mini|Oschatz, Luftaufnahme (2017) Oschatz [] ist eine sächsische Große Kreisstadt, nennt sich „die Stadt im Herzen von Sachsen“ und liegt etwa 55 km östlich von Leipzig an der Bahnstrecke Leipzig–Dresden.

Geographie Lage und Klima mini|Klimadiagramm von Oschatz Oschatz liegt in hügeliger Umgebung im Tal der Döllnitz, die als linker Nebenfluss etwa 15 km weiter östlich bei Riesa in die Elbe mündet. Oschatz liegt in einem waldreichen Gebiet mit dem Wermsdorfer Forst und dem Collmberg sowie der Dahlener Heide, die durch Rad- und Wanderwege erschlossen sind. Umliegende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn: Liebschützberg, Naundorf, Mügeln, Wermsdorf und Dahlen.

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Oschatz beträgt 8,6 °C, (ZIP-Datei, 51 kB) der jährliche Niederschlag 570 Millimeter. (ZIP-Datei, 343 kB)

Stadtgliederung Die Stadt Oschatz gliedert sich neben dem Hauptort in folgende 14 Ortsteile:

mini|Rechau, Luftaufnahme (2017)

Geschichte mini|Oschatz um 1830 Ersterwähnung bis 18. Jahrhundert Das Gebiet der heutigen Stadt ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Von der einstigen sorbischen und frühdeutschen Burgwardanlage in Altoschatz ging der aus dem Sorbischen stammende Ortsname Oscec (= Ozzec = Verhau) hervor. 1200 wurde ein Johannes de Ozzetz erwähnt, jedoch ist die Zuweisung zu Oschatz unsicher. Die sichere Ersterwähnung der Stadt stammt aus dem Jahr 1238, hier wurde Ozzechz in einer Urkunde des Markgrafen Heinrich III. von Meißen genannt. Die älteste im Stadtarchiv befindliche Urkunde, ein Indulgenzbrief des Bischofs Conrad von Meißen, ist auf 1246 datiert. Im Jahr 1344 wurde die Bürgerwehr Die Geharnischten durch den Städtebund Oschatz, Torgau und Grimma erstmals erwähnt, seit 1365 ist auch ein Schulmeister überliefert. Eine „Vestung“ wurde in Oschatz 1377 erstgenannt, es wurde ein Stadtwachturm auf dem Gebiet des heutigen Museums errichtet. 1394 wurde der Stadt das Marktrecht zugesprochen. mini|hochkant|Rathaus Oschatz 1838, vor dem Brand von 1842

Nach dieser Zeit des Wohlstands folgte die Stadtplünderung durch die Hussiten. Die Stadt wurde verwüstet und gebrandschatzt. Im Jahr 1451 besaß Oschatz das Meilenrecht, dies kann aus einem Innungsbrief der Schuhmacher belegt werden. Am Neumarkt wurde 1477 ein erstes Rathaus errichtet. 1478 schließlich erwarb die Stadt die eigene Gerichtsbarkeit vom Landesherren. Das heute noch bestehende Rathaus wurde in den Jahren von 1538 bis 1546 erbaut. Während der Reformation wurde Oschatz wie viele umliegende Städte protestantisch. Heute befinden sich Briefe von Luther, Melanchthon und Justus Jonas dem Älteren im Ratsarchiv. Um 1566 forderte die Pest unter 3000 Einwohnern in der Stadt 900 Tote. Oschatz war 1583 von Hexenverfolgung betroffen. Leonhard Sihra geriet in einen Zaubererprozess und wurde erhängt.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 554f. mini|Oschatz, ehemalige Stadtschreiberei 1616 ereignete sich der erste Stadtbrand, der 440 Häuser und Scheunen vernichtete. Es blieben lediglich 24 Häuser innerhalb der Stadtmauern unversehrt. Im Jahr 1626 war Oschatz mit 3500 Einwohnern siebtgrößte Stadt in Sachsen. In den Jahren 1631 bis 1648 wurde die Stadt im Zuge des Dreißigjährigen Krieges mehrere Male geplündert, Bürger wurden einquartiert oder kontributiert. Eine zweite Pestwelle forderte noch einmal etwa 2000 Opfer. Bis 1650 fiel die Einwohnerzahl auf 1700. Bei einer dritten und letzten Pest starben zwischen 1680 und 1682 noch einmal 658 Menschen, davon 231 Kinder. Im Jahr 1683 wurde eine Poststation eingerichtet; der folgten 1724 steinerne Kursächsische Postmeilensäulen, die heute nicht mehr vorhanden sind. Während des Siebenjährigen Krieges trafen die Parteien in der Nähe unter anderem im Gefecht bei Strehla zusammen. 1769 wurde die Schulpflicht für Kinder von fünf bis vierzehn Jahren in Oschatz eingeführt.

19. Jahrhundert bis heute mini|Ansicht um 1850 1801 wurde mit dem „Oschatzer Erzähler“ die erste Zeitung der Stadt herausgegeben. Während der Napoleonischen Herrschaft 1806–1813 gab es Truppenbewegungen durch die Stadt. Im April 1813 verweilte Johann Wolfgang von Goethe im Gasthof „Löwe“. 1818 wurde Oschatz Garnisonsstadt des sächsischen Schützenbataillons. Mit der Fertigstellung des Bahnhofes „Zschöllau / Oschatz“ 1838 bekam die Stadt Anschluss an die noch im Bau befindliche erste deutsche Ferneisenbahn, die Leipzig-Dresdner Eisenbahn, die schließlich 1839 fertiggestellt wurde. 1842 zerstörte ein zweiter Stadtbrand 375 Gebäude. Im Jahr 1867 wurde Oschatz Garnisonsstadt für das 1. Ulanenregiment in der 1. Königlich Sächsischen Division. 1875 wurde aus dem Gerichtsamt die Amtshauptmannschaft Oschatz gebildet. 1885 begann der Bau der Schmalspurbahnstrecke nach Mügeln, 1891 wurde die Schmalspurstrecke nach Strehla fertiggestellt. Das erste städtische Krankenhaus wurde 1895 am Stadtpark errichtet. 1914 wurde Konrad Sieblist Bürgermeister, der 25 Jahre im Amt blieb.

Die Oschatzer Turner leisteten 1863 bei einem Brand im Gasthof Naundorf Hilfe und beschlossen daraufhin eine freiwillige Turnerfeuerwehr zu gründen, aus der später die städtische Feuerwehr hervorging.

Von April bis Mai 1933 bestand im städtischen Ferienlager Pappenheim ein Konzentrationslager.

Am 1. Juli 1934 wurde der Ort Zschöllau eingemeindet. Ein Jahr später wurden der Oschatzer Fliegerhorst gebaut und eine Wehrkreisremonteschule gebildet. Während des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 kam es zu keinen großen Kriegszerstörungen.

Vom Februar 1941 bis April 1945 befand sich in der Oschatzer Lutherstraße die Hauptverwaltung des Kriegsgefangenenlagers Stalag IV G der deutschen Wehrmacht. Von hier aus wurden Zehntausende von Kriegsgefangenen zur Zwangsarbeit im näheren und auch weiteren Umkreis verteilt.Pressespiegel, Mitteilung des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins e. V. vom 17. August 2007Stalag IV G. Bericht der Schutzmacht Schweiz zur Situation der britischen und amerikanischen Kriegsgefangenen im Stalag IV G vom 11.–16. März 1945

Am 26. April 1945 wurde Oschatz kampflos an die amerikanischen Truppen übergeben. Am 5. Mai wurden diese durch sowjetische Truppen abgelöst.

Weitere Eingemeindungen erfolgten am 1. Juli 1950 mit Altoschatz und Ortsteilen sowie mit Striesa. Oschatz wurde 1952 Kreisstadt des aus der Amtshauptmannschaft gebildeten Kreises Oschatz, der im Bezirk Leipzig lag. 1976 begann der DDR-Wohnungsbau in Oschatz-West in Plattenbauweise und dauerte bis 1987 an. Am 1. Januar 1973 wurde Lonnewitz (mit Rechau und dem am 1. Juli 1950 eingemeindeten Zöschau) nach Oschatz eingemeindet. Merkwitz, Schmorkau (mit dem am 1. Juli 1950 eingegliederten Mannschatz) und Thalheim (mit Kreischa und dem seit dem 1. Januar 1936 zu Thalheim gehörenden Ort Saalhausen) kamen am 1. Januar 1974 hinzu. Die Stadt hatte 1979 insgesamt 18.804 Einwohner. Die 750-Jahr-Feier der Ersterwähnung 1238 fand 1988 statt.

Nach der Wende wurde 1990 der erste Stadtrat frei gewählt. Oschatz hatte nun 19.392 Einwohner. Am 1. Januar 1994 wurden als letzte Ortsteile Limbach und Leuben eingemeindet. Mit der Bildung des Landkreises Torgau-Oschatz verlor die Stadt den Kreissitz nach Torgau und wurde 1997 Große Kreisstadt. 2000 wurde 800-jähriges Ortsjubiläum gefeiert. In den Jahren 2000 bis 2005 wurden Neu- und Altmarkt sowie das Rathaus rekonstruiert. 2006 richtete Oschatz die vierte sächsische Landesgartenschau aus. 2010 errang die Stadt Silber beim Bundeswettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“.

Geschichte des Ortsnamens Der Ortsname findet sich 1200 als de Ozzetz, 1219 als Oscethz, 1350 als Oschecz und 1358 als Oschacz belegt. Er geht auf altsorbisch *osĕč zurück, was „durch einen Verhau geschützter Ort“ bedeutet.Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg. von Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 478.

Veraltet ist die Herleitung von einem slawischen Wort, das „Ost-, Morgenlicht“ bedeuten soll. Scherzhaft ist die Erklärung, wonach der Kaiser nach einem Namen für die Stadt an der Döllnitz suchte und seine Frau fragte: „Wie soll ich diese Stadt nur nennen?“, worauf diese geantwortet habe: „Oh Schatz …“

Bevölkerung Jahr Einwohner 2005 16.202 2010 15.266 2015 14.734 2020 13.917 Jahr Einwohner 2021 13.884 2022 14.195 2023 14.202 2024 14.184 2025 14.136

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Stadtrat Die Stadtratswahl am 9. Juni 2024 war die jüngste Wahl des Stadtrats von Oschatz. Eine Übersicht über diese und vergangene Wahlen gibt die Tabelle: Partei/Liste2024Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20242019Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20192014Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014%Sitze%Sitze%Sitze AfD33,9 922,6 6– CDU24,7 623,4 736,9 11 Freie Wähler Oschatz (FWO)21,0 519,3 512,7 3 Die Linke6,1 211,9 319,2 5 SPD5,9 26,7 24,9 1 Bündnis 90/Die Grünen4,9 19,2 27,4 2 Freie Sachsen2,6 1–– FDP0,8 –5,8 112,9 3 NPD–1,2 –5,9 1Gesamt100261002610026Wahlbeteiligung (in %)60,853,342,3

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2022 David Schmidt. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Siegmar David SchmidtSchmidt52,02015Andreas KretschmarKretschmar96,6200880,4200178,1

Wappen, Flagge und Dienstsiegel Die Große Kreisstadt Oschatz führt laut Hauptsatzung vom 1. Januar 2002 ein Wappen, eine Flagge und ein Dienstsiegel. (1) Das Wappen zeigt auf gelbem Grund einen stehend schwarzen Löwen und 3 rote Sterne. Es handelt sich hierbei offensichtlich um eine Variante des Meißner Löwen. (2) Als Flagge führt die Große Kreisstadt Oschatz die Farben Schwarz/Gelb in Längsbahnen. Es kann auf dieser Flagge auch das Wappen angebracht sein. (3) Ihr Siegel trägt Namen und Wappen der Stadt. Unter dieser Satzung gedruckt, beurkundet es seine Form.

Partnerstädte Vénissieux in Frankreich Třebíč (Trebitsch) in Tschechien Blomberg in Deutschland Filderstadt in Deutschland Starogard Gdański (Preußisch Stargard) in Polen

Sehenswürdigkeiten

mini|hochkant|St. Aegidien mini|hochkant|Brunnen von 1589 auf dem Neumarkt mini|hochkant|Das Oschatzer Wappentier, der Löwe, auf dem Brunnen Die Oschatzer Altstadt hat noch Teile des mittelalterlichen Mauerrings. Nach zwei großen Stadtbränden 1616 und 1842 stammt die heutige Bebauung überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Manches ist aber älter.

Bauwerke an Kirchplatz und Neumarkt Das Rathaus wurde von 1538 bis 1546 auf dem Grundstück eines seit 1477 von der Stadt erworbenen und als Rathaus genutzten Privathauses errichtet. Nach dem Brand von 1842 wurde beim Wiederaufbau nach Plänen von Gottfried Semper der Turm um mehrere Stockwerke erhöht, dagegen der Stufengiebel um eine Etage vermindert.Rathaus, Versicherungsmakler Berlin-Brandenburg Neuenfeld & Reichelt OHG Die zweitürmige Kirche St. Aegidien ist ein neugotisches Bauwerk aus den Jahren 1846–1849 auf dem Grund mittelalterlicher Vorgänger.F.W. Mogk: Die Aegidienkirche zu Oschatz. Weihefestschrift., Friedrich Oldekop's Erben, Oschatz, 1849 Im Südturm von St. Aegidien befindet sich die bis 1968 bewohnte Türmerwohnung. Heute sind die drei kleinen Räume zu besichtigen, in denen zuletzt ein Türmer mit seiner vierzehnköpfigen Familie lebte. Vogtshaus, ursprünglich ein romanischer Bau aus dem Jahr 1180, mehrfach umgestaltet, von 1544 bis 1843 Zunfthaus der Tuchmacher. Stadtschreiberei. Die heutige Gestalt des Gebäudes entstand weitgehend von 1611 bis 1617. Alte Stadtschule, heutiges Gebäude von 1629. Rektorat, heutiges Gebäude von 1621.

Bauwerke in der übrigen Altstadt Die Klosterkirche (St. Marien) gehörte ursprünglich zu einem 1228 gegründeten Franziskanerkloster. Der heutige gotische Kirchenbau wurde 1428 errichtet, nach der Zerstörung der alten Kirche bei einem Hussitenvorstoß. Seit der Reformation diente das Gebäude zumeist nicht kirchlichen Zwecken, beherbergt aber seit 1924 nach Umbauten im Inneren wieder einen Andachtssaal und andere Räumlichkeiten der evangelischen Kirchengemeinde.