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mini|Goldschmiedehaus Hanau mini|Hanau um 1400 mini|Hanau um 1550 mini|Hanau 1932 Hanau () ist eine kreisfreie Stadt mit Einwohnern () im hessischen Regierungsbezirk Darmstadt. Hanau ist hinsichtlich der Bevölkerungszahl die sechstgrößte Stadt und kleinste kreisfreie Stadt Hessens. Zudem ist sie eines der zehn hessischen Oberzentren. Die Stadt liegt im Osten des Rhein-Main-Gebietes an der Mündung der Kinzig in den Main und gehört zum Ballungsraum Frankfurt, der sich im Regionalverband FrankfurtRheinMain organisiert hat. Hanau trägt seit dem 20. März 2006 die amtliche Zusatzbezeichnung Brüder-Grimm-Stadt, da diese in der Stadt geboren wurden und ihre ersten Jahre hier verbrachten.
Die ehemalige Residenzstadt der Herren und Grafen von Hanau wurde durch Luftangriffe 1944/1945 vollständig zerstört. Nach ihrem Wiederaufbau in stark veränderter Form ist die Stadt Hanau wieder wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Region Main-Kinzig und ein bedeutender Verkehrs-, Industrie- und Technologiestandort. Die äußeren Stadtteile weisen Fachwerkaltstädte wie Steinheim und Kesselstadt sowie Schlösser wie Philippsruhe auf.
Geographie Geographische Lage Hanau liegt in der Untermainebene und hier in einer Senke zwischen Wetterau und Vorspessart am nördlichen Rand des Oberrheinischen Tieflands. Es wird von einem ausgedehnten Waldgürtel, der Bulau, umschlossen. Die Stadt bildet den Schnittpunkt bedeutender Verkehrswege am Eingang zum Kinzigtal.
Nachbargemeinden Hanau grenzt an zehn Städte bzw. Gemeinden: im Norden: Gemeinde Schöneck, Stadt Bruchköbel (beide Main-Kinzig-Kreis) im Nordosten: Gemeinde Rodenbach, Stadt Erlensee (beide Main-Kinzig-Kreis) im Südosten: Gemeinde Kahl am Main (im bayerischen Landkreis Aschaffenburg) im Süden: Gemeinden Großkrotzenburg (Main-Kinzig-Kreis) und Hainburg, Stadt Obertshausen (letztere beiden im Landkreis Offenbach) im Westen: Stadt Mühlheim am Main (Landkreis Offenbach) und Maintal (Main-Kinzig-Kreis)
Stadtgliederung Hanau ist in zehn Stadtteile aufgeteilt. Die Stadtteile sind wiederum in Stadtbezirke aufgegliedert. Die Stadtteile sind: Nr. Stadtteil Stadt-bezirke Fläche(km²) Einwohner(Hauptwohnsitz)am 31.03.20261 Innenstadt 9 1,54 13.5762 Kesselstadt 8 3,26 11.5673 Nordwest 10 5,16 11.4974 Lamboy 9 6,60 13.1515 Südost 9 4,26 10.2206 Mittelbuchen 5 9,42 4.1817 Steinheim 8 8,28 12.9618 Klein-Auheim 6 8,71 7.9309 Großauheim 9 9,15 13.48610 Wolfgang 5 19,18 8.631 Stadt gesamt 78 75,57 107.200
Geschichte
Name Die älteste erhaltene Erwähnung von Hanau, als hagenouwa, stammt vom 20. März 1143,Hanauer Geschichtsverein 1844 (Hrsg.): 675 Jahre Altstadt Hanau – Festschrift zum Stadtjubiläum und Katalog zur Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Hanau am Main, 2. September bis 1. Oktober 1978. Hanau 1978, S. 117, Kat.-Nr. 1 u. Abb. 74. was sich später in Hagenowa (1151) oder Hagenowe (1234, 1238, 1240) ändert. Die Toponomastik geht heute von einer Zusammensetzung aus den germanischen Wörtern Hagen und Aue aus. Der Name bedeutet also sinngemäß so viel wie „eingezäunte bzw. befestigte Siedlung in einer Flusslandschaft“.
Territoriale Zugehörigkeit der Stadt Hanau 13. Jh.–1429: Herrschaft Hanau 1429–1458: Grafschaft Hanau 1458–1642: Grafschaft Hanau-Münzenberg 1642–1685: Grafschaft Hanau 1685–1712: Grafschaft Hanau-Münzenberg 1712–1736: Grafschaft Hanau 1736–1760: Landgrafschaft Hessen-Kassel 1760–1785: Grafschaft Hanau (als Sekundogenitur der Landgrafschaft Hessen-Kassel) 1785–1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel 1806–1810: Departement unter französischer Militärverwaltung 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt 1813–1866: Kurfürstentum Hessen 1868–1944: preuß. Provinz Hessen-Nassau 1944–1945: preuß. Provinz Nassau seit 1945: Land Hessen
Altstadt mini|Gründung der Neustadt in Hanau 1597 mini|Stadt und Festung Hanau, 1684 mini|Karte Hanau von 1728. mini|Das Hanauer Stadtschloss vor dem Abbruch. Ansicht der mittelalterlichen Teile des Schlosses von Nordwesten. Lithographie C.W. Woerishoffer, um 1828 mini|Wallonisch-Niederländische Doppelkirche
Die Wasserburg Hanau wurde erstmals 1143 erwähnt. Um die Burg herum entwickelte sich in der Folgezeit eine Siedlung. Am 2. Februar 1303 verlieh König Albrecht I. der Siedlung Hanau das Markt- und Stadtrecht. Damit war das Recht verbunden, Märkte abzuhalten und einen Rat mit zwei Bürgermeistern an der Spitze zu wählen, sowie die Freiheit von Leibeigenschaft („Stadtluft macht frei“). In dieser Zeit wurde mit dem Bau der ersten Stadtmauer begonnen.
Im 15. Jahrhundert war die Stadtbevölkerung gewachsen und die Stadt wurde wesentlich erweitert. Es entstand eine Vorstadt im Westen, außerhalb des ersten Mauerrings. 1470 erhielt diese Vorstadt eine eigene Umwehrung. Unter Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg wurde 1528 eine Stadtbefestigung nach dem technischen Standard der Renaissance begonnen, welche die beiden im Mittelalter entstandenen Mauersysteme umschloss.
Neustadt Am 1. Juni 1597 schloss Philipp Ludwig II. einen Vertrag mit reformierten Glaubensflüchtlingen aus den Spanischen Niederlanden,Wallonisch-Niederländische Kirche Hanau: Gemeinde Selbstverständnis. Abgerufen am 13. Januar 2024. die Kapitulation der Neustadt Hanau, die ihnen gestattete, sich in Hanau niederzulassen. Die Neustadt existierte rechtlich als eigene Stadt, unabhängig von der bereits bestehenden mittelalterlichen Siedlung Hanau. Neben der räumlichen Trennung durch die Befestigung zwischen Alt- und Neustadt besaßen beide Städte getrennte Verwaltungen mit jeweils eigenen Bürgermeistern. Dies wurde erst in der Verwaltungsreform Kurhessens 1821 beseitigt.
Die führenden Männer der Emigranten waren reiche Kaufleute und spezialisierte Handwerker, wie Tuchmacher, Posamentierer (Hersteller von Borten, Bändern, Schärpen und Quasten), Leinen- und Zeugweber, Hosen- und Strumpfstricker, Hutmacher, Gold- und Silberschmiede. Mit den Flüchtlingen kam viel Kapital und Know-how in der Fertigung von Luxusgütern in die Stadt. Dies war eine der Grundlagen für den späteren Aufschwung Hanaus als Industriestandort im 19. Jahrhundert.
Die Emigranten waren zuvor in der Reichsstadt Frankfurt nicht besonders freundlich aufgenommen worden. Um ihren Glauben praktizieren zu können, waren sie für die Gottesdienste schon von dem lutherisch dominierten Frankfurt in das hanauische Dorf Bockenheim ausgewichen. Sie hatten daher ein Interesse, den Hoheitsbereich von Frankfurt zu verlassen und sich in ein calvinistisches Gebiet zu begeben, ohne sich dabei zu weit vom Frankfurter Messeplatz zu entfernen. Der Hanauer Graf war außerdem bei weitem nicht so mächtig wie die reiche Stadt Frankfurt, und deshalb bereit, wirtschaftliche und politische Zugeständnisse zu machen. Er stellte das Baugelände für die Hanauer Neustadt (gegen den Widerstand des Erzbischofs von Mainz, der die Fläche als ihm zustehenden Wildbann betrachtete), bezahlte die Infrastruktur (insbesondere die Befestigungsanlage), und gewährte Steuervorteile und politisches Selbstbestimmungsrecht für die neue Stadtgemeinde. So hatte die Neustadt Hanau seit 1605 z. B. eine eigene Bürgermiliz.
Die Befestigungsanlage der Neustadt lehnte sich im Norden an die der Altstadt an. Sie bewährte sich in den Jahren des Dreißigjährigen Kriegs. Die planmäßige Anlage der Stadt legte ein schachbrettartiges Straßennetz fest, das die Hanauer Neustadt noch heute prägt und ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz ist.Carolin Krumm: Stadt Hanau = Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen. Theiss, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8062-2054-9, S. 122. Schon im Jahr des Abschlusses der Kapitulation wurden die ersten Häuser errichtet. Die Inschrift des ersten Hauses, „Zum Paradies“, in der Paradiesgasse, hat sich bis heute erhalten. Einen gewissen baulichen Abschluss erreichte die Neustadt 1608, als die Wallonische Kirche eingeweiht wurde.Karl Wolf: Niederländischer Einfluss auf Nassau um 1600. In: Nassauische Annalen 58 (1938). S. 87–109. Hier S. 102–104.
Philipp Ludwig II. erlaubte auch Juden den Zuzug nach Hanau. Ab 1604 gab es hier wieder eine jüdische Gemeinde. Sie erhielt Gelände zwischen den Befestigungen von Alt- und Neustadt, wo die Judengasse entstand, heute die Nordstraße.
Um ihre Söhne nicht mehr nach Paris zur Ausbildung schicken zu müssen, initiierten Hanauer Gold- und Silberschmiede die Academie der Zeichenkunst, die von Wilhelm I. (Hessen-Kassel) 1772 gegründet wurde. Die Nachkommen der Französisch-reformierten Glaubensflüchtlinge haben sich in Hanau über die Zeit assimiliert.
17. und 18. Jahrhundert Im Dreißigjährigen Krieg wurde Hanau 1631 von den Schweden eingenommen, 1636 von kaiserlichen Truppen belagert, aber am 13. Juni 1636 von Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel befreit, weswegen der Tag heute noch von den Einwohnern mit dem Lamboyfest gefeiert wird.
Am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783 beteiligte sich die Grafschaft Hessen-Hanau mit 2422 Soldaten in vier Hanauer Armeeeinheiten auf britischer Seite.
Befreiungskriege mini|Vernet: Schlacht von Hanau 1813
In den Befreiungskriegen zogen die französischen Truppen nach der Schlacht bei Hanau nach Frankfurt ab. Daraufhin nahmen die Alliierten am 31. Oktober 1813 Hanau ein.Johann Sporschil: Geschichte des Krieges des verbündeten Europas gegen Napoleon Bonaparte in den Jahren 1813, 1814 und 1815. Band 1: Der Feldzug von 1813. Teilband 3. Westermann, Braunschweig 1841, S. 1021–1033.
Revolution von 1848 1848/49 war Hanau ein Zentrum der demokratischen Bewegung in Deutschland. 1830 und 1848 gingen von hier wichtige revolutionäre Impulse aus. Zur zwangsweisen Durchsetzung der Konterrevolution in Kurhessen wurde Hanau am 1. November 1850 von Bundesinterventionstruppen aus Bayern und Österreich besetzt; diese sogenannten Strafbayern wurden nach einem halben Jahr im Sommer 1851 wieder abgezogen.
Preußische Zeit Nach der Annexion Kurhessens im Jahr 1866 gehörte Hanau zu Preußen und wurde 1886 Stadtkreis (kreisfreie Stadt) im Regierungsbezirk Kassel der Provinz Hessen-Nassau.Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 (Gesetzsammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, Nr. 25/1885, S. 234) 1910 wurden in Hanau-Lamboy Kasernen in Betrieb genommen, die preußische Eisenbahnregimenter beherbergten. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs befand sich hier das Auflösungskommando der Militäreisenbahndirektion 2, bevor diese im August 1919 nach Berlin verlegt wurde.Preußische und Hessische Eisenbahndirektion in Mainz (Hg.): Amtsblatt der Preußischen und Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 16. August 1919, Nr. 41. Nachrichten, S. 277.
Zeit des Nationalsozialismus mini|Hanau-Altstädter Markt mit Blick Richtung Norden, rechts das Goldschmiedehaus, (ca. 1940)
1933 beendeten die Nationalsozialisten bald nach ihrer Machtergreifung die demokratische Stadtverwaltung. Nach Inkrafttreten der „Nürnberger Gesetze“ wurden die bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs verbliebenen Juden deportiert und ermordet. Bei guten Verbindungen in die Berliner Partei- und Führungsspitze dieser Zeit wurde am 18. Oktober 1942 das Deutsche Goldschmiedehaus im Gebäude des alten Rathauses begründet. Die Herkunft der auf den Anfang des 17. Jahrhunderts zurückreichenden Tradition des Goldschmiede-Handwerks wurde nun verschwiegen.