mini|Bernd Löbach-Hinweiser (2009) Bernd Löbach (* 5. November 1941 in Wuppertal) wurde durch seine künstlerische Tätigkeit und durch seine Schriften als weltweit ausstellender Umweltschutzkünstler, Gründer von zwei Museen, Kunst- und Designkritiker sowie als Buchautor bekannt.

Biographie mini|60 Schlackekegel auf einem Industriegelände. 1966, Umweltausstellung, Solingen Nach der Schulzeit und nach einer Lehre als Stahlgraveur besuchte Löbach von 1961 bis 1963 die Fachschule für Metallgestaltung und Metalltechnik in Solingen. Dort wurde er mit den Gestaltungsbereichen Handwerk, Kunst und Design konfrontiert und besonders durch den Bildhauer Arthur Waßerloos zu ersten eigenen künstlerischen Arbeiten angeregt. 1961 zeigte Löbach erstmals eine Plastik öffentlich in einer Kunstausstellung in Solingen. 1963 bis 1967 studierte Löbach Industrial Design an der Werkkunstschule Wuppertal. Für ihn besonders interessante Anregungen bekam er durch seinen Lehrer Werner Schriefers, der als informeller Maler in der Grundlehre in die Technik der Collage einführte, eine künstlerische Gestaltungsweise, die später für Löbachs eigene Arbeit bedeutsam werden sollte. Bei dem Designer Odo Klose entwarf Löbach als Abschlussarbeit eine Drehbank mit ergonomisch geformten Bedienelementen.

Von 1967 bis 1968 war Löbach als Industrial Designer bei der Firma Brown, Boveri & Cie. in Mannheim tätig und entwarf Steuerpulte für Industrieanlagen und solche für Beleuchtungssysteme in Theatern und Fernsehstudios. Im Zeitraum 1968 bis 1975 lehrte Löbach als Dozent für Industrial Design an der Werkkunstschule Bielefeld, die ab 1972 in die Fachhochschule integriert wurde. Dort richtete er eine Entwurfsabteilung für die Gestaltung von Industrieprodukten ein und knüpfte Kontakt zu Unternehmen im Wirtschaftsraum Ostwestfalen, die durch konkrete Projekte die Entwicklungs- und Gestaltungsarbeit unterstützten. Neben seiner Lehrtätigkeit studierte Löbach in den Jahren 1971 bis 1975 an der Universität Bielefeld Soziologie und setzte sich schwerpunktmäßig mit Industriekultur, Organisationssoziologie und Kommunikationstheorie auseinander. Da 1975 die Studienmöglichkeiten für die Disziplin Industrial Design im Bundesland Nordrhein-Westfalen konzentriert und in diesem Zusammenhang in Bielefeld aufgelöst wurden, folgte Bernd Löbach einer Berufung an den Fachbereich für Experimentelle Umweltgestaltung der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Dort vertrat er in diesem interdisziplinär arbeitenden Aufbaustudiengang den Lehrbereich Industrial Design. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2007 war Löbach als Professor in Braunschweig lehrend tätig und seine Lehrgebiete waren Designgeschichte, Designtheorie und Entwurfsprojektbetreuung.

Frühe künstlerische Aktivitäten – Umweltausstellungen

mini|Visuelle Erlebnisfahrten durch Ostfriesland: Gestapelte Kohlesäcke. 1969, Umweltausstellung, Galerie Groh, Oldenburg An der Fachschule für Metallgestaltung und Metalltechnik in Solingen hatte Löbach alle klassischen Bildhauertechniken erlernt und aufgrund des anschließenden Studiums zum Industrial Designer eine Vorliebe für glatte organische Formen entwickelt, wie sie von Hans Arp bekannt waren. Neben der Orientierung an den Arbeiten anderer Künstler trat aber schon früh die eigene Naturbeobachtung, die durch das Fach Naturstudium an der Werkkunstschule Wuppertal angeregt wurde. Rauhe, rissige, durch Zufälle der Bearbeitung geprägte Naturformen wurden in skulpturaler Weise erarbeitet und 1964 in einer ersten eigenen Ausstellung im Stadttheater Remscheid gezeigt sowie 1965 im Deutschen Klingenmuseum Solingen ausgestellt.

Eine wichtige Beobachtung Löbachs war, dass in der Natur und in menschlichen Arbeitsprozessen plastische Objekte entstehen, die nicht als Kunstwerke geplant waren, allerdings ästhetische Qualitäten aufweisen, wie sie bei Kunstwerken geschätzt werden. So begann er, seine „Visuelle Erlebnisse“ in Form von Umweltausstellungen zu zeigen. Interessenten wurden durch Einladungskarten angeregt, die skulpturalen Ereignisse direkt in der Umwelt aufzusuchen. „60 Schlackekegel auf einem Industriegelände in Solingen“, „Überwinterte Vogelnester in einem Waldgelände bei Bielefeld“, „34 Streugutkästen an der B 62 zwischen Siegen und Laasphe“, „Heuhaufen auf einer Wiese“ waren solche Ausstellungen mit zufällig entstandenen Skulpturen. In Zusammenarbeit mit der Galerie Hekuba in Düsseldorf zeigte Löbach 1969 vier Großbaustellen am Werstener Kreuz, in denen Straßenabsperrungen, gestapelte Steinplatten und ausgehobene Gräben als Negativräume durch Titelschildchen gekennzeichnet wurden. Da Löbach bei diesen Aktivitäten keine Werke mehr schuf, sondern auf Vorhandenes hinwies, kam er 1969 aufgrund einer Ausstellung mit Diskussion im Von der Heydt Museum Wuppertal zu dem Entschluss, als Berufsbezeichnung „Hinweiser“ zu wählen. So entstand der Name „Bernd Löbach-Hinweiser“. Damit wurde die lästige Diskussion vermieden, ob es sich bei diesem Vorgehen um Kunst handelt oder nicht. Darum ging es Löbach auch nicht, denn er wollte nicht Kunst machen, sondern auf gestalthafte Umweltereignisse aufmerksam machen. Höhepunkt dieser Aktivitäten waren „Visuelle Erlebnisfahrten durch Ostfriesland“. Nach einem Katalog konnten Interessenten eine ausgewählte Strecke von Oldenburg nach Norderney abfahren, um die an der Wegstrecke katalogisierten Umweltobjekte zu betrachten. Von Kunstkritikern wurde dies als ein deutscher Beitrag zur Land Art eingeschätzt, die in den frühen 1970er Jahren aktuell wurde.

Klaus Groh (Hrsg.): Bernd Löbach: Visuelle Erlebnisfahrten durch Ostfriesland. Hinweise auf gestalthafte Umweltereignisse. Katalog einer Umweltausstellung, Galerie Groh, Oldenburg 1969. Bernd Löbach-Hinweiser: Visuelle Erlebnisse: Hinweise auf gestalthafte Umweltereignisse, Umweltobjekte, Umweltveränderungen. Buche Verlag, Bielefeld 1970. Bernd Löbach-Hinweiser: Umwelterkenntnisse. Buche Verlag, Bielefeld 1972, und Designbuch Verlag, Cremlingen 1976, ISBN 3-923971-22-2.

Umweltkritische Kunst mini|Zwei Würfel noch atembare Luft. 1971, Fahrradaktion, Galerie La Linea, Bern/Schweiz Um 1970 begann in den Massenmedien eine weltweite Auseinandersetzung mit Umweltproblemen. Aus heutiger Sicht war dies der Beginn der Ökologiebewegung. Löbach, der sich bis dahin in einer relativ naiven Weise mit Natur und Umwelt auseinandergesetzt hatte, begriff, dass künstlerische Fähigkeiten eingesetzt werden können, um eine Entwicklung von kritischem Bewusstsein für Umweltprobleme zu unterstützen. Fotos einer Aktion, bei der Schilder mit der Aufschrift „Achtung, Hausabfälle in diese Tannenschonung werfen“ im Wald aufgestellt waren, wurden durch die Agentur Associated Press an die Massenpresse verteilt und darin veröffentlicht. Dies war ein neuer Verteilungsweg für künstlerische Botschaften, auf dem der eingespielte Weg von Galerie und Museum verlassen und eine viel größere Öffentlichkeitswirkung erreicht wurde. Eine Fahrradtour durch Bern, bei der 1971 Löbach mit seinem Galeristen Fernand Hofer mit „Würfeln noch atembarer Luft“ auf dem Kopf durch den Autoverkehr der Stadt fuhr, erregte weltweit Aufsehen und viele Fernsehanstalten übernahmen die bildliche Berichterstattung über dieses Ereignis. Damit war Löbachs „Umweltkritische Kunst“ geboren.

Bernd Löbach-Hinweiser: Umweltkritische Kunst 1: Das Museum für Wegwerfkultur auf Reisen. Museum für Wegwerfkultur, Weddel 1985. Bernd Löbach-Hinweiser: Umweltkritische Kunst 2: Am Kunstmarkt vorbei in die Gesellschaft. Designbuch Verlag, Cremlingen 1989, ISBN 3-923971-19-2.

Das reisende Museum für Wegwerfkultur mini|Die Landplage. 1986, Objektkasten, 121 × 101 cm, Museum für Wegwerfkultur, Weddel mini|Sonderangebot: Rindfleisch aus der Zeit vor Tschernobyl. 1987, Objektkasten, 51 × 41 cm, Museum für Wegwerfkultur, Weddel mini|Kleine Öllandschaft. 1989, Bodenobjekt, 50,6 × 60,7 cm, Museum für Wegwerfkultur, Weddel In den folgenden Jahren erarbeitete Bernd Löbach in kritischer Weise viele Werke zu Umweltthemen. Es entstanden Collagen, Objektkästen, Objekte, Raumgestaltungen und Aktionen, bei denen Materialien der Wegwerfkultur direkt verarbeitet wurden. Diese Arbeiten wurden zum Bestand eines reisenden „Museums für Wegwerfkultur“, das stets zu Gast in anderen Institutionen war. So wurden in der Zeit zwischen 1983 und 1998 weltweit, unter anderem in Zusammenarbeit mit 18 Goethe-Instituten, etwa 100 Ausstellungen mit dem Bestand des Museums durchgeführt. Die Besucher kamen nicht zur Kunst, sondern die Kunst ging zu den Besuchern an die Orte, an denen diese sowieso waren, in Fußgängerzonen, Rathäuser, Bürgerhäuser, Kulturzentren, Theater, Bibliotheken, allgemeinbildende Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen, kirchliche Einrichtungen, Umweltschutzorganisationen, Künstlergalerien, und Kunstvereine. In Zusammenarbeit mit Schulen wurden pädagogische Aktionen durchgeführt und die Schülerarbeiten ebenfalls in Ausstellungen gezeigt. Anhand des ausgestellten visuell wirksamen Materials führte dies zu lebendigen Auseinandersetzungen mit aktuellen Problemen wie dem gewinnorientierten Ressourcenverbrauch, der Umweltbelastung, Umweltverschmutzung und Umweltvergiftung.

Bernd Löbach-Hinweiser: Museum für Wegwerfkultur: Eine reisende Sammlung 'Umweltkritischer Kunst' zur Bildung von Umweltbewußtsein. Designbuch Verlag, Cremlingen 1993, ISBN 3-923971-38-9.

Einzel-Ausstellungen mit Werken von Bernd Löbach und seit 1983 aus dem Bestand des Museums für Wegwerfkultur Weddel

1964 Stadttheater Remscheid.

1965 Deutsches Klingenmuseum Solingen / Galerie Blome Wanne-Eickel.

1967 Galerie im Jazzkeller Saarstraße Solingen.

1968 Tsamas-Galerie Villingen / Galerie Kümmel Köln / Galerie NOS Duisburg.

1969 Von der Heydt Museum Wuppertal / Galerie Hekuba Düsseldorf / Galerie Groh Oldenburg / Galerie Jesse Bielefeld.

1970 Karl Ernst Osthaus Museum Hagen.

1971 Informationszentrale für Ereignisse Bielefeld / Kuhn Galerie Aachen / Galerie Kümmel Köln / Galerie Katakombe Basel/Schweiz / Galerie im Centre Göttingen / Aktionsgalerie Jäggli Bern/Schweiz / Galerie La Linea Bern/Schweiz / Atelier NW 8 Beidersheim / New Reform Gallery Aalst/Belgien.

1973 Kunsthaus Hamburg / Deutsch-Japanisches Kulturinstitut Kyoto/Japan.

1975 Umweltgalerie Prankl Stuttgart.

1982 Galerie für Visuelle Erlebnisse Cremlingen / Dada Research-Center Friedrichsfehn / Galerie Kunstlicht Solingen / Five Towers Micro Hall Center Augustfehn.

1983 Universidad Javeriana Bogotá/Kolumbien / Galerie Prütt & Kunstverein Wolkenstein Minden / Artestudio Ponte Nossa-Bergamo/Italien / Museum für Wegwerfkultur Weddel / Galerie Kunstkooperative Braunschweig / Workarea Dego/Italien.

1984 Galerie im Hof Gifhorn / Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen / Galerie Harmening Bückeburg / Moon Gallery Mt. Berry, Georgia/USA.

1985 Kunstverein Salzgitter / Oldenburger Kunstverein / Kunstverein Siegen / Art Space Nishinomiya/Japan / Umweltbundesamt Berlin.

1986 Galerie im Zwinger St. Wendel / Rathaus Leverkusen / Hochschule Lüneburg.

1987 Kunstverein Nordenham / Evangelische Akademie Loccum / Rathaus Siegburg / Kunstverein Gauting.

1988 Kunstverein Ladenburg / Goethe-Institut Marseille/Frankreich / Espace Bateau Lavoir Paris/Frankreich / Bürgerhaus Schortens / Kloster St. Albertus Magnus Braunschweig / Goethe-Institut Paris / Galerie Kröger Kirchheim / Städtische Galerie Spittal/Österreich / Goethe-Institut Nancy/Frankreich.

1989 Goethe-Institut Palermo & Città di Palermo/Italien / Kunstverein Hoferbad Appenzell/Schweiz / Förderkreis zeitgenössische Kunst Euskirchen.

1990