Weller Brothers („Gebrüder Weller“), ab 1902 unter der Firma Weller Brothers Limited, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eines der ersten englischen Automobil- und Motorradproduktionsunternehmen (Schreibweise zuweilen auch mit Abkürzung von Brothers zu Bros. und Limited zu Ltd.). Das Unternehmen hatte seinen Sitz in West Norwood, heute ein südlicher Stadtteil von London. mini|Ein De Dion-Bouton-Motorrad (hergestellt um 1900) – derartige Zweiräder, wurden in der Werkstatt der Weller Brothers in West Norwood bis 1904 gewartet und repariert und waren Vorbild für die Produktion eigener Motoren und Fahrzeuge
Der Verkauf eigener Fahrzeuge ist ab März 1901 belegtInserat der Weller Bros., Engineers in: Kelly's, Post Office and Harrod & Co. Directory (kurz: Kelly’s Directory), 1901 (ein Branchenbuch, vergleichbar den Gelben Seiten), abgedruckt in: Trevor Legate: Cobra: The First 40 Years, MBI Publishing Company, St. Paul, Minnesota, USA 2006, ISBN 978-0-7603-2423-3, S. 14; ein Original des Kelly’s Directory mit Datumsstempel 8. März 1901 ist im British Museum in London archiviert (englisch)ausführlicher Presseartikel der englischen Tageszeitung Telegraph vom 13. März 2001 aus Anlass des 100-jährigen AC-Firmenjubiläums (englisch) und endete 1904/1905 mit der Auflösung der Gesellschaft.John McLellan: Classic ACs, Sutton Publishing Ltd., Stroud, Gloucestershire 2000, ISBN 978-0-7509-2042-1, insb. Seiten 1 und 2 (englisch)Trevor Legate: Cobra: The First 40 Years, MBI Publishing Company, St. Paul, Minnesota, USA 2006, ISBN 978-0-7603-2423-3, insb. S. 14 (englisch) Die beiden maßgeblichen Gesellschafter waren der Ingenieur John Weller und der Geschäftsmann John Portwine. Ab 1904 setzten sie ihre gemeinsame Arbeit in einer neuen Gesellschaft unter dem Namen Autocars and Accessories Limited (A. and A.) mit dem Bau des kleinen Dreirad-Transporters Auto-Carrier fort. Hieraus ging 1907 die namhafte, noch heute bestehende Automarke AC hervor, die vor allem durch die gemeinsam mit Carroll Shelby und Ford entwickelte AC Cobra aus den 1960er-Jahren bekannt ist.
Geschichte mini|Auch solche Fahrzeuge fanden sich typischerweise in der Werkstatt der Weller Brothers – hier ein Peugeot Tricycle (hergestellt um 1900) mit De-Dion-Bouton-Einbaumotor, einzelnem Vorderrad und zwei angetriebenen Hinterrädern … mini|… wie auch in umgekehrter Konfiguration mit zwei Vorderrädern und einzeln angetriebenem Hinterrad – hier ein Tricar mit De-Dion-Bouton-Einzylindermotor von 1899 … mini|… oder als vierrädrige Ausführung – hier ein De Dion-Bouton Quadricycle (um 1900). John Weller (* 28. November 1877; † 31. August 1966) war der drittälteste von sieben Brüdern bzw. neun Geschwistern. In jungen Jahren erwies er sich als innovativer, kreativer Ingenieur, Tüftler und Erfinder, musste seinen Lebensunterhalt zunächst jedoch mit Gelegenheitsarbeiten als umherziehender Mechaniker verdienen. 1899 schloss er sich im Alter von 21 Jahren mit seinem Bruder Harry zusammen und gründete das Unternehmen Weller Brothers, Engineers als kleine Automobil- und Motorradwerkstatt in West Norwood. Kurz danach nahmen zwei weitere Brüder die Arbeit in der Werkstatt auf und traten als Mitgesellschafter ein.
Die vier Weller-Brüder arbeiteten anfänglich vor allem als Motorentechniker und Instandsetzer für die ersten, noch vergleichsweise verschleißanfälligen und wartungsintensiven Kraftwagen und Motorräder. Import-Fahrzeuge des französischen Herstellers De Dion-Bouton und solche anderer französischer oder englischer Marken mit Einbaumotoren dieses Herstellers bildeten in der Frühphase den Tätigkeitsschwerpunkt der Weller Brothers. Derartige Fahrzeuge mit De-Dion-Bouton-Motoren waren zu jener Zeit besonders weit verbreitet. Mit einer Produktion von rund 400 Fahrzeugen und etwa 3200 Motoren war De Dion-Bouton im Jahr 1900 der größte Fahrzeughersteller weltweit. Die Gebrüder Weller wurden schnell zu einer vom Werk anerkannten De Dion-Bouton-Fachwerkstatt; 1902 ernannte der Automobilclub, der später zum britischen Royal Automobile Club (RAC) umbenannt wurde und in etwa vergleichbar mit dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) ist, das Unternehmen zu einem seiner offiziellen Instandsetzungsbetriebe.. Wiedergabe der AC-Presseveröffentlichung zum 100-jährigen Bestehen mit kurzer Weller-Firmengeschichte (englisch)
Parallel begannen die Weller Brothers 1901, Fahrzeuge nach eigenen Entwürfen zu bauenAC-Firmengeschichte auf der Website der Fa. AC Autokraft, einem AC-Nachfolgeunternehmen (englisch), zunächst wohl noch mit unveränderten oder nur geringfügig modifizierten Einbaumotoren von De Dion-Bouton und anderen Herstellern. Vom 8. März 1901 ist ein erstes Inserat der Weller Bros., Engineers in „Kelly’s, Post Office and Harrod & Co. Directory“ (kurz: „Kelly’s Directory“) überliefert, einem Branchenbuch, vergleichbar den Gelben Seiten. Angeboten wurden darin „selbstfahrende“ Fahrzeuge (“‚self propelled‘ cars”) aus eigener Herstellung mit unterschiedlichen Aufbauvarianten, insbesondere auch für gewerbliche Zwecke.
Im April 1901 begannen erste Vorarbeiten für ein anspruchsvolles, fortschrittliches Fahrzeug der Oberklasse, den Weller Four Seat Tourer, einen offenen viersitzigen Tourenwagen mit zahlreichen Innovationen. Unterstützung, insbesondere finanzieller Art, erhielten John Weller und seine Brüder durch den erfolgreichen Geschäftsmann John Portwine (* 1866 oder ’67; † 21. Mai 1958). Dieser betrieb in London und Umgebung mit mehreren Brüdern eine Metzgereikette mit zu dieser Zeit zumindest acht Filialen und war von der sich rasch entwickelnden Automobiltechnik fasziniert.
Ab 1902 produzierte das Unternehmen Weller Brothers zusätzlich eigene Motorräder unter dem Markennamen Weller mit selbst entworfenen und selbst gebauten 1,75-hp-Anmerkung: Die h.p.-Angaben beruhten vermutlich auf einer frühen abstrakten Leistungsformel, da geeignete Leistungsprüfstände noch nicht verfügbar waren. und 2,25-hp-Motoren (etwa 150 cm³ bzw. 200 cm³ Hubraum) und fahrradartigen Rahmen.Roy Bacon und Ken Hallworth in: The British Motorcycle Directory - Over 1,100 Marques from 1888. The Crowood Press, Ramsbury, Marlborough, Wiltshire (GB) 2004, ISBN 1-86126-674-X.Peter Henshaw in: The Encyclopedia of the Motorcycle. Chartwell Books, Edison, New Jersey, USA 2007, ISBN 978-1-84013-967-9.Weller-Firmengeschichte auf der Website von Grace’s Guide (englisch)
Im selben Jahr stellte Portwine den Gebrüdern Weller zusätzliches Betriebskapital zur Verfügung, als die mit der Ausweitung der Weller-Aktivitäten verbundenen Kosten nicht mehr aus den laufenden Einnahmen und den Rücklagen gedeckt werden konnten. Die bisherige Personengesellschaft wurde in eine Limited Company umgewandelt, also eine nicht börsennotierte, haftungsbeschränkte Aktiengesellschaft nach britischem Recht; neben den vier Weller-Brüdern wurde Portwine Teilhaber und Geschäftsführer. Wenig später übernahm Portwine sämtliche Geschäftsanteile zum Preis von 1700 £, zahlte die Weller-Brüder entsprechend ihren bisherigen Geschäftsanteilen aus und stellte nochmals weiteres Betriebskapital zur Ausweitung der gemeinsamen Firmenaktivitäten zur Verfügung.
Neben dem fortlaufenden Geschäftsbetrieb arbeitete John Weller weiter an dem Four Seat Tourer mit selbst entworfenen und selbst gebauten Viertakt-Reihenmotoren mit wahlweise zwei oder vier Zylindern.
Anfang 1903 stellte die Gesellschaft den Techniker und Automobilpionier Felix W. Hudlass (* 1874; † 1966) als zusätzlichen Mechaniker ein. Dieser hatte von 1896 bis 1902 unter der Firmierung Phoenix Motor Works eigene Automobile, zum Teil bereits mit Zweizylindermotor, in Southport in Lancashire hergestellt.Felix W. Hudlass in: „Motor sport“ (Zeitschrift), Juli 1962, S. 528 (Leserbrief des ehemaligen Weller-Mitarbeiters Hudlass – englisch)
Einen großen Auftritt hatte die Weller Brothers Limited auf der ersten British International Motor Show. Diese fand vom 30. Januar bis 7. Februar 1903 im Crystal Palace im Stadtteil Sydenham im Süden Londons nur wenige Kilometer von der Weller-Werkstatt in West Norwood entfernt statt. Auf den Ständen 189 und 190 präsentierte sie einen Weller Four Seat Tourer in der 20-hp-Vierzylinderversion sowie einen Weller Four Seat Tourer in der 10-hp-Zweizylinderversion (beide als noch nicht fahrbereite Prototypen), vier Weller 1,75 hp Motor Bicycle, vier Weller 2,25 hp Motor Bicycle, ein Weller Motor Bicycle mit neuartiger Befestigung von Sattel und Fußrasten sowie gefederter Lenkstange, einen Weller 5-hp-Einzylindermotor mit einer angegebenen Leistung von 8 bhp (“brake horsepower”), einzelne Bauteile der von dem Unternehmen angebotenen Motoren sowie ein neuartiges, von John Weller entwickeltes elastisches Universalverbindungsstück (ein solches verwendete Weller im Four Seat Tourer als Verbindung zwischen Kupplung und Schaltgetriebe, um zu verhindern, dass Motorvibrationen sich auf das Getriebe und von dort auf das Fahrgestell, die Karosserie und die Passagiere übertrugenStanley Spooner (Hrsg.): The Auto: the motorist's pictorial, 1909, Band 14, Seite 998 (englisch)).Ausstellungskatalog zur ersten British International Motor Show 1903 (englisch)
Aufgrund der guten Messekritiken vollendete das Unternehmen einen Tourer in der 20-hp-Vierzylinderversion; dieser wurde im Juni 1903 der Presse vorgestellt und äußerst positiv bewertet.N.N. in: „The Autocar“ (Zeitschrift), Ausgabe vom 6. Juni 1903 (englisch) Die Suche Wellers und Portwines nach zusätzlichen Geldgebern für eine Serienfertigung verlief schlussendlich jedoch erfolglos. So war Charles Rolls zwar durchaus beeindruckt, zog es jedoch vor, sich im Mai 1904 mit dem konservativeren Automobil-Pionier Henry Royce zusammenzuschließen, um die Automarke Rolls-Royce zu begründen. Der Four Seat Tourer erwies sich zwar als technisch gut durchdacht, wäre jedoch in einer Serienfertigung sehr teuer geworden. Der Financier John Portwine war weitsichtig genug, trotz seiner Begeisterung für das Projekt und der bereits investierten Gelder nicht sein gesamtes Vermögen für eine wirtschaftlich bedenkliche Serienproduktion des Weller Four Seat Tourers zu riskieren. Der große 20-hp-Tourenwagen blieb daher ein Einzelstück.
Der Bau des aufwändigen, repräsentativen Automobils und die Versuche zu seiner Vermarktung hatten das Unternehmen Weller Brothers Ltd. finanziell und zeitlich sehr stark belastet; Portwine entschied daher, dieses Unternehmen 1904 freiwillig zu liquidieren. Den Betrieb übernahm das ebenfalls in West Norwood beheimatete Unternehmen Douglas S. Cox & Co., das zuvor kurzzeitig von 1903 bis 1904 eigene Automobile sowie ebenfalls leichte Motorräder unter dem Markennamen Emerald hergestellt hatte. Emerald In: George Nicholas Georgano, Thorkil Ry Andersen: The New encyclopedia of motorcars, 1885 to the present. Dutton, New York 1982, ISBN 0-525-93254-2, S. 688 (englisch). Letzte Motorräder mit dem Markennamen Weller entstanden 1905.Erwin Tragatsch, The world’s motorcycles, 1894–1963: a record of 70 years of motorcycle …. 1964, S. 184 (englisch).
Produkte mini|Fahrzeuge wie dieser De Dion-Bouton Type J aus dem Jahr 1902 dürften die Grundlage für die ersten eigenen Automobile der Weller Brothers in den Jahren 1901 bis 1903 gewesen sein mini|Zeitgenössischer, dem Weller Tourer in Stil und Konzept ähnlicher, jedoch kleinerer De Dion-Bouton 8CV aus dem Jahr 1903 mini|Royce 10 bzw. Rolls-Royce 10 hp – das Modell, dem der Geschäftsmann Charles Rolls 1904 anstelle des Weller Four Seat Tourers zur Serienproduktion verhalf
Automobile Automodelle 1901–1903 Über die ersten Weller-Automobile aus den Jahren 1901 bis 1903 liegen keine detaillierten Angaben vor. Die verfügbaren Informationen entstammen im Wesentlichen dem ersten Inserat der Weller Brothers aus Kelly’s Directory vom 8. März 1901, in dem es heißt: Original, englisch: Manufacturers of Self Propelled Cars, Tricycles, Delivery Vans, Lorries, Trademen’s Carriers etc., either Petrol or Steam Driven. Particulars and Prices upon application.