Der Toplitzsee ist ein kleiner Bergsee im steirischen Teil des Salzkammergutes im Gemeindegebiet von Grundlsee, am Südfuß des Toten Gebirges und liegt auf Der Ablauf des Toplitzsees ist die Toplitz, die über die Traun in die Donau entwässert. Der Toplitzsee ist ein meromiktischer See mit einer deutlich ausgeprägten Schichtung. Das Wasser enthält unterhalb von etwa 20 m keinen Sauerstoff mehr und mit größerer Tiefe nimmt der Salzgehalt deutlich zu (0,75 %). Um den See rankt sich der Mythos, dass zu Ende des Zweiten Weltkriegs Gold und Kunstschätze im See versenkt wurden. Bis heute wurden jedoch nur Kisten mit Falschgeld und Kriegsrelikte gefunden. Der See bietet mit seinen unverbauten Ufern mit angrenzenden Wäldern Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und steht seit 1991 unter Naturschutz. Der Toplitzsee befindet sich im Besitz der Österreichischen Bundesforste und ist wegen seiner schönen Lage ein beliebtes Ausflugsziel.

Geographie Der Toplitzsee ist fjordartig in die Berge des Toten Gebirges eingeschnitten. Im Norden befinden sich die Gößler Wand und der Beerenkogel (), im Süden erheben sich die steilen Flanken des Schwarzwalds. Die Ufer sind steil abfallend, nur westseitig nahe dem Ausrinn und an der Nordostseite beim Übergang zum Kammersee sind sie flacher, sonst dominieren Felsen. Der von Südwest nach Nordost langgestreckte See hat eine Länge von 1,9 km und eine maximale Breite von 400 m. Die Oberfläche beträgt etwa 54 ha, die durchschnittliche Tiefe 62 m. Die Seewanne zeigt bis auf den nordöstlichen Bereich steil abfallende Hänge. Erst ab etwa 80 Metern Tiefe nimmt das Gefälle allmählich ab und eine relativ großflächige Bodenzone mit einer maximalen Tiefe von 103 m breitet sich aus. Das Wasservolumen beträgt 33,7 Millionen Kubikmeter.

Das westliche Ende des Sees ist über mehrere Wege vom Ortsteil Gößl am Ostufer des Grundlsees aus erreichbar. Die Toplitzseestraße verläuft entlang der Gößler Wand durch den Ort. Die anfangs asphaltierte, später als Schotterpiste ausgeführte Straße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt, ein Befahren mit Fahrrädern ist jedoch gestattet. Für die rund 2 Kilometer benötigt man etwa 20 Gehminuten. Entlang der Toplitz verläuft ein Wanderweg durch den Wald zum See. Südlich des Bachs führt der sogenannte Reithweg zum Ostufer. Die Ufer sind unverbaut, nur am Westufer befinden sich zwei Bootshäuser. Aufgrund der Steilheit des Geländes führt entlang des Ufers kein Fußweg zum Ostende des Sees, wo sich der Zugang zum Kammersee befindet. Das Unternehmen Schifffahrt Grundlsee betreibt eine Bootsverbindung zwischen West- und Ostufer.

Hydrologie mini|Die Klausanlage am Toplitzsee steht unter Denkmalschutz. Das hydrologische Einzugsgebiet des Toplitzsees hat eine Gesamtfläche von 70,7 km² und liegt zur Gänze im Toten Gebirge. Die Speisung des Sees erfolgt überwiegend unterirdisch durch ein Karstsystem, das von den Lahngangseen gespeist wird. Einen weiteren Zulauf erhält der Toplitzsee durch den unmittelbar östlich gelegenen Kammersee, der über einen künstlichen Felskanal verbunden ist. Dieser führt jedoch nur in sehr regenreichen Jahren und während der Schneeschmelze Wasser. Der Abfluss des Kammersees zum Toplitzsee erfolgt jedoch auch unterirdisch. Zusätzlich wird der See durch die beiden Bäche Vorderbach und Hinterbach, die von Norden in den See hinabstürzen, gespeist. Die Toplitz, die nach 1,6 km in den Grundlsee mündet, verlässt im Westen bei der Seeklause den See, wo eine Brücke über den Ausfluss führt. Der mittlere Abfluss des Sees beträgt 5,94 m³/s.

Geologie mini|Topografische Karte des Toplitzsees mit dem Grundlsee. Der Grundlsee-Lokalgletscher schürfte das Seebecken von Ost nach West aus Tektonik Der Toplitzsee liegt am Südwestrand der Totengebirgsdecke (Tirolikum) und ist somit ein Teil der Nördlichen Kalkalpen. Diese Deckeneinheit besteht überwiegend aus mesozoischen Kalken und Dolomiten der Trias und des Jura. Die Seewanne des Toplitzsees befindet sich entlang einer von Westsüdwest nach Ostnordost verlaufenden geologischen Störung. Diese als Toplitzsee-Störung bezeichnete Linie zieht über den Grundlsee und den Kammersee ins Tote Gebirge hinein. Rund um den See bestehen die Berge aus lagunärem Dachsteinkalk. Nur am Ausfluss befinden sich Kalke aus dem Jura und Moränenreste.

Ehemalige Vergletscherung und Entstehung Während der Eiszeiten folgte der mächtige Grundlsee-Lokalgletscher, der vom Hochplateau des Toten Gebirges ins Ausseer Becken floss, ebenfalls dieser störungsbedingten Schwächezone und erweiterte hierbei das Tal und schürfte das Zungenbecken des Toplitzsees aus. In der späten Eiszeit waren Toplitzsee und Kammersee noch Teil des Grundlsees. An der Basis des Sees wurde salzführendes Haselgebirge im Seewasser gelöst.

Limnologie mini|Der Hinterbach stürzt in mehreren Kaskaden in den Toplitzsee Zirkulation Der Toplitzsee ist ein meromiktischer See mit einer deutlich ausgeprägten Schichtung. Das Wasser enthält unterhalb von etwa 20 m keinen Sauerstoff mehr und mit größerer Tiefe nimmt der Salzgehalt deutlich zu (0,75 %). Der Seegrund wird von schwefelwasserstoff-reichem Faulschlamm gebildet. Während der Frühjahrs- und Herbstzirkulationen wird der See nur bis in etwa 20 Metern Tiefe durchmischt. Das etwa 80 Meter mächtige Monimolimnion bleibt von den Zirkulationen unbeeinflusst. Ursachen hierfür sind eine im Verhältnis zur Tiefe kleine Wasseroberfläche als Angriffsfläche für den Wind, eine besonders windgeschützte Lage und ein besonders salzreiches Tiefenwasser mit größerer Dichte. Während der sommerlichen Stagnationsphasen beträgt die Wassertemperatur an der Oberfläche im Mittel 16,8 °C. Der Höchstwert wurde im August 2003 mit 20,2 °C gemessen. Das Epilimnion des Toplitzsees weist nur eine sehr geringe Mächtigkeit auf. Bereits kurz unterhalb der Oberfläche fallen die Temperaturen bis auf etwa 5° C in 15 Metern Tiefe rapide ab. Von 15 Metern abwärts beginnen die Temperaturen wieder zu steigen. Die Ursache für dieses metalimnische Temperaturminimum liegt an den Zirkulationsverhältnissen im Toplitzsee. Im Zuge der Frühjahrszirkulation gelangt kälteres Oberflächenwasser bis in etwa 15 bis 20 Meter Tiefe, während das Monimolimnion mit durchschnittlichen 5,8 °C davon unberührt bleibt. Trotz der anschließenden Erwärmung an der Oberfläche bleiben die geringen Temperaturen im Metalimnion noch lange erhalten. Die hohe Temperatur des Monolimnions ist ebenfalls eine Besonderheit im Toplitzsee. Aufgrund der Dichteanomalie des Wassers liegt die Temperatur über Grund bei vielen Seen um 4 °C. Bei höherem Druck und auch bei einer Salzgehaltszunahme sinkt jedoch die Temperatur für das Dichtemaximum. Die hypolimnischen Temperaturen könnten demnach im Toplitzsee sogar unterhalb von 4 °C liegen. Bei Messungen, die 2006 durchgeführt wurden, war in 100 Metern Tiefe eine Maximaltemperatur von 6 °C nachweisbar. Ob diese Temperaturanstiege jedoch für die allgemein hohen Tiefentemperaturen im Toplitzsee verantwortlich sind, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Die Temperaturmessreihen können jedoch als Indiz für die Existenz von Quellen in großer Tiefe (sublacustrisch) eingeschätzt werden.

Trophie Der See weist eine geringe Konzentration an Nährstoffen auf und ist somit oligotroph. Für die Jahre 2003 bis 2006 wurde im Epilimnion ein mittlerer Phosphorgehalt von 6,3 µg/l berechnet. Über Grund lagen die Werte im Mittel bei 52 µg/l. Durch die niedrigen Phytoplanktonkonzentrationen und das geringe Algenwachstum beträgt die mittlere sommerliche Sichttiefe 8,8 Meter.

Plankton Das aerobe Plankton ist im Toplitzsee auf den Raum von der Oberfläche bis in 20 Meter Tiefe zusammengedrängt. Die nahezu sauerstofffreie Tiefenschicht wird hingegen von einer anaeroben bzw. oligoaeroben Biozönose bevölkert, in der eisen- und schwefeloxidierende Mikroorganismen die Hauptrolle spielen. Cryptophyceae und Kieselalgen, vor allem Arten der Gattung Asterionella, Stephanodiscus und Synedra, bilden den Hauptbestandteil des Phytoplanktons. Das Zooplankton ist mit deutlich mehr Biomasse vertreten. Von den Rotatorien wurden Kellicottia longispina, Keratella cochlearis und Keratella hiemalis häufig festgestellt. Das Crustaceenplankton des Toplitzsees setzt sich größtenteils aus den Arten Eudiaptomus gracilis, Cyclops abyssorum, Daphnia hyalina und Eubosmina longispina zusammen.

Flora und Vegetation mini|Verlandungszone am Nordwestufer mit Bulten der Steife Segge (Carex elata) In den moorigen Bereichen am Nordwest‐ und Westufer wachsen unter anderem Steife Segge (Carex elata), Blasen-Segge (Carex vesicaria), Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula) und Sumpffarn (Thelypteris palustris). Nahe dem Ausrinn in den flacheren Uferbereichen setzt sich die submerse Vegetation aus Armleuchteralgen (Chara sp.), Alpen-Laichkraut (Potamogeton alpinus), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) und der Gebirgssippe des Haarblättrigen Wasserhahnenfußes zusammen. Beim Bootssteg am Nordostufer wächst zusätzlich das Langblättrige Laichkraut (Potamogeton praelongus).

Die steilen Nord- und Südflanken sowie das Ostufer sind von einem Hangmischwald bedeckt, der in großen Teilbereichen naturnahe ist. Als dominierende Baumarten wachsen dort Rot-Buche (Fagus sylvatica), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Weiß-Tanne (Abies alba) und die Fichte (Picea abies). Seltener sind die Bergulme (Ulmus glabra) und die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior). Im Wald befindet sich viel stehendes und liegendes Totholz, das durch Lawinen und während der Schneeschmelze in den See verfrachtet wird.

Fauna mini|Im seichten Wasser am Nordwestufer schwimmen Aiteln (Squalius cephalus) Über den ursprünglichen Fischbestand des Toplitzsees ist nur wenig bekannt. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich am See eine Versuchsstation der Kriegsmarine. Durch Unterwassersprengungen wurde nahezu der gesamte Fischbestand des Sees vernichtet. Heute sind durch Besatzmaßnahmen wieder Fische im See vorhanden. Der Fischbestand des Toplitzsees ist auf die oberen, sauerstoffreichen Wasserschichten beschränkt und setzt sich heute aus folgenden Arten zusammen: Aalrutte (Lota lota), Aitel (Squalius cephalus), Elritze (Phoxinus phoxinus), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Hecht (Esox lucius), Koppe (Cottus gobio), Bachschmerle (Barbatula barbatula), Seeforelle (Salmo trutta), Seelaube (Alburnus chalcoides) und Seesaibling (Salvelinus umbla).

Die alten Buchenmischwälder um den Toplitzsee sind Lebensraum für den in Europa seltenen Zwergschnäpper (Ficedula parva). Der Kormoran (Phalacrocorax carbo) ist am Grundlsee heimisch und ernährt sich vom Fischbestand im See und auch von den Fischen der umliegenden Zuchtanlagen, weshalb er dort auch gejagt wird. Durch das Jagdverbot im Naturschutzgebiet finden die Vögel am Toplitzsee einen Rückzugsort und sind häufig zu sehen. Bevorzugte Rastplätze sind hierbei abgestorbene Fichten am Südwestufer.

Im Sommer 2002 wurde am Südufer des Sees ein Initialbesatz mit Edelkrebsen (Astacus astacus) durchgeführt. Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) lebt ebenfalls im See. Am Toplitzsee ist ein Vorkommen der Salzkammergut-Turmdeckelschnecke (Cochlostoma henricae huettneri) belegt. Die Unterart ist in Oberösterreich und der Steiermark auf den weiteren Bereich der Salzkammergutseen beschränkt.

Naturschutz mini|Überfahrt zum Ostufer mit natürlichen Hangwäldern