mini|hochkant|Johann Samuel von Gruner, Federskizze von Klara Reinhart, um 1800. mini|Carte du gouvernement d’Aigle, 1788. Johann Samuel vonBerns Patriziat hatte sich 1783 selber das Adelsprädikat verliehen. Während der Helvetik machte Gruner davon keinen Gebrauch. Gruner oder GrounerGruner selber verwendete die französische Namensform. (* 27. Februar 1766 in Murten; † 31. Januar 1824 bei Traubing) war ein Schweizer Geologe patrizischer Herkunft, der im Alten Bern Bergwerke leitete und in der Helvetischen Republik die Ämter eines Nationalbuchdruckers sowie des Oberberghauptmanns bekleidete. Nach Auflösung des revolutionären Einheitsstaats durch Bonaparte emigrierte er nach Bayern, wo er als Wissensvermittler auf den Gebieten der Kartografie und der Landwirtschaft wirkte. Als Hauptmann der bayerischen Armee begründete er die Militärgeologie.

Jugend Gruner entstammte einer nicht regierenden Familie des Berner Patriziats. Er war das jüngste von sechs Kindern des Kaufmanns Niklaus Gruner (1725–1771) und der Pfarrerstochter Rosina geborenen Sybold (ca. 1734–1785).Mit dem Verfasser der Eisgebirge des Schweizerlandes (1760), Gottlieb Sigmund Gruner (1717–1779), wie auch mit den späteren Geologen dieses Namens ist Gruner nur ganz weitläufig verwandt. Hermann Häusler, Ewald Kohler: Der Schweizer Geologe, Oberberghauptmann und Major Johann Samuel Gruner (1766–1824) – Begründer der Militärgeologie. In: Minaria Helvetica. 23a/2003 (), S. 47–102, hier: Abb. 1. Nach dem frühen Tod des Vaters erhielt er Emanuel Friedrich Fischer (1732–1811) zum Vormund, der als Hauptinitiant der Typographischen Gesellschaft Bern gilt und als Mitglied des Kleinen Rates der Salzdirektion angehörte.Fischer präsidierte die Salzdirektion 1786–1789. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bern machte Gruner 1784/85 ein Praktikum im Salzbergwerk von Bex (heute Kanton Waadt). Dort fand er in Berghauptmann Franz Samuel Wild (1743–1802) einen zweiten Vater. Für Wilds Essai sur la montagne salifère du gouvernement d’Aigle reduzierte er die Carte du gouvernement d’Aigle von Isaac-Gamaliel de Rovéréa (siehe Abbildung).

Schüler Abraham Gottlob Werners mini|hochkant|Abraham Gottlob Werner. Mit 18 Jahren zeugte der angehende mit der gleichaltrigen Berner Schifferstochter Maria Magdalena Gryph das uneheliche Kind Magdalena Maria Anna, genannt Marie (* 1785).Staatsarchiv Bern, B XIII 532, Taufrodel XVI (1780–1794), pag. 121. Zur weiteren Ausbildung gewährte ihm der Staat Bern drei Jahresstipendien. 1786 hielt er sich in Göttingen und Leipzig auf. 1787 schrieb er sich beim Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749–1817) an der Bergakademie Freiberg (Sachsen) ein, wo er wohl bis 1789 studierte. Zu seinen Kommilitonen zählten James Watt jun. und Alexander von Humboldt. Von Werner wurde er genannt.Abraham Gottlob Werner: Neue Theorie von der Entstehung der Gänge […]. Gerlachische Buchdrukkerei, Freiberg 1791, S. 253 (). Humboldt attestierte ihm ungeheures Wissen, bezeichnete ihn aber – wegen Gruners Eintreten für die Französische Revolution? – als .Ilse Jahn, Fritz G. Lange (Hrsg.): Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts, 1787–1799. Akademie-Verlag, Berlin 1973, S. 220 f. In Göttingen schloss er Rudolf Wolf: Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 2. Cyclus, Orell, Füßli & Comp., Zürich 1859, S. 274 f./Anm. 16 (Anspielung auf den späteren Prozess zwischen Gruner und Meyer?) (). mit seinem AnverwandtenMeyers Stiefmutter Marianne Renner stammte wie Gruners Grossmutter Katharina Schmalz, die erste Frau seines Grossvaters, Anna Renner, und Gruners Pate Johann Rudolf Renner aus Nidau. Johann Rudolf Meyer (1768–1825) aus Aarau, mit dem er ab 1790 korrespondierte. Insgesamt verbrachte er sechs Studienjahre in Deutschland.

Leiter der Bergwerke Trachsellauenen und Küttigen mini|Bergwerk Trachsellauenen, 1790. 1792 kehrte Gruner nach Bern zurück. Von dort zog er nach Aarau zu Meyer, wobei er wohl seine Tochter mitnahm oder nachholte.Maries Mutter lebte mit dem verheirateten Bettelvogt und Zöllner beim Marzilitor Salomon Gruner (1755–1838) zusammen, der mit Johann Samuel nicht näher verwandt war. Er wirkte an den Projekten zur Kartierung der Schweiz mit, die Meyers Vater finanzierte. Später bezeichnete er sich als .Gruner (1826), S. 189 f. Auch dürfte er den Freund beim Bau der Meyerschen Stollen beraten haben, die dessen Seidenfärberei mit Wasser versorgten. Er und Meyer legten ihre Mineraliensammlungen und Bibliotheken zusammen in der vergeblichen Hoffnung, diese gegen eine Professur für ihn an der Berner Akademie eintauschen zu können. 1793 wurde er Leiter des Bleibergwerks Trachsellauenen(Johann Konrad Escher:) Nachricht von dem Bernerischen Bergwerk bey Trachsel-Lauinen im Lauterbrunnenthal. In: Johann Conrad Fäsi (Hrsg.): Bibliothek der schweizerischen Staatskunde, Erdbeschreibung und Litteratur. 2. Jahrgang, 2. Stück, Zürich 1797, S. 117–131, hier: S. 124; derselbe: Materialien zu einer naturhistorisch-technischen Geschichte des Bergbaus bey Trachsellauinen […]. In: Alpina. 2. Band, Winterthur 1807, S. 236–324, mit Plan, hier: S. 266 ff. zu Füssen der Jungfrau, an dem Meyers Vater beteiligt war. Der Geologe und Politiker Johann Konrad Escher (1767–1823, postum Escher von der Linth), mit dem er im erwähnten Jahr eine Alpenreise unternahm, schrieb: Der persönliche Lebensbericht von Hans Conrad Escher von der Linth. Bearb. v. Gustav Solar, 2. Teil [Mollis 1998], S. 554. Als Hofmeister von Meyers Bruder Henri unternahm Gruner 1794 eine Studienreise in die Salinen Bayerns, Salzburgs und des Salzkammerguts.Gruner (1805). Dann wurde er Direktor des bernischen Eisenbergwerks Küttigen bei Aarau, für dessen Leitung er von Escher Lob erhielt.(Johann Konrad Escher:) Ueber das Bernerische Eisenbergwerk im Aarauer-Erzberge […]. ohne Ort und Jahr, unpag. ().

Nationalbuchdrucker und Oberberghauptmann 1798 beteiligte sich Gruner an der Helvetischen Revolution. In der Folge war er gemeinsam mit Heinrich GessnerSohn Salomon Gessners und Schwiegersohn Wielands. Nationalbuchdrucker der Helvetischen Republik. 1799 begleitete er im Rang eines Majors den französischen General Lecourbe auf dessen erfolgreichem Alpenfeldzug,Gruner (1826), S. 189, 227, 231; Hermann Häusler, Ewald Kohler: Der Schweizer Geologe, Oberberghauptmann und Major Johann Samuel Gruner (1766–1824) – Begründer der Militärgeologie. In: Minaria Helvetica. 23a/2003 (), S. 47–102, hier: Abb. 11. 1800 den französischen Geologen Dolomieu, nach dem die Dolomiten heissen, auf dessen letzter Reise in den Alpen.Tønnes Christian Bruun-Neergaard: Journal du dernier voyage du C[itoy]en Dolomieu dans les Alpes. Solvet, Desenne, Surosne, Paris an X – 1802, S. 103–105, 121, 124 f. (). 1799/1800 versuchten Meyer und Gruner, der im erstgenannten Jahr Mitglied der helvetischen Bergwerksdirektion wurde, den Betrieb des Bergwerks Küttigen aufrechtzuerhalten, doch traten sie dieses dann wieder dem Staat ab. 1801 betrieben sie die Gründung der Kantonsschule in Aarau, welche im Jahr darauf eröffnet wurde.Laut Feyerliche Eröffnung der Kantons-Schule in Aarau. Zum Druke befördert von der neuen literärischen Gesellschaft in Aarau. Friedrich Jakob Bek [sic], Aarau [6. Jan.] 1802 (Staatsarchiv Aargau, Fu 50: 1), S. 33, war es Gruner, . Leiter der Schule wurde der erste Redaktionssekretär der helvetischen Regierung, Georg Franz Hofmann. Während der Konterrevolution von 1802 (Stecklikrieg) flüchtete Gruner mit Heinrich Zschokke ins nahe Ausland.Heinrich Zschokke: Eine Selbstschau. 1. Theil, Aarau 1842, S. 223 (). Ende desselben Jahres wurde er Nachfolger Wilds als Oberberghauptmann der Helvetischen Republik.

Emigration nach Bayern Als Bonaparte 1803 den helvetischen Einheitsstaat in einen Bundesstaat verwandelte, verlor Gruner seine Stellung. Erneut zog er darauf zu Meyer. Dessen Familie transferierte ihre Seidenbandfabrik und ihr Vermögen nach Bayern, wo sie 1803 die aufgelösten Klöster Geisenfeld und Wolnzach kaufte. Gruner unterstützte Meyers Bruder Hieronymus bei der Verwaltung dieser Güter. 1804 ermöglichte er es der Familie Meyer, sie gegen die Klöster Polling, Rottenbuch und Steingaden zu tauschen. 1805 heiratete seine Tochter Marie den verwitweten Meyer. Bei dieser Gelegenheit kaufte Gruner dem Freund vier Schwaigen (Viehzuchtbetriebe) ab,Gossenhofen, Haarsee und Rothsee (Kloster Polling), Schildschwaig (Kloster Rottenbuch). die er ihm dann verpachtete. Doch 1807 wurde Meyer vom Vater als Verwalter der bayerischen Güter abgesetzt und kehrte nach Aarau zurück. Zuvor muss Marie gestorben seinPeter Genner: Nach dem Ende der Klosterherrschaft – Schweizer Revolutionäre im Pfaffenwinkel. In: Der Welf, Jahrbuch des Historischen Vereins Schongau – Stadt und Land 2013, S. 69–192 (), hier: S. 113–115 (Maries einziger erhaltener Brief, datiert Polling, 27. Oktober 1805); Fotos: Seite 3 mit Unterschrift, Seite 4 mit Anschrift. und seine Freundschaft mit Gruner zerbrochen. Weil Meyer die Zahlung der Pacht einstellte, strengte Gruner 1808 einen Prozess gegen ihn an, der erst 1816 mit einem Vergleich endete.Vergleiche (Carl Joseph Anton Mittermaier:) Rechtliche Darstellung der wahren Streitverhältnisse des J. S. Samuel Gruner, schweiz. Oberberghauptmanns, als Kläger contra Rudolph Meyer aus Aarau. (München) 1810; Joseph von Speckner: Darstellung der am königlichen Oberappellationsgerichte von Baiern zwischen dem Hause Maier zu Aarau, und dem Titel Samuel Gruner […] anhängigen Rechtssache. München 1812.

Vermittler von Fraunhofers Lehrer Guinand In Bayern beeinflusste Gruner den Kartografen Alois von Coulon (1779–1855) und den Reliefbauer Franz Joseph Weiss (1784–1825) im Geist der Meyerschen Schule.Gruner (1825), S. 133–135.

mini|hochkant|Étienne-Ovide Domon: Pierre-Louis Guinand. 1804 veranlasste er den Optiker Pierre-Louis Guinand (1748–1824) aus Les Brenets im heutigen Kanton Neuenburg, Glasproben und eine Denkschrift an Joseph von Utzschneider zu senden. Guinand stellte schlierenfreies Flintglas in Stücken von bisher unerreichter Grösse her.Guinand erfand das Homogenierungsverfahren, welches nach ihm Guinandage genannt wird. In der Folge assoziierte sich Utzschneider mit Georg Friedrich von Reichenbach und Joseph Liebherr, um Vermessungsinstrumente herzustellen. Gruner bezeichnete das Mathematisch-mechanische Institut als sein Kind.Rudolf Wolf: Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 2. Cyclus, Orell, Füßli & Comp., Zürich 1859, S. 302/Anm. 5 (1821) (). Utzschneider wurde von ihm und Zschokke in Aarau mit Guinand zusammengeführt.(Ernst Voit:) 1815–1915. Hundert Jahre technische Erfindungen und Schöpfungen in Bayern. München/Berlin 1922, S. 14 (28. Januar 1805). Dann kaufte er das Kloster Benediktbeuern. Nach einer weiteren Zusammenkunft in Les Brenets nahm er den Schweizer unter Vertrag. 1805/06 errichtete dieser in Benediktbeuern .Moritz von Rohr: Joseph Fraunhofers Leben. Leipzig 1929, S. 148. Guinand bildete Joseph Fraunhofer (1787–1826) im Glasmachen aus. Doch bald wurde er dem genialen Optiker unterstellt. Gedemütigt kehrte er 1814 in die Heimat zurück. Als Glasmacher aber übertraf ihn der Schüler nicht. Während Fraunhofer nur für den Eigenbedarf produzierte, begann Guinand 1818 Paris zu beliefern. Später beherrschten seine Angehörigen und Nachfolger den Weltmarkt. Utzschneider versuchte vergeblich, Guinands Nachruhm zu verdunkeln.Joseph von Utzschneider: Kurzer Umriß der Lebens-Geschichte des Herrn Dr. Joseph von Fraunhofer. München 1826, S. 5 f.; Erklärung des königl. geh. Rathes J. v. Utzschneider, gegen einige Aeußerungen in der Bibliothèque universelle und dem Globe, über die Erzeugung des Flintglases. In: Beilage zur Allgemeinen Zeitung, 25. Januar 1829, S. 99 f.