mini|Frühes Logo für den Amiga (1985)
Der Commodore Amiga (spanisch amiga ‚Freundin‘) war von Mitte der 1980er bis Anfang/Mitte der 1990er eine weit verbreitete Reihe von Computern. Insbesondere die Einsteigermodelle (A500 und A1200) waren als Heimcomputer beliebt. Für ihre Zeit hatten Amiga-Computer ausgeprägte Multimediafähigkeiten und ein leistungsfähiges, präemptives Multitasking-Betriebssystem. In der Commodore-Zeit arbeiteten sie durchgängig mit Prozessoren der Motorola-68000er-Familie. Bis 1996 wurden schätzungsweise 4,91 Millionen Exemplare verkauft.
mini|Die erste Amiga-Version: Amiga 1000 mit typischer Software mini|Amiga 500 mit RGB-Monitor 1084S, Maus und einem externen, zweiten Diskettenlaufwerk A1010. Auf dem Bildschirm ist die Workbench v1.3 zu sehen.
Geschichte Jay Miner war der Schöpfer und geistige Vater des Amiga. Er stieg 1981 bei Atari aus, dort war er u. a. für die Entwicklung der Spielkonsole Atari 2600 und der Heimcomputer Atari 400 und 800 zuständig gewesen. Danach gründete er das Unternehmen Hi Toro, das etwas später zur Amiga Corporation wurde. Anfangs lieferte Amiga Spielmodule und Controller für die Atari-2600-Konsole, etwas später wurde eine eigene Amiga-Spielkonsole geplant. Aus der Spielkonsole wurde in den Köpfen der Entwickler ein Computer.
Atari – damals im Besitz von Warner Communications und unter der Führung von Ray Kassar – war per Vereinbarung vom Juli 1983 Geldgeber und wollte den Amiga als Nachfolger der mittlerweile veralteten XL-Computer-Serie auf den Markt bringen. Mit dem Börsenskandal vom Dezember 1982 im Nacken musste Kassar noch im Juli 1983 zurücktreten. Der neue CEO James Morgan verfolgte weiter das Ziel, das Projekt Lorraine, wie der Amiga intern genannt wurde, als Nachfolger des XL zur Marktreife zu bringen.
Am 2. Juli 1984 verkaufte Warner Communications die Konsolen- und Computerabteilung von Atari an Jack Tramiel, den zu diesem Zeitpunkt bereits entlassenen Gründer von Commodore. Tramiel versuchte Amiga endgültig zu kaufen und bot den Aktionären 0,98 $ pro Aktie. Commodore (unter Irving Gould) bot kurz vor Ende der 24-Stunden-Frist letztendlich 4,25 US-Dollar pro Aktie und bekam den Zuschlag, wonach Commodore die Entwicklungsrichtung des Amiga immer stärker beeinflusste – nach Ansicht von Kritikern nicht immer im Geiste der Erfinder oder zum Vorteil des Amiga. Commodore überhob sich an dieser Übernahme und der folgenden Produkteinführung beinahe und geriet in eine ernste finanzielle Krise.
Das erste Amiga-Modell – später Amiga 1000 genannt – wurde am 23. Juli 1985 in New York im Rahmen einer großen Show vorgestellt, bei der der Pop-Art-Künstler Andy Warhol ein eben erstelltes Abbild der Sängerin der Band Blondie, Deborah Harry, am Amiga neu einfärbte, während die Zuschauer live dabei waren. In Deutschland fand eine ähnliche Veranstaltung am 21. Mai 1986 in der Alten Oper in Frankfurt am Main statt, die von Frank Elstner moderiert wurde. Die Entwickler demonstrierten des Weiteren die besonderen Eigenschaften, die den Amiga von den zeitgenössischen Konkurrenten IBM PC, Macintosh und Atari ST abhoben: Vierkanal-Sample-Sound (im Gegensatz zu IBM PC, Macintosh, Atari) Hardwareunterstützung für Grafik-Animation durch den Blitter farbige grafische Oberfläche (im Gegensatz zum Macintosh) präemptives Multitasking und 32-Bit-Hard- und -Softwarestruktur (im Gegensatz zu Atari, Macintosh, IBM PC)
Nach Ansicht des ehemaligen Amiga-Entwicklers Dave Haynie war der Amiga der bedeutendste Einfluss von Commodore auf die Entwicklung der Personal Computer. Der Amiga führte demnach in den 1980er Jahren folgende Innovationen im Bereich der Homecomputer ein: Multitasking, wies damit den Weg zum heutigen Multiprocessing eine Grafikausgabe, die Fotos in geringer Farbtiefe darstellen konnte Tonwiedergabe über Stereosamples Wirkungsvolle Entlastung der CPU durch intensive Nutzung anderer Chips per Speicherdirektzugriff (DMA) und nahtlose Integration in das Betriebssystem (zwar besaß bereits der erste PC auch einen DMA-Controller, jedoch wurde er nicht so effizient eingesetzt) automatische Konfiguration von Erweiterungskarten (AutoConfig des Zorro-Busses)
Als ein Kaufargument wurde die potenzielle IBM-PC-Kompatibilität herausgestellt, zunächst in Form einer Software-Emulation namens Transformer, später dann per A1060 Sidecar. Das Sidecar ermöglichte mithilfe seiner eigens dafür vorgesehenen Intel-8088-CPU den Betrieb von MS-DOS parallel zum Amiga-Betriebssystem. Entwickelt wurde das Sidecar von Commodores Entwicklungsabteilung in Braunschweig.A1060 Sidecar beim Commodore Online Museum, abgerufen am 15. Juni 2024.
Ein besonderes Merkmal des Amiga 1000 war seine sogenannte Keyboard-Garage: Die Tastatur war etwas schmaler ausgelegt, konnte dadurch unter das Rechnergehäuse geschoben werden, welches dafür extra etwas hochbeinig gestaltet war. Bei späteren Modellen wurde darauf wieder verzichtet, vor allem damit man eine Tastatur mit (näherungsweise) standardmäßiger Belegung einsetzen konnte.
Modellentwicklung mini|Amiga 500 und ein junger Computerspieler mit dem Spiel Turrican.
Während der A1000 noch eine teure und vom Anwendungsgebiet her unklare (und damit schwer verkäufliche) Mischung aus Heim- und Berufsgerät war, wurden 1987 die Modelle Amiga 500 und Amiga 2000 eingeführt. Ersterer sollte eine Art Nachfolger des legendären Heimcomputers C64 werden, letzterer glich den professionellen PCs. Der Amiga 500 wurde der nach verkauften Einheiten erfolgreichste Amiga und galt in der sich schnell entwickelnden Szene als Kult und Computer für Millionen.
Ab A2000 und A500 boten die Amiga-Modelle dem IBM-PC-Standard entsprechende parallele und serielle Schnittstellen an; beim A1000 hingegen waren die Pinbelegung sowie das Geschlecht der jeweiligen Buchse anders.
Für professionelle Anwender wurde 1988 ein Rechner namens Amiga 2500/UX angeboten, auf dem parallel ein UNIX-Betriebssystem (AMIX) verfügbar war. Technisch gesehen waren die Amiga-2500-Modelle mit dem normalen Amiga 2000 nahezu identisch. Wie schon beim Amiga 2000 konnten sie durch den Einbau eines zusätzlichen Prozessorboards (mit einer 68020-, 68030-, 68040- bzw. 68060-CPU) deutlich beschleunigt werden.
Als Bindeglied zwischen Amiga und der IBM-PC-Welt besaß der Amiga 2000 und alle weiteren Desktop bzw. Tower Amigas sowohl die Amiga-eigenen Zorro-2-Slots als auch IBM-PC-typische ISA-Steckplätze. Diese konnten mit einem bridge board (Brückenkarte bzw. PC-Emulator, dem Nachfolger des Sidecar) aktiviert werden. Damit besaß man dann einen vollwertigen IBM-PC im Amiga, auf den man von Amiga-Seite aus zugreifen konnte.
1990 wurde Amiga 3000 in einer Desktop- und Tower-Variante (Amiga 3000T) vorgestellt. Er brachte den neuen Grafikchipsatz ECS mit. Dadurch konnten höhere Monitorauflösungen dargestellt werden. Das erstmals mit dem A3000 ausgelieferte Betriebssystem AmigaOS 2.0 wies zahlreiche Neuerungen und Optimierungen auf. Der Amiga 3000 wurde – nicht zuletzt dank des fortschrittlichen Betriebssystems – ein Erfolg. Er ist heute vergleichsweise selten, und Liebhaber zahlen dafür deutlich höhere Preise als beispielsweise für seinen Nachfolger, den Amiga 4000. Auch vom A3000 gab es eine A3000/UX-Version, die mit AMIX statt AmigaOS ausgeliefert wurde.
Mit dem Amiga 500 Plus wurde 1991 für den Amiga 500 ein technisch überarbeiteter Nachfolger geschaffen (ECS, AmigaOS 2), der wiederum 1992 durch den veränderten Amiga 600 (IDE Anschluss, kleineres Gehäuse) ersetzt wurde. Beide Folgemodelle waren kommerziell erfolglos, auch da nach wie vor die originären Amiga-500-Modelle günstiger angeboten wurden.
Mehr Erfolg hatte der ebenfalls 1992 eingeführte, technisch stark verbesserte Amiga 1200, der die Amiga-Familie erweiterte. Der Amiga 1200 wurde als kostengünstige Variante seines großen Bruders, des Amiga 4000 (sowie Tower-Variante Amiga 4000T) eingeführt. Dieser kam als Nachfolger des Amiga 3000 auf den Markt. Die große Neuerung des Amiga 4000 war der neue Grafikchipsatz AGA (in Deutschland AA genannt), der einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem ECS Chipsatz des Vorgängermodells bedeutete.
Der Amiga 4000T (im Tower-Gehäuse) erschien 1993 und war das letzte Modell, das Commodore vor der Liquidierung auf den Markt bringen konnte. Lediglich 200 Exemplare sollen damals ausgeliefert worden sein. Amiga Technologies legte den Amiga 4000T später nahezu unverändert neu auf.
Die wesentliche Gemeinsamkeit zwischen Amiga 1200 und Amiga 4000 besteht in der Verwendung der gleichen Kickstart-Version, der gleichen Workbench und des AGA-Grafikchipsatzes (in Deutschland „AA“, s. u.). Ansonsten ist der Amiga 4000 dem A1200 technisch überlegen, weil er über einen 32 Bit breiten Adressbus verfügte (im Gegensatz zu den 24 Bit des Amiga 1200), durch die Zorro III-Steckplätze erweiterungsfähig war und den leistungsfähigeren Prozessor MC68040, in preiswerteren Versionen einen MC68EC030, verwendete.
mini|Logo des Amiga CD³²
Commodore versuchte bereits Anfang der 1990er Jahre, mit dem CDTV (einem Amiga im Design eines CD-Spielers mit der vereinigten Funktionalität beider) den Amiga als Multimedia-Plattform zu positionieren und in die Wohnzimmer zu bringen. Zu dieser Zeit entstand das Autorensystem AmigaVision. Kurz vor dem Niedergang Commodores folgte 1993 dann das CD³², dem trotz aufwendiger Fernsehwerbung der große Durchbruch versagt blieb, weil Commodore nicht die georderten Mengen produzieren und ausliefern konnte. Das CD³² basiert auf der Amiga-1200-Hardware, die um ein CD-ROM-Laufwerk sowie einen Customchip (Akiko) erweitert worden war. Tastatur, Floppy und Festplatte ließen sich optional nachrüsten.
Erweiterungen mini|Letztes offizielles Logo
Die Modelle Amiga 500/600/1200 waren die kostengünstigen Varianten der großen Amiga-Desktop-Modelle (Amiga 2000/4000). Tastatur, Floppy (Diskettenlaufwerk), Erweiterungsschnittstellen und die Hauptplatine bilden eine Einheit. Beim A600 und A1200 ist unter anderem noch Platz für eine 2,5″-ATA-Festplatte. Im A1200 lässt sich mit ein wenig technischem Geschick und einem passenden Adapterkabel eine 3,5″-Festplatte einbauen. Zudem gab und gibt es für den Amiga 500 sogenannte Turbokarten, diese enthielten einen 32-Bit-Prozessor, wie 68020, 68030, 68040, und teilweise eine FPU. Da keine internen Steckplätze für solche Karten vorhanden waren, wurde der Prozessor entfernt und an dessen Stelle die Erweiterungskarte gesteckt. Eine einfache Möglichkeit, den A500/A2000 etwas schneller zu machen, war der Austausch der CPU 68000 gegen einen 68010-Chip. Dieser ist pinkompatibel zum 68000, benötigt aber für einige Befehle weniger Taktzyklen und hat einen 6-Byte-Befehls-Cache. Eine zweite Möglichkeit der Aufrüstung für den A500 ergab sich durch den Expansionsport am linken Gehäuserand, hier boten Firmen wie GVP Erweiterungen für Festplattencontroller oder mit 68030-CPU in einem ansteckbaren Gehäuse an. Die Modelle Amiga 2000/3000/4000 sind erweiterbare Systeme, in denen zusätzliche Laufwerke und Erweiterungskarten integriert werden können. Die Modelle 3000 und 4000 wurden auch als Tower-Versionen angeboten und waren im oberen Preissegment angesiedelt – vergleichbar mit heutigen High-End-Rechnern.
Die Amiga 3000/4000 wurden mit verschiedenen Prozessoren angeboten. Die Palette reicht vom 68020 bis hin zum 68040. Es gab sogar eine Sonderanfertigung des Amiga 4000 mit einem 68060-Prozessor, die durch die Insolvenz von Amiga Technologies nur kurzzeitig in den USA ausgeliefert wurde. Dieses Modell war allerdings nur ein gewöhnlicher Amiga 4000T, der durch eine QuikPak 4060 erweitert worden war.