Hainbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Gemünden (Felda) im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Das Dorf liegt in Oberhessen. In Ortsnähe am Haarbacher Kopf entspringt der ortsnamensgebende Hainbach.
Geschichte Der Bereich wurde, wie es die Hügelgräber in der Gemarkung beweisen, in der Bronzezeit besiedelt.
Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 1301 „in Heymbach apud Burgemunden“ (Hainbach bei Burg-Gemünden).Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Band 1 - 4. Band 2. Nr. 10, S. 8. 1328 heißt es: „in villa dicta Heymbach“ (in dem Ort genannt Heymbach).Johann Philipp Kuchenbecker: Analecta Hassiaca, Collectio 1 -12. Marburg 1728 - 172. I. S. 80. Eine Urkunde von 1342 nennt einen „Ludwigen von Heyenbach.“Ludwig Baur: Hessische Urkunden I. Nr. 800, S. 551. Bei dem Dorfnamen handelt es sich um einen mehrdeutigen Gewässernamen. Entweder ist ein Wohnort oder Haus am Bach oder „hain“ und bezieht sich auf das ahd. Wort „hagan“, was Dornstrauch, Umgrenzung, umgrenzte Siedlung am Bach bedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 158 f. Den Ortsnamen sollte man nicht mit Haimbach verwechseln.
Im Mittelalter gehörte der Ort zu Grafschaft Ziegenhain. 1450 starb Johann II., der letzte Graf von Ziegenhain und Nidda, kinderlos. Gemäß einer Vereinbarung mit den Landgrafen von Hessen fiel in diesem Fall das Erbe an die Landgrafschaft Hessen. Aber erst 1495 konnte ein Erbstreit mit den Grafen von Hohenlohe beigelegt werden, indem die Landgrafen die Hohenloher mit 9000 Gulden für die beiden Grafschaften abfanden.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Hainbach:
Die Schule wurde zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Burg-Gemünden, Ehringshausen, Elpenrod, Hainbach, Nieder-Gemünden, Otterbach und Rülfenrod freiwillig zur neuen Gemeinde Gemünden. Für alle eingegliederten ehemaligen Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hainbach angehört(e):
vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Burggemünden ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt BurggemündenDie Zugehörigkeit des Amts Burggemünden anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Burggemünden ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Burggemünden ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde GemündenAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Gemünden. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Gemünden (Felda)
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Hainbach das „Amt Homberg an der Ohm“ zuständig. Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Hainbach zuständig war.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Homberg an der Ohm“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes AlsfeldRundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation., aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandeltErlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (). Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg, und Hainbach wurde dem Bereich des Amtsgerichts Alsfeld zugeteilt.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hainbach 180 Einwohner. Darunter waren 3 (1,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 30 Einwohner unter 18 Jahren, 66 zwischen 18 und 49, 39 zwischen 50 und 64 und 45 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 99 Haushalten. Davon waren 39 Singlehaushalte, 30 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 30 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 54 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1806: 242 Einwohner, 52 Häuser • 1829: 356 Einwohner, 50 Häuser • 1867: 293 Einwohner, 49 bewohnte Gebäude • 1875: 275 Einwohner, 47 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 356 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 227 evangelische (= 89,72 %), 25 katholische (= 9,88 %) Einwohner
Fachwerkkirche 1733 erbaut, 1789/90 repariert und von 1998 bis 2000 saniert, zeigt sich die evangelische Kirche als Fachwerksaalbau auf einem Bruchsteinsockel. Bekrönt ist sie durch ein Krüppelwalmdach mit Mitteldachreiter. Das aufwändige Ständerfachwerk weist harmonisch eingefügte, schmale Spitzbogenfenster an der Ost- und der Eingangsseite auf. Der Giebel ist verschiefert. Außergewöhnlich sind die im Innenraum der Kirche insgesamt 26 im Zuge von Renovierungen wieder freigelegten und restaurierten Ölgemälde auf Leinwand von 1775. Diese zeigen Darstellungen der Apostel, der Evangelisten und Marias und befinden sich in den Brüstungsfeldern der Empore. Die Orgelempore befindet sich auf zwei Rechteckstützen hinter dem Altar, die zusammen mit der Orgel im 19. Jahrhundert erbaut wurden.Rainer Schmid: Fachwerkkirchen im Vogelsberg. Ein Reisehandbuch. Eigenverlag Rainer Schmid, Mühlheim am Main, 1. Auflage 2013, ISBN 3-930367-31-9, S. 30 f.
Politik Für Hainbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hainbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 68,28 %. Alle Mitglieder gehören der „Ortsgemeinschaft Hainbach“ an. Der Ortsbeirat wählte Werner Lutz zum Ortsvorsteher.
Persönlichkeiten Jost Karl Pfannstiel (1816–1896), Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen und Bürgermeister von Hainbach
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Weblinks Ortsteil Hainbach. In: Webauftritt der Gemeinde Gemünden (Felda).
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Geographie (Gemünden (Felda)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Ersterwähnung 1301 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971