mini|hochkant=1.3|Ortszentrum mit dem Rathaus in der Bildmitte mini|hochkant=1.3|Blick auf den Falkenhagener See

Falkensee ist eine Stadt mit rund 45.000 Einwohnern im Osten des Landkreises Havelland und grenzt direkt an Berlin. Sie ist ein Mittelzentrum in Brandenburg und hat den Status einer Großen kreisangehörigen Stadt.

Geographie Falkensee liegt am nordwestlichen Rand Berlins im westlichen Bereich des Warschau-Berliner Urstromtals und im Naturraum der Zehdenick-Spandauer Havelniederung. Im Norden grenzt Falkensee an Schönwalde, im Westen an Brieselang, im Süden an Dallgow-Döberitz. Im Osten grenzt es an die Stadt Berlin.

Die Bebauung von Falkensee geht im Osten und Süden nahtlos in die von Berlin-Spandau bzw. Dallgow-Döberitz über. Das größte Gewässer, der Falkenhagener See, liegt im Norden der Stadt. Der „Scheinwerferberg“ (so wird diese Erhebung seit 1945 im Volksmund genannt) liegt im Nordwesten der Stadt und ist 16 m hoch (50 m über NHN). Es ist eine junge geomorphologische Binnendüne, die am Ende der Weichsel-Kaltzeit entstand.

Die Besiedlungsdichte ist im Vergleich zu Berlin eher niedrig, bedingt durch die an vielen Stellen erhaltene dörfliche Bebauung mit eingestreuten Weiden oder Wiesen und die großen, oft auch von Hochwald bestandenen Villengrundstücke. Aufgrund des vergleichsweise kleinen Stadtgebiets erreicht Falkensee jedoch eine Bevölkerungsdichte von fast 1000 Einwohnern pro Quadratkilometer, das ist der dritthöchste Wert unter den 113 brandenburgischen Städten (hinter Wildau und Teltow), Platz 7 unter den 417 Städten und Gemeinden des Landes und Platz 280 unter den über 11.000 Städten und Gemeinden in Deutschland.

Stadtgliederung Falkensee besteht aus den beiden ehemals selbstständigen Dörfern Falkenhagen und Seegefeld, zu denen durch spätere Ansiedlungen noch folgende Ortsteile kamen: Finkenkrug Falkenhöh Falkenhain Waldheim.

Alle werden heute als Wohnplätze ausgewiesen, ebenso wie Alt Brieselang, Alter Finkenkrug, Damsbrück und Finkenherd.

Alle Ortsteile sind nach 1990 wieder durch entsprechende Ortsteilbeschilderungen gekennzeichnet worden.

Geschichte Ortsname und Aussprache Der Name ist 1923 bei der Bildung der Gemeinde Falkensee aus den beiden größten eingemeindeten Dörfern Seegefeld und Falkenhagen als Kunstwort zusammengesetzt worden: Falken(hagen)see(gefeld). Der Ortsname wird auf der letzten Silbe betont: Falkensee . Falkenhagen wurde (und wird) auf der vorletzten Silbe betont, Seegefeld auf der ersten. Bei der Aussprache der zusammengefügten Ortsnamen änderte sich somit nichts.

Ursprünge Seegefeld wurde erstmals 1265 urkundlich erwähnt, und Falkenhagen ist 1336 in einer Urkunde notiert. Falkenhagen wurde mehrfach von verheerenden Bränden heimgesucht. So brannte es am 12. April 1676 vollständig nieder, 1806 wurde der nördliche Teil durch Feuer zerstört, und 1822 brannte Falkenhagen erneut bis auf wenige Gebäude vollständig ab. Somit liegt die auf Papier aufgezeichnete und früher oder später verbrannte Geschichte des Ortes teilweise im Dunkeln.

Die Gemeinden Seegefeld und Falkenhagen gehörten in der frühen Neuzeit zum Havelländischen Kreis in der Mark Brandenburg, nach der preußischen Kreisreform 1817 dann zum Landkreis Osthavelland im Regierungsbezirk Potsdam der Provinz Brandenburg. Die Gemeinden lagen günstig zwischen dem Sitz der Kreisverwaltung in Nauen und der größten Stadt des Kreises, Spandau.

Im Jahr 1777 wurde der Alte Finkenkrug erbaut, später (bis ins 20. Jahrhundert hinein) eines der beliebtesten Ausflugslokale westlich von Berlin.Historisches Falkesee: Ein Rundgang durch die Geschichte, 2001. Abruf am 2. September 2021. Im frühen 19. Jahrhundert wurde eine durch Falkenhagen verlaufende Chaussee von Spandau nach Nauen angelegt (der heutige innerörtliche Straßenzug der L 201 Spandauer, Falkenhagener und Nauener Straße). Der Alte Finkenkrug wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vollkommen zerstört. Das Gelände ist zu einem Lost Place geworden.

Eisenbahn und Siedlungsbau Am 15. Oktober 1846 wurde die schnurgerade durch das heutige Stadtgebiet verlaufende Berlin-Hamburger Bahn eröffnet. 1848 wurde nahe dem Dorf Seegefeld ein provisorischer Bahnhof errichtet, der 1860 durch ein dauerhaftes Bauwerk ersetzt wurde, der heutige Bahnhof Falkensee. Der Bahnhof Finkenkrug wurde 1852 für den Ausflugsverkehr in Betrieb genommen, ab 1891 dann als regelmäßiger Halt für Personenzüge.

Die Bahnhöfe wurden schnell zu Wachstumskernen einer vorstädtischen Entwicklung und die Dörfer zu interessanten Siedlungsflächen für Villen- und Eigenheimkolonien. Seegefeld entwickelte sich durch die Bahnanbindung zum kleinstädtischen Zentrum des heutigen Falkensee, während der Ortskern des benachbarten Falkenhagen erkennbar dörflicher blieb. Der heutige Stadtteil Finkenkrug entwickelte sich völlig neu im Umfeld des gleichnamigen Bahnhofs.

1898 kaufte die Deutsche Ansiedlungsbank den Großteil des zum Rittergut Seegefeld gehörenden Landes und förderte seine Besiedlung. So entstanden die heutigen Ortsteile Neu-Finkenkrug, Neu-Seegefeld und der Stadtteil Waldheim. Im selben Jahr kam Falkenhain und 1902 das Siedlungsgebiet Falkenhagener See hinzu. Um 1920 erfolgte ein erster enormer Bevölkerungszuwachs vor allem aus dem nahen Berlin.

Seit 1908 gab es in den Gemeinden des heutigen Falkensee Straßenbeleuchtung, 1914 wurden sie an das Kreiswasserwerk in Staaken angeschlossen. Seit 1921 galt auf der Bahnstrecke bis Nauen der Berliner Vororttarif, der auch anderswo am Berliner Stadtrand großen Einfluss auf die Siedlungsentwicklung hatte.

Mit dem Groß-Berlin-Gesetz wurden die Gemeinden am 1. April 1920 direkte Nachbarn der Reichshauptstadt Berlin, dem nun die bisherige Nachbargemeinde Staaken und die seit 1887 kreisfreie Stadt Spandau angehörten.

Am 1. April 1923 wurden die bisherigen Landgemeinden Falkenhagen und Seegefeld nach Zustimmung durch das Preußische Staatsministerium zur neuen Landgemeinde Falkensee vereinigt. Am 1. April 1927 wurde der Gutsbezirk Seegefeld aufgelöst und eingemeindet, zum 1. Oktober 1928 folgte der Gutsbezirk Damsbrück.

Zeit des Nationalsozialismus Bereits kurz nach der Machtergreifung der NSDAP setzte in Falkensee der Terror gegen Einrichtungen und Vertreter der Arbeiterbewegung ein. So wurde das Vereinsheim des Arbeitersportvereins Fichte in der Nachtigallstraße von einem SA-Sturm in Brand gesetzt, SA-Leute mit Schusswaffen überfielen Mitglieder der KPD. Örtliche Funktionäre der Arbeiterbewegung wie der Sportler und Gemeinderat Oskar Sander wurden verhaftet, misshandelt und in ein KZ verschleppt.Wilhelm Döbbelin: Im Zeichen von Terror und Gewalt. Die ersten Wochen der Naziherrschaft im Havelland, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Hefte II/2016Tobias Bank: Oskar Sander, Gewerkschafter, Arbeitersportler und Kommunist, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, I/2017, S. 126–136.

Zu Beginn des Jahres 1943 ließen die Machthaber in der Nähe des Falkenhagener Sees für die sich abzeichnende Luftschlacht um Berlin eine Flakstellung bauen.Heimatjahrbuch für Falkensee und Umgebung 2020, S. 114.

1943 wurde am östlichen Stadtrand ein Häftlingslager als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet (heutige Gedenkstätte an der Hamburger Straße). Ursprünglich war diese Anlage 1938 zur Unterbringung von 650 Bahnarbeitern angelegt worden, bevor sie 1939 an die Heeresverwaltung vermietet wurde, welche die Anlage weiter ausbaute und nördlich der Spandauer Straße ein Lager für Kriegsgefangene errichtete. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden dort bis zu 2.500 größtenteils ausländische Gefangene interniert. Sie verrichteten Zwangsarbeit im RAW der Deutschen Reichsbahn – dem späteren DEMAG-Panzerwerk Albrechtshof (am Seegefelder Weg) – und im umzäunten Barackenlager, das von der SS bewacht wurde. Weil die Gefangenen von den Morden während des Todesmarsches von Häftlingen des KZ-Außenlagers Lieberose zum KZ Sachsenhausen erfahren hatten, weigerten sie sich am 20. April 1945, dem Befehl zur Evakuierung nachzukommen. Nach der Flucht der Wachmannschaften empfingen sie die eintreffenden sowjetischen Truppen als Befreier.

1945 hatte Falkensee 32.000 Einwohner, da zahlreiche ausgebombte Berliner sich in das Umland retteten. Dies war die höchste Einwohnerzahl bis zu diesem Zeitpunkt und für die nächsten 55 Jahre.

Im Museum des Ortes ist eine Lagerglocke aus dem KZ-Außenlager Falkensee ausgestellt.Objekt Lagerglocke aus dem KZ-Außenlager im Museum Falkensee, abgerufen am 5. Juni 2021.

Nachkriegszeit und DDR mini|Berliner Mauer zwischen Falkensee (links) und dem West-Berliner Bezirk Spandau, 1987

Nach Kriegsende lag Falkensee direkt an der Grenze zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und dem Britischen Sektor Berlins.

Nach der Auflösung des Landes Preußen 1947 wurden die in Deutschland verbliebenen Teile der Provinz Brandenburg zum neuen Land Brandenburg in der Sowjetischen Besatzungszone, ab 1949 der DDR. Mit der Verwaltungsreform 1952 wurden das Land Brandenburg und der Landkreis Osthavelland aufgelöst und Falkensee Teil des Kreises Nauen im neuen Bezirk Potsdam.

1951 wurde Falkensee nach jahrzehntelanger Planung an das Netz der S-Bahn Berlin angeschlossen.

Zur selben Zeit, lange vor dem Mauerbau, begann jedoch bereits der Bau von Verkehrswegen zur westlichen Umgehung von West-Berlin, die den Mauerbau erst möglich machten. Alle drei Verbindungen (Schiene, Straße und Wasserweg) führen unmittelbar westlich an Falkensee vorbei. Die erste Maßnahme war der Bau des Havelkanals ab Mai 1951, der bereits im Juni 1952 eröffnet wurde und von Hennigsdorf (Nieder Neuendorf) durch die Falkenseer Nachbargemeinden Brieselang und Wustermark nach Ketzin (Paretz) verläuft und damit Spandau und Potsdam, vor allem aber West-Berliner Territorium umgeht. 1953/55 folgte in zwei Abschnitten der Berliner Außenring, der alle auf West-Berlin zulaufenden Bahnstrecken auf DDR-Territorium miteinander verband und somit das Durchfahren der Westsektoren vermeidbar machte. Falkensee erhielt auf dem Außenring einen eigenen Bahnhof, der von 1954 bis 1996 genutzt wurde. 1979 folgte schließlich der Westabschnitt (und Ringschluss) des Berliner Rings, der eine Autobahnverbindung von Oranienburg nach Potsdam schuf, parallel zum Havelkanal durch Brieselang und Wustermark.

Die trotz der Zonengrenze immer noch intensiven Verbindungen ins westliche Berlin, vor allem in den Bezirk Spandau, wurden mit dem Bau der Berliner Mauer (13. August 1961) gekappt. In der Folge verlor Falkensee seinen Lagevorteil als Berliner Vorortgemeinde und bestand nun im „Windschatten“ des eingemauerten West-Berlin als relativ großstadtferne Gemeinde weiter. Die Fahrzeit nach Ost-Berlin (über Potsdam und Schönefeld oder über Hohen Neuendorf und Pankow) betrug etwa zwei Stunden. Die exakt zehn Jahre zuvor eröffnete S-Bahn-Strecke nach Falkensee wurde stillgelegt. Nach einem spektakulären Durchbruch der Grenzbefestigung im Bahnhof AlbrechtshofGrenzverlauf auf dem Stadtplan Berlin 1955 am 5. Dezember 1961 wurden auch die Fernbahngleise der Hamburger Bahn gekappt, die Züge nach Hamburg fuhren fortan über Griebnitzsee (Potsdam), ab 1976 über Staaken an der Lehrter Bahn.

Wenige Wochen nach dem Mauerbau, am 7. Oktober 1961, dem zwölften Tag der Republik, erhielt Falkensee Stadtrecht. Die Verleihungsurkunde befindet sich im Museum und Galerie Falkensee. Im selben Jahr wurde das bis dahin als Exklave zum sowjetischen Sektor Berlins gehörende West-Staaken nach Falkensee eingemeindet, 1971 aber wieder als eigenständige Gemeinde ausgegliedert. Die bis dahin zu West-Berlin (Spandau) gehörende Exklave Falkenhagener Wiesen kam 1988 im Rahmen eines Gebietsaustauschs zur DDR und damit zur Stadt Falkensee.