Kozy (heute ungebräuchlich: Seiffersdorf, Seibersdorf, Kosy; wilmesaurisch, von der alten deutschen Bezeichnung abgeleitet: Zajwyśdiüf) liegt im Powiat Bielski, Woiwodschaft Schlesien, und ist mit 12.000 Einwohnern die größte Landgemeinde Polens.

Geografie Geografische Lage Kozy liegt am Nordrand der Kleinen Beskiden (Beskid Mały) am Fuße des Berges Hrobacza Łąka (828 m), 5 Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Bielsko-Biała, und ist damit ein Vorort derselben.

Gemeindegliederung Die Landgemeinde (Gmina) Kozy besteht aus dem Ort Kozy, der nicht in Ortsteile gegliedert ist.

Geschichte mini|links|Blick vom Hang des Bergs Hrobacza Łąka auf Kozy, 2008 mini|Katholische Pfarrkirche, 2009 mini|Landgut der Familie Czecz de Lindenwald aus dem 18. Jahrhundert; heute kommunales Kulturzentrum mini|Erntedankfest 2015 – Die Bauerntrachten aus Kozy Laut einer Legende geht der Ort auf zwei Dörfer zurück: Kozy Górne und Kozy Dolne, also Ober- und Nieder-Kozy, die jeweils einen eigenen Schultheiß hatten, aber eine gemeinsame, 1326 erstmals erwähnte Parochie bildeten. In diesem Jahr wurde der Ort lateinisch als Duabuscapris seu Siffridivilla wiedergegeben, was übersetzt Auf-zwei-Geißen oder Siffrids Dorf bedeutet. Diese Erwähnung enthielt also bereits den deutschen (siehe Bielitz-Bialaer Sprachinsel) und den polnischen Ortsnamen (Kozy bedeutet auf Polnisch: Geißen, Ziegen). Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war eine Holzkirche errichtet worden.

Das Dorf gehörte historisch zum Herzogtum Auschwitz, das wiederum seit 1327 der böhmischen Krone angehörte und 1457 an Polen fiel. Die Grundherren wechselten über die Jahrhunderte. Jakub Gierałtowski schließlich, führte im Jahre 1559 in der katholischen Ortskirche den Calvinismus ein. 1658 wurde die Kirche wieder dem römisch-katholischen Glauben zugeführt. Im 18. Jahrhundert fiel Seiffersdorf an die reiche Krakauer Familie Jordan. Seiffersdorf lag zwar im Königreich Polen, die Bevölkerung war aber größtenteils deutschsprachig und reformiert und wurde dementsprechend von der Gegenreformation unterdrückt. Unter dem Gutsherrn Jordan musste die Bevölkerung zudem harte Fronarbeit leisten. Deshalb siedelten mehr als 300 Seiffersdorfer am 25. Mai 1770 über die nahe Weichselgrenze in die preußische Standesherrschaft Pless aus. Unterstützt wurde die Umsiedlung von König Friedrich dem Großen. Die Seiffersdorfer wurden auf dem Vorwerk Kielpow bei Imielin angesiedelt und dort die neue reformierte und deutschsprachige Kolonie Anhalt gegründet.

1772 fiel der Ort im Zuge der Ersten Polnischen Teilung an Österreich. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete er ab 1850 eine Gemeinde im Bezirk und Gerichtsbezirk Biała. 1918 wurde Kozy Teil der nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Zweiten Polnischen Republik.

Um 1899 wurde die alte Schrotholzkirche aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zugunsten eines Neubaus abgerissen. Die mit Malereien versehene Holzdecke ging in den Bestand des Nationalmuseums Krakau über. Von 1900 bis 1901 wurde die heutige Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus im neugotischen Stil errichtet.

Politik Gemeindevorsteher An der Spitze der Verwaltung steht der Gemeindevorsteher. Dies war Edward Kućka, der 2018 nicht mehr antrat und von Jacek Kaliński abgelöst wurde. Bei der turnusmäßigen Wahl im April 2024 blieb Amtsinhaber Jacek Kaliński ohne Gegenkandidaten und wurde mit 86,4 % der Stimmen wiedergewählt.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 29. Juli 2024.

Bei der turnusmäßigen Wahl im Oktober 2018 gab es folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 29. Juli 2024. Jacek Kaliński (Wahlkomitee „Gemeinsam für die Gemeinde Kozy“) 44,6 % der Stimmen Krzysztof Fiałkowski (Wahlkomitee „Zeit für positive Veränderungen“) 40,1 % der Stimmen Piotr Wojtusiak (Wahlkomitee „Fortschritt und Gemeinschaft für die Bewohner“) 15,3 % der Stimmen

In der damit notwendigen Stichwahl setzte sich Kaliński mit 64,9 % der Stimmen gegen Fiałkowski durch und wurde zum neuen Gemeindevorsteher gewählt.

Gemeinderat Der Gemeinderat von Kozy besteht aus 15 Mitgliedern, die in Einpersonenwahlkreisen gewählt werden. Die Wahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 29. Juli 2024. Wahlkomitee „Gemeinsam für die Gemeinde Kozy“ 100,0 % der Stimmen, 15 Sitze

Die Wahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 29. Juli 2024. Wahlkomitee „Gemeinsam für die Gemeinde Kozy“ 41,3 % der Stimmen, 10 Sitze Wahlkomitee „Zeit für positive Veränderungen“ 27,6 % der Stimmen, 4 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 21,1 % der Stimmen, 1 Sitz Wahlkomitee „Fortschritt und Gemeinschaft für die Bewohner“ 10,0 % der Stimmen, kein Sitz

Partnerschaften Die Gemeinde Kozy unterhält Partnerschaften mit

Hričowske Podhradie, Slowakei Mošovce, Slowakei Jásztelek, Ungarn Kenderes, Ungarn

Wappen Über silbernem Dreiberg auf rotem Grund zwei einander zugewandte silberne Geißenköpfe mit goldenen Hörnern.

Die Gemeinde Kozy führt dieses Wappen seit 2004.

Die Farben Silber, Rot und Gold gehen auf die Woiwodschaft Krakau zurück, der das Dorf von 1564 bis 1772 angehörte. Die zwei Ziegenböcke gehen auf den historischen Namen Duabuscapris, Dwie Kosy, also „zwei Böcke“ zurück. Der Dreiberg steht für das Massiv Magura Wilkowska.

Sehenswürdigkeiten Neugotische Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus, erbaut 1900/1901 Pałac Czeczów, Kulturhaus in der Ortsmitte, vormals Landgut der Familie Czecz de Lindenwald; um 1800 im klassizistischen Stil umgebaut.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch Kozy verläuft die Staatsstraße DK 52, die Bielsko-Biała mit dem Nordosten (Krakau) verbindet.

Bildung Die in Kozy bestehenden zwei Grundschulen wurden 1993 um Anbauten eines Liceum Ogólnokształcące und 1999 eines gimnazjums (Mittelschule) ergänzt. Ferner ist im Ort ein Kulturhaus tätig. Seit 1998 verfügt Kozy über eine Sporthalle und 2001 ein Schwimmbad.

Söhne und Töchter Edward Budny (* 1937), Skilangläufer Henning Ritter (1943–2013), deutscher Journalist und Autor

Weblinks

Website der Gemeinde

Fußnoten Vgl. abger. am 9. November 2009 Vgl. abger. am 9. November 2009 Vgl. Tomasz Wicherkiewicz: The making of a language: the case of the idiom of Wilamowice, southern Poland. 2003 Vgl. Walter Kuhn: Geschichte der deutschen Sprachinsel Bielitz. 1998. Zitiert auf historia.beskidia.pl abger. am 9. November 2009 Vgl. Gustav Adolf Benrath: Quellenbuch zur Geschichte der evangelischen Kirche in Schlesien. Oldenbourg-Verlag, 1992. S. 257 f. Vgl. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845 Vgl. abger. am 10. November 2009

Kategorie:Gmina Kozy Kategorie:Ort der Woiwodschaft Schlesien Kategorie:Bielitz-Bialaer Sprachinsel