mini|hochkant=1.3|Logo der „Nibelungenstadt Worms“ Worms [], im rheinhessischen Dialekt: [] (lat. Wormatia, Borbetomagus oder Civitas Vangionum; auch Worms am Rhein; abgekürzt Worms/Rh.; inoffiziell Nibelungenstadt) ist eine kreisfreie Stadt am linken Rheinufer im Südosten von Rheinland-Pfalz. Das Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums liegt am Rand sowohl der Metropolregion Rhein-Neckar als auch des Rhein-Main-Gebiets. Aufgrund dieser Lage wird es gleichzeitig der Planungsregion Rheinhessen-Nahe und der Metropolregion Rhein-Neckar (in der die Planungsregion Rheinpfalz aufgegangen ist) zugeordnet.
Die von den Römern gegründete heutige Mittelstadt wetteifert mit Augsburg, Trier und Kempten um den Titel der ältesten Stadt Deutschlands.
Bekannt ist Worms auch als Nibelungen- und Lutherstadt und für seinen christlichen Dom. Dieser ist neben dem Mainzer und dem Speyerer Dom einer der drei romanischen Kaiserdome in Deutschland. Worms () war seit dem 12. Jahrhundert bis etwa zur Mitte des 14. Jahrhunderts eine von drei SchUM-Städten und ein Zentrum aschkenasisch-jüdischer Kultur im deutschsprachigen Raum.
Geographie Geographische Lage Worms liegt im Ostteil von Rheinland-Pfalz in der Oberrheinischen Tiefebene. Es befindet sich im Südostteil der Region Rheinhessen zwischen Mainz (ca. 40 Kilometer nördlich) und Ludwigshafen (ca. 20 Kilometer südlich) am linken, westlichen Rheinufer. Im nördlichen Stadtgebiet mündet die Pfrimm in den Rhein. Die südlichen Stadtteile werden vom ebenfalls in diesen Strom mündenden Eisbach (hier auch Altbach genannt) durchflossen. Im äußersten Südosten der Stadt verläuft der Unterlauf des Eckbachs, der ebenfalls in den Rhein fließt.
Im Südwesten von Worms, 15 km entfernt, liegen die Ausläufer des Pfälzerwalds, im Westen die Hügellandschaft des Wonnegaus, jenseits des Rheins schließt sich an die Ebene der hessische Teil des Odenwalds an.
Die niedrigste Stelle von Worms liegt mit beim nördlichen Stadtteil Ibersheim auf der ehemaligen Flussinsel Ibersheimer Wörth, die höchste Stelle befindet sich mit an der westlichen Stadtgrenze zwischen dem Stadtteil Pfeddersheim und dem westlich angrenzenden Nieder-Flörsheim unmittelbar an der Nieder-Flörsheimer Straße (Landesstraße 443).
Einzugsgebiet Als Mittelzentrum ist Worms dem Wonnegau mit den Verbandsgemeinden Eich, Monsheim und Wonnegau direkt zugeordnet. Zum Einzugsgebiet der Stadt gehören ferner Teile des Hessischen Rieds sowie der nördlichen Vorderpfalz.
Worms liegt im Norden der Metropolregion Rhein-Neckar beziehungsweise im Südwesten des Rhein-Main-Gebiets und gilt aufgrund seiner Lage gleichzeitig als Bindeglied zwischen diesen Verdichtungsräumen. Deshalb gehört die Stadt raumplanerisch sowohl zur Planungsregion Rheinhessen-Nahe als auch zur Planungsregion Rheinpfalz, die vom Verband Region Rhein-Neckar planerisch betreut wird.
Stadtgliederung Worms ist in acht Stadtbezirke mit 19 Stadtteilen gegliedert. (PDF-Datei; 15 kB) 31. Dezember 2012. Die 13 eingemeindeten Stadtteile (Untergliederungen der Stadtbezirke 4 bis 7), die gleichzeitig neben der zentralen Gemarkung Worms Gemarkungen bilden, besitzen als Ortsbezirke jeweils Ortsbeirat und Ortsvorsteher.
+ Stadtteile von Worms, nach StadtbezirkenStadtteilFlächehaStadtverwaltung Worms, Bereich 1 – Innere Verwaltung, Abteilung 1.01 Kommunalverfassung, Sitzungsdienst / Statistik und Wahlen.Einwohner Stand: 31. Dezember 2017.Lage zum StadtzentrumeingemeindetGemarkungs-schlüssel die Gemarkungsgrenzen weichen zum Teil stark von den Stadtteilgrenzen ab.PostleitzahlTelefonvorwahl Stadtbezirk 0 Innenstadt01 Stadtzentrum868.735 –0739116754706241 Stadtbezirk 1 Stadtgebiet Süd11 Innenstadt Süd2615.283südlich angrenzend–073911675470624112 Karl-Marx-Siedlung6431.117südlich des Zentrums (3 km)–0739116754706241 Stadtbezirk 2 Stadtgebiet Nord21 Innenstadt Nord7239.725nördlich angrenzend–0739116754706241 Stadtbezirk 3 Stadtgebiet Südwest31 Innenstadt West15510.001westlich angrenzend–073911675490624132 Innenstadt Südwest1762.057südwestlich angrenzend–0739116754906241 Stadtbezirk 4 Westliche Vororte41 Pfiffligheim3933.386westlich des Zentrums1. Oktober 1898073913675490624142 Hochheim2423.538nordwestlich des Zentrums1. Oktober 1898073909675490624143 Neuhausen18510.508nördlich des Zentrums1. April 1898073910675490624144 Herrnsheim12176.270im Norden der Stadt (5 km)1. April 1942073903675500624145 Leiselheim2592.104außerhalb im Westen (4 km)1. April 19420739146754906241 Stadtbezirk 5 Südwestlichen Vororte51 Horchheim5754.795südwestlich des Zentrums (4,5 km)1. April 1942073908675510624152 Weinsheim4172.780im Südwesten der Stadt (4 km)1. April 1942073912675510624153 Wiesoppenheim3541.733außerhalb im Südwesten (5,5 km)7. Juni 1969073907675510624154 Heppenheim11262.207außerhalb im Südwesten (9 km)7. Juni 19690739066755106241 Stadtbezirk 6 Westliche Außenbezirke61 Pfeddersheim11877.025außerhalb im Westen (7 km)7. Juni 1969073905675510624762 Abenheim10902.512außerhalb im Nordwesten (10 km)7. Juni 19690739046755006242 Stadtbezirk 7 Nördliche Vororte71 Rheindürkheim8122.923außerhalb im Norden (8 km)7. Juni 1969073902675500624272 Ibersheim972714außerhalb im Norden (13 km)7. Juni 19690739016755006246
Klima mini|Niederschlagsmittelwerte von Worms für den Zeitraum von 1961 bis 1990 Worms gehört zu der Klimazone der Mittelbreiten und befindet sich im Übergangsbereich vom See- zum Kontinentalklima. Aufgrund seiner Lage in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Pfälzerwald und Donnersberg im Westen sowie Bergstraße und Odenwald im Osten ist Worms einer der wärmsten und trockensten Orte Deutschlands.
Lufttemperatur
Das langjährige Mittel der Lufttemperatur des Zeitraums 1951 bis 1980 beträgt 10,3 °C. In den vergangenen Jahren wurde eine Steigerung des Jahresmittels der Lufttemperatur beobachtet. So betrug im Jahr 2008 die gemittelte Lufttemperatur an der Hagenstraße 12,2 °C, (PDF-Datei; 90 kB) während im gleichen Zeitraum fünf Kilometer weiter westlich in Worms-Leiselheim eine gemittelte Lufttemperatur von 11,3 °C gemessen wurde.AgrarMeteorologie – Wetterstation Worms-Leiselheim Die Lufttemperatur betrug für das Jahr 2007 (gemittelt) an der Hagenstraße 12,7 °C und in Leiselheim 11,7 °C. Der höhere Durchschnittswert von +1K der Jahresmitteltemperatur an der Hagenstraße im Vergleich zur Wetterstation Worms-Leiselheim basiert hauptsächlich auf den meist wärmeren innerstädtischen Temperaturwerten. In Worms ist der wärmste Monat aktuell Juli mit 24 Grad Celsius Tagestemperatur. Dagegen ist der kälteste Monat Januar mit durchschnittlich 3 Grad Celsius. Die Tageshöchstwerte im Jahresmittel in Worms liegen bei 14 Grad Celsius. In der Nacht liegt der Durchschnitt bei 4 Grad Celsius.
Niederschlag
Die gemittelte Niederschlagsmenge des Zeitraums von 1961 bis 1990 beträgt 608 mm. Der Niederschlag fällt vor allem in den Monaten Mai, Juni und Juli. Im Jahr 2008 betrug der Jahresniederschlag an der Hagenstraße 492,2 mm, während im gleichen Zeitraum fünf Kilometer weiter westlich in Worms-Leiselheim ein Jahresniederschlag von 529,4 mm gemessen wurde.
Die Niederschlagsmengen betrugen für das Jahr 2007 (gemittelt) – Hagenstraße 545,8 mm – Leiselheim 622,6 mm. Die Niederschläge sind niedrig. Sie liegen im unteren Viertel der in Deutschland erfassten Werte. An 23 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juli. Im Juli fallen 2-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren verhältnismäßig stark. An 69 % der Messstationen in Deutschland werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Sonnenscheindauer
Das langjährige Mittel (1951–1980) beträgt 1709,7 Stunden. In den vergangenen Jahren wurde in Leiselheim eine Steigerung des Jahresmittels der Sonnenstunden beobachtet. Im Jahr 2007 gab es 2007 Std. Sonne, eine Abweichung zum langjährigen Mittel von + 297,3 Std. bzw. + 17,4 %, im Jahr 2008 wurden 1886 Stunden ermittelt. Das ist eine Abweichung zum langjährigen Mittel von + 176,3 Std. bzw. + 10,3 %. In den Jahren 2009 und 2010 waren die Abweichungen noch markanter, + 343,3 Std. bzw. + 20,1 % (2009) und + 357,3 Std. bzw. + 20,9 % im Jahr 2010. Aktuell liegt die Sonnenscheindauer bei ca. 4 Stunden pro Tag.
Geschichte mini|hochkant|Römischer Meilenstein an der Ecke Römerstraße / Wollstraße. In der unteren Zeile: „C•V“ für Civitas Vangionum
Name
Die älteste überlieferte Form des Ortsnamens (Borbetomagus oder Bormetomagus) ist keltischen Ursprungs und wird auf einen Begriff für Wasser oder Quelle beziehungsweise die davon abgeleiteten Namen eines Gottes Bormo oder eines Flüsschens zurückgeführt.Bernhard Maier: Kleines Lexikon der Namen und Wörter keltischen Ursprungs. C.H. Beck OHG, München 2003, 122, ISBN 3-406-49470-6. Bei Google Bücher In der latinisierten Endung -magus hat sich das keltische Wort für Feld, Wiese, Ebene, erhalten. Der Name würde also Quellenfeld, Feld des Bormo oder Feld an der Bormita bedeuten.Gerhard Rasch: Antike geographische Namen nördlich der Alpen. Verlag Walter de Gruyter, 2005 [Erstdruck einer Dissertation von 1950], ISBN 978-3-11-017832-6, S. 140: „Feld am Flüßchen *Bormita“. Das nachmalige Worms wurde Hauptort des halbautonomen Verwaltungsbezirks (lat. Civitas) Civitas Vangionum. Dieser war nach dem hier seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert ansässigen Stamm der Vangionen benannt. Vangionen nannten sich die Wormser noch bis in das 16. Jahrhundert. Von dieser Bezeichnung ist der Name Wangengau für die Umgebung von Worms abgeleitet, der dann vom Volksmund in das verständlichere Wonnegau umgesetzt wurde. Der deutsche Name Worms, wie die Stadt seit dem 6./7. Jahrhundert heißt, geht jedoch auf das gallo-keltische Borbetomagus/Bormetomagus zurück. Durch einen späteren Lautwandel wurde das anlautende B zu W. So wandelte sich Borbetomagus in der Sprache der germanischen Siedler im Frühmittelalter schließlich zu Warmazfeld, Warmazia/Varmacia, Wormazia/Wormatia und am Ende zu Worms. Die lateinische Form Wormatia ist im alten hebräischen Namen der Stadt, die im Mittelalter eine bedeutende jüdische Gemeinde aufwies,Reuter: Warmaisa. 1000 Jahre, S. 68 f. als Warmaisa () noch erhalten.
Stadtentstehung bis zum 9. Jahrhundert Das Stadtgebiet von Worms wurde erstmals in der Jungsteinzeit (Neolithikum) etwa um 5000 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern besiedelt. Während die ältere Forschung eine sehr hohe Siedlungskontinuität für den Bereich von Worms seit dieser Zeit postulierte, die sich auch in einem bereits frühzeitig funktionierenden Markt- und Verkehrswesen niedergeschlagen habe, gehen neuere Publikationen von einem Wechsel zwischen besiedelten und siedlungsfreien Phasen aus.Grünewald, S. 45–101. Letztmals wird für die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. für Worms und Rheinhessen eine mindestens 60 Jahre dauernde weitgehende Siedlungsleere angenommen.Grünewald, S. 61.
Auf der unscheinbaren Anhöhe Adlerberg am Rhein im Süden von Worms wurden von 1896 bis 1951 insgesamt 25 Gräber aus verschiedenen Zeiten entdeckt. Davon stammen nach heutiger Kenntnis acht Gräber von der Adlerbergkultur (etwa 2300/2200–1800 v. Chr.) aus der Frühbronzezeit. Um die Erforschung dieser Funde hat sich der Wormser Arzt Karl Koehl verdient gemacht, auf den der Begriff „Adlerbergkultur“ zurückgeht.Ernst Probst: Deutschland in der Bronzezeit. Bertelsmann, München 1996, ISBN 3-570-02237-4, S. 78.
Seit augusteischer Zeit (31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) gehörten Worms und sein Umland zum römischen Herrschaftsgebiet. Ab Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis etwa 85 n. Chr. existierte auf dem Boden des heutigen Worms ein römischer Militärstützpunkt.Grünewald, S. 63 f. Die zugehörige Zivilsiedlung mit dem aus dem Keltischen stammenden Namen Borbetomagus wurde Hauptort der Civitas Vangionum und entwickelte städtische Strukturen.