Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) ist eine Vogelart der Gattung Rotschwänze (Phoenicurus) aus der Familie Fliegenschnäpper (Muscicapidae), früher wurde die Gattung mit anderen schmätzerähnlichen Arten zu den Drosseln (Turdidae) gezählt. Er besiedelt Eurasien ostwärts bis zum Baikalsee sowie Teile Nordafrikas und des Nahen Ostens. Als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter bewohnt er vorwiegend lichte Laubwälder, Parkanlagen und Gärten mit altem Baumbestand. Er ist ein Transsaharazieher, der sich schon im Spätsommer auf den Weg in die Winterquartiere macht. Der Gesamtbestand des Gartenrotschwanzes gilt nicht als gefährdet.[ Datenblatt BirdLife international] (PDF, englisch). Für das Jahr 2011 wurde er zum Vogel des Jahres in Deutschland und Österreich gewählt.Vogel des Jahres (Deutschland): 2011 In der Schweiz war er 2009 Vogel des Jahres.Vogel des Jahres (Schweiz): 2009

Beschreibung Aussehen mini|Weiblicher (links) und männlicher Gartenrotschwanz mini|Gartenrotschwanz im Jugendkleid Der Gartenrotschwanz ist wie der Hausrotschwanz ca. 13 bis 14,5 Zentimeter lang. Das Gewicht beträgt zwischen 12 und 20 Gramm.

Das Männchen ist auffallend kontrastreich gefärbt: Gesichtsfeld und Kehle sowie die Partie direkt über dem Schnabel sind schwarz, die Stirn sowie ein auslaufender, bis zu den Ohrdecken reichender Überaugenstreif hingegen reinweiß. Oberkopf, Nacken und Rücken sind grau. Die Brustpartie ist lebhaft rostrot gefärbt, zum weißlichen Unterbauch hin läuft sie durch breiter werdende helle Federsäume aus. Flanken und Unterschwanzdecken sind sehr viel fahler rostorange. Die Flügel sind meist bräunlich, die Decken der Flügelunterseite rostrot. Der Stoß, Bürzel und die Oberschwanzdecken sind – als namensgebendes Merkmal – ebenfalls kräftig rostrot, die Schwanzmittelfedern erd- bis dunkelbraun. Nach der Mauser ist die schwarzweiße Gesichtsmaske durch bräunliche Federsäume verdeckt und kommt erst im Frühjahr durch Gefiederabnutzung als „Prachtkleid“ zutage.

Das Weibchen ist unscheinbarer gefärbt. Die Oberseite ist bräunlich und geht auf dem unteren Rücken in die rostrote Färbung der Oberschwanzdecken über, der Schwanz ist wie beim Männchen rostrot. Die Unterseite ist heller beige mit einer – manchmal intensiv – orange überhauchten Brust, die sich deutlich von grauem bis dunkelgrauem Kinn und den Halsseiten absetzt. Die sich von der Oberseite deutlicher abhebende, ins orange spielende Unterseite ist das Hauptunterscheidungsmerkmal vom wesentlich einfarbigeren Weibchen des Hausrotschwanzes. Die Flügel sind ähnlich wie beim Männchen bräunlich gefärbt, die Unterseiten beige mit orangefarbenem Anflug. Mit zunehmendem Alter können Weibchen sich dem Männchen in der Färbung annähern und werden dann kontrastreicher. Es kann sich dann eine helle bis weiße Stirn ausbilden, die sonst graueren Partien werden dunkler, die orange überhauchten intensiver.

Stimme mini|links|Gesang des Gartenrotschwanzes, aufgenommen in England Der Gesang besteht aus recht eingängigen, in der Länge stark variierenden Strophen, die in drei, teils wiederkehrende Teile eingeteilt werden können. Die Einleitung ist wenig variabel, flötend melodisch und etwas in die Höhe gezogen, manchmal auch gebunden zweisilbig, also etwa hüit oder tü-li. Darauf folgt ein Teil aus kurzen, etwa zwei- bis viermal wiederholten Silben. Diese sind stimmloser und kratzender als die Einleitung und individuell sehr verschieden. Die letzte Silbe kann sich von den vorangegangenen unterscheiden. Der ausklingende, dritte Teil ist in Länge und Ausprägung meist sehr variabel und länger als die beiden ersten. Er besteht aus trillernden, flötenden, aber auch kratzenden oder plätschernden Lauten. Oft werden Imitationen anderer Arten eingebunden, hierbei handelt es sich oft um besonders stereotype Gesangsmuster wie den Gesang von Dorn- oder Klappergrasmücke.

Ein Gesangsbeispiel könnte – die drei Teile durch Gedankenstriche getrennt – also etwa lauten: tüli – tri-tri-ti – tri-lui-dididi-tridi.Gesangsbeispiel (MP3; 425 kB) Nach einer Pause folgt dann die nächste, gleich eingeleitete Strophe. Die Pausen sind beim Nachtgesang meist etwa doppelt so lang. Bisweilen sind auch vom Weibchen kurze Gesangsmotive zu hören.

Der Lockruf ähnelt dem des Hausrotschwanzes, ist aber flötender und somit dem des Fitislaubsängers ähnlich. Manchmal wird auch ein stimmloses tek angehängt. Wie auch beim Hausrotschwanz kann dieses Element auch den schnickernden Warnruf einleiten, also etwa hüit-tick-tick oder füid-tek-tek.Ruf-Beispiel (MP3; 247 kB)

Verhalten Der Gartenrotschwanz sitzt meist auf niedrigeren Ansitzwarten, Ästen oder kleineren Büschen und zittert dabei auffallend mit dem Schwanz. Zur Nahrungssuche fliegt er kurz auf den Boden oder fängt Insekten während eines kurzen Fluges in der Luft.

Verbreitung miniatur|450px|Brutverbreitung (orange) und Überwinterungsgebiete (blau) des Gartenrotschwanzes, Vollton: Ph. ph. phoenicurus, gestreift: Ph. ph. samamisicus Die Verbreitung dieser west- und zentralpaläarktischen Art erstreckt sich über die gemäßigte Zone und reicht bis in die boreale, die mediterrane und die Steppenzone. In den südlichen Teilen des Areals beschränken sich die Vorkommen auf Gebirge.

Auf der Iberischen Halbinsel ist der Gartenrotschwanz im Norden relativ verbreitet, im Süden und Westen nur zerstreut. Zergliederte Vorkommen gibt es im Norden Afrikas. Auf den Britischen Inseln kommt er in Irland nur im äußersten Osten vor und fehlt weitgehend auf den schottischen Inseln. Ostwärts reicht die geschlossene Verbreitung bis Sibirien und dort bis zum Baikalsee. Einige kleinere Vorkommen finden sich auch noch östlich davon. Im Norden wird das Verbreitungsgebiet etwa durch die 10-°C-Juli-Isotherme begrenzt, reicht in Skandinavien etwa bis 71° N, schließt die Halbinsel Kola mit ein und reicht dann ostwärts bis zum Jenissei etwa bis 66° N. Im Süden reicht es in Italien bis Sizilien, die Art fehlt aber auf Sardinien und auf Korsika. Auf der Balkanhalbinsel sind die Vorkommen teils recht zerstreut und reichen bis in den Norden Griechenlands. Dort und in Anatolien bilden sich Mischpopulationen der Nominatform mit der südöstlichen Unterart samamisicus. Die Verbreitung der Nominatform reicht weiterhin im Süden bis zum Nordrand des Schwarzen Meeres und bis in den südwestlichen Kaukasus und entlang von etwa 50° N durch Kasachstan, dort bis zum Saur-Gebirge und weiter östlich bis zum Mongolischen Altai, in den Gobi-Altai und das Chentii-Gebirge. Die Verbreitung von samamiricus reicht von der Krim und dem Osten der Türkei bis in den Kaukasus und zum Kopet-Dag sowie im Nordosten des Irans bis zum Pamir, im Süden bis in das Zāgros-Gebirge. Ein kleines Vorkommen liegt in Syrien.

Wanderungen Der Gartenrotschwanz ist ein Langstreckenzieher. Die Vögel der Nominatform sind Transsaharazieher, die in einem Gebiet überwintern, das sich ziemlich genau mit den Savannen der Sudan-Zone deckt. Seltene Winternachweise gibt es auch in der Sahara oder aus Westeuropa. Die südöstliche Unterart samamiricus überwintert südwärts des Brutgebietes vorwiegend im Süden der Arabischen Halbinsel sowie in Afrika in Äthiopien und im Sudan östlich des Nils. In Eritrea kommen anscheinend zerstreut Vögel beider Unterarten nebeneinander vor.

Der Gartenrotschwanz zieht sehr früh in die Winterquartiere. Der Wegzug erfolgt ab Mitte Juli mit dem Abwandern der Jungvögel und ist meist Ende September abgeschlossen. Die Hauptzugzeit liegt in der zweiten Augusthälfte. Nachzügler werden bis in den Oktober, sehr selten noch im November festgestellt. Die meisten Vögel ziehen in Richtung Südwesten ab, so ziehen etwa südschwedische Vögel über Südwestfrankreich, Andalusien und Marokko. Der Heimzug erfolgt meist auf östlicheren Routen, im genannten Beispiel also über Algerien und die Schweiz. Der Rückzug beginnt etwa Anfang März. In den Brutgebieten treffen die frühesten Heimzieher Ende März ein, die Hauptankunftszeit liegt zwischen Mitte April und Anfang Mai.

Geografische Variation und Hybriden Es werden zwei Unterarten beschrieben, von denen samamisicus sich durch einen ausgeprägten weißen Flügelspiegel (bei phoenicurus höchstens andeutungsweise vorhanden) und eine matter gefärbte Oberseite der Weibchen unterscheidet. Die Nominatform phoenicurus variiert klinal in der Größe von sehr kleinen Exemplaren auf den Britischen Inseln bis zu den größten in Sibirien.

P. p. phoenicurus ( 1758) – Nordwestafrika und Westeuropa bis Sibirien und nördliche Mongolei P. p. samamisicus ( 1783) – Südbalkan, Griechenland, Krim und ostwärts bis Turkmenistan, Süd-Usbekistan und Iran

Mehrfach wurden Hybriden mit dem Hausrotschwanz festgestellt.Nigel Collar, David A. Christie (2013): Common Redstart (Phoenicurus phoenicurus) in: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, A. D. Christie, E. de Juana (Hg.): Handbook of the Birds of the World Alive, Lynx Edicions, Barcelona 2014 2013 wurde in Norwegen ein eigenartiger Vogel gefangen, der sich nach einer genetischen Untersuchung als Hybrid zwischen einem männlichen Gartenrotschwanz und einem weiblichen Braunkehlchen herausstellte. Es handelte sich um die erste Feststellung eines Hybriden zwischen zwei Gattungen aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae).Eduardo de Juana: Intergeneric hybridization between two European chats, HBW Alive, 10. Juli 2015

Bestandsentwicklung Die Bestände des Gartenrotschwanzes sind trotz vereinzelter regionaler Erholungen spätestens seit Beginn der 1980er Jahre stark rückläufig. Als Hauptursachen dafür werden Lebensraumzerstörungen durch Strukturwandel in den Brutgebieten sowie tiefgreifende Veränderungen in den afrikanischen Überwinterungsgebieten, wie verstärkter Pestizid- beziehungsweise Insektizideinsatz oder die folgenschwere Ausdehnung der Sahelzone, angenommen.

In Tschechien, der Schweiz und in Österreich erscheint er in den Roten Listen. Aufgrund der Gefährdung hat der Schweizer Vogelschutz den Gartenrotschwanz zum Vogel des Jahres 2009 ernannt. Zudem haben ihn der Naturschutzbund Deutschland und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern zum Vogel des Jahres 2011 gewählt.Kleiner Vogel mit großen Ansprüchen. In: nabu.de. 8. Oktober 2010. Auch in Österreich wurde er zum Vogel des Jahres gewählt. Geschätzt wurden etwa 6.000–12.000 Brutpaare.

Lebensraum Der Gartenrotschwanz ist als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter stark an alten Baumbestand gebunden und besiedelt primär lichte und trockene Laubwälder, Lichtungen oder Waldränder. Hier bewohnt er vor allem Habitate, die eine aufgelockerte Strauch- und Krautschicht aufweisen, in denen er vorwiegend seine Nahrung findet. Sein Lebensraum deckt sich oft mit dem des Trauerschnäppers, der aber eher die höhere Baumschicht als Nahrungsnische nutzt.Järvinen sowie Glutz v. Blotzheim (S. 385f) s. Literatur

Häufig ist der Gartenrotschwanz auch in Siedlungsnähe anzutreffen, so in Parkanlagen mit lockerem Baumbestand, baumreichen Friedhöfen, strukturreichen Weinbergen, stark begrünten Villenvierteln oder Gartenstädten, Dorfrändern und Obstgärten, vor allem Streuobstwiesen, bisweilen auch in Industrieanlagen mit viel Grün. In Jahren mit hohen Bestandszahlen werden auch Misch- und Nadelwälder besiedelt.

In Skandinavien ist er ein typischer Brutvogel trockener, lichter und alter Kiefernwälder, besiedelt aber auch lichte Birkenwälder oder Feldgehölze in Moorlandschaften.

In höheren Lagen kommt er meist in der Nähe von Siedlungen mit altem Baumbestand vor, besiedelt aber auch naturnahe, offene Bergwälder unterhalb der Baumgrenze – beispielsweise den Arven-Lärchenwald. In Skandinavien kommt er in Höhen bis 700, in den Sudeten bis 1300 und in den Alpen bis 2000 Meter Höhe vor.Järvinen, s. Literatur

Siedlungsdichte Der Raumbedarf zur Brutzeit beträgt bei dieser Art etwa ein Hektar. In günstigen Habitaten wird dieser Wert auch unterschritten. Es fällt aber auf, dass sich durch Maßnahmen wie das Aufhängen von Nistkästen die Siedlungsdichte kaum steigern lässt.