Schadges ist ein Stadtteil von Herbstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Ortsgeschichte Mittelalter Die Ersterwähnung von Schadges Schadiges stammt aus dem Jahre 1296: „… molendium in Stockhusen et coetra bona nostra et in villa Schadiges sita …“ (die Mühle in Stockhausen und unsere Güter dort und in Schadges)Johann Friedrich Schannat: Diocesis Fuldensis. Leipzig 1724. Nr. 97, S. 299. Die Quelle findet sich in einm Kopiar aus dem 17. Jahrhundert. Schadges wird hier bereits mit der Siedlungsform villa bezeichnet. Bei den genannten Gütern handelt es sich um fuldischen Besitz. Eine Urkunde von 1299 nennt ebenfalls die Siedlungsform „villa“ für Schadges: „… villam dictam Schadiges …“Franz Michael Denner: Urkunden der ehemaligen Fuldischen Ämter. Fulda 1820. Band 5. S. 363. Diese Urkunde wurde in einem Kopiar des 19. Jahrhunderts überliefert. In einem weiteren Kopiar wird „… die smitten Zum Schadiges …“ erwähnt.StAM, K 436, Nr. 237, S. 520.
Der Ortsname Schadges wird im Genitiv gebraucht und wird aus dem Beinamen „Schadic“, der Schädliche, hergeleitet. Im Mittelhochdeutschen hieß das Adjekitv schadic.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 325 f. Neuzeit Mit der Gebietsreform in Hessen wurde Schadges durch Landesgesetz am 1. August 1972 ein Stadtteil von Herbstein.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schadges angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Gericht Stockhausen der Freiherren von Riedesel zu Eisenbach (Mannlehen des Fürstbistum Fulda) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Gericht Stockhausen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Altenschlirf ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HerbsteinTrennung zwischen Justiz (Landgericht Altenschlirf) und Verwaltung. ab 1825: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1866: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach am 1. August 1972 wurde Schadges als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Herbstein eingegliedert. ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Herbstein ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Herbstein
Recht Materielles Recht In Schadges galten die Riedesel’schen Verordnungen als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese Verordnungen keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt theoretisch seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, in der gerichtlichen Praxis wurden aber nur noch einzelne Bestimmungen angewandt. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst. Arthur B. Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 29, Anm. 92 und S. 103, Anm. 14.
Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Schadges ab 1806 das „Riedeselsche Patrimonialgericht Altenschlirf“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Altenschlirf“ war daher von 1821 bis 1853 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Altenschlierf, das für Schadges zuständig war. 1853 erfolgte die Verlegung des Landgerichts nach Herbstein.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Herbstein und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Ab 1943 wurde das Amtsgericht Herbstein nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach betreiben, bevor es 1968 endgültig aufgelöst wurde und in dem Amtsgerichtsbereich von Lauterbach zugeschlagen wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1961: 74 evangelische und 33 katholische Einwohner
Politik Ortsvorsteherin ist Doris Kurz (Stand Juni 2016).
Naturdenkmal mini|100px|Das Geotop – Dicke Steine Der Geotop „Dicke Steine“ liegt ca. 400 m nordöstlich des Dorfes am Rande des Brandwaldes in der Gemarkung Heiliges Kreuz. Er zählt zu den erdgeschichtlich bedeutenden Relikten des Vulkanismus im Vogelsberg. Der Aufschluss war früher ein kleiner Steinbruch, der stillgelegt und sich selbst überlassen wurde. Dies erklärt das schwer durchdringliche Dickicht, das die Felsen umgibt. Der Geotop wird von schwarzen, feinkörnig dichtem Alkalibasalt gebildet. Das Gestein ist kompakt und weist ein porphyrisches Gefüge mit Olivin und Klinopyroxen-Einsprenglingen auf. Die Felsen sind Reste von einem Gang und umgeben von Gesteinen aus verkieselten Sanden. Die 2–3 m hohe und 5 m lange Klippe wird von auffällig dünnen Säulen mit einem Durchmesser von lediglich 5 bis 15 cm gebildet.
Wirtschaft und Infrastruktur Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3139. Den Öffentlichen Personennahverkehr stellt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen mit den Buslinien VB-28 und VB-48 sicher.
Im Ort wachsen ca. 30 Weinreben. Für die Einwohner des kleinsten Stadtteils steht ein Dorfgemeinschaftshaus zur Verfügung.
Fußnoten Anmerkungen
Einzelnachweise
Weblinks Stadtteil Schadges im Internetauftritt der Stadt Herbstein.
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