Quirnheim, historisch auch Querum,Richard Dertsch: Die Urkunden des Stadtarchivs Mainz: Regesten, Bände 1-2, Verlag des Stadtarchivs Mainz, 1962, Seite 122 – Google Books (Snippet-Ansicht) pfälzisch „Querm“ oder „Querem“, ist eine Ortsgemeinde im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim. Sie gehört der Verbandsgemeinde Leiningerland an, innerhalb derer sie sowohl hinsichtlich der Zahl der Einwohner als auch der Fläche die sechstkleinste Ortsgemeinde ist. Sie liegt im Nordwesten der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.
Geographie Lage Die Gemeinde befindet sich in der Pfalz auf . Sie liegt am Südostrand des zum Rheinhessischen Tafel- und Hügelland gehörenden Alzeyer Hügellandes nahe dem Nordende der Deutschen Weinstraße. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Kindenheim, Bockenheim an der Weinstraße, Grünstadt, Mertesheim, Grünstadt, Ebertsheim, Lautersheim und Biedesheim.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Quirnheim mit dem Hertlingshäuserhof, Boßweiler und Quirnheim-Tal mit den Wohnplätzen Neuhäuschen, Göbelshaus, Bruchmühle und Papiermühle.
Erhebungen Im Nordosten der Gemarkung unmittelbar an der Grenze zu Kindenheim und Bockenheim erstreckt sich der Gerstenberg () und direkt südlich von diesem der Quirnheimer Berg ().
Gewässer Der Hauptort sowie die beiden Ortsteile werden durch den Quirnheimer Bach entwässert, einen linken Zufluss des Eisbachs. Der Quirnheimer Bach nimmt innerhalb des Gemeindegebiets von rechts den Quirngraben auf.
Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit mini|hochkant|Ehemaliges Merz’sches Schloss (Hertlingshäuserhof) mit Park
Am 22. Mai 771 wurden Quirnheim und die Kirche St. Maria und St. Martin erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt; die ab dem 16. Jahrhundert protestantisch genutzte Kirche gilt als älteste des Landkreises. Der heutige Ortsteil Boßweiler ist bereits am 11. Mai 767Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex Diplomaticus Fuldensis, T. Fischer 1850, Seite 19 – Google Books als „villa Buchsolare“Werner Bornheim: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 8, Deutscher Kunstverlag 1982, Seite 159 – Google Books (Snippet-Ansicht) bzw. „Buchrolare“Georg Heeger: Die germanische Besiedlung der Vorderpfalz an der Hand der Ortsnamen, K. & A. Kaussler 1900, Seite 38 – Google Books (Snippet-Ansicht) im Codex diplomaticus des Klosters Fulda zu finden. Im zehnten Jahrhundert wird Königsgut in der Wormsgau erwähnt, diese beiden Königshöfe lagen bei Bossweiler; der Hertlingshäuserhof geht auf einen davon zurück.Wolfgang Haubrichs: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Band 3, Selbstverlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 1977, Seite 53/54 – Google Books (Snippet-Ansicht)
1453 wurde Boßweiler – Bußweiler als damaliger noch existenter Hauptort – als Lehen des Landgrafen Hesso von Leiningen erwähnt, nach dessen Tod 1467 gelangten beide Siedlungen in den Besitz der neuen Linie Leiningen-Westerburg und gehörten dem Amt Grünstadt an. Das Dorf Bos(s)weiler ging im Dreißigjährigen Krieg unter, erhalten blieben nur die am Rande liegende Oswaldskapelle und Gebäude des alten adligen Hofes – die kleinere Siedlung Quirnheim mit dem Hertlingshäuserhof blieb unberührt. In den Jahren 1671 bis 1672 wurde der Mainzer Patrizier Quirinus von Merz mit dem freien QuirnheimerhofWerner Bornheim: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 8, Deutscher Kunstverlag 1982, Seite 457 – Google Books (Snippet-Ansicht) beschenkt und mit beiden Orten belehnt. Dies geschah aus Dankbarkeit der Leininger Grafen und des Fürstbischofs von Speyer für die erbrachten Dienste als Kanzler und Komitialgesandter. Der beträchtliche Schaden durch französische Übergriffe in den 1690er Jahren wurde finanziell von der Familie Merz getragen. Quirin Merz, Johann Wilhelm Merz und Albrecht von Mer(t)z ist die Ritter-Merz-Straße gewidmet.
Ab dem 19. Jahrhundert Nach der Französischen Revolution wurde die Region 1794 im ersten Koalitionskrieg besetzt.
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war die Gemeinde in den Kanton Grünstadt im Département du Mont-Tonnerre eingegliedert und war Sitz einer eigenen Mairie. 1815 hatte der Ort 430 Einwohner. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen wurde das Gebiet 1815 zunächst Österreich zugeordnet und 1816 in einem Staatsvertrag an das Königreich Bayern abgetreten. Unter der bayerischen Verwaltung gehörte Quirnheim zum Landkommissariat Frankenthal im Rheinkreis, der späteren Pfalz.
Ab 1939 war Quirnheim Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde Quirnheim Bestandteil der ebenfalls neu geschaffenen Verbandsgemeinde Grünstadt-Land, ehe diese 2018 in der Verbandsgemeinde Leiningerland aufging.
Religion Ende des Jahres 2014 waren 39,7 Prozent der Einwohner evangelisch und 27,9 Prozent katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2014 Die Katholiken gehören zum Dekanat Bad Dürkheim im Bistum Speyer, die Evangelischen zur Protestantischen Landeskirche Pfalz. Bis 2015 bildete die katholische Gemeinde die Pfarrei Boßweiler und gehörte zur Pfarrgemeinschaft Grünstadt. Seit 1. Januar 2016 gehört die Gemeinde zur in Grünstadt ansässigen Pfarrei Hl. Elisabeth; die beiden katholischen Kirchen bilden seither die Filialen Mariä Himmelfahrt (Quirnheim) sowie St. Oswald (Boßweiler).
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Quirnheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat:
Wahl SPD CDU FWG WGW Gesamt 2024 2 2 5 3 12 Sitze 2019 2 3 3 4 12 Sitze 2014 2 3 3 4 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2009 2 3 4 3 12 Sitze 2004 3 3 3 3 12 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Quirnheim e. V. WGW = Wählergruppe Würtz
Bürgermeister Michael Kernst (FWG) wurde am 19. Dezember 2024 Ortsbürgermeister von Quirnheim. Da für die Direktwahl am 9. Juni 2024 kein Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl gemäß rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung dem Rat der Gemeinde. Da sich zunächst kein Bewerber fand, konnte erst im Dezember 2024 neu gewählt werden.
Kernsts Vorgänger Hubert L. Deubert (SPD, später parteilos) hatte das Amt 1994 von Jakob Würtz übernommen und mit einer Unterbrechung von knapp Jahren bis zum Dezember 2024 ausgeübt. Schon bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 hatte er nicht erneut kandidiert. Zum Ortsbürgermeister wurde Rainer Merz (FWG) mit einem Stimmenanteil von 65,2 % für fünf Jahre gewählt. Da Merz jedoch aus gesundheitlichen Gründen das Amt nicht mehr weiterführen konnte, erfolgte am 14. März 2021 eine vorgezogene Neuwahl. Bei dieser trat in Ermangelung eines anderen Kandidaten wiederum Deubert an und wurde mit einem Stimmenanteil von 72,3 % zum Ortsbürgermeister gewählt. Sein erneuter Amtsantritt erfolgte am 16. März 2021.
Wappen
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant|Protestantische Kirche
Bauwerke Kulturdenkmäler
Quirnheim hat zwölf Objekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter die protestantische Kirche und der Quirnheimer Hof; letzterer war einst der Hof des Klosters Hertlingshausen.
Museum Im Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen US-Raketenstation eröffnete der Verein Motorrad- und Technikmuseum Leiningerland 2001 sein Museum. Es zeigt rund 50 Motorräder, 20 Mopeds und 12 Fahrräder. Außerdem sind Stationärmotoren ausgestellt. Hinzu kommen wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen mit historischen Fahrzeugen.
Natur Obwohl außerhalb des Pfälzerwalds gelegen, ist das Gemeindegebiet Bestandteil des Naturparks Pfälzerwald.
Regelmäßige Veranstaltungen Der Ort feiert zweimal Kirchweih, die in der örtlichen Mundart Kerb genannt wird: Die Erbsekerb wird im Juli, die Dorfkerb in der ersten Woche im Oktober veranstaltet.
Infrastruktur Militär Während des Kalten Krieges befand sich etwa 1500 m nordöstlich der Gemeinde und des Segelfluggeländes Grünstadt-Quirnheimer Berg () und etwa 700 m östlich des GerstenbergsKartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANDIS-Karte) eine US-amerikanische Flugabwehrraketenstellung bei , die bis 1983 mit Nike-Hercules-Raketen, später mit MIM-104 Patriot-Raketen ausgerüstet war. Bis 1994 durften noch Kernwaffen stationiert werden. 2001 wurde die Quirnheim Missile Station samt Munitionslager und Truppenübungsplatz aufgelöst.
Verkehr Durch Quirnheim verläuft die Kreisstraße 26, die den Ort mit Kindenheim und Ebertsheim verbindet. Auf dem Quirnheimer Berg liegt das Segelfluggelände des Luftfahrtvereins Grünstadt und Umgebung. Nächstgelegene Bahnhalte sind Ebertsheim und Mertesheim entlang der Eistalbahn.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Joseph Merz von Quirnheim (1747–1802), Adeliger und letzter Besitzer der Freiherrlichkeit Bosweiler und Quirnheim Albert Merz von Quirnheim (1774–1857), General; Kommandant des 5. und des 12. Königlich Bayerischen Infanterie-Regiments, der Veste Oberhaus und der Stadt Passau Peter Eckhard (* 19. Dezember 1886; † 29. Dezember 1971 auf Maria Rosenberg), Dekan, Geistlicher Rat und Päpstlicher Hausprälat, Ehrenbürger von Sankt Ingbert
Personen, die mit Quirnheim verbunden sind Theodor Rhodius (~1572–1626), ab 1599 Pfarrer in Quirnheim Johann Konrad Schragmüller (1605–1675), evangelischer Theologe und Hochschullehrer, war ab 1610 in Quirnheim Pfarrer Quirin Merz von Quirnheim († 1695), Patrizier, Jurist und Diplomat, wurde in den 1670er Jahren als Erster seines Geschlechts mit Ländereien im Bereich von Quirnheim und schließlich auch mit dem gesamten Ort belehnt. Johann Niclaus Reuter, 1792/93 Mitglied des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents Hermann Knoll (1897–1935) wirkte hier sieben Jahre lang als Spiritual und Leiter der Hildegardis-Schwestern vom Katholischen Apostolat. Bis zur Umbettung 1959 war er auf dem Ortsfriedhof begraben.
Weblinks
Landkreis Bad Dürkheim: Ortsgemeinde Quirnheim Quirnheim auf den Seiten der Verbandsgemeinde Leiningerland
Einzelnachweise
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