mini|Tridactyler (dreizehiger) Fußabdruck eines Theropoden (Acrocanthosaurus)
Die Paluxy-River-Fußspuren sind fossile Abdrücke von Dinosauriern im Flussbett des Paluxy Rivers nahe Glen Rose, Texas, in den USA. Die Glen Rose Formation besteht aus abwechselnden Lagen von Kalk, Mergel und Sandstein.
Die Spurfossilien (Ichnia) umfassen dreizehige Fußspuren, die von Raubdinosauriern (Theropoden) stammen und säulenförmige Fußspuren, die von Sauropoden stammen. Eine artgenaue Zuordnung der Fußspuren ist nicht möglich, da Fußspuren verwandter Arten gleich aussehen können. Keith Young folgerte anhand der Schichtungsfolge der Ammoniten, dass die Gesteine der Glen Rose Formation aus dem Oberen Aptium und Unterem Albium der unteren Kreidezeit stammen, also 115 - 105 Millionen Jahre alt sind.Keith Young, Lower Albian and Aptian (Cretaceous) Ammonites of Texas, Geoscience and Man, Vol. VIII (1974) Anhand der Fossilien von Dinosauriern aus der gleichen Zeit und Gegend sowie der Form und Größe der Spurfossilien wird vermutet, dass die dreizehigen Fußabdrücke vom Raubdinosaurier Acrocanthosaurus und die säulenförmigen Fußabdrücke von Sauropoden Paluxysaurus stammen könnten.
Die Bedeutung der Paluxy-River-Fußspuren besteht darin, dass eine Spurfolge die Verfolgung eines Sauropoden durch einen Raubdinosaurier anzeigt (Paluxy River Dinosaur Chase Sequence) und eine andere Spurfolge den Trott einer Herde von Sauropoden zeigt, wobei sich die Jungtiere in der Mitte und die Alttiere am Rand aufhalten, was einen Schutz der Jungtiere durch die Alttiere anzeigt.
Die Fußspuren am Paluxy River wurden erstmals 1908/1909 entdeckt und schon damals vom Schulleiter Robert E. McDonald korrekt als Dinosaurierspuren identifiziert. Die gründliche wissenschaftliche Untersuchung der Spuren fand jedoch erst 1940 durch R.T. Bird statt.
Die verwitterten dreizehigen Fußabdrücke des Raubdinosauriers können manchmal wie Fußabdrücke von Menschen aussehen. Wenn sich eine Randzehe nicht deutlich eingedrückt hat, können die beiden übrigen Zehen wie Großzehe und Fuß aussehen. Aus solchen menschenfußähnlichen Spurfossilien haben Kreationisten gefolgert, dass Menschen und Dinosaurier zeitgleich gelebt hätten. Dies trifft natürlich nicht zu. Ähnliche Veränderungen der Form und Größe von Spuren können auch bei Spuren im Schnee beobachtet werden, die durch Sonneneinstrahlung plump und breit werden.
Entdeckung und Untersuchung der Spuren Entdeckung mini|Der Paluxy River im Dinosaur Valley State Park, nahe Glen Rose, Texas, Vereinigte Staaten Die Beschäftigung mit den Fußspuren reicht zurück bis ins Jahr 1908. Starke Regenfälle verursachten damals Überschwemmungen, wobei massive Kalksteinplatten aus dem Flussbett herausgerissen wurden und teilweise zerbrachen. Erst durch diese Ereignisse wurden die Dinosaurier-Fußspuren freigelegt.
Im folgenden Frühjahr fand der Teenager George Adams in einem Zufluss des Paluxy Rivers, dem sogenannten Wheeler Branch, eine ganze Reihe dreizehiger Fußabdrücke im Bachbett. Der einheimische Schulleiter Robert E. McDonald identifizierte diese als Dinosaurier-Fußspuren. Nachfolgende Untersuchungen ergaben, dass die dreizehigen, klauenartigen Abdrücke von zweibeinigen und fleischfressenden Theropoden stammen (möglicherweise Acrocanthosaurus, dessen Knochen nur wenige Meilen entfernt gefunden wurden).
Ca. 1910 stießen die einheimischen Teenager Charlie Moss und sein Bruder Grady am Paluxy River ebenfalls auf eine Fährte dreizehiger Fußspuren. Ebenso fanden sie eine ganze Reihe merkwürdiger, länglicher Abdrücke (ca. 38 bis 45 cm groß), welche den Geologen bisher vollkommen unbekannt waren und von Charlie Moss als von „Riesenmenschen“ stammend bezeichnet wurde. Die Einheimischen hielten sie für menschliche Fußabdrücke. Den meisten Einwohnern war nicht bewusst, welche Konsequenzen solch eine Entdeckung auf das bisherige Verständnis der geologischen Zeitskala haben würde, da zwischen dem Aussterben der Dinosaurier und dem Auftauchen der ersten Menschen eine Zeitspanne von ca. 60 Mio. Jahren liegt. Heute werden diese Spuren auf ein Alter von etwa 113 Mio. Jahren geschätzt.Keith P.Young, 1974, Lower Albian and Aptian (Cretaceous) ammonites of Texas, In: Perkins, B. F., ed. Aspects of Trinity Geology: Geoscience and Man, School of Geoscience, Louisiana State University, Vol. 8, S. 175–228Bergan, Gail R, and Jeffrey G. Pittman, eds., 1990, Nearshore Clastic Carbonate Facies and Dinosaur Trackways in the Glen Rose Formation (Lower Cretaceous) of Central Texas. GSA Field Trip #8, The Dallas Geological Society, Dallas, Texas.
In den 1930er-Jahren begann der aus Glen Rose stammende Jim Ryals damit, einige der Fußspuren (darunter auch welche der „menschlichen“, deren Verbleib bis heute nicht gewiss ist) aus dem Stein zu schlagen, um sie zu verkaufenBird, Roland T., 1954, We Captured a Live Brontosaur. National Geographic. V. 105, S. 707–722. Zu etwa der gleichen Zeit verkaufte George Adams (der Entdecker der Spuren im Wheeler Branch) in lose Steine gemeißelte Spuren angeblicher „Riesenmenschen“. Georges Neffe Wayland berichtete einer Gruppe von „kreationistischen Forschern“ später, dass sein Onkel sich dafür große Steine mit einer bereits existierenden Vertiefung suchte und diese in seiner Freizeit zu menschlich aussehenden Abdrücken verarbeiteteMorris, John D., 1980, Tracking Those Incredible Dinosaurs. San Diego, CA, Creation-Life Publishers, S. 240. Seine heute noch verbliebenen „Menschenspuren“ weisen allesamt gravierende anatomische Unkorrektheiten auf, wie falsch platzierte Fußballen und -gewölbe sowie übermäßig lange und deformierte Zehen. Adams und Ryals hatten dem heutigen Verständnis nach aber eher ökonomische als ideologische Beweggründe. Zudem haben die künstlich gemeißelten äußerlich nur wenig mit den angeblich von Menschen stammenden Abdrücken im Paluxy-River-Flussbett zu tun.
Erste wissenschaftliche Untersuchung links|mini|Fußabdruck eines Theropoden im Dinosaur Valley State Park Im Jahre 1938 entdeckte der Paläontologe Roland T. Bird während einer Feldexpedition in Gallup, New Mexico, einige der fabrizierten Fußabdrücke und erkannte sie als Fälschungen. Er entschied sich dennoch der Sache nachzugehen und fand mit Hilfe einiger Ortskundiger mehrere echte dreizehige (von Theropoden stammenden) Abdrücke im Flussbett des Paluxy-Rivers. Nach weiteren Untersuchungen fand er schnell weitaus größere und von Sauropoden stammende Abdrücke, die bis dahin völlig unbekannt waren. Nur Charlie Moss und einige Anwohner entdeckten sie früher, deuteten sie jedoch als „von sehr alten Elefanten stammend“ („ancient elephants“). Als Bird die Sauropoden-Fußspuren erstmals im National Geographic und Natural History vorstellte, erregten sie großes öffentliches Interesse.Roland T. Bird, 1939, Thunder in His Footsteps. Natural History. Vol. 43, S. 254–261Bird, Roland T., 1941, A Dinosaur Walks into a Museum. Natural History. Vol. 47, S. 74–81Bird, Roland T., 1944, Did Brontosaurus Ever Walk on Land? Natural History. Vol. 53, S. 60–67
Obwohl Bird niemals von echten „Menschen-Spuren“ berichtete, kamen schnell Gerüchte auf, dass im Paluxy-River tatsächlich fossile menschliche Fußabdrücke direkt neben denen von Dinosauriern existieren. In einem seiner Artikel erwähnte Bird lediglich, dass die künstlich angefertigten „Fußabdrücke“ der Grund für seine Reise nach Glen Rose waren, ebenso wie die von Einheimischen als von „Riesenmenschen“ stammenden Abdrücke. Zudem gingen unter den Einheimischen Gerüchte über riesige Fußabdrücke im Paluxy River umher. Bird wandte sich an Jim Ryals, dieser konnte ihm jedoch nur einen dieser Fußabdrücke zeigen der von Bird als „something about 15 inches long, with a curious elongated heel“ beschrieben wird und nach seiner Einschätzung von einem „bisher unbekannten Dinosaurier oder Reptil“ stammt.
Kreationisten entdecken die Fußspuren für sich
Einer der ersten Kreationisten, der sich für die Paluxy-River-Fußspuren begeistern konnte, war Clifford Burdick.http://paleo.cc/paluxy/onheel.htm Er ist Mitbegründer der Deluge Society, einer der ersten kreationistischen Gruppierungen in den USA. Nach einer kurzen Besichtigung des Paluxy Rivers veröffentlichte Burdick einen Artikel in dem Siebenten-Tags-Adventisten-Magazin Signs of the Times, in dem er behauptete, dass das Flussbett des Paluxy Rivers eindeutig Fußabdrücke von Menschen und Dinosauriern enthalte. Diese Entdeckung widerlege die Evolutionstheorie grundsätzlich und sei ein Beweis für eine „göttliche Schöpfung“ sowie für die Existenz einer Sintflut, wie sie in der Bibel beschrieben ist. Er versuchte seine Aussage mit Fotos von „menschlichen Fußabdrücken“ auf losen Steinen zu belegen, welche von Bird jedoch zuvor als Fälschungen entlarvt wurden.
Anfang der 1960er-Jahre wurden die „menschlichen“ Fußspuren im Paluxy River noch bekannter. Fotos derselben losen Steine mit den unnatürlich aussehenden Fußabdrücken tauchten in dem kreationistischen Buch The Genesis Flood von John Whitcomb und Henry M. Morris auf.Morris, Henry M., und John C. Whitcomb, 1961, The Genesis Flood, Baker Book House: Grand Rapids, MI, S. 173–175. Auch sie nahmen an, dass diese Felsplatten Fußabdrücke von „Riesenmenschen“ enthielten. Einige Jahre später besuchte A. E. Wilder-Smith auf Burdicks Einladung den Paluxy River. 1965 veröffentlichte er sein Buch Mans Origin, Man's Destiny, in dem auch er von eindeutig menschlichen Fußspuren berichtete.A. Ernest Wilder-Smith: Herkunft und Zukunft des Menschen. Ein kritischer Überblick über die dem Darwinismus und Christentum zugrunde liehenden naturwissenschaftlichen und geistlichen Prinzipien (= Telos-Taschenbuch, Band 106), Evangelischer Schriftenverlag Schwengeler, 2. Auflage Heerbrugg 1975, ISBN 37751-0070-9, S. 119–123
Kurz nach Veröffentlichung des Buches wurde Stanley Taylor – ein baptistischer Pfarrer und Besitzer einer apologetischen Filmfirma – auf die Fußspuren aufmerksam. Er plante einen Film über die Paluxy-River-Fußspuren zu drehen, woraufhin er mehrere Expeditionen zwischen 1968 und 1972 startete. Er fand mehrere längliche Fußabdrücke, die er als von Menschen stammend interpretierte und 1972 in dem Film Footprints in Stones vorstellte.Taylor, Stanley E., 1972, Footprints in Stone (film), Films for Christ Association (Eden Films) Taylor befürwortete die Existenz von menschlichen Fußspuren und deutete an, dass bei manchen sogar menschliche Zehen zu sehen seien. Der Film konzentrierte sich auf den Bereich des Paluxy Rivers, der heute als Taylor Site bekannt ist und wurde viele Jahre lang in US-amerikanischen Kirchen und Schulen gezeigt.
Ironischerweise kam eine kreationistische Arbeitsgruppe (unter ihnen Berney Neufeld) zu dieser Zeit zu einem ganz anderen Ergebnis. Sie äußerten die Vermutung, dass die Spuren von zweibeinigen Dinosauriern stammen, da sich bei vielen der länglichen Spuren das Vorhandensein von Zehen andeutete. Die angeblichen Menschenspuren im State Park Ledge seien letztlich gar keine Fußabdrücke, sondern erodiertes Gestein. Dieses Gestein wies unterschiedliche Muster auf, die mit Wasser und Öl hervorgehoben wurden, um so den Eindruck von Fußabdrücken zu verstärken. Andere Kreationisten waren ebenfalls skeptisch. Ungeachtet der Beweislage wurden die Paluxy-River-Fußspuren weiterhin als Beleg gegen die Evolutionstheorie verwendet. Die Bible-Science Association und das Institute for Creation Research befürworteten die „menschlichen“ Fußabdrücke in Büchern, Artikeln und Radiobeiträgen. In den 1980er-Jahren war dann auch die Mehrheit der Kreationisten überzeugt worden, dass es keine Menschenspuren sind (siehe unten).
Fossilien im Paluxy River und der Umgebung mini|Saurierspuren im Bachbett des Paluxy River