Germersheim [] (Pfälzisch: Germersche ), auch Germersheim am Rhein, ist ein Mittelzentrum mit etwa 20.000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz. Germersheim ist eine verbandsfreie Stadt sowie Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Die Stadt war und ist insbesondere als Militärstadt bedeutsam.

Geographie mini|Stadtplan von Germersheim (2006): Der Hauptort in der Mitte, im Südwesten der Ortsteil Sondernheim, im Nordwesten der Nachbarort Lingenfeld, der Rhein im Osten und jenseits davon das Land Baden-Württemberg

Geographische Lage Die Stadt liegt in der Oberrheinebene, größtenteils am linken Flussufer, zwischen Ludwigshafen/Mannheim und Karlsruhe, ca. 13 km südlich von Speyer und gegenüber von Philippsburg. Mitten durch den linksrheinischen Teil der Stadt fließt die Queich. Die Gemarkung von Germersheim erstreckt sich im Bereich Elisabethenwörth zu einem kleinen Teil auch auf die rechte Rheinseite. Die Lage an beiden Flussufern ist eine Besonderheit unter den Gemeinden am Rhein.

Verlauf der rechtsrheinischen Grenze Das rechtsrheinische Gebiet reicht ungefähr von Süden ab Rheinkilometer 381,7 – nördlich der „Kümmelwiesen“ – in einem links gekrümmten Bogen bis zur Kreuzung der Bahnlinie nach Rheinsheim mit der heutigen B 35. Von dort verläuft die Grenze parallel zu den Bahngleisen an den Rhein zurück.

Stadtgliederung Die Stadt Germersheim hat zwei Stadtteile: zum einen den gleichnamigen Stadtteil Germersheim, zum anderen den sich im Süden anschließenden Stadtteil Sondernheim, der am 22. April 1972 eingemeindet wurde.

Nachbargemeinden An die Kreisstadt angrenzende Gemeinden sind:

Klima Das Klima in Germersheim ist, wie in der gesamten Vorderpfalz und der angrenzenden Kurpfalz, relativ mild und „gemäßigt“ (warme Sommer, fast schneelose Winter). Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,9 °C. Da die Stadt mitten im Rheingraben zwischen Pfälzerwald und Odenwald liegt, regnet es relativ selten. Der Jahresniederschlag beträgt 768 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 56 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,7-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 55 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert. 2008 war Germersheim mit 1801 Sonnenstunden auf dem ersten Platz innerhalb von Rheinland-Pfalz.Unser Wetter im Dritten. SWR Fernsehen, 1. Januar 2009.

Geschichte Antike Zur Zeit der Eroberung Galliens durch Gaius Julius Caesar lebte in der Region Germersheim der Volksstamm der Nemeter (namensgebend für Noviomagus Nemetum, das spätere Speyer) sowie nördlich davon der Stamm der Vangionen und südlich davon der Stamm der Triboker. Nach ihrer Eroberung bildete die Provinz Germania superior mit dem Rhein die Grenze des Römischen Reiches zu Germanien. Später wurden noch kleinere Teile Germaniens östlich des Rheins erobert (Agri decumates) und durch den Obergermanisch-Raetischen Limes gesichert. Nachdem immer mehr fränkische und alemannische Stämme diese rechtsrheinischen römischen Gebiete bedrängt hatten, wurden sie 259/260 allerdings wieder aufgegeben und der Limes an den Rhein zurückverlegt (Limesfall). Die Römer errichteten vermutlich am Ort des heutigen Germersheims ein befestigtes Soldatenlager namens Vicus Julius zur Sicherung dieser Grenze. Das Lager wurde bis ins 4. Jahrhundert unterhalten. Nachdem im Jahr 405 die Ostgoten in Italien eingefallen waren, wurden 406 die römischen Truppen aus der Pfalz abgezogen.

Ortsname und erste Erwähnung Der Ortsname wird als Germaresheim im Jahr 1090 in der Sinsheimer Chronik erstmals urkundlich erwähnt. 1335 ist die Schreibweise Germansheim zu finden.Probst: Germersheim – Meine Heimatstadt. S. 5–6

Der Name Germersheim verweist auf einen Personennamen Gêrmâr (zu althochdeutsch gêr „Ger, Speer“ und mâri „berühmt“) oder Gernmâr (zu ahd. gern(i) „gierig, begehrend“ und mâri „berühmt“). Bestimmungswort ist das althochdeutsche heim (älter -haim), was als Nebenform von ahd. heima die Bedeutung „Wohnung, Behausung, Heimstatt“ oder „Aufenthaltsort“ hat.

In der Volksetymologie gibt es auch andere Erklärungen für den Ortsnamen. Laut Philipp Melanchthon habe von allen Städten „allein Germersheim seinen Namen von Germania entlehnt“ und wurde deswegen auch von Johannes Posthius besungen.

Weitere meist umgangssprachliche Bezeichnungen sind die Stadt des Flieders und der Nachtigall und Schnookestadt.Paul Münch: Die Pälzisch Weltgeschicht. E. Lincks-Crusius Verlag, Kaiserslautern 1969, S. 81.

Mittelalter mini|Das Schloss zu Germersheim (Ausschnitt aus dem Merian-Stich von 1645)

Kaiser Konrad II. ließ am Hochufer des Rheins an der Stelle des heutigen Germersheim eine Burg bzw. Schloss errichten. Der 1090 erstmals erwähnte Ort erhielt am 18. August 1276 durch König Rudolf von Habsburg die Stadtrechte verliehen. Mit diesem Akt wurde die Geschichte der Stadt nachhaltig beeinflusst.

Der Text der Urkunde lautet in deutscher Übersetzung:

Schon im Jahre 1325 verpfändete König Ludwig IV. die Stadt an die Pfalzgrafen bey Rhein. Da die Stadt durch den Kaiser nicht ausgelöst wurde, fügte Pfalzgraf Rudolf II. der Blinde im Jahre 1329 Germersheim seinem Herrschaftsgebiet hinzu. Im 14. Jahrhundert wurde Germersheim Landvogtei, später Amts- und Oberamtsstadt. Der Orden der Serviten gründete 1298 ein Kloster, das er bis 1527 betrieb.

Neuzeit 16. Jahrhundert In Germersheim wurde 1556 die Reformation eingeführt, was auch die endgültige Schließung des katholischen Klosters zur Folge hatte. In der Kirche wurde der Gottesdienst zunächst nach lutherischem Ritus gefeiert, nach der Konversion des pfälzischen Kurfürsten zum reformierten Glauben nach reformiertem Ritus.

17. Jahrhundert Nach den großen Katastrophen des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit, der Pest und dem Dreißigjährigen Krieg, war die Bevölkerung auf wenige Familien geschrumpft. Weitere Zerstörungen erfuhr die Stadt im Rahmen des Französisch-Niederländischen Krieges durch französische Truppen unter Marschall Turenne im Jahre 1674, die auch das von Konrad II. errichtete Königsschloss zerstörten. Lediglich die Krypta und die Grundmauern der katholischen Kirche widerstanden dem Feuer.

Mit dem Frieden von Rijswijk 1697 machte Kurfürst Johann Wilhelm, der selber römisch-katholisch war, weitreichende Konzessionen an den Katholizismus, so dass die Germersheimer Kirche wieder für katholische Gottesdienste benutzt werden konnte. Da dies im Rahmen einer Simultaneum-Regelung geschah, kam es zu einigen Überschlagungen bei der Benutzung der St.-Jakobus-Kirche zwischen den beiden Konfessionen. 1699 siedelten sich die Franziskaner in Germersheim an und blieben bis 1793.

18. Jahrhundert mini|Von den Franzosen aufgegebene und von den Engländern besetzte Frontlinie bei Germersheim am 8. Oktober 1743

Ab 1787 versuchte die Kurpfalz, die im Rhein entstandene Insel Ceylon zu beseitigen, die als Bedrohung der Stadt Germersheim angesehen wurde. Bei der Kurpfalz verblieb Germersheim bis Ende des 18. Jahrhunderts und war dort Sitz eines Oberamtes.

Bei Germersheim fand am 5. Juli 1793 eine Schlacht des französischen Revolutionskrieges statt. Die österreichischen Truppen unter Feldmarschall Dagobert Sigmund von Wurmser schlugen dabei das französische Heer zurück und vereitelten damit den Entsatz von Mainz. In den Jahren 1797 bis 1814 gehörte Germersheim zu Frankreich und war Teil des Département du Mont-Tonnerre.

19. Jahrhundert Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege kam Germersheim gemäß den Vereinbarungen des Wiener Kongresses 1815 zu Österreich und 1816 aufgrund eines Staatsvertrags zum Königreich Bayern. Es begannen die Überlegungen, Germersheim zur Festung auszubauen, um weitere Angriffe Frankreichs abzuwehren. Zwar hatte es zuvor Pläne zum Bau einer Festung bereits im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischer Seite gegeben; diese wurden jedoch, da die Stadt nicht gehalten werden konnte, damals wieder verworfen. Der Bau der Festung begann im Jahre 1834. In die Fluren rund um Germersheim wurden viele Kilometer Minengänge gegraben, die man noch heute bei Bauvorhaben finden kann. Im Jahr 1855 waren die Bauarbeiten an der eigentlichen Festung beendet; das Graben der Minengänge zog sich bis 1861 hin. Die Festung war schon bei ihrer Fertigstellung veraltet. Bei ihrer Planung war weder mit der Steigerung der Reichweite der Geschütze noch mit dem Einsatz von Brisanzgranaten gerechnet worden. Ihr Haupteffekt war nun, dass sie die Stadtentwicklung behinderte. Außerhalb der Festungsmauern durften keine Häuser und Fabriken errichtet werden und der Platz innerhalb war stark begrenzt. So entwickelte sich Germersheim zu einer fast reinen Garnisonstadt, in der das 17. Infanterieregiment „Orff“, zwei Bataillone des 2. Fußartillerie-Regiments und zwei Trainkompanien bis zu ihrer Auflösung nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stationiert waren.

20. Jahrhundert mini|Festung Germersheim, einer der Zugänge zur Fronte Beckers (2005)

1921/22 wurde die Festung, wie im Versailler Vertrag festgelegt, geschleift. Lediglich kleine Teile der eigentlichen Festungsanlage blieben erhalten. Bis 1930 waren im Zusammenhang mit der Besetzung des Rheinlands durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs französische Truppen in Germersheim stationiert, was Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung auslöste, so kam es 1926 zum sogenannten Fall Rouzier, der unter anderem auch Gegenstand eines Theaterstücks war.Hermann Borchardt: Die Bluttat in Germersheim vor dem ewigen Richter. In: Hermann Haarmann, Christoph Hesse, Lukas Laier (Hrsg.): Hermann Borchardt. Werke. Band 2: Stücke. Wallstein, Göttingen 2022, S. 9–56.

Die nationalistisch-konservative Haltung der Bevölkerung zu Beginn der NS-Diktatur zeigt sich deutlich am Ausgang der Reichstagswahlen vom 5. März 1933. Hierbei erhielten im Landkreis Germersheim die NSDAP 43,5 % und die BVP (Bayerische Volkspartei) 40,5 % der Stimmen. Die SPD belegte mit 10,3 % Rang 3. 1925 gab es nur weniger als 40 Juden in Germersheim; ihre Zahl sank während der NS-Diktatur weiter. Die um 1863 erbaute Synagoge wurde 1938 verkauft und überstand die Novemberpogrome 1938, lediglich einige Fenster wurden eingeworfen. Am 22. Oktober 1940 wurden die in Germersheim lebenden Juden im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion deportiert.

Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht wurde Germersheim 1936 wieder Garnison. Im Zweiten Weltkrieg waren Teile der Strafdivision 999 in Germersheim stationiert. Generalleutnant Hans Graf von Sponeck, der gegen ausdrücklichen Befehl Hitlers im Winter 1941 seinen hoffnungslos unterlegenen Truppen den Rückzug befahl, wurde hier nach der Umwandlung seines Todesurteils in Festungshaft genommen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er, obwohl unbeteiligt, erschossen.

Die 12. und die 14. US-Panzerdivision schickten in der Operation Undertone früh am 24. März 1945 Truppen zur Eisenbahn-Rheinbrücke Germersheim; noch keine von ihnen hatte die Stadt erreicht, als die Nationalsozialisten die Brücke um 10:20 Uhr sprengten.

1947 wurde durch Verfügung des Oberkommandos der französischen Besatzungszone eine Staatliche Dolmetscherhochschule gegründet.Zu weiteren Informationen siehe Abschnitt Hochschule.