Weltweit sind Bernsteinvorkommen von mehr als 200 Fundorten aus allen Kontinenten bekannt.

Einleitung Die Zahl der Bernsteinfundorte wächst ständig. Die folgende Aufstellung wird in Abhängigkeit verfügbarer Quellen daher fortlaufend ergänzt. Gleichwohl wird die Auflistung hinsichtlich der Fundorte nicht vollständig sein können, da längst nicht alle Fundstätten wissenschaftlich untersucht sind, mithin also die Quellenlage problematisch ist. Überdies sind mitunter aus einer geografischen Region überaus zahlreiche Fundstellen bekannt, von denen zumindest einige Bernstein gleicher Genese liefern. In solchen Fällen wird lediglich auf etwaige Unterschiede in den Bernsteinarten verwiesen, nicht aber jeder Fundort aufgeführt. Beispielsweise sind in Spanien rund 120 Fundstellen kreidezeitlichen Bernsteins bekannt, deren geografische Verteilung und deren stratigrafische Position darauf hindeuten, dass der Bernstein zahlreicher dieser Fundorte eine übereinstimmende Entstehungsgeschichte hat.

Das Alter der Bernsteinvorkommen reicht von devonisch bis zur jüngsten Epoche des Tertiärs, dem Pliozän. Beinsteinvorkommen sind in diesem Kontext als Fundstätten fossiler Harze unterschiedlichen Alters gemeint. Auf den Begriff „Bernsteinlagerstätten“ wurde verzichtet, da in der Geologie als Lagerstätte ein abbauwürdiges Vorkommen bezeichnet wird, dies aber auf die weitaus meisten Bernsteinfundorte nicht zutrifft. Auch wird der Begriff Bernstein hier in einer weiten Auslegung verwendet. Die in der Fachliteratur der letzten Dekaden mitunter vertretene Auffassung, dass als Bernstein im engeren Sinne nur Succinit zu verstehen ist, findet in dieser Betrachtung geografischer Vorkommen keine Berücksichtigung.

Die Zahl der Fundstellen ist nicht gleichbedeutend mit Bernsteinarten. Mitunter weisen die Merkmale fossiler Harze unterschiedlicher geografischer Herkunft Übereinstimmungen auf, die auf eine gemeinsame Genese dieser Harze deuten. Einige Bezeichnungen werden für Bernsteinvorkommen unterschiedlicher geografischer Herkunft aufgrund von Übereinstimmungen ihrer chemischen/physikalischen Eigenschaften verwendet. Als Rumänit beispielsweise wird Bernstein bezeichnet, der in geografisch weit voneinander entfernten Regionen, in Rumänien (Karpaten) und in Ostsibirien (auf der Insel Sachalin), unabhängig voneinander, jedoch unter ähnlichen Bedingungen und etwa zeitgleich entstanden ist. Ein anderes Beispiel ist die Bezeichnung Succinit, ein Name, der in seiner heutigen Verwendung auf eine bestimmte botanische Herkunft des fossilen Harzes weist, der in der Literatur aber auch oft synonym für Bernstein im Allgemeinen verwendet wird und zugleich als Bezeichnung für Baltischen Bernstein dient. Wenn auch Baltischer Bernstein ganz überwiegend Succinit ist, kommen in den Fundgebieten des Baltischen Bernsteins und mit ihm zusammen auch andere fossile Harze vor. Dazu gehören beispielsweise Gedanit, Beckerit, Stantienit, Glessit und Krantzit.

Manche Namen sind traditionell geprägt. Einmal verliehen – meist vom Entdecker eines Fundortes – hat der Name sich eingebürgert, selbst wenn er eine Abgrenzung zu anderen fossilen Harzen suggeriert, die sich bei näherer Betrachtung nicht halten lässt. Auch der umgekehrte Fall kommt vor: Ein bereits vergebener Name wird auf neue Funde übertragen, obwohl die fossilen Harze sich deutlich voneinander unterscheiden. Als Beispiel sei hier Copalin angeführt. Dieser Begriff wird für fossile Harze aus dem eozänen Londonton und auf zwei altersmäßig unterschiedliche fossile Harze angewendet, die in Österreich gefunden wurden (kreidezeitliches Harz aus dem Rosental und altteriäres Harz aus der Nähe von Gablitz bei Wien), im Ganzen also auf drei unterschiedliche fossile Harze. Mit Copal haben alle diese Harze trotz der Namensähnlichkeit nichts zu tun.N. Vávra: Bernstein und andere fossile Harze. In: Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft. Jg. 31, Nr. 4, S. 213–254, Idar-Oberstein 1982.N. Vávra: Fossile Harze aus dem alpinen Mesozoikum. In: Bernstein - Tränen der Götter. Bochum, 1996, ISBN 3-921533-57-0.

Hinzu kommen mannigfache Handelsbezeichnungen, von denen einige sich mit den in der Tabelle aufgeführten Begriffen überlappen oder ihnen ähneln, nicht aber unbedingt das gleiche ausdrücken. Solche Handelsbezeichnungen sind hier nur erwähnt, wenn durch sie Verwechslungen auftreten könnten (s. China-Bernstein). Ganz abgesehen von Handelsbezeichnungen für Bernsteinimitationen, die stark an Bezeichnungen für natürliche fossile Harze erinnern (z. B. ist Bermit eine in Russland übliche Handelsbezeichnung für ein auf Polyesterharzbasis erzeugtes Bernsteinimitat und hat nichts mit dem aus Myanmar stammenden natürlichen fossilen Harz Birmit zu tun).G. Gierłowska: Guide to Amber Imitations. Gdańsk 2003, ISBN 83-917704-3-5.

Die vorgenannten Beispiele stehen stellvertretend für zahlreiche Probleme, Fragestellungen und Missverständnisse, die sich aus den nicht immer klar zueinander abgrenzbaren Bezeichnungen fossiler Harze ergeben können.

Liste Die folgende tabellarische Liste soll einen Überblick über möglichst viele Bernstein-Fundstellen weltweit geben. Synonym verwendete Namen sind berücksichtigt, wenn deren Verwendung aus jüngerer Literatur bekannt ist.

+ Übersicht Bernsteinvorkommen (weltweit) (*) Bernstein-Vorkommen (**) (weitere Namen) Fundstellen Epoche der Entstehung (Alter in Mio. Jahren) Anmerkungen Europa Baltischer Bernstein (Succinit, zahlreiche akzessorische Harze) Nordsee, Ostsee, Anrainerstaaten, vor allem Samland Eozän (40–54)S. Ritzkowski: K-Ar-Altersbestimmung der Bernstein führenden Sedimente des Samlandes (Paläogen, Bezirk Kaliningrad). In: Metalla (Sonderheft) 66, 19–23, Bochum 1997. Der Bernstein liegt nicht auf primärer Lagerstätte (teils mehrfach umgelagert). Bitterfelder Bernstein (Succinit, Goitschit, Durglessit, Bitterfeldit, Pseudostantienit, Glessit, Gedanit, Siegburgit, Scheibit) Mitteldeutschland, Lausitz, Bitterfeld, Goitsche u. a. Untermiozän bis Eozän (20–50) Es handelt sich zumindest bei der Lagerstätte Goitsche möglicherweise um Vorkommen gleicher Genese wie Baltischer Bernstein (allerdings umstritten) auf miozäner Lagerstätte. Bei den als Synonyme angegebenen Bezeichnungen handelt es sich zumeist um akzessorische (fossile) Harze. Weitere mit Braunkohlevorkommen verknüpfte Funde sind von Böhlen nahe Leipzig und aus dem Braunkohletagebauen bei Helmstedt (hier hauptsächlich Krantzit und Oxikrantzit) bekannt. Die Beziehungen dieser Bernsteinlagerstätten zueinander und das absolute Alter des Bernsteins (primäre Lagerstätte?) werden kontrovers diskutiert. Bernstein aus Bayern (Schlierseerit) Am Schliersee (Oberbayern) Unterkreide (90–100) Kleine Stücke mit eingeschlossenen Mikroorganismen. Jütländischer Bernstein (Succinit) Dänemark, Jütland Eozän (40–54) Es handelt sich um Bernstein gleicher Genese wie Baltischer Bernstein, der möglicherweise (aber wohl nicht ausschließlich) aus Südskandinavien in die Nord- und Ostseegebiete um Dänemark transportiert wurde. Die Bezeichnung Jütländischer Bernstein ist fast nur in Dänemark gebräuchlich. Bernstein von BornholmSven Gisle Larsson: Baltic Amber - a Palaeobiological Study. Entomograph Volume 1, Klampenborg (DK) 1978. Dänemark Jura (160) Es handelt sich um sehr geringe Vorkommen. Organische Einschlüsse sind nicht bekannt. Ukrainischer Bernstein (Succinit, Delatynit) Verschiedene Regionen in der Ukraine (Riwne (Rovno), Lwiw, Iwano-Frankiwsk) Eozän (40–54) Es handelt sich – zumindest bei einem Teil der Fundstätten – um Bernsteinvorkommen möglicherweise gleicher Genese wie Baltischer Bernstein (wird diskutiert); auf eozäner, oligozäner bzw. miozäner Lagerstätte. Die Vorkommen liegen zum Teil in der Grenzregion zu Belarus und Polen und setzen sich dort fort. Das in der Literatur auch unter der Bezeichnung "Rovno-Bernstein" (nach der gleichnamigen Stadt im NW der Ukraine) diskutierte Vorkommen ist chemisch mit Baltischem Bernstein identisch.E. Perkovsky et al.: Rovno Amber. In: Biodiversity of fossils in amber from the major world deposits. Hrsg.: D. Penney; S. 116–136; ISBN 978-0-9558636-4-6. Sizilianischer Bernstein (Simetit) Bei Catania (Sizilien) Vermutlich Oberes Miozän (5–6) Durch den Fluss Simeto (namensgebend) aus Zentralsizilien an die Ostküste Siziliens verfrachtet (Strandfunde). Hinsichtlich des Alters schwanken die Angaben erheblich(1 Mio. bis >25 Mio. J.). Dem Simetit sehr ähnliche fossile Harze wurden im Apennin gefunden. Bernstein aus den italienischen Dolomiten Bei Cortina d’Ampezzo Obertrias (220) enthält zahlreiche Mikroorganismen (gehören zu den ältesten Bernsteinfossilien überhaupt).Bernstein aus den italienischen Dolomiten. Bernstein aus der Schweiz Verschiedene Fundorte Paläozän (55), Keuper (200) und Carnium (220)A. Breda et al.: The Carnian Pluvial Event in the Tofane Area (Cortina D'Ampezoo, Dolomites, Italy). In: Geo.Alp Vol. 6, S. 80–115, Innsbruck, 2009 Mindestens acht Bernsteinfundstellen unterschiedlichen Alters, zumeist in der Flyschzone zwischen Genfersee und Bodensee gelegen, sind bekannt. Organische Inklusen nur vereinzelt,M. Soom: Bernstein vom Nordrand der Schweizer Alpen. In: Bernstein-Neuigkeiten. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde – Serie C – Nr. 18, S. 15–20, Stuttgart 1984. z. B. im sogenannten Plaffeiit (benannt nach einer Ortschaft in der Nähe des Fundortes) aus dem Flysch am Nordalpenrand. Bernstein aus Österreich (u. a. Rosthornit, Hartit, Köflachit, Kochenit, Jaulingit, Copalin, Golling-Bernstein) Verschiedene Fundorte u. a. Trias (230), Unterkreide (120), Eozän (50), Oberes Miozän (8) Zumeist kleine Mengen fossiler Harze unterschiedlicher Genese von mindestens zwölf Fundstellen, die nicht miteinander im Zusammenhang stehen. Organische Inklusen nur vereinzelt.Norbert Vávra: Bernstein und verwandte Organische Minerale aus Österreich. In: Beitr. Paläont. 29: S. 255–280, Wien 2005. Norbert Vávra: "Reich an armen Fundstellen": Übersicht über die fossilen Harze Österreichs. In: Bernstein-Neuigkeiten. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde - Serie C - Nr. 18, S. 9–14, Stuttgart 1984. Bernstein aus Frankreich Pariser Becken, Aquitanisches Becken (SW-Frankreich), OiseDario De Franceschi, Jean Dejax and Gaël de Ploëg: Extraction du pollen inclus dans l'ambre (Sparnacien du Quesnoy (Oise), bassin de Paris). In: C. R. Acad. Sci. Paris, Earth and Planetary Sciences 330, 2000, 227–233. Oberkreide (Cenomanium) (85) und Eozän (53) (Oise); Charentese-Bernstein Ein Bernsteinvorkommen (Allingit) der südwestlichen Schweiz ragt bis nach Frankreich hinein, ein weiteres liegt im Norden der Pyrenäen. Bernstein aus Spanien Bei

a) Santander (Kantabrien; Höhlen von El Soplao)

b) Penacerrade-Moraza (Alava-Bernstein)

c) zahlreiche Fundorte; u. a. Teruel

d) bei Alicantea) Unterkreide (Albium) (110)

b), c) Kreide

d) Obere Triasa) Inklusenreicher, grau-bläulicher Bernstein. Es soll sich um die größte kreidezeitliche Bernsteinlagerstädte Europas handeln. Bernstein aus Portugal Steilküste nahe Cascais Oberkreide(Cenomanium) (95-90) Die lokale Fundlage wird als Belasiano bezeichnet.C. Gröhn: Alles über Bernstein. Neumünster 2013. Bernstein aus Ungarn hpts. nördlich des Plattensees Oberkreide (70–90) und Trias (220) Zumeist Ajkait (nach der ungarischen Stadt Ajka) bezeichnet. Der Name wird als Sammelbegriff für verschiedene fossile Harze aus dieser Region angesehen.N. Vavra: Chemical Characterization of Fossil Resins („Amber“) – A Critical Review of Methodes, Problems and Possibilities: Determination of Mineral Species, Botranical Sources and Geographical Attribution. In Abh. Geol. B.-A. Band 49, S. 147–157, Wien, 1993. Weitere (teils historische) Fundorte verschiedener fossiler Harze unterschiedlichen Alters. Beispielsweise der kaum bekannte eozäne-oligozäne „Bakony-Bernstein“, der aus der Braunkohle bei Zirc stammtK. H. Neuwald: Funde fossiler Harze in Ungarn. In: Fossilien, Heft 1, Korb 2006. oder triassischer Bernstein aus der Umgebung des Balaton. Bernstein aus Tschechien