 2009: Braquo, Kriminalserie nach eigenem Drehbuch, Regie: Frédéric Schoendorffer 2016: Mon frère bien-aimé 2018, 2020: Die purpurnen Flüsse (Les Rivières pourpres) – nach Jean-Christophe Grangé 2020: Die Bestie von Bayonne (La promesse) – Regie: Laure de Butler 2022: Meurtres à Blois – Regie: Elsa Bennett, Hippolyte Dard

Regie 2002: Un bon flic (Kurzfilm) 2002: Gangsters 2004: 36 – Tödliche Rivalen (36 Quai des Orfèvres) 2008: MR 73 – Bis dass der Tod dich erlöst (MR 73) 2009: Les acteurs sont fatigués 2011: A Gang Story – Eine Frage der Ehre (Les Lyonnais)

Als Drehbuchautor ab 2001: Central Nuit 2004: 36 – Tödliche Rivalen (36 Quai des Orfèvres) ab 2008: Flics (Fernsehserie), Regie: Nicolas Cuche 2008: MR 73 – Bis dass der Tod dich erlöst (MR 73) 2009: Braquo 2009: Diamant 13 2011: A Gang Story – Eine Frage der Ehre (Les Lyonnais)

Theaterbühne 1990: Onkel Wania von Anton Tschechow (Théâtre Les Cinq Diamants) 1994: Les Sincères von Pierre Carlet de Marivaux (Théâtre La Balle au Bond) 1995: L'Auteur von Vincent Ravalec (Théâtre de Tourtour) 1997–1998: Une nuit avec Sacha Guitry (Théâtre Rive Gauche und Théâtre Grévin) 1997: Du riffoin dans les labours (Théâtre de Clermont Ferrand und Comédie Gallien à Bordeaux) 2000: Ladies night von Antony Mc Carten, Stephen Sinclair und Jacques Collard, Théâtre Rive-Gauche 2005–2006: Sur un air de tango von Isabelle de Toledo (Théâtre de Poche Montparnasse)

Literatur Macha Séry: La vie en noir. Le Monde, 10. November 2009, S. 22

Einzelnachweise

Französische Originalzitate

Weblinks

Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Polizist (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann