Rülfenrod ist ein Ortsteil der Gemeinde Gemünden im mittelhessischen Vogelsbergkreis. An Rülfenrod vorbei fließt die Felda. Die Landesstraße 3146 führt durch den Ort. Das Erscheinungsbild ist im Südosten geprägt durch einen Vierseithof, der seit 1810 im Besitz der Familie Schenck zu Schweinsberg ist.

Ortsgeschichte Mittelalter Die Ersterwähnung des Ortes datiert aus der Zeit um 1300 und findet sich in einem Kopiar aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts: „... Sedes in Ufleyden ... it. Rudolffesrade ... (Höfe in Ofleiden ... ebenso in Rülfenrod.“Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 284. Das erste konkrete Datum findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1315: „... in Radoluerade iiii solidos Coloniensis (4 Schillinge Kölner Währung) ...“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 2. Nr. 272, S. 205. Diese Urkunde wurde am 27. März 1315 ausgestellt und findet sich heute im Hessischen Staatsarchiv Marburg.StAM, 37, 952. Schließlich heißt es 1497: „... unser dorf Rolfferode ...“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Band 4. Nr. 274, S. 279. Hier wird die Siedlungsform des Ortes als Dorf angegeben.

Der Ortsname beruht auf dem Bestimmungswort Rudolf, es ist also eine „Rodung des Rudolfs“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 317 f, S. 318.

Im Ort hat wahrscheinlich nie eine Niederungsburg gestanden. Es ist wenigstens urkundlich nicht belegt.

Neuzeit Die Kirche wurde anstelle der Vorgängerkapelle im Jahre 1750 erbaut. 1840 wurde am Ortsrand ein jüdischer Friedhof angelegt. Heute gibt es dort nur noch zwei Grabstätten.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Burg-Gemünden, Ehringshausen, Elpenrod, Hainbach, Nieder-Gemünden, Otterbach und Rülfenrod freiwillig zur neuen Gemeinde Gemünden. Für alle eingegliederten ehemaligen Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rülfenrod angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Homberg an der Ohm Die Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Homberg an der Ohm 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Homberg an der Ohm (Patrimonialgericht Rülfenrod der Freiherren Schenck zu Schweinsberg) ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm (Patrimonialgericht Rülfenrod der Freiherren Schenck zu Schweinsberg) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm (Patrimonialgericht Rülfenrod der Freiherren Schenck zu Schweinsberg) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm, Patrimonialgericht Rülfenrod der Freiherren Schenck zu Schweinsberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm; 1822 treten die Schenck zu Schweinsberg ihre Rechte an den Staat ab) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde GemündenAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Gemünden. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Gemünden (Felda)

Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz lag in Rülfenrod weiter beim Patrimonialgericht Rülfenrod der Freiherren Schenck zu Schweinsberg. Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde das zunächst beibehalten. Erst 1822 schlossen der Staat und die Freiherren Schenck zu Schweinsberg einen Vertrag, mit dem das Patrimonialgericht vom Staat übernommen wurde. Für die Rechtsprechung war nun das Landgericht Homberg an der Ohm, für die Verwaltung der Landratsbezirk Kirtorf zuständig.Abtretung der Patrimonial-Gerechtsame in den Orten Herrmannstein, Rülfenrod und Wisselsheim vom 17. April 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 16 vom 29. Mai 1822, S. 187.

Mit der Umsetzung des Gerichtsverfassungsgesetzes im Großherzogtum zum 1. Oktober 1879 ersetzte das Amtsgericht Homberg an der Ohm im Bezirk des Landgerichts Gießen das Landgericht Homberg an der Ohm. Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes AlsfeldRundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation., aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandeltErlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (). Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg, Rülfenrod wurde dem Bereich des Amtsgerichts Alsfeld zugeteilt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rülfenrod 81 Einwohner. Darunter waren 3 (3,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 12 Einwohner unter 18 Jahren, 30 zwischen 18 und 49, 21 zwischen 50 und 64 und 18 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 33 Haushalten. Davon waren 6 Singlehaushalte, 15 Paare ohne Kinder und 12 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 9 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 18 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 133 evangelische (= 84,18 %), 25 katholische (= 15,82 %) Einwohner

Politik Für Rülfenrod besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rülfenrod) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 69,12 %. Alle Mitglieder gehören der „Ortsgemeinschaft Rülfenrod“ an. Der Ortsbeirat wählteAlexander Klein zum Ortsvorsteher.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Weblinks

Ortsteil Rülfenrod. In: Webauftritt der Gemeinde Gemünden (Felda).

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