mini|Erkrath. Links im Bild die Neandertalbrücke (2016) mini|Das Niederbergische Land im Erkrather Norden (2007) mini|Die Düssel bei Hochwasser (2007) Erkrath ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im nordrhein-westfälischen Kreis Mettmann. Sie liegt direkt östlich der Landeshauptstadt Düsseldorf und befindet sich im Übergangsbereich zwischen Niederrheinischem Tiefland und Niederbergischem Land, den Bergischen Heideterrassen.
Im Neandertal zwischen Erkrath und der Nachbarstadt Mettmann wurden 1856 fossile Überreste des Homo neanderthalensis gefunden, weshalb die Stadt den Beinamen Fundort des Neandertalers trägt.
Geografie Von der Rheinebene aus betrachtet hat die Stadt bereits hügeligen Charakter, der von geschwungenen, überwiegend landwirtschaftlich genutzten Hängen gekennzeichnet ist, die in Richtung Osten immer weiter an Höhe gewinnen. Durch Erkrath fließt die Düssel, die hier noch zumeist in einem naturbelassenen Bett fließt, während sie im benachbarten Düsseldorf nur noch eng kanalisiert und teilweise verrohrt zweiarmig durch die Stadt in den Rhein fließt. Zur Stadt Erkrath gehören auch die Fundstelle des Neandertalers und der größte Teil des eiszeitlichen Wildgeheges im bekannten Naturschutzgebiet Neandertal. Die Ansiedlung war früher ein unbedeutender Ort im Herzogtum Berg und ist gekennzeichnet durch einen großen Bevölkerungsanstieg innerhalb weniger Jahrzehnte und einer heutigen, aus der kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens resultierenden Aufteilung des Stadtgebietes in drei nicht zusammenhängende Stadtteile.
Geografische Lage Erkrath liegt an den westlichen Ausläufern des Niederbergischen Hügelgebietes in der Niederrheinischen Bucht.
Während die westliche Stadtgrenze zu Düsseldorf liegt, erhebt sich der höchste Punkt der Stadt, die Willbecker Höhen, auf .
Nachbarstädte Erkrath grenzt an die Städte Hilden, Haan und Mettmann, die sich alle im Kreis Mettmann befinden, sowie im Westen an die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf. Es ist die fünftgrößte Stadt des Kreises.
Klima
Das Klima Erkraths ist, wie das Klima des gesamten Düsseldorfer Raumes, durch die reliefbedingte Öffnung in Richtung Nordsee ozeanisch geprägt. Überwiegend nördliche und westliche Windströmungen tragen feuchte Luftmassen heran. Die Folgen sind milde, schneearme Winter und mäßig warme und feuchte Sommer. Insgesamt ist die Witterung wechselhaft. Atlantische Tiefdruckgebiete sorgen häufig für eine starke Bewölkung. Mit 1364 Sonnenstunden ist die Region Düsseldorf innerhalb Deutschlands wenig sonnig.Harald Frater: Der Düsseldorf Atlas. Emons, Köln 2004, ISBN 3-89705-355-1, S. 18 f.
Der wärmste Monat ist mit 18,3 °C der Juli, am kältesten ist es mit 1,7 °C im Januar. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,0 °C. Die Niederschläge verteilen sich gleichmäßig über das ganze Jahr mit einem Maximum im Juni mit 86 und einem Minimum im Februar mit 52 Millimetern. Pro Jahr fallen durchschnittlich 823 Millimeter Niederschlag.
Stadtgliederung Erkrath ist als Stadt noch sehr jung, es erhielt erst am 15. März 1966 von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens aus der Hand des damaligen Innenministers Willi Weyer die Stadterhebungsurkunde und ist damit die jüngste Gemeinde im Kreis Mettmann mit Stadtrechten. Im Jahre 1898 wurde Erkrath aus der damaligen Landgemeinde Gerresheim ausgegliedert und somit selbstständig.
Die alte Ortschaft Erkrath war oftmals von Korrekturen der Stadtgrenzen betroffen. So wurden bei der Einrichtung der ersten eigenen Landbürgermeisterei 1898, der Gebietsreform der Rheinprovinz 1929 und der kommunalen Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen 1975 diverse Honnschaften oder Stadtteile ein- beziehungsweise ausgegliedert. Am 1. Januar 1975 wurde im Rahmen des vom NRW-Landtag beschlossenen Düsseldorf-Gesetzes die Gemeinde Hochdahl eingegliedert und der frühere Ortsteil Unterbach mitsamt dem Naherholungsgebiet Unterbacher See in die Stadt Düsseldorf eingemeindet.Pressestimmen 2004. In: unterbach.com, abgerufen am 18. April 2019. Das Gesetz beinhaltete auch eine Begradigung der Stadtgrenze zu den Nachbarstädten Hilden und Haan entlang der Autobahn 46, wodurch einige kleine Flächen an Erkrath fielen, die schon zuvor nur von dort erreichbar waren.Falk Stadtplan Düsseldorf 1971Falk Stadtplan Düsseldorf 1975
Die heutige Stadt Erkrath hat keine offizielle Unterteilung in Stadtbezirke. Üblicherweise wird sie in drei Stadtteile unterteilt:. Alt-Erkrath (oder kurz „Erkrath“) Hochdahl Unterfeldhaus Der alte Siedlungskern der Stadt Erkrath wird inoffiziell häufig als Alt-Erkrath bezeichnet, um diesen Stadtteil heute von der Gesamtstadt zu unterscheiden. Daneben werden auch die Namen der Ortsteile Hochdahls (Trills, Millrath, Willbeck, Kempen und Sandheide) sowohl in amtlichen Bezeichnungen als auch in der Umgangssprache, bei Presse und Beschilderung für die entsprechenden Teile der Stadt benutzt.
Geschichte mini|Erkrath 1870 mini|Erkrath 2006 Durch Erkrath fließt die Düssel, die bereits um 1050 als Tussella (die Rauschende, Brausende, Tosende) bezeichnet wird.Klockenhoff: Rund um das Neandertal. Verlag Hermann Michael. Sehenswert sind die Güter und ehemaligen Wasserburgen Haus Morp (erwähnt 1144) und Haus Brück (erstmalige Erwähnung 1258).Horst-Ulrich Osmann: Erkrath und das Haus Brück 1598. In: Niederbergische Geschichte. Band 8. Hrsg.: Bergischer Geschichtsverein, Abt. Erkrath e. V., 2017, , S. 21 ff. – Es existiert anlässlich eines Erbprozesses um Haus Brück eine ins Niederdeutsche übersetzte, ursprünglich lateinische Urkunde aus dem Jahr 1258, aus der hervorgeht, dass möglicherweise damals bereits die Grafen von Berg als Eigentümer des Ritterguts dieses nach Bedarf an einen Ministerialen vergeben konnten. Lange Zeit wurde fälschlicherweise angenommen, dass aus der Zeit vor dem Jahr 1640 keine Nachweise über die Existenz dieses Guts vorliegen würden.Fritz und Joseph Hünermann: Erkrath und seine Umgebung. Düsseldorfer Tageblatt, 1907, S. 23 – Hier wird, wie bei einigen anderen Publikationen auch, die Vermutung geäußert, dass im Dreißigjährigen Krieg sämtliche Urkunden vernichtet wurden, so dass erst ab 1640 wieder Aufzeichnungen vorliegen. Erwähnenswert ist zudem das Heiligenhäuschen am Römerweg, eine kleine Kapelle unbekannten Alters, die vermutlich im späten 15. Jahrhundert entstanden ist. Auch die Dammermühle, direkt an der Stadtgrenze zu Düsseldorf gelegen, ist mit der Ersterwähnung 1324 sehr alt.Stadt Erkrath (Hrsg.): Erkrath. 1986, S. 57.
In Erkrath selbst leben heute etwa 13.000 der insgesamt rund 44.000 Einwohner der Stadt.
Etymologie Die Herkunft des Namens Erkrath (mundartlich Erkrot) ist nicht eindeutig zu bestimmen. Sicher ist, dass die im Rheinland häufig vorkommende Endung -rath oder -rot/-rode auf eine Rodung, vermutlich auf die jüngere Rodeperiode der Jahre 800–1200, hinweist. Die Erstsilbe bezieht sich oft auf den Namen eines Erstsiedlers, vermutlich eines Everek (Erik).Osmann, Horst-Ulrich: Erkrath und das Haus Brück 1598. In: Niederbergische Geschichte. Band 8. Hrsg. von Bergischer Geschichtsverein, Abt. Erkrath e. V., 2017, , S. 31. So wird der Name des ebenfalls im Kreis Mettmann befindlichen Wülfrath auf einen Siedler namens Wolf und das innerhalb Erkraths liegende Millrath als Siedlung eines Milo angesehen. Eine oft behauptete Vermutung, die erste Silbe Millraths sei von einer – nicht nachgewiesenen – Existenz einer Mühle hergeleitet, gilt heute als überholt.Wangerin: Von Milroyde zur neuen Stadt Hochdahl. 2004, S. 7. Es gab auch Erklärungsversuche, dass die germanische Göttin Erka oder eine angebliche Edelfrau namens Erga aus dem Stamme der Angoroden, die das Land an der Düssel angeblich als erste urbar machte,Johann Heinrich Bongard: Wanderung zur Neandershöhle – Eine topographische Skizze der Gegend von Erkrath an der Düssel. Arnz & Comp., Düsseldorf 1835 (als Faksimile erhältlich unter ISBN 3-922055-19-2), S. 6. für den Namen stehen könnten, dies ist jedoch nicht historisch belegbar.
Früh- und Vorgeschichte Belege für eine Besiedelung gibt es in dieser Region schon seit mehreren hunderttausend Jahren. Erste Spuren hinterließ der Neandertaler (Homo neanderthalensis). Fossile Überreste von ihm wurden unweit des Ortes in dem alten Gesteins, dem heutigen Neandertal, entdeckt.Schmitz/Thissen: Neandertal – Die Geschichte geht weiter. Spektrum Akademischer Verlag, 2002, ISBN 3-8274-1345-1, S. 31 ff. Auch die nachfolgenden „modernen“ Cro-Magnon-Menschen (Homo sapiens) lassen sich nachweisen, da von ihnen Steingeräte an selbiger Stelle aufgefunden wurden.Schmitz/Thissen: Neandertal – Die Geschichte geht weiter. Spektrum Akademischer Verlag, 2002, ISBN 3-8274-1345-1, S. 260 ff. Diese Frühmenschen fanden ein ausreichendes Nahrungsangebot in dieser Region vor. Neben vielen urzeitlichen Tieren wie dem Höhlenbären, dem Ur, dem Rhinozeros, der Hyäne und dem Wildpferd lebten hier auch Mammuts. Zuletzt wurde 1959 ein Mammutstoßzahn in einem Steinbruch im Neandertal gefunden.Klockenhoff: Rund um das Neandertal. Verlag Hermann Michael, S. 26. Römische Münzen fanden sich sowohl in Erkrath als auch in Hochdahl.Wangerin: Von Milroyde zur neuen Stadt Hochdahl. 2004, S. 21 – Eine Anzahl römischer Münzen verschiedener Jahrhunderte wurde 1935/1936 beim Bau der Autobahn 3 in der Nähe des Pimpelsbergs gefunden. Die Strata Coloniensis, eine wichtige Heer- und Handelsstraße, führte von Köln kommend über Hilden nach Mettmann und Werden quer durch Hochdahl.Klockenhoff: Rund um das Neandertal. Verlag Hermann Michael, 1967, S. 35 (Zitiert aus: F. Körholz – Bergische Heimat. 5/1931, S. 116). Auch der historische Fernhandelsweg Mauspfad, der von Genua über den Kleinen St. Bernhard, Basel, Mainz, Siegburg, (und dann vermutlich über Hilden, Knittkuhl, Ratingen, Duisburg) bis nach Holland oberhalb der von Überschwemmungen bedrohten Flusslandschaften des Rheins verlief, wird in dieser Gegend vermutet, da eine alte Wegbezeichnung Mauspfad existiert.
Mittelalter mini|Haus Morp (2006) Der Name Erkrath, in alten Schriften auch „Elekeroide“, „Elkeriode“ oder „Erkerode“ genannt, wird erstmals 1148 in zwei Urkunden des Stiftes Werden genannt. Bernherus (Bernhardus) de Everkrothe, ein liberos scabinos (Freischöffe), und Siegebertus de Everekrothe sind dort erwähnt.Festschrift 25 Jahre Ercoder Jonges. 2007, S. 14 ff. Beide Genannten entstammten dem Stand der Freien, hatten offenbar außerhalb Erkraths Grundbesitz und verfügten über ein Schöffenamt am Grafschaftsgericht Kreuzberg, was darauf schließen lässt, dass sie einen gehobenen gesellschaftlichen und sozialen Status hatten, der möglicherweise dem Adel zuzurechnen ist.Horst-Ulrich Osmann: Erkrath und das Haus Brück 1598 (= Niederbergische Geschichte. Band 8). Hrsg.: Bergischer Geschichtsverein, Abt. Erkrath e. V., 2017, , S. 31–32. In einer weiteren Urkunde von 1176 verkaufte der Erzbischof Philipp I. von Köln dem Grafen Engelbert I. von Berg zwei Höfe im Bereich von „Helechen“ und der vermutlich Erkrath betraf.A. J. Binterim, J. H. Mooren in: Die Erzdiöcese Cöln bis zur französischen Staatumwälzung. III. Die rheinfränkischen Decanate. 1892, S. 279.
Ein Daniel de Erkerode wurde in den Jahren 1189, 1211, 1218 und 1237 erwähnt. Im Jahre 1218 fand er sich als Miles (Ritter) beurkundet, der als Ritter im Gefolge des Grafen Adolf III. von Berg Kreuzzugsteilnehmer war und der Legende nach seinem sterbenden Herrn vor Damiette in Ägypten in letzter Stunde beigestanden hat. 1237 bestätigte Erzbischof Heinrich I. von Köln, dass der Ritter Daniel von Erkrath sein Haus Walendorf dem Herzog Heinrich IV. von Limburg, der auch Graf von Berg war, zu Lehn übertragen hatte. Als Gegenleistung erhielt er vom Herzog ein Allod im Wert von 30 Mark.Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunde Nr. 218. Band 2, 1846, S. 113, .