mini|Ein Teil der Destillationskolonnen (Links im Bild: CDU und VDU) der 1933 errichteten und 2010 stillgelegt und abgerissenen Shell Kanada-Raffinerie in Montreal, heute Teil des Tanklagerkomplexes von Suncor. (2009) Vakuumgasöl (VGO) oder Vakuumdestillat ist ein Zwischenprodukt des Raffinationsprozesses von Erdöl und Rohstoff für weitere Verfahren. Es entsteht bei der Verarbeitung von entsalztem und entwässertem Rohöl in einer atmosphärischen Destillationsanlage (Crude Distillation Unit, CDU), die wiederum den Rückstand (Schweröl und atmosphärisches Gasöl C20–C25) an eine Vakuumdestillationsanlage (Vacuum Distillation Unit, VDU) zur fraktionierten Destillation liefert.

In der VDU werden also leichte und schwere Vakuumgasöle C25–C35 (abgekürzt LGO/SGO, seltener auch LVGS oder SVGS) und Spindelöl hergestellt bzw. in diese Fraktionen getrennt. Hintergrund ist, dass bei der CDU die kritische Temperaturgrenze der Destillation unter Normaldruck bei etwa 350 bis 400 °C liegt. Bei Überschreitung würde die Zersetzung oder Spaltung (Cracken) in Gas und Koks folgen. Die VDU arbeitete daher unter bis zu 70 mbar Vakuum. Das Kopfprodukt ist das Vakuumgasöl (VGO) und die Seitenströme sind leichtes/schweres Spindel- oder Maschinenöl.

Verwendung

Gasöl aus der atmosphärischen Destillation (CDU) und leichtes/schweres Vakuumgasöl (LGO/SGO) aus der Vakuumdestillation (VDU) dient als Ausgangsstoff für weitere Prozesse. Diese Zwischenprodukte werden anschließend einer Fließbettspalter-Einheit (FCC) oder einem Hydrocracker zugeführt. Je nach Konfiguration der Anlage kann eine FCC-/Hydrocracker-Einheit verfügbar sein oder nicht.

Vor der FCC-Anlage wird eine Hydrorefiner-Einheit zur Entschwefelung geschaltet. Ebenso wird SGO entschwefelt. Sehr schweres Vakuumgasöl kann einer Koker-Einheit (intensives thermisches Cracken) zugeführt werden, wenn der Anlagenkomplex über diese Einheit verfügt. Der FCC-Rückstand dient außerdem der Herstellung von Asphalt aus Bitumen.

Die Produkte der FCC sind höheroktaniges Benzin (FCC-Crackbenzin) als die atmosphärischen Benzin-Destillationsschnitte (leichtes/schweres Naphtha) der CDU. Leichtes Naphtha aus der CDU wird in der Regel einer Reformieranlage zugeführt, um daraus über Katalysereaktionen vor allem Komponenten mit höherer Oktanzahl (Reformat) herzustellen. Dieses Reformat wird später mit anderen Benzinprodukten vermischt und mit Klopfbremsmitteln versetzt.

Die Produkte einer Hydrocracker-Einheit sind die C3- und C4-Moleküle, LPG, sowie leichte und mittlere Destillate.

Vakuumdestillat dient somit als Rohstoff für die Herstellung von Benzin sowie anteilig auch von Kerosin, Diesel und weiteren Gasölanteilen, auch bekannt als Crackgasöle. Der Großteil von Kerosin und Diesel stammt jedoch primär aus der CDU-Einheit. Diese Produkte werden in einem Pool mit anderen Produkten aus einer Raffinerieanlage zusammengeführt.

Crackgasöle werden ebenfalls in nachgeschalteten Destillationskolonnen getrennt. Dabei entstehen die Crackgase zur weiteren Verarbeitung, sowie die leichten und schweren Crackgasöle (LCO – Light Cycle Oil und HCO – Heavy Cycle Oil) und ein Rückstand bzw. Sumpf der FCC-Einheit.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Erdölprodukt Kategorie:Stoffgemisch