Wachtmeister war in deutschsprachigen Streitkräften ursprünglich der für den Wachdienst verantwortliche, später dem Feldwebel (NATO: OR-6) gleichgestellte Unteroffiziersdienstgrad bei der Kavallerie und der ArtillerieWörterbuch zur deutschen Militärgeschichte, Schriften des Militärgeschichtlichen Instituts der DDR, 1. Auflage 1985, L-Nr. 5, P 189/84, S. 1034, Definition: „Wachtmeister“.
Wachtmeister, als Amts oder Rangbezeichnung, fand im deutschsprachigen Raum aber auch Verwendung in anderen Bereichen wie beispielsweise Polizei, Justiz, Zolldienst und Grenzschutz, bis hin zur Päpstlichen Schweizergarde.
Unabhängig davon ist „(Herr bzw. Frau) Wachtmeister“ in der deutschen Umgangssprache immer noch eine Sammelbezeichnung besonders für uniformierte Polizisten (ungeachtet des tatsächlichen Dienstgrads), gerät aber allmählich außer Gebrauch.
Begriffsgeschichte mini|hochkant|Wachtmeister der Reysigen in einem deutschen Ständebuch von 1568
Die heutige Bezeichnung und Einordnung stammt aus dem Mittelalter. So wurden in Städten wie Regensburg Schutzgemeinschaften gebildet. Die Nachbarschaft half sich gegenseitig bei Feuer, Hochwasser und sonstigem Ungemach. Eine Schutzgemeinschaft (acht in Regensburg) wurde „Wacht“ genannt, der Anführer „Wacht-Meister“.
Der auch bei den Landsknechten bzw. Reisläufern („Reisigen“) im 16. Jahrhundert amtierende WachtmeisterVgl. Leonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 82 und 84. (siehe: Feldwebel) war in den Heeren des Absolutismus der ranghöchste Unteroffizierdienstgrad. Innerhalb der Kompanie oblag ihm die Kontrolle der Wachtposten und die Erledigung von Verwaltungsaufgaben (Gleich hinter ihm rangierte im Deutschen Kaiserreich der Vize-Wachtmeister).
Der Feldwachtmeister bzw. Obrist-Wachtmeister bzw. Oberstwachtmeister übernahm als Stabsoffizier diese Aufgaben auf Regimentsebene. Die Bezeichnung wurde allmählich von Major abgelöst.
Der Generalfeldwachtmeister bzw. Generalmajor überwachte bei größeren Truppenverbänden u. a. die Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.
Als Wachtmeister-Leutnant wurden bis ins 18. Jahrhundert hinein militärische Adjutanten tituliert.
Deutschland Bundesrepublik nach 1945 Bundeswehr In der Deutschen Marine nimmt der Wachtmeister die Funktion des Kompaniefeldwebels (im Soldatenmund Spieß) wahr.
Polizei, Justiz, Zoll und Grenzschutz mini|100px|„Oestergaard“-Uniform, ab 1976: Schulterklappe eines PWm, ohne Rangabzeichen In den Landespolizeien der Bundesrepublik Deutschland bildete der Polizeiwachtmeister (PWm) das Eingangsamt des einfachen Dienstes. Anfangs wie ein Mannschaftsdienstgrad der Bundeswehr entlohnt, stand er nach Höherstufungen in der Besoldungsordnung A zuletzt in der Besoldungsgruppe A 5 (äquivalent dem Unteroffizier der Bundeswehr). Mit der Abschaffung der Amtsbezeichnung in allen Länderpolizeien, Mitte der 1970er Jahre, wurden alle Polizeiwachtmeister zu Polizeioberwachtmeistern befördert (Besoldungsgruppe A 5 mit Amtszulage). Die bisherigen Polizeioberwachtmeister avancierten jedoch nicht automatisch zu Polizeihauptwachtmeistern. Im Bundesgrenzschutz war der Wachtmeister im BGS hingegen, von 1956 bis 1971, der Eingangsdienstgrad der sogenannten Unterführer. Er wurde 1971/72 abgeschafft und dessen Inhaber zu Oberwachtmeistern im BGS befördert. Mit der Abschaffung des einfachen Dienstes im BGS (Grenzjäger-Laufbahn), im Jahr 1976, kamen die Oberwachtmeister auf den Aussterbeetat. BGS-Bewerber wurden nun als Polizeihauptwachtmeisteranwärter im BGS angestellt. Zuvor war der Polizeihauptwachtmeister im BGS zum Eingangsamt des mittleren Dienstes avanciert.
Die Beamten der einfachen Laufbahn der Bundeszollverwaltung führen indes noch Wachtmeister-Dienstgrade. Diese umfassen vier Ämter: Zolloberwachtmeister (Besoldungsgruppe A 3), Zollhauptwachtmeister (Besoldungsgruppe A 4), Erster Zollhauptwachtmeister (Besoldungsgruppe A 5), Erste Zollhauptwachtmeister (Besoldungsgruppe A 6). Der einfache Zolldienst wird jedoch abgeschafft, es erfolgen keine Neueinstellungen mehr in diese Laufbahn.Rundschreiben des BMI vom 14. September 2020 – D3 – 30200/101#6, Festsetzung von Zusätzen zu den Grundamtsbezeichnungen
Analog beschäftigen die Justizdienste der Bundesländer weiterhin Justiz-/Gerichtswachtmeister (SB) im einfachen Dienst. Einsatzgebiete sind bspw. die Einlasskontrolle in den Gerichten und Staatsanwaltschaften, die Vorführung von Gefangenen im Gericht, die dortige Wahrung von Sicherheit und Ordnung, sowie der Aktentransport. Auch mit der Zustellung von Schriftstücken sind sie gelegentlich befasst. Einige Bundesländer unterhalten, für besonders gefährdete Justizverfahren, eine spezielle Eingreifgruppe der Justizwachtmeisterei.
Daneben war bzw. ist „Wachtmeister“ im Amtsdeutschen die Sammelbezeichnung (SB) aller Wachtmeister-Dienstgrade, unabhängig von ihrer tatsächlichen Einzelbezeichnung (Oberwachtmeister, Hauptwachtmeister usw.). Entsprechend hat sich in der bundesdeutschen Umgangssprache die Bezeichnung „Wachtmeister“, als Anrede für uniformierte Polizisten jedweden Ranges, bis heute erhalten.
DDR bis 1990 NVA der DDR In der Artillerie der Nationalen Volksarmee der DDR war Wachtmeister der niedrigste Portepee-Unteroffiziersrang (OR-6). Gemäß der Neufassung der Dienstlaufbahnordnung vom 10. Dezember 1970 wurde er durch die waffengattungsübergreifende Bezeichnung Feldwebel ersetzt.Dienstlaufbahnordnung vom 24. Januar 1962 in der Fassung vom 10. Dezember 1970, nach Keubke/Kunz (2003), S. 134 Das Äquivalent in der Volksmarine war Meister der Volksmarine ebenfalls OR-6.
Zollverwaltung und Volkspolizei der DDR
Beim Zolldienst der DDR existierten von 1956 bis 1966 die Wachtmeister-Dienstgrade Wachtmeister, Oberwachtmeister und Hauptwachtmeister. Der jeweilige Rang wurde anhand von silbernen Quertressen angezeigt. Der Wachtmeister führte anfangs keine, seit 1960 aber eine Tresse. Die übrigen beiden Wachtmeister-Dienstgrade hatten entsprechend zunächst bis zu zwei, seit 1960 bis zu drei Tressen.Dienstgrade des Amts für Zoll und Kontrolle des Warenverkehrs (AZKW) der DDR 1956, aufgerufen am 5. März 2023Dienstgrade der DDR-Zollverwaltung 1966, aufgerufen am 5. März 2023
In der DDR-Volkspolizei (einschließlich Volkspolizei-Bereitschaften) war Wachtmeister der VP (offiziell: Wachtmeister der Deutschen Volkspolizei) der höchste Mannschaftsrang, vergleichbar NATO-Rangcode OR-3. Zunächst zeigten die Schulterklappen zwei parallele aluminiumfarbene Querbalken, in Anlehnung an die Rangabzeichen für Stabsgefreiter / Stabsmatrose der Volksarmee.
Ab ca. 1980 wurden für Wachtmeister der „Schutzpolizei“ die zwei Balken durch 360 Grad umlaufende, aluminiumfarbene Kordellizen (identisch zum bisherigen VP-Oberwachtmeister) ersetzt. Die Rangabzeichen der „Volkspolizei-Bereitschaften“ der Kasernierten Einheiten des MDI (zwei Querbalken) blieben unverändert.
Deutschland bis 1945 Wehrmacht Ähnlich wie bereits in der Reichswehr und im kaiserlichen deutschen Heer bis 1918 blieb Wachtmeister auch in der Wehrmacht bis 1945 die Dienstgradbezeichnung des Feldwebels bei der Kavallerie, Artillerie, Fahrtruppe und Flakartillerie;Der Große Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. 20. Auflage (1996–2001), Band 23: ISBN 3-7653-3683-1, S. 464, Definition: „Wachtmeister“. hier vergleichbar NATO-Rangcode OR-5.
In der Kaiserlichen Marine, Reichsmarine und Kriegsmarine wurden die Portepee-Unteroffiziere als Wachtmeister geführt, sofern sie den in See gehenden „Matrosen-Divisionen“ angehörten (auch „Bordfeldwebel“ genannt). Das Äquivalent bei den an Land Dienst tuenden „Werftdivisionen“ war wiederum der Feldwebel.
Siehe auch Dienstgrade der Bundeswehr (Marine) Dienstgrade der Wehrmacht Dienstgrade des Deutschen Heeres (Deutsches Kaiserreich) Dienstgrade der Kaiserlichen Marine
Polizei mini|links|170px|Wachtmeister Großherzoglich Oldenburgische Gendarmerie, Paradeanzug um 1917. mini|200px|Schulterstücke der nationalsozialistischen Ordnungspolizei, ab 1941: 1 Unterwachtmeister 2 Rottwachtmeister 3 Wachtmeister 4 Oberwachtmeister / Junker 5 Revier-, Bezirks-, Zug-Oberwachtmeister 6 Hauptwachtmeister / Oberjunker 7 Meister Im Deutschen Kaiserreich entsprach der Wachtmeister in den Polizei-Organen (städtische Schutzmannschaften, Landgendarmerien, Kommunalpolizeien) der Länder in der Regel dem Vizefeldwebel oder Feldwebel der Armee. Unter ihm stand der einfache Schutzmann, der Gendarm oder der mit diesen gleichrangige Sergeant der Kommunalpolizei. Ihm vorgesetzt war der Oberwachtmeister (in der Schutzmannschaft Berlin bis 1908 Abteilungswachtmeister genannt). In der kgl. bayerischen Gendarmerie rangierte seit 1909 der Stabsoberwachtmeister noch vor dem Oberwachtmeister und dem Wachtmeister. Im Gendarmeriekorps des Großherzogtums Hessen-Darmstadt hießen die Wachtmeister und Oberwachtmeister noch bis 1880 Brigadier und Oberbrigadier. In den hessisch-darmstädtischen Schutzmannschaften wurden die den Schutzmännern vorgesetzten Rottmeister erst 1889 in Wachtmeister umbenannt. Das kgl. württembergische Landjägerkorps verzichtete dagegen auf die Bezeichnung Wachtmeister, nicht aber die württembergischen Schutzmannschaften und Kommunalpolizeien oder das Großherzoglich Badische Gendarmeriekorps.
In der Weimarer Republik und im Dritten Reich sank der Wachtmeister zu einem niederen Polizei-Dienstgrad herab. In den meisten Ländern des Deutschen Reichs war er der zweit- oder drittunterste Dienstgrad der uniformierten Polizei. Abhängig von Reichsland und Polizeiorgan, war er entweder der unterste Dienstgrad der Unterführer oder ein höherer Mannschaftsdienstgrad. In Preußen rangierte er zwischen dem Polizei-Anwärter und dem Wachtmeister über 4 Dienstjahre; über letzterem standen wiederum der Oberwachtmeister (äquivalent dem Unteroffizier der Reichswehr) und der nach 1918 reichsweit neu eingeführte Polizeihauptwachtmeister (äquivalent dem Feldwebel der Reichswehr). In der Ordnungspolizei zur Zeit des Nationalsozialismus war der Polizeiwachtmeister ab 1941 reichseinheitlich dem Unteroffizier gleichgesetzt. Er rangierte nun vor den gleichzeitig eingeführten Mannschaftsgraden Rottwachtmeister (Obergefreiter) und Unterwachtmeister (Gefreiter), doch hinter dem Oberwachtmeister (jetzt rangleich mit Unterfeldwebel) und den neuen Dienstgraden Revieroberwachtmeister (Schutzpolizei) bzw. Bezirksoberwachtmeister (Gendarmerie); die letzteren beiden Dienstgrade waren ranggleich mit dem Feldwebel der Wehrmacht. Der Hauptwachtmeister war nun gleichauf mit dem Oberfeldwebel. Über ihm standen, seit 1926 in Preußen, der Polizeimeister (ranggleich mit Oberfeldwebel, seit 1941 mit Stabsfeldwebel), der Polizeiobermeister (Stabsfeldwebel, seit 1941 Revierleutnant) und der Inspektor (seit 1941 Revieroberleutnant; nicht zu verwechseln mit dem Polizeiinspektor, der dem Polizeioberleutnant gleichstand).
Österreich Bundesheer
Im Österreichischen Bundesheer ist der Wachtmeister (Wm) heute der niedrigste Unteroffiziersdienstgrad (Verwendungsgruppe M BUO / Berufsunteroffiziere bzw. M ZUO / Zeitunteroffiziere). Ein Wachtmeister wird üblicherweise als Kommandant einer Gruppe eingesetzt.
Auf Auslandseinsätzen lautet die englische Bezeichnung Sergeant (Sgt).Die Dienstgrade im internationalen Vergleich (NATO rank class system) (Internetseite des Bundesministeriums für Landesverteidigung, engl.), aufgerufen am 16. April 2026 Gemäß dem NATO Rank Class System entsprechen ihm die Bundeswehrdienstgrade Unteroffizier und Stabsunteroffizier bzw. in der Schweizer Armee der Wachtmeister und Oberwachtmeister (NATO-Code: OR-5).