Siduri ist eine Göttin der altbabylonischen Zeit. Ihr Name bedeutet so viel wie „Sie ist mein Schutz“ bzw. in hurritischer Schreibung „Junge Frau“.

Erste Erwähnung findet sie in altakkadischen Inschriften. Ab der mittelbabylonischen Zeit wird sie mit Ishtar und Ninkasi gleichgesetzt. Entsprechend gilt sie als kleine Göttin der Schankwirte und Brauer aber auch der Weisheit. Ihr ist die Hymne „Königin von Nippur“ gewidmet, in der viele Aufforderungen zum Glauben und Frömmigkeit genannt werden, wie „sucht keinen anderen Gott“ oder „hört auf die Weisungen der Götter“. Ihre bekannteste Rolle ist die als weise Ratgeberin im Gilgamesch-Epos.

Carpe Diem Die Weisung der Siduri gilt als ältester Beleg für das Carpe-Diem-Konzept in der Literatur. Sie gibt Gilgamesch folgenden Rat:

Dieses Zitat wurde in der Standardversion des Gilgamesch-Epos entfernt, ist aber in anderen Fassungen, z. B. der Assyrischen Fassung aus Niniveh, enthalten. Wahrscheinlich wurde die Passage entfernt, um nachträglich die Sintflutgeschichte des Atraḫasis-Epos in das Gilgamesch-Epos zu integrieren.

Auszug aus dem Gilgamesch-Epos Gilgamesch gelangt ganz im Westen zum Eingang des Weges der Sonne durch die Unterwelt. Den Skorpionmenschen, die den Eingang bewachen,Gilgamesch 9. Tafel In: lyrik.ch, abgerufen am 21. August 2017. berichtet er von seinem Vorfahren Utnapishtim, den er zum Geheimnis des Lebens befragen will. Sie sagen, dass den 12 Wegstunden langen Sonnentunnel noch niemand durchschritten habe, und lassen Gilgamesch hineingehen. Er erreicht rechtzeitig vor Sonnenaufgang den Ausgang und gelangt von dort zu einem Garten voller Edelsteinbäume. Dieser liegt nahe an einem Meer, an dessen Ufer eine Schenke steht. Die Schenkin Siduri sieht Gilgamesch von Weitem kommen.Gilgamesch 10. Tafel In: lyrik.ch, abgerufen am 21. August 2017.

Gilgamesch tritt heran und droht, die Tür einzuschlagen, so bittet sie ihn lieber zu sich hinein. Nachdem er ihr vom Tode seines Freundes Enkidu und seiner Suche nach dem ewigen Leben berichtet, erbarmt sie sich seiner und erklärt ihm den weiteren Weg: Um Utnapishtim zu begegnen (der auf einer weit im Meer gelegenen Insel lebt), muss er das Todesgewässer überqueren; allein Urschanabi, der Fährmann der Steineren, könne ihm hierbei helfen ...

Siduri in anderen Kulturen Siduri scheint in verschiedenen Kulturen des vorderen Orients verschiedene Rollen bekleidet zu haben. Ein Hinweis ist dabei schon die Änderung ihres Namens von Siduri „Sie ist mein Schutz“ zu der hurritischen Version Šiduri „junge Frau“. Lambert sieht diese Wandlung mit der allmählichen Assimilierung durch Ishtar verbunden.

Viele Autoren sehen Siduri auch als Vorlage für Kirke, die ähnliche Ratschläge Odysseus, dem Helden der Odyssee, erteilt. Dementsprechend wird vermutet, dass das Konzept auf mesopotamische Wurzeln zurückgeht.

Siehe auch Sumerische Religion Ur-šanabi, im Gilgamesch-Epos erwähnter göttlicher Fährmann des Uta-napišti Rede der Siduri (auch: Rat der Siduri), Passage aus der altbabylonischen Fassung des Gilgameš-Epos

Literatur Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos. Beck, München 2006, ISBN 3-406-52870-8 Lyrik Online, the international poetry connection: Gilgamesch-Epos

Einzelnachweise

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