mini|alt=|Logo der Harlem Globetrotters Die Harlem Globetrotters sind ein ursprünglich aus Chicago stammendes Basketball-Show-Team. Sie kombinieren ihr kunstfertiges Basketballspiel gegen den seit den 1960er-Jahren immer gleichen Gegner mit Showelementen und Slapstick-Einlagen. Ihr Humor griff in der Anfangszeit auf rassistische Stereotype zurück, wie sie aus den Minstrel Shows bekannt sind,Todd Boyd: Young, Black, Rich, and Famous. The Rise of the NBA, the Hip Hop Invasion, and the Transformation of American Culture. With a new introduction by the author. University of Nebraska Press, Lincoln / London 2008, ISBN 978-0-8032-1675-4 S. 27 (englisch). stellte tatsächlich aber den Archetypus des Tricksters in Form einer sogenannten verborgenen Überlieferung dar.
Neben dem Team als Ganzem sind zahlreiche Mitglieder der Globetrotters als Einzelpersonen in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen worden. Das Team hat mittlerweile in 122 Ländern weit mehr als 22.000 Spiele absolviert.
Geschichte mini|Eugene Edgerson von den Harlem Globetrotters Der Legende zufolge reichen die Anfänge des Teams zurück bis ins Jahr 1926, als Abe Saperstein als Coach und Besitzer die Basketball-Mannschaft des Savoy Ballrooms in Chicago übernahm, die „Savoy Big Five“. Obwohl weder Saperstein noch einer seiner Spieler aus New York stammten, soll er die Mannschaft in „Harlem Globe Trotters“ umbenannt haben. Zum einen sollte „Harlem“ auf die durchweg afrikanisch-amerikanische Zusammensetzung der Mannschaft hinweisen, zum anderen sollte mit „Globe Trotters“ eine Weitgereistheit der tingelnden Truppe symbolisiert werden.
Tatsächlich liegen die Anfänge der Harlem Globetrotters jedoch im Dunkeln und selbst die „offizielle“ Geschichtsschreibung musste mehrmals neu geschrieben werden.Daniel Friedrich: Harlem Globetrotters. Seit 80 Jahren um die Welt. Auf: Spiegel-Online-Website; Hamburg, 20. März 2007. Abgerufen am 1. November 2017.
So ist beispielsweise der ursprüngliche Name des Teams ungeklärt. Es steht nicht fest, ob tatsächlich die Savoy Big Five wie behauptet die ursprünglichen Harlem Globetrotters waren oder doch eher Tommy Brookins's Globe Trotters. Verschiedene Szenarien sind denkbar: Ein Konkurrenzteam, ein abgeworbenes Spielerensemble unter neuem Namen oder ein Ersatz für ein überbuchtes Team. Tatsache ist, dass der Savoy Ballroom erst im November 1927 eröffnet wurde, die noch namenlosen Savoy Big Five dort erst im Dezember spielten und dies keineswegs erfolglos, wie kolportiert wurde. Der Name Harlem Globe Trotters bzw. die ab den 1940er-Jahren gelegentlich und ab der Mitte der 1950er-Jahre ausschließlich verwendete Schreibweise Harlem Globetrotters existiert jedenfalls erst seit 1929.
Sapersteins Rolle ist völlig dubios. Die Autoren Nelson George und Ben Green stimmen darin überein, dass Saperstein im Gegensatz zu Dick Hudson und später Al Monroe vom Wochenblatt Chicago Defender nicht als Coach, sondern als weißer Strohmann angestellt wurde und damit als Booking Agent. Er war seinen Geschäftspartnern ein gleichberechtigter Partner, erhielt aber aus den Einnahmen an der Tür einen doppelten Anteil, um für die Ausgaben aufzukommen. Erst mit dem graduellen Rückzug der ursprünglichen Spieler Mitte der 1930er-Jahre übernahm er als dienstältestes Mitglied die Organisation, teilte die Einnahmen nicht länger auf, sondern zahlte den angestellten Spielern stattdessen eine Pauschale von $ 7,50 pro Spiel.
Es ist überliefert, dass die Globetrotters – sobald sie sich eine komfortable Führung erspielt hatten – diverse Tricks und Showeinlagen zeigten. Auf diese Weise entwickelte sich das Team in Richtung einer Show-Truppe, was heute zum Hauptstandbein für die weltweit tourenden Globetrotters geworden ist. Slapstick und Trick-Spiel der Globetrotters nahmen ihren Anfang in den 1930er-Jahren, weil Saperstein annahm, dass Humor die Feindseligkeit unterschwelliger rassischer Konkurrenz im Wettkampf entschärfen könnte. Dabei interpretierte Saperstein den Humor jedoch in der rassistischen Manier der in den Nordstaaten entwickelten Minstrel-Tradition, deren Elemente er zu betonen versuchte.
Der offiziellen Geschichtsschreibung des Buches Around The World with the Harlem Globetrotters von 1953 zufolge, das Dave Zinkoff, General Manager der Europatournee von 1952 mit Edgar Williams geschrieben hatte, begann das Trick-Spiel 1939 in Woodfibre, British Columbia in einer angespannten Situation. Point Guard Al „Runt“ Pullins soll verfügt haben, durch überlegenes Spiel rassistische Zwischenrufe sanktionieren zu wollen.
An dieser Version ist einiges bemerkenswert. Rassistische Übergriffe sind zwar auch in Kanada nicht ausgeschlossen, mit dieser Version findet aber gleichzeitig eine Neuschreibung der Geschichte statt, denn Kanada war immerhin das historische Ziel der Underground Railroad. Bemerkenswert ist auch, dass keine Presseberichte über diesen Vorfall existieren, sehr wohl aber erstens über ein bedeutend früheres Auftreten des Trick-Spiels und zweitens über mehrere körperliche Auseinandersetzungen auf amerikanischem Boden in der Vergangenheit, die aber sämtlich von den Globetrotters selbst ausgegangen sein sollen (was angesichts des allgemeinen gesellschaftlichen Drucks auf afrikanische Amerikaner nicht viel zu heißen hat). Diese immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen wurden mit Ausnahme des Woodfibre-Vorfalls jedoch vollständig aus der Geschichte der Globetrotters getilgt.
Beim ersten World Professional Basketball Tournament kamen die Globetrotters 1939 bis ins Halbfinale, unterlagen dort aber dem späteren Turniersieger, der New York Renaissance. Ein Jahr später besiegten sie im Finale des Turniers die Chicago Bruins und schafften damit ihren Durchbruch. Im März 1944 kam es bei der Austragung des gleichen Turniers vor über 11.000 Zuschauern zu einem Eklat in einem legendären Spiel gegen die Oshkosh All-Stars. Die All-Stars verließen beim Stand von 31—41 sechs Minuten vor Schluss das Parkett. Die Spielweise der Oshkosh All-Stars war schon immer körperbetont rustikal gewesen oder wenigstens immun gegen die Modernisierung und Verfeinerung des Spiels in den 1930er-Jahren, doch in diesem Spiel wurden sogar Fäuste und Ellbögen eingesetzt und zwei weiße Zuschauer verhaftet, weil sie das Spielfeld stürmten. Es wird vermutet, dass das Team aus Chicago, als sein Vorsprung dies zuließ, seinen berühmten Stil des Trick-Basketballs einsetzte, was die All-Stars zutiefst frustriert haben muss.
Der Clown-Prince Die Wurzeln des Clownings liegen im Baseball. Im schwarzen Baseball der 1880er-Jahre war es üblich, dass jeder Spieler wenigstens einen Trick-Spielzug vorführte, vorzugsweise nach dem Ende der ersten Spielhälfte im sechsten Inning. Neben ihren Spielen in den Negro Leagues spielten viele afrikanisch-amerikanische Baseballteams in den 1920er- und 1930er-Jahren auch Challenge Games gegen weiße Kleinstadt-Mannschaften, um ihr Einkommen aufzustocken. Dabei wurde diese Tradition wieder aufgegriffen. Der Grund liegt auf der Hand: Der Spielstand sollte bewusst niedrig gehalten werden, um im nächsten Jahr erneut eingeladen zu werden, gleichzeitig wollte aber auch das Publikum unterhalten sein.
Da Abe Saperstein neben Basketball auch Baseball-Spiele buchte, war er mit dem Erfolg der Cincinnati Ethiopian Clowns (auch: Indianapolis/Cincinnati Clowns und Indianapolis Clowns), deren beste Spieler in der All-Star-Fiesta des East West Classics vor über 40.000 Zuschauern spielten, nur zu gut vertraut.Rob Ruck: The East West Classic: Black America's Baseball Fiesta. In: Separate Games. African American Sport behind the Walls of Segregation. herausgegeben von David K. Wiggins und Ryan A. Swanson. The University of Arkansas Press, Fayetteville, 2016, ISBN 978-1-68226-017-3 S. 129–141 (englisch). Ihr Humor war überwiegend rassischer Natur. Im Mittelpunkt stand der First Baseman, der die First Base aufreizend spät und lässig anschlug, um den Schlagmann zu „verbrennen“. Er war auch der Führungsclown, der von seiner Position aus Publikum, Gegner und Werfer adressieren sollte.
Dieser Clown Prince war Reece „Goose“ Tatum, den Saperstein im Herbst 1942 rekrutierte. Wie zuvor und auch danach in erster Linie auf Grund dessen körperlicher Eigenschaften (Tatum konnte, ohne sich zu bücken, seine Knie berühren) – Eigenschaften, die den physischen Karikaturen afrikanischer Amerikaner in den Minstrel-Shows entsprachen. Doch Tatum war ein Naturtalent, das erst nach seinem zwanzigsten Geburtstag das Basketballspiel erlernte und dennoch perfektionierte.Cy Kritzer: Globetrotters Have Center Who Can Reach 87 Inches. In: Buffalo Evening News. Buffalo, 3. März 1943, S. 38 (englisch).
Nach einer Saison wurde er jedoch zunächst zu den Heeresfliegern in Lincoln, Nebraska eingezogen und kam als blutiger Basketballanfänger bis Kriegsende unter die Top Ten der punktbesten Dienstbasketball-Spieler der gesamten Nation. 1946 kehrte der ehemalige First Baseman der Black Colonels und der Zulu Cannibal Giants zurück zu den Cincy Clowns, für die er sogar an besagtem All-Star-Game des oben erwähnten East West Classics teilnahm, und gleichzeitig zu den Harlem Globetrotters.
Showelemente und Trick-Spiel gab es bei den Globetrotters bereits vorher, wie beispielsweise Sonny Boswells Field Goal 1941 in Football-Manier,Trotters Display Their Court Magic Here Tuesday Night. In: Buffalo Evening News. Buffalo, 15. April 1950, S. 5 (englisch). doch Tatum führte das Vollzeitentertainment ein. Dazu brachte er nicht nur seine Persona als Clown Prince mit, sondern auch die Wiederbelebung nach einer Ohnmacht durch das Riechen am eigenen Schuh und die Pepperball/Shadowball-Routine, die bei den Globetrotters jedoch Magic Circle heißen sollte. Dabei wird der Baseball immer schneller von Baseman zu Baseman geworfen, bis er irgendwann fallen gelassen wird, während das Tempo der Wurfbewegungen aber weiter zunimmt.
Ein deutlicher Verweis auf die Minstrel-Tradition mit ihren Jim Crow- und Zip Coon-Figuren und ihrer karikierenden Darstellung afrikanischer Amerikaner war die Verwendung der Globetrotters-Hymne „Sweet Georgia Brown“ in der Version des Minstrel-Künstlers Brother Bones während jenes Magic Circle. Diese dem (deutschen) Karneval in ihrem bewussten Dilettantismus ähnlichen Varieté-Shows mit zur Hälfte kostümiertem, zur Hälfte uniformiertem Orchester, exzentrischen Tänzen, Slapstick-Humor und einem Stump Speech (eine politische Büttenrede durch einen weißen Darsteller in Blackface-Maskierung) stellten Schwarze als zu groß geratene Kinder dar mit einem Hang zum Aberglauben, zur Naivität, Faulheit, Disziplinlosigkeit, Ignoranz, Verantwortungslosigkeit hin zu drohender Selbstverstümmelung, zur Verschlagenheit, zur Musik und dem Sinnlichen.
Die Affenlaute der Globetrotters, ihre „Yassuh, Yassuh!“-Rufe und grimassenschneidender Gummi-Galopp über das Parkett entsprachen natürlich dieser Karikatur des afrikanischen Amerikaners, doch Tatum bediente sich in diesem Mainstream-Kosmos, in dem die weiße Angst vor der Rache der ehemaligen Sklaven durch Minstrel-Stereotype gedämpft wird, des hidden transcripts, der verborgenen Überlieferung, die Subversion suggeriert anstatt explizit ausspricht. Dieses hidden transcript, das auf eine Theorie von James C. Scott zurückgeht, ist für afrikanische Amerikaner erkennbar und wird in den in ihren Kreisen äußerst beliebten Trickster-Erzählungen verwendet und gelehrt. Die afrikanisch-amerikanischen Trickster-Erzählungen sind dabei unzweifelhaft durch den transatlantischen Sklavenhandel beeinflusst und gelten als Handlungs- und Rollenmodelle in suppressiven Gesellschaften, in denen die Notwendigkeit „amoralischer“ Handlungen zum Zwecke des Überlebens betont wird.