Aikidō besteht aus inneren Formen, den Prinzipien des Aikidō (Ki, Aiki, Kokyū, Hara, Shin), und äußeren Formen, den Techniken (Waza), wobei erst beide Formen zusammen Aikidō bilden. Im Aikidō-Training dienen die äußeren Formen als Mittel, die inneren Formen zu erfahren und auszubilden. Im Aikidō wird zwischen Grundtechniken (Kihon waza) und Varianten (Henka waza) sowie Verkettungen (Renzoku waza) unterschieden; überdies gibt es waffenlose Techniken (Tai Jutsu) und Techniken mit Waffen z. B. mit Schwert (Aiki-Ken) oder mit Stock (Aiki-Jo). Die Vielfalt der Aikidōbewegungen basiert auf relativ wenigen Grundtechniken (5 Haltetechniken und 8 Wurftechniken), die kombinierbar, ineinander überführbar und variantenreich sind. Daher konnte der Begründer des Aikidō, Ueshiba Morihei, sagen: „Wenn man sich bewegt, werden Techniken geboren“Zitat in: Tada Hiroshi Sensei: Die Verkörperung der Einheit von Geist, Technik, Körper; in: Aikido; Hrsg. Aikikai Deutschland; Heft 2/2005; S. 40–42; Zitat auf Seite 41..

Haltung (Shisei) Die rechte Haltung (Shisei) umfasst sowohl eine innere Einstellung zur Welt und dem Partner als auch deren äußeren Ausdruck (Shizentai).

Stand mini|class=skin-invert-image|Shizentai (Shizen Hontai)

Der Stand erfolgt aufrecht mit einer lockeren Körperspannung (Tonus) und tiefem Schwerpunkt. Beim Stand unterscheidet man zwischen:

Shizentai oder Shizen Hontai Natürliche Haltung. Die Füße stehen parallel etwa schulterbreit, die Knie sind nicht durchgedrückt und das Gewicht ist auf beide Beine verteilt. Dabei sollte der Stand sicher, erdverbunden und zum Raum hin offen sein. Shizentai bringt eine neutrale, nicht gerichtete Stellung (Kamae) gegenüber dem Partner zum Ausdruck.

Hidari hanmi Linke Halbseite. Hierbei ist der linke Fuß vorne und der rechte Fuß hinten.

Migi hanmi Rechte Halbseite. Hierbei steht der rechte Fuß vorne und der linke Fuß hinten.

Stellung zum Partner (Kamae) Die Partner begegnen sich in den Übungen als Tori (Nage) und Uke. Zur Ausführung der Techniken nimmt man eine dynamische Stellung zum Partner ein und senkt den Schwerpunkt weiter ab. Um Kamae einzunehmen, schiebt man, von Shizentai ausgehend, einen Fuß vor und wendet dem Partner die entsprechende Seite zu. Dabei stellt sich der hintere Fuß schräg (so genannte T-Stellung) und man nimmt die Hand an der Seite, die dem Partner zugewendet ist, nach vorne. Das Körpergewicht ruht auf beiden Füßen, der Körper ist entspannt. Die Stellung ist eindeutig gerichtet und bleibt zum Raum hin offen. Macht der Partner dasselbe, ergeben sich zwei mögliche Stellungen. mini|class=skin-invert-image|Ai hanmi mini|class=skin-invert-image|Gyaku Hanmi

Ai hanmi (punktsymmetrische Stellung): Von Shizentai ausgehend schieben beide Partner ihren rechten oder beide ihren linken Fuß vor.

Gyaku Hanmi (achsensymmetrische Stellung): Von Shizentai ausgehend schiebt ein Partner seinen rechten und der andere Partner seinen linken Fuß vor.

Position Im Aikidō können die Techniken im Stand oder auf Knien durchgeführt werden, wodurch sich drei mögliche (Kampf-)Positionen ergeben, die jeweils in Ai hanmi oder Gyaku hanmi ausgeführt werden können.

Tachi waza Beide Partner stehen.

Hanmi hantachi waza Ein Partner (Tori) kniet in Seiza und der andere Partner (Uke) steht.

Suwari waza Beide Partner knien in Seiza.

Handhaltung Bei der Handhaltung wird zwischen der Höhe unterschieden.

Gedan Tiefe Handhaltung. Die Hände befinden sich unterhalb des Bauchnabels.

Chūdan Mittlere Handhaltung. Die Hände befinden sich zwischen Bauchnabel und der Oberseite der Schultern.

Jōdan Hohe Handhaltung. Die Hände befinden sich oberhalb der Schultern.

Beziehung Sankaku waza bzw. Sankaku tai (Kraftdreieck) Die „T-Stellung“ in Kamae bildet ein Kraftdreieck, das Tori ermöglicht, sich variabel zu bewegen, um den Kraftimpuls von Uke aufzunehmen und umzuleiten und dabei die eigene Mitte zu halten. Das Kraftdreieck ist dynamisch auf Uke bezogen.

Ma-ai (rechter Abstand) Die dynamische Beziehung zu Uke liegt im „rechten Abstand“, der die Distanz zum Partner, das Timing in der Bewegung und die aufmerksame Präsenz in der Situation umfasst. Ma-ai wird sowohl durch die physische Situation als auch durch Ki bestimmt. In der Ausgangsstellung ist Ma-ai die Länge der Arme und Hände von Uke und Tori. Wenn Uke und Tori ihre Arme und Finger nach vorne ausstrecken, sollten sich die Fingerspitzen von Uke und Tori berühren können.

Bewegung (Sabaki) Die Aikidōtechniken sind aus dem japanischen Schwertkampf (Kenjutsu) entwickelt worden. Daraus ergeben sich die für Aikidō typischen Drehbewegungen (im Unterschied zu Jiu Jitsu und Judo), denen die Schrittformen (Ashi) dienen, und der Einsatz der Hände als 'Schnittwaffe' (Tegatana). Die Aikidō-Bewegungen fließen aus der Hüfte und dem Unterbauch (Hara), die über die Beine und Füße im Boden 'verankert' sind. Daher kommt den Schritten (Ashi) eine besondere Bedeutung zu.

Schritte (Ashi) Da Aikidō dynamisch ist, spielen in der Bewegung die Schritte eine große Rolle, dabei werden die Füße grundsätzlich nicht bzw. kaum vom Boden entfernt, um rasch einen sicheren Stand zu haben. Dazu wird immer der nicht belastete Fuß bewegt bzw. vor einem Schritt das Gewicht verlagert, um den Schrittfuß frei bewegen zu können. Durch die Gewichtsverlagerung werden die Schritte und mit ihnen die gesamte Bewegung fließender. Das Verschieben eines Fußes kann dabei gerade oder kreisförmig um den (sich mitbewegenden) Körperschwerpunkt erfolgen.

Tsugi ashi (Gleitschritt oder Schiebeschritt) Hierbei schiebt man den vorderen Fuß vor und zieht den hinteren Fuß sofort nach. Die Ausführung kann vorwärts, rückwärts oder seitwärts aus Migi Hanmi oder Hidari Hanmi erfolgen.

Okuri ashi (Sendeschritt) Hierbei handelt es sich um eine Variante des Tsugi ashi. Beim Okuri ashi zieht man den hinteren Fuß an den vorderen Fuß heran und schiebt dann erst den vorderen Fuß vor. Die Ausführung kann vorwärts oder rückwärts, aus Migi hanmi oder Hidari hanmi erfolgen.

Issoku irimi (Vorwärtsschritt) Dient um sich vorwärts zu bewegen und dabei zwischen Migi hanmi und Hidari hanmi zu wechseln. In Migi hanmi wird dabei der linke Fuß nach vorne um den rechten Fuß herum vor den rechten Fuß gestellt. Anschließend wird der rechte Fuß mit einem kleinen Schritt oder durch eine Drehung am Ballen seitwärts gestellt, wodurch man Hidari hanmi erhält. Der Wechsel von Hidari hanmi nach Migi hanmi erfolgt analog mit vertauschten Seiten. Die Bewegung kann auch rückwärts ausgeführt werden, wobei sich die Reihenfolge der einzelnen Schritte umdreht.

Irimi ashi (Vorwärtsbewegung) Hierbei handelt es sich um eine Reihe von mehreren Issoku irimi, welche hintereinander ausgeführt werden. Die Bewegung kann auch rückwärts ausgeführt werden.

Ayumi ashi (Überstellschritt) Die aus dem Hara erfolgende Bewegungsform, wobei der hintere Fuß vor den vorderen Fuß geschoben wird. Dabei wird zwischen Hidari hanmi und Migi hanmi gewechselt. Gleichzeitig dreht sich der Oberkörper und man wendet dem Partner die andere Körperhälfte zu.

Von Ayumi ashi abgeleitet gibt es zwei Varianten ohne Seitenwechsel: Ausgehend vom Hidari hanmi wird der rechte Fuß wird durch Überkreuzen seitlich vor den linken Fuß gestellt. Anschließend wird der linke Fuß wieder gerade vor den rechten Fuß gestellt um wieder nach Hidari hanmi zu gelangen. Beim Migi hanmi wird analog dazu seitenverkehrt vorgegangen. Ausgehend vom Hidari hanmi wird der rechte Fuß neben den linken Fuß gestellt. Dabei zeigen die Zehen des rechten Fußes auf die Ferse des linken Fußes. Anschließend wird der linke Fuß nach vorne gestellt um wieder nach Hidari hanmi zu gelangen. Beim Migi hanmi wird analog dazu seitenverkehrt vorgegangen.

Tenkai (Hüftdrehung) Drehung auf der Stelle, ohne einen Fuß zu setzen. Dabei liegt das Gewicht zwischen den Füßen, um die Gelenke zu entlasten und die Bewegung zu beschleunigen erfolgt eine Hüftdrehung auf den Fußballen. Die Hüfte dreht dabei um 180°, während sich die Füße um 90° drehen. Hierbei wird zwischen Migi hanmi und Hidari hanmi gewechselt. Der vordere Fuß wird zum hinteren und umgekehrt.

Kaiten (Vorwärtsschritt mit Hüftdrehung) Eine Variante des Tenkai, bei dem das vordere Bein vor der Drehung nach vorne geschoben wird.

Tai no henka/Tai no henkō oder auch Tai no Tenkan (Richtungswechsel)

Tenkan ashi (Umlenkschritt, Rückwärtsdrehung) Ausgehend von Migi hanmi wird der rechte Fuß um 180° gedreht. Durch das anschließende Zurückstellen des linken Fußes wird eine Drehung der Hüfte um 180° und gleichzeitig eine Rückkehr nach Migi hanmi bewirkt. Analog wird bei Hidari hanmi seitenverkehrt vorgegangen. Im Unterschied zu Tai no henka steht der vordere Fuß nach der Technik wieder vorne.

Irimi tenkan Hierbei handelt es sich um einen Vorwärtsschritt mit anschließender Drehung. Ausgehend von Hidari hanmi wird der rechte Fuß vorgestellt und dabei um 180° gedreht. Anschließend wird der linke Fuß zurückgestellt und ebenfalls um 180° gedreht um in den Migi Hanmi zu gelangen. Analog wird ausgehend von Migi Hanmi seitenverkehrt vorgegangen und damit in den Hidari hanmi gewechselt.

Tai Sabaki (Eingang-Umlenkschritt) Die Kombination von Irimi ashi mit anschließendem Tenkan ashi ergibt einen Positionswechsel mit 180°-Drehung. Tai Sabaki ist die häufigste Schrittkombination im Aikido.

Hantai Tenkan Wie Irimi tenkan, jedoch wird der Körper nicht um 180°, sondern um 90° gedreht.

Kniegehen (Shikko) Für Techniken, die man im Knien ausführt (bei Hanmi hantachi und Suwari waza), dient das Kniegehen. Im Kniegehen sind die Oberschenkel fast rechtwinklig gespreizt, die Füße stehen zusammen, wobei die Zehen aufgestellt sind und der Hintern auf den Fersen ruht. Analog zur Kamae in Tachi waza nimmt man im Kniegehen eine dynamische und aufmerksame Position ein (Sankaku). Die Bewegung geht von Hara aus, wobei der Schwerpunkt bodennah bleibt. Dazu wird ein Fuß gesetzt und der andere Fuß sofort nachgezogen, um wieder eine stabile Stellung einzunehmen. Für Drehungen, die auf den Knien gezirkelt werden, werden die Knie zusammen gebracht und die Füße ziehen den Kreisbogen.

Schwerthand (Tegatana) In Analogie zum japanischen Schwertkampf wird der Arm von Tori als Schwert (Katana) aufgefasst. Die Hand und der Unterarm wird in die Zonen des Schwertblattes eingeteilt. Die Finger (bzw. Faust) entsprechen der Schwertspitze (Kissaki). Die Kleinfinger-Seite des Unterarms wird als Schneide (Ha) aufgefasst, die Handkante als Schnittzone (Hammon). Die Daumen-Seite des Unterarms bildet die Schwertrückseite (Mine). Ähnlich dem gebogenen Schwertblatt wird der Arm leicht gebeugt gehalten. Wie im Kenjutsu die Schwertstreiche nicht geblockt, sondern weich aufgenommen, abgelenkt und umgeleitet werden, soll auch die Schwerthand im Aikidō bestimmt aber weich eingesetzt werden.

Ausführung Aikidōtechniken bestehen aus drei Phasen: 1. dem Eingang, der in Bezug auf die Technik neutral ist, 2. der Durchführung der Technik, in die Uke von Tori geführt wird, und 3. dem Abschluss, in dem Uke sich durch einen Fall entzieht oder von Tori fixiert wird. In der Durchführung der Technik (2. Phase) kann Tori zu Uke zwei Positionen einnehmen, von denen aus Uke geführt wird.

Omote waza (vor Uke stehend) Die Technik wird vor Uke ausgeführt. Tori kreuzt die Kraftlinie von Uke direkt und lenkt damit dessen Kraft um.

Ura waza (hinter Uke stehend) Die Technik wird hinter Uke ausgeführt. Tori lässt die Kraft von Uke ins Leere laufen und führt Ukes Kraft.

Die Ausführung der Aikidōtechniken kann zudem nach verschiedenen Bewegungsprinzipien erfolgen, wobei die Art des Kontaktes zwischen Tori und Uke eine entscheidende Rolle spielt. Es werden hierbei drei Formen des Kontaktes zwischen Tori und Uke unterschieden: Ohne Griff in der Bewegung: