mini|hochkant=1.2| Der Bobsport ist eine Wintersportart, die Ende des 19. Jahrhunderts in der SchweizSimon Engel: Vom Snobsport zum Bobsport Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 12. Februar 2021 von Engländern entwickelt wurde und heute Teil des olympischen Programms bei den Olympischen Winterspielen ist. Bobsportler fahren auf Metallkufen in einem Schlitten (dem Bob) mit geschlossenen Seitenwänden möglichst schnell einen Eiskanal hinunter. Der Sport ist mit dem Rennrodeln sowie mit dem Skeleton verwandt.

Etymologie Der Begriff „Bob“ leitet sich vom englischen Verb to bob ab, das so viel wie „ruckartig bewegen“ oder „wippen“ bedeutet. In den Anfangszeiten des Bobsports versuchten die Mannschaften nach dem Start, dem Bob durch gemeinsames Zurücklehnen und anschließendes ruckartiges Vorschnellen des Oberkörpers zusätzlichen Schwung und damit mehr Geschwindigkeit zu verleihen. Im Deutschen wurde diese Beschleunigungstechnik damals bobben genannt.

Geschichte Die Anfänge des Bobfahrens sind nicht genau bekannt. Kanadische Ureinwohner sollen als Erste lenkbare Einpersonen-Holzschlitten benutzt haben, die dem Engländer Shield als Vorbild für entsprechende Metallkonstruktionen dienten.

Als weitere Vorläufer von Achterbahnen oder Bobbahnen gelten die im 17. Jahrhundert in Russland dokumentierten Eisbahnen vor allem in der Gegend um das heutige Sankt Petersburg und in Moskau, die hierzulande Russische Berge oder Rutschberge genannt werden. Bei niedrigen Temperaturen im Winter wurden Rampen aus Holz mit Schnee und Eis bedeckt, sodass auf einer mehrere Zentimeter starken Eisschicht diese künstlichen „Berge“ heruntergerutscht werden konnte. Um die Vereisung zu halten, wurde sie täglich mit gefrierendem Wasser übergossen. Als „Schlitten“ dienten zunächst Eisblöcke, auf denen ein Sitz aus Holz und Wolle für die Mitfahrer befestigt wurde. Die Bahnen waren vor allem unter der reicheren Bevölkerung und beim Adel beliebt und wurden teilweise aufwendig gestaltet, dekoriert und mit Bäumen umpflanzt. Häufig ist zu lesen, Napoleons Soldaten hätten die unter dem französischen Namen Montagnes Russes bekanntgewordene Erfindung während des Russlandfeldzugs kennengelernt und sie mit nach Westeuropa, insbesondere nach Frankreich gebracht. Es gibt aber Berichte, nach denen schon 1804 im Quartier des Ternes in Paris ein Russischer Berg in Betrieb war. Wegen häufiger Unfälle wurde er stillgelegt.Robert Cartmell: The Incredible Scream Machine: A History of the Roller Coaster, Bowling Green State University Popular Press, 1987, ISBN 0-87972-341-6 (englisch).

Russische Truppen brachten die Lenkrodel 1813 erneut nach Paris, von wo aus sie sich auch im deutschsprachigen Raum eine gewisse Zeit verbreiteten, man fuhr nun auch ohne Eis auf Schlitten, die in Schienen glitten, „… welche am Ende des Wegs oft eine aufrechte Schlinge bildeten, die man, durch die Zentrifugalkraft gehalten, mit nach unten hängendem Kopf durchfuhr“.Meyers Konversations-Lexikon, 1888 (Link).Belehrungs- und Unterhaltungsblatt für den Landmann und kleinen Gewerbsmann Böhmens, Band 3, Haase Söhne, 1840 (Link).

1888 entwickelte in Andreasberg ein Engländer den ersten Bob, indem er zwei Schlitten hintereinander unter einem Brett montierte. Dabei war der vordere Teil über Seile steuerbar. Die daraufhin ausgetragenen Rennen wurden ausschließlich auf natürlichen Rodelbahnen ausgetragen, also auf Waldwegen, die vorwiegend zum Holztransport (ebenfalls auf Schlitten) angelegt waren.

mini|links|Johannes Martini: Am Startplatz der Bobbahn von St. Moritz, um 1905 Im Jahr 1890 verband der Engländer Wilson Smith in Sankt Moritz zwei einfache Schlitten mit Seilen und einem Brett zu einem Lenkrodel, als Bremse diente eine gewöhnliche Harke. Er nannte das Gleitgerät bobsleigh.

1901 baute Carl Benzing (1869–1955) im thüringischen Kurort Friedrichroda nach Schweizer Vorbild einen Stahlbob mit Lenkung. Der von ihm Schwarzer Peter genannte offene Fünferbob gilt als der erste „richtige“ deutsche Bob und machte Friedrichroda mit der wenige Jahre später gebauten Spießbergbahn zur Wiege des deutschen Bobsports. Das wahrscheinlich erste deutsche Bobsleigh-Rennen mit zehn Bobs fand im Winter 1901/02 auf dem Roten Weg bei Friedrichroda statt.Carl Benzing und der Bobsport. In: Helga Raschke: Leben und Arbeiten im nördlichen Thüringer Wald. Erfurt 2006, S. 114 ff.

mini|Historisches Bobteam aus Davos von ca. 1910 In Deutschland wurde 1911 der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) gegründet. Der internationale Bobsport ist seit 1923 in der Fédération Internationale de Bobsleigh et de Tobogganing (FIBT) organisiert. Der Verband wurde 2015 in International Bobsleigh & Skeleton Federation (IBSF) umbenannt.

Seit den 1920er Jahren werden internationale Meisterschaften, damals noch im 5er-Bob, ausgetragen. Seit 1924 gibt es Wettkämpfe bei den Olympischen Winterspielen im Zweierbob und Viererbob und auch Weltmeisterschaften. Bei den Olympischen Winterspielen 1924 und 1928 waren fünf Fahrer im Bob erlaubt.

Die ersten Europameisterschaften gab es 1935 in Ilmenau (Thüringen).

mini|links|Moderner Bobschlitten bei den Olympischen Spielen 2006 Seit 2000 gibt es auch Weltmeisterschaften im Zweierbob bei den Frauen. Mit den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City waren die Damenwettkämpfe auch Bestandteil des olympischen Programms.

Im Jahr 2006 reglementierte die IBSF die 14 mm breiten Kufen neu: Es dürfen nur noch Kufen verwendet werden, die der internationale Verband bei einem Hersteller aus einer einzigen Sorte rostfreien Edelstahls fertigen lässt und selbst vertreibt. Das leicht gewölbte Längsprofil, auch als Sprung bezeichnet, darf regelkonform noch bearbeitet, das Materialgefüge jedoch nicht verändert werden. Die Kufenspurweite ist auf 67 cm festgesetzt. Die (Mindest-)Breite der Haube beträgt für Viererbobs 70 cm, für Zweierbobs vorne 68 cm, in der Mitte 64 cm und hinten 54 cm. 4 seitliche Abweiser sind mit mindestens 80 bis höchstens 87 cm breiter. Auch Federung, Achsen und ihr Abstand, Gelenke, Drehwinkel, Bauweisen, Rechenbremsen sind genau spezifiziert.

Der ursprünglich als Anfänger- und Einsteigergerät genutzte Monobob erfuhr in den 2010er-Jahren wachsende Popularität. Seit 2016 werden die Bob-Wettkämpfe bei Olympischen Jugend-Winterspielen in diesen von einer Person gesteuerten Schlitten gefahren, seit dem Winter 2018/19 trägt die IBSF auch bei den Frauen im Erwachsenenbereich internationale Monobob-Rennen aus. Als zweite Frauen-Disziplin gehört Monobob seit 2022 zum Programm der Olympischen Winterspiele. Monobobs werden seit 2013 auch in Para-Bob-Wettkämpfen für Körperbehinderte verwendet. auf ibsf.org. Abgerufen am 1. Januar 2021.

Die Bahn mini|Kurve in der Bobbahn Altenberg In den Anfängen des Bobsports fuhren die Fahrer ohne Helme zumeist noch auf steilen Waldwegen, die links und rechts lediglich von hohen Schneebanden begrenzt waren. Unfälle mit aus den Kurven getragenen Bobs und Knochenbrüche waren dabei nicht selten. Mit zunehmender Popularität des Sports entstanden im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zahlreiche planmäßig angelegte Natureisbahnen mit künstlichen Banden und ausgebauten Kurven. Bahnlängen von bis zu 2500 Metern waren seinerzeit üblich. Heute sind nur noch sehr wenige Natureisbahnen in Betrieb, die Fahrten im Bobsport finden zumeist auf künstlich angelegten, 1200 bis 1600 Meter langen vereisten Bahnen statt.mini|Bobbahn WinterbergDie Zahl der Bobbahnen ist weltweit sehr gering. Vier davon befinden sich in Deutschland: Winterberg, Königssee (erste Kunsteisbahn der Welt) im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Schönau sowie die angeblich schwierigste Bahn der Welt in Altenberg. Auf der Rennrodelbahn in Oberhof finden keine internationalen Bob-Wettkämpfe mehr statt. Die Kunsteisbahn am Königssee wurde im Sommer 2021 durch einen Murgang weitestgehend zerstört, laut Aussage des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann vom November 2021 ist ein Wiederaufbau vorgesehen. Im Januar 2022 konnte ein provisorischer Betrieb im unteren Teil der Bahn wieder aufgenommen werden.

Fast alle Bobbahnen verfügen seit den 1990er Jahren über Kunsteis in einem Betonkanal. Die einzige Natureis-Bobbahn, auf der Weltcup-Rennen gefahren werden, befindet sich in St. Moritz (Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina). Auf dieser wurden 1928 und 1948 die Bobrennen der Olympischen Winterspiele ausgetragen.Die einzige Naturbobbahn der Welt, www.olympia-bobrun.ch.

Weltcupstrecken gibt es in Lake Placid, Altenberg, Winterberg, Königsee, La Plagne, Innsbruck, Sotschi, St. Moritz.

Technik und körperliche Voraussetzungen Die Gleitgeräte mini|hochkant|Olympiabob von 1952, Olympische Winterspiele Oslo Seit den 1970er Jahren sind die verwendeten Sportbobs aerodynamisch verkleidet und die vorderen Kufen über einen Seilzug (Lenkseile) lenkbar. Das Bob-Reglement des IBSF beinhaltet vier Disziplinen für Senioren: Monobob und Zweierbob der Frauen, Zweierbob der Männer und Viererbob der Männer. Dabei müssen Monobobs ein Mindestleergewicht von 163 kg haben, Zweierbobs 170 kg und Viererbobs 210 kg. Das Maximalgewicht mit Besatzung und eventuell Ballast beträgt 248 kg für Frauen-Monobobs, 330 kg für Zweierbobs der Frauen, 390 kg für die der Männer und 630 kg für Viererbobs. Im Herbst 2014 entschied die IBSF, für den Viererbob zukünftig auch Mixed-Teams zuzulassen.Wintersport: Verband macht Weg für Mixed-Teams im Viererbob frei, dpa-Meldung auf Spiegel Online vom 25. September 2014, abgerufen am 25. September.FIBT takes revolutionary step: 4-man bobsleigh opened for mixed-gender teams auf der Website der FIBT vom 25. September 2014, abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).

Bobs erreichen Geschwindigkeiten von weit über 100 km/h, teilweise sogar 150 km/h, beispielsweise auf dem Whistler Sliding Centre bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver.zeit.de vom 1. März 2010: Hightech im Viererbob – Die Jungs im Bob sind die wahren Maschinen. In den Steilkurven und Schikanen kann die Beschleunigung kurzzeitig 5 g (fünffache Erdbeschleunigung) erreichen. Das stellt enorme Anforderungen an die Besatzung. Der Pilot muss über ein extrem gutes Reaktionsvermögen, ein hervorragendes „Bahngefühl“ und eine ausgeprägte Feinmotorik verfügen. Schon kleinste Lenkbewegungen an der falschen Stelle können im schlimmsten Falle einen Sturz des Bobs verursachen. Die Unterschiede zwischen den Spitzenmannschaften betragen mitunter auch nach den vier Läufen eines Wettbewerbs in Addition oft nur wenige Hundertstelsekunden. Oft fällt die Entscheidung über die Platzierung bereits in der Anschub- und Startphase auf den ersten 50 Metern. Die Anlaufzone ist ungefähr 15 Meter lang. Um wenige Hundertstel schlechtere Startgeschwindigkeiten bewirken in der Regel einen Verlust von einigen Zehntelsekunden im Ziel, denn nur wenige Piloten können solche Verluste auf der Strecke noch aufholen. Deshalb müssen die Anschieber sehr gute Sprinter mit explosivem Schnellkraftvermögen sein. Oft werden ehemalige Leichtathleten, meist Sprinter (wie z. B. Kevin Kuske oder Deborah Levi), Weitspringer oder Zehnkämpfer (wie Christoph Langen und Wolfgang Hoppe), als Hinterleute verpflichtet, die später teilweise selbst Bobpiloten (wie Christoph Langen und Wolfgang Hoppe) werden. Die Anschieber fast aller Spitzenmannschaften leisten 100-Meter-Bestzeiten unter 11 Sekunden. Bei einem Sturz auf der Bobbahn dürfen keine Personen aus dem Bob geschleudert werden, sonst wird der Bob disqualifiziert.ard.de vom 25. Februar 2010: Deutsche Schlitten chancenlos Blech für Kiriasis – Martini stürzt. Wenn alle Personen nach dem Sturz des Bobs in einem der ersten drei Läufe bis zum Einlauf im Ziel darin verblieben sind, kann das Bobteam den Wettbewerb fortsetzen, sofern es körperlich noch dazu in der Lage ist.Frankfurter Rundschau vom 22. Februar 2010: Gold für Lange im Zweier-Bob – Florschütz Zweiter.

Zeitmessung