Dobitschen ist ein Ortsteil der Stadt Schmölln im thüringischen Landkreis Altenburger Land. Die Gemeinde Dobitschen mit ihren Ortsteilen Meucha, Pontewitz und Rolika wurde am 1. Januar 2026 nach Schmölln eingemeindet. Für die aufgelöste Gemeinde Dobitschen gibt es eine Ortsteilverfassung nach der Thüringer Kommunalordnung und damit einen Ortsteilrat und Ortsteilbürgermeister.
Geografie Die Gemarkungen von Dobitschen und seinen Weilern befinden sich am Rande der Ronneburger-Schmöllner Ackerebene im Übergang zur Leipziger Tieflandbucht im Altenburger-Zeitzer Lösshügelland. Durch den Ort fließt der Kleine Gerstenbach, ein Quellfluss des Gerstenbachs.
Geschichte Der Ort Dobitschen ist eine slawische Ortsgründung, der Name geht auf das sorbische Wort dobry (gut) zurück. In älteren Urkunden wird der Ortsname noch mit Doberschen, Dobrezhen und ähnlich wiedergegeben, erst ab dem Ende des 14. Jahrhunderts fällt das r weg. Das Rittergut ist erstmals 1204 nachweisbar, als Heinrich von Dobitschen im Ort eine Kirche errichten ließ. Ein Hans von Dobczehn ist 1390 Bürgermeister von Altenburg. 1696 wurden Meucha, Nasselwitz (heute eine Wüstung zwischen Meucha und Dobitschen), Pontewitz und Prehna nach Dobitschen eingepfarrt. Nachdem das Rittergut nach dem Aussterben des Geschlechtes von Dobitschen am Ende des 16. Jahrhunderts mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, war es von 1697 bis 1945 im Besitz der Familie Bachoff von Echt. Das Gutshaus diente bis zum Brand am 7. April 2004 als Pension einer Agrargenossenschaft.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 17. Die Gutsanlage ist in ihrer Form noch komplett erhalten, vom barocken Wasserschloss zum Gutshof.Christiane Nienhold, Gustav Wolf, Klaus Hofmann: … und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln! Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten. Museum Burg Posterstein 2007. Die jetzige Kirche wurde 1702 erbaut. Eine Schule ist erstmals 1737 nachgewiesen.
Dobitschen gehörte zum wettinischen Amt Altenburg, welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam der Ort wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum gehörte Dobitschen bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900) bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900). Juristisch war ab 1879 das Amtsgericht Altenburg und seit 1906 das Amtsgericht Meuselwitz für den Ort zuständig. Das Dorf gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. 1922 kam es zum Landkreis Altenburg.
Während des Zweiten Weltkrieges waren Zwangsarbeiter aus der UdSSR, Polen und Serbien im Gasthof „Grüner Baum“ sowie in einer alten Ziegelscheune untergebracht. Sie verrichteten Arbeit auf umliegenden Bauerngütern.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): [Dobitschen]. Band 8. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 18f.
Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Pontewitz und Rolika eingegliedert.
Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Somit kam die Gemeinde Dobitzschen mit dem Kreis Schmölln an den Bezirk Leipzig; jener gehörte seit 1990 als Landkreis Schmölln zu Thüringen und ging 1994 im Landkreis Altenburger Land auf. Vom 1. Januar 1992 bis 31. Dezember 2018 gehörte die Gemeinde Dobitschen der Verwaltungsgemeinschaft Altenburger Land an. Diese wurde zum 1. Januar 2019 aufgelöst und so beauftragte Dobitschen die Stadt Schmölln als erfüllende Gemeinde. Zum 1. Januar 2026 wurde Dobitschen schließlich nach Schmölln eingemeindet.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 13/2025, abgerufen am 1. Januar 2026
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember): 1880: 645 1994: 664 1995: 660 1996: 644 1997: 641 1998: 650 1999: 646 2000: 633 2001: 624 2002: 599 2003: 589 2004: 574 2005: 558 2006: 555 2007: 539 2008: 536 2009: 528 2010: 505 2011: 487 2012: 478 2013: 486 2014: 465 2015: 471 2016: 480 2017: 471 2018: 447 2019: 439 2020: 437 2021: 430 2022: 411 2023: 407 2024: 411 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Meucha 1. Januar 1957 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Prehna, am 1. Januar 1957 Umgliederung nach Dobitschen Pontewitz 1. Juli 1950 Rolika 1. Juli 1950
Politik Bürgermeister Letzter Bürgermeister war seit der Stichwahl vom 26. Juni 2022 der parteilose Björn Steinicke, der mit einer Mehrheit von 60,7 % und einer Wahlbeteiligung von 34,5 % gewählt wurde. Zuvor waren Rainer Fiedler von 1990 bis 1999, Olaf Heinke (1999–2016) und zuletzt Bernd Franke (2016–2022) Bürgermeister der Gemeinde.Thüringer Landeswahlleiter - Bürgermeisterwahl Abgerufen am 21. Juli 2024
Gemeinderat Seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2024 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen: Alle sechs Sitze wurden an die Wählervereinigung FFW / SV Dobitschen vergeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,2 % (−3,1 %).Thüringer Landeswahlleiter - Gemeinderatswahl Abgerufen am 21. Juli 2024
Kultur und Sehenswürdigkeiten Dobitschen besitzt zwei bedeutende Barockbauwerke: zum einen das 1696 erbaute Wasserschloss sowie zum anderen die 1702 errichtete Kirche.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Ehemaliger Bahnhof Dobitschen, Empfangsgebäude Durch das Ortsgebiet verläuft die Landesstraße 1362. Die THÜSAC bedient Dobitschen und Ortsteile mit den Buslinien 351, 352, 356 und 408.
Dobitschen liegt an der Bahnstrecke Meuselwitz–Ronneburg, auf der zwischen 1887 und 1972 Personenverkehr durchgeführt wurde.Der Bahnhof Dobitschen auf www.sachsenschiene.net Der 1972 geschlossene Bahnhof und die sich um die Station entwickelte Siedlung liegen einen Kilometer nordwestlich von Dobitschen. Seit 1974 wird der erhalten gebliebene Streckenteil nur noch im Güterverkehr bedient.
Wasserver- und Abwasserentsorgung Die Aufgaben der Wasserver- und Abwasserentsorgung hat Dobitschen dem Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land übertragen.
Bildung Dobitschen ist Sitz einer staatlichen Regelschule. In Rolika befindet sich eine Kindertagesstätte.
Persönlichkeiten Johann Friedrich Agricola (1720–1774), Musiker, Komponist und Musikschriftsteller Erika von Watzdorf-Bachoff (1878–1963), Dichterin
Weblinks
Kirche in Dobitschen Dobitschen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Altenburger Land Kategorie:Geographie (Schmölln) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Altenburger Land) Kategorie:Ersterwähnung 1204 Kategorie:Gemeindeauflösung 2025 Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft