Merzario war ein italienischer Rennstall, der von 1977 bis 1979 in der Formel 1 antrat und bis Mitte der 1980er in verschiedenen anderen Formelserien aktiv war. Teamgründer und -chef war Arturo Merzario, der die meisten Renneinsätze in der Formel 1 selbst bestritt.
Entstehungsgeschichte mini|Teamchef, Konstrukteur und Fahrer: Arturo Merzario (2009) Der italienische Rennfahrer Arturo Merzario war 1972 und 1973 als Werksfahrer der Scuderia Ferrari bei Formel-1-Rennen an den Start gegangen. Danach fuhr er zwei Jahre lang für das wirtschaftlich angeschlagene britische Team von Frank Williams, bevor er für die Saison 1976 einen Werksvertrag bei March Engineering erhielt. Nach dem Ende des Jahres verlängerte March den Vertrag mit Merzario nicht. Merzario gründete daraufhin in der lombardischen Gemeinde Carate Brianza ein eigenes Team, das 1977 mit einem Kundenfahrzeug von March antrat. Als March Ende 1977 sein Formel-1-Engagement einstellte, entfiel künftig auch die Unterstützung für die Kundenfahrzeuge. Um weiter in der Formel 1 antreten zu können, entschied sich Merzario daraufhin für die Konstruktion eigener Rennwagen. Das Team Merzario baute in zwei Jahren insgesamt vier Fahrzeugtypen, die jeweils eigenständige Bezeichnungen trugen, technisch aber miteinander verwandt waren. Regelmäßige Rennteilnahmen gab es nur 1977 mit dem Original-March und 1978 mit den ersten eigenen Fahrzeugen, die sich eng am March-Chassis orientieren. 1979 hingegen qualifizierte sich das Team Merzario mit den weiterentwickelten Autos nur zu zwei Weltmeisterschaftsläufen.
Vor Beginn der Saison 1980 gab Merzario das Formel-1-Engagement auf. Von 1980 bis 1984 trat das Team noch als Konstrukteur in der Formel 2 und später der italienischen Formel 3 an, ohne dabei nennenswerte Erfolge zu erzielen.
Team Merzario in der Formel 1 Merzario als Konstrukteur Vorgeschichte: Ein alter Kunden-March Das Team Merzario debütierte in der Formel 1 als reines Kundenteam. Merzario meldete 1977 ein Auto, das die Bezeichnung 761B trug. Sein Chassis war der 761B/2, der Ende 1976 neu aufgebaut worden war und den das March-Werksteam bei den ersten Weltmeisterschaftsläufen 1977 für Alex-Dias Ribeiro eingesetzt hatte.Renngeschichte des March 761B/2 auf der Internetseite www.oldracingcars.com (abgerufen am 23. Oktober 2017). Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es sich dabei um ein Auto handelte, das nicht auf aktuellem Stand der Technik war. Eine Quelle geht davon aus, dass der 761B/2 das Monocoque des 761/1 nutzte, der 1976 im March-Werksteam für Vittorio Brambilla eingesetzt worden war.Übersicht über die einzelnen Exemplare des March 761 auf der Internetseite www.oldracingcars.com (abgerufen am 23. Oktober 2017). Mitglieder von Merzarios Team waren dagegen der Ansicht, dass der 761B/2 ungeachtet seiner Meldebezeichnung tatsächlich ein Chassis aus dem Jahr 1975 (Typ March 751) war, das für die Saison 1976 lediglich eine neue Karosserie erhalten hatte.Abriss über die Geschichte des Teams Merzario auf der Internetseite www.f1rejects.com (archivierte Version), abgerufen am 23. Oktober 2017. Da Ribeiro zum Großen Preis von Spanien 1977 wiederum einen neuen 761B (Chassisnummer 761B/3) erhielt, gab March den 761B/2 in der Woche vor dem Rennen an Merzario ab. Als Antrieb diente ein Achtzylinder-Saugmotor von Cosworth (Typ DFV).
Eigene Konstruktionen Der Wechsel vom Kundenteam zum Konstrukteur vollzog sich zum Beginn der Saison 1978. Insgesamt entstanden fünf eigene Merzario-Modelle (A1/1, A1/2, A2, A3 und A4), von denen die ersten vier mehr oder weniger deutlich von Merzarios altem March 761B abgeleitet waren. Allen Modellen gemein war der Antrieb durch einen Achtzylindersaugmotor von Cosworth (DFV). Monocoques und Aufhängungsteile wurden vielfach untereinander getauscht. Der Merzario A1/1 von 1978 verwendete ein neu aufgebautes Chassis, das die Grundzüge des March 761B kopierte. Dieses nachgebaute Monocoque fand sich 1979 im Merzario A3 wieder. Der äußerlich mit dem A1/1 identische A1/2 (1978) und der vom A1/2 abgeleitete A2 (1979) nutzten das Original-Monocoque des March 761B.
Das Team Merzario scheiterte als Konstrukteur. Die selbst entworfenen Autos waren übergewichtig, unausgereift und von Improvisationen geprägt. Der A1 war im Grunde technisch veraltet. Seit 1978 war die Dominanz von Autos mit Groundeffect absehbar. Keine der Versionen des A1, dessen technische Konzeption auf das Jahr 1975 zurückging, erfüllte diese Anforderungen; gleiches gilt für das Interimsmodell A2. Die Modelle A1/1, A1/2 und A2 waren nicht auf die Erzielung eines Ground-Effects ausgerichtet. Erst der A3, der im Frühjahr 1979 vorgestellt wurde, hatte Flügelprofile unter den Seitenkästen und wurde als Wing Car angekündigt. Tatsächlich trat beim A3 allerdings nahezu kein Bodeneffekt ein. Wesentlicher Grund dafür war das alte March-Monocoque, das so breit war, dass in den Seitenkästen nur schmale Flügelprofile untergebracht werden konnten, die kaum Ansaugwirkung produzierten.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 170. Nachdem sich der A3 als erfolglos erwiesen hatte, gab Merzario das Auto auf. Statt es weiterzuentwickeln, übernahm das Team Ende Mai 1979 ein Chassis und zahlreiche Ausrüstungsgegenstände des deutschen Rennstalls Kauhsen, der im Anschluss an den Großen Preis von Belgien nach nur drei Rennen den Betrieb eingestellt hatte. Merzario sah darin eine Möglichkeit, preiswert und kurzfristig an ein zeitgemäßes Chassis zu gelangen, denn Kauhsens Autos waren von Beginn an als Wing Cars ausgelegt; vor allem hatten sie ein weitaus schmaleres Monocoque als Merzarios alte Konstruktionen. Allerdings waren die Kauhsen-Chassis bei ihren drei Einsätzen ähnlich erfolglos gewesen wie Merzarios A3. Willi Kauhsen hatte seine Autos von Rennsportlaien konstruieren lassen; die Fahrzeuge galten als „Flop des Jahres.“Heinz Prüller: Knall und Fall. Auto Motor und Sport. Heft 6, 1987, S. 288. Merzario ließ ein Kauhsen-Chassis überarbeiten und meldete es ab dem Sommer 1979 unter der Bezeichnung Merzario A4. Auch in dieser Form war die Konstruktion erfolglos.
Die einzelnen Jahre 1977: Beginn mit einem zwei Jahre alten Kundenauto mini|March 761, mit dem das Team seine ersten Saisonrennen bestritt (baugleiches Modell) Team Merzario debütierte zum ersten europäischen Weltmeisterschaftslauf der Formel-1-Saison 1977, dem Großen Preis von Spanien in Jarama. Bei diesem Rennen waren insgesamt sechs Fahrzeuge von March gemeldet (Typ 761 oder 761B). Arturo Merzario war im Training der zweitschnellste March-Pilot und qualifizierte sich für den 21. Startplatz. Das Rennen beendete er allerdings nicht. In der 17. Runde fiel er nach einem Aufhängungsschaden aus. Beim anschließenden Rennen in Monaco war Merzario der schnellste der insgesamt vier March-Piloten. Seine Rundenzeiten reichten dennoch nicht für eine Qualifikation. Der Große Preis von Belgien in Zolder war das dritte Rennen des Teams. Auch hier war Merzario der schnellste Fahrer mit einem March-Chassis. Er qualifizierte sich für den 14. Startplatz, der das beste Qualifikationsergebnis in der dreijährigen Formel-1-Geschichte des Teams darstellte. Im Rennen kam Merzario mit fünf Runden Rückstand auf den Sieger als 14. und Letzter ins Ziel; eine defekte Benzinpumpe hatte ihn im Laufe des Rennens zurückgeworfen. Es war die erste und zugleich letzte Zielankunft eines Autos, das vom Team Merzario gemeldet wurde. Den Großen Preis von Schweden ließ das Team aus. Bei den folgenden Rennen kam es zu technisch bedingten Ausfällen. In Frankreich beendete Merzario das Rennen nach einem Drittel wegen eines Getriebeschadens, in Großbritannien nach dem Bruch der Antriebswelle. In Deutschland verpasste das Team Merzario die Qualifikation. In Österreich trat es nicht an, weil Arturo Merzario vom Shadow-Werksteam als Ersatz für Riccardo Patrese verpflichtet wurde. In den Niederlanden trat das Team Merzario erneut an, Arturo Merzario verpasste aber wiederum die Qualifikation. Nach dem Rennen entschied sich Merzario, die Saison abzubrechen, um sich auf das nächste Jahr vorzubereiten, in dem das Auto selbst konstruiert werden sollte.
1978: Eine eigene March-Kopie 1978 war die erste Saison des Teams als Konstrukteur. Sie begann mit dem Merzario A1/1, der dem March 761 sehr ähnelt und Aufkleber des neuen Hauptsponsors Marlboro trug. Ganz überwiegend war Arturo Merzario der einzige Fahrer des Teams; nur in Italien setzte es einmalig ein zweites Auto für Alberto Colombo ein.
Beim ersten Saisonrennen im Januar 1978 in Argentinien qualifizierte sich Merzario für den 20. Startplatz. Damit ging er noch vor Didier Pironi im Tyrrell 008 ins Rennen, das er nach neun Runden infolge eines Differenzialschadens beenden musste. In Südafrika und in den USA (West) gelang Merzario jeweils erneut die Qualifikation, in Long Beach allerdings nur, weil die vor ihm qualifizierten Piloten Rupert Keegan (Surtees) und Hans Joachim Stuck (Shadow) nach Trainingsunfällen nicht am Rennen teilnehmen konnten. Weder in Südafrika noch in den USA kam Merzario ins Ziel; Technikdefekte führten jeweils zu frühen Ausfällen. Der anschließende europäische Teil der Saison war von einer Reihe verpasster Qualifikationen (Brasilien, Spanien, Frankreich und Deutschland) bzw. Vorqualifikationen (Monaco und Belgien) geprägt. Lediglich in Schweden und in Großbritannien schaffte es Merzario in die Startaufstellung. In Schweden kam er mit acht Runden Rückstand ins Ziel, wurde aber nicht gewertet, in Großbritannien fiel er wegen nachlassenden Motoröldrucks aus.
Im Laufe des Sommers 1978 wurde der A1/1 durch den A1/2 ersetzt. Merzario fuhr den A1/2 erstmals im Training zum Großen Preis von Österreich. Mit dem neuen Auto verpasste er die Qualifikation um zwei Hundertstelsekunden. Auch zum anschließenden Rennen in den Niederlanden in Zandvoort gelang ihm die Qualifikation nicht; da Rupert Keegan (Surtees) jedoch im Warm-Up einen Unfall erlitten hatte und nicht starten konnte, rückte Merzario (wie bereits in Long Beach) ins Starterfeld nach. In seinem ersten Rennen fiel der A1/2 nach 40 Runden mit einem Motorschaden aus. In Italien qualifizierte sich Merzario im A1/2 regulär für den 22. Startplatz, fiel aber im Rennen erneut durch Motorschaden aus. In den USA (Ost) führte schließlich ein Getriebeschaden zum Rennausfall, und beim letzten Rennen der Saison in Kanada verpasste Merzario noch einmal die Qualifikation.
Der A1/1B kam noch einmal beim Großen Preis von Italien für Alberto Colombo als zweiten Fahrer des Teams zum Einsatz. Colombo scheiterte in Monza als mit Abstand langsamster Fahrer bereits an der Vorqualifikation.
1979: Drei Autos für eine Saison mini|Merzario A3