mini|hochkant|Dieter Süverkrüp Dieter Süverkrüp (* 30. Mai 1934 in Düsseldorf; † 16. März 2025 in Köln) war ein deutscher Liedermacher, Kabarettist und Grafiker.

Süverkrüp gilt als ein Gründervater der Liedermacherbewegung in Deutschland. Sein wirkungsvollstes Schaffen lag in den 1960er und 1970er Jahren. Mit seiner sozialistischen Überzeugung und als langjähriges DKP-Mitglied war er in der tendenziell linken Liedermacherkultur eine starke Stimme. Geprägt waren seine Werke durch virtuoses Gitarrenspiel, Wortspiele und aktuell-politische Bezüge, die seine Lieder teils nur im zeitgenössischen Kontext verständlich sein ließen.

Seine bekanntesten Lieder sind Die erschröckliche Moritat vom Kryptokommunisten, der Baggerführer Willibald und das Kindermusical Das Auto Blubberbumm.

Als einer von nur wenigen Künstlern gewann er sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik bedeutende Preise, beispielsweise 1986 den Deutschen Kleinkunstpreis.

Er war der Vater des Pianisten Ben Süverkrüp, der selbst zusammen mit der Kabarettistin Tina Teubner 2010 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson erhielt.

Leben Jugend und frühe Karriere Süverkrüp studierte an der Werkkunstschule in Düsseldorf. Er arbeitete 18 Jahre in einer Werbeagentur, den größten Teil der Zeit als Art Director.

In seiner Freizeit spielte er zunächst Jazzgitarre in der Band Feetwarmers (von 1956 bis 1959), mit der er beim Deutschen Amateur-Jazz-Festival 1957 zum besten Jazzgitarristen Deutschlands gekürt wurde. Seine in dieser Zeit erworbene virtuose Gitarrentechnik und ein breites künstlerisches Ausdrucksvermögen prägten auch seine weiteren Veröffentlichungen. Zu seinen Bandkollegen gehörte auch der spätere Finanzminister Manfred Lahnstein.

Als in der Bundesrepublik die Debatte um die Wiederbewaffnung begann, fing Süverkrüp an sich politisch zu positionieren. Er beschrieb es: auf grupello.de

Er begann seine Karriere als politischer Liedermacher 1958 durch die Freundschaft mit Gerd Semmer, aus der mehrere Schallplatten entstanden. Gerd Semmer griff dabei sowohl auf das Liedgut der Französischen Revolution als auch der Revolution von 1848 zurück, dazu schrieb er auch eigene Texte. Süverkrüp vertonte sie und sang sie zur eigenen Gitarrenbegleitung. Die Chansons, Chants, Couplets und Vaudevilles, die zu ihrer Entstehungszeit oft Gassenhauer waren, spotten in meist derbem Tonfall über die Aristokratie oder preisen die Helden der Revolution.

Politisierung und Arbeiterlieder Zusammen mit Gerd Semmer, Arno Klönne und Frank Werkmeister gründete Süverkrüp 1961 den pläne-Verlag. Den Verlagsnamen übernahmen sie von einer 1933 verbotenen Zeitschrift der Roten Pfadfinder, die sich damals gegen den aufsteigenden Nationalsozialismus wehrten. Der Verlag druckte anfangs nur Bücher und Broschüren, beispielsweise Liedersammlungen für die Ostermarschierer mit Songs gegen die Atombombe.

Süverkrüps erste professionelle Veröffentlichung folgte, als er für den pläne-Verlag zwei kurz-LPs – im Format von 7″, aber mit /min – mit Liedern aus der französischen Revolution einspielte. Die Übersetzungen stammten von Gerd Semmer. Zusammen mit Semmer folgten weitere Aufnahmen, für die Süverkrüp die Musik und Semmer die Texte schrieb. Sie stammten aus Semmers Gedichtband Widerworte und orientierten sich an den politischen Chansons von Kurt Tucholsky oder Frank Wedekind. Sie sind reich an Zitaten und Collagen, oft aus der Werbung. Die Musik Süverkrüps spielte hier im Vergleich zu den früheren Aufnahmen eine deutlich geringere Rolle und trat klar hinter die Texte Semmers zurück. Mit diesen Veröffentlichungen war das Duo ein Vorläufer der Liedermacher; allerdings standen sie in den 1950ern ziemlich allein mit dieser Kunstform da.

Große Bedeutung gewannen die beiden erst im Zuge der Ostermarsch-Bewegung in den frühen 1960er Jahren, als sich das politische Lied wieder im deutschen Bewusstsein durchsetzen konnte. Ab den 1960ern textete Süverkrüp selbst und trug die Lieder bei politischen Veranstaltungen wie den Ostermärschen vor. Er sang in dieser Zeit Selbstverfasstes, klassische Arbeiterlieder und Lieder aus der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Süverkrüp und Hanns Dieter Hüsch, der mittlerweile auch beim pläne-Verlag mitarbeitete, fanden für ihre Aufnahmen keine Plattenfirma. Daher veröffentlichten sie selbst Schallplatten mit jeweils vier Liedern und vertrieben sie von der eigenen Wohnung aus unter dem Namen „pläne“. Nachdem Verkaufszahlen und Anforderungen an die Produktion stiegen, professionalisierte sich der Verlag als Musikproduzent. Die erste LP erschien 1965: Lieder des europäischen Widerstandes gegen den Faschismus 1933–1963 in der Übersetzung von Gerd Semmer.

Der Verlag wurde ein prägender Teil der westdeutschen Linken. Bei ihm veröffentlichten neben Süverkrüp Hannes Wader, Giora Feidman, Liederjan, Lydie Auvray, Oysterband, Zupfgeigenhansel oder Naked Raven. Dort erschien die erste deutsche Veröffentlichung von Mikis Theodorakis ebenso wie die des sozialistischen chilenischen Liedermachers Víctor Jara. Süverkrüp nutzte sein grafisches Talent und zeichnete für viele Plattencover und optische Gestaltung von pläne-Veröffentlichungen verantwortlich. Der Verlag trug sich finanziell stets selbst, wurde in der Öffentlichkeit aber oft für DKP-finanziert gehalten – wohl nicht zuletzt aufgrund des starken Engagements Süverkrüps in ihm.

Süverkrüps erste LP mit eigenen Stücken, Fröhlich ißt Du Wiener Schnitzel, hatte noch kein geschlossenes Konzept. Lieder auf ihr reichen von Geblödel wie Lied eines heiseren Kindes bis zu einer ziemlich gradlinigen Parodie über den General. Der Touristenflamenco beschreibt Deutsche, die im damals franquistischen Spanien unter Franco Urlaub machten und dort ihre eigenen Sympathien für den Faschismus wiederentdecken, während Wie man in Düsseldorf eine Kunstausstellung eröffnet bereits die zahlreichen Wortspiele enthält, die später bezeichnend für viele seiner Texte wurden.

Vor allem die Debatte um die Notstandsgesetze prägte viele der frühen Lieder. Er kritisierte kompromisslos die Kontinuitäten zwischen der Zeit des Nationalsozialismus und der jungen Bundesrepublik. Für ihn waren sowohl die Wiederbewaffnung als auch die Notstandsgesetze Ausdrücke des alten Denkens in neuem Gewand. In Nachtgebet eines Untertanen (1966) listet er die Gruppen und Tendenzen auf, die seiner Meinung nach zu den Notstandsgesetzen führten, und die Folgen, die dieses Gesetz haben wird.

Im Lagerlied beschreibt er ein Lager, das aufgrund der Notstandsgesetze eingerichtet würde – die Schilderung ähnelt frappant denen der KZs des Nationalsozialismus. Der einzig wesentliche Unterschied ist, dass man im neuen Lager frei seine Meinung sagen kann und soll; an den Zuständen von Mord und Entwürdigung im Lager ändert dies aber nichts. Der demokratisch-grundrechtliche Anspruch der Bundesrepublik war für ihn wenig mehr als letztlich bedeutungsloses „Humanitäterä“.

Die Zeit des Nationalsozialismus ist für Süverkrüp in der Bundesrepublik noch allgegenwärtig. Viele der an den Taten Beteiligten nahmen wieder hohe Ämter ein, während die überlebenden Opfer weiterhin eine Außenseiterstellung in der Gesellschaft hatten – die bundesdeutsche Gesellschaft selbst wollte von dem Thema nichts mehr wissen und schwelgte im Wirtschaftswunder. Im einfach vorgetragenen Kirschen auf Sahne (1965) beschreibt er eine Alltagsszene.

Aus dieser Zeit stammen auch seine beiden politisch langlebigsten Werke. Zum einen der Vietnam-Zyklus (1966), der schon früh in der bundesdeutschen Geschichte den Vietnamkrieg thematisierte; zum anderen die Schröckliche Moritat vom Kryptokommunisten (1965), die satirisch die gängigen Klischees des Antikommunismus in der Bundesrepublik aufspießt. Im Vietnam-Zyklus, der aus insgesamt sechs Liedern besteht, schilderte er den Krieg aus der Perspektive verschiedener beteiligter Gruppen: aus der Sicht der Vietnamesen (Partisanenbekämpfung), eines US-Soldaten (Western-Ballade), eines US-Kommandeurs (Rein Technisches), der beteiligten Industrie (Wirtschaftsbericht), um in Hexenverbrennung dem Krieg eine historische Dimension zu geben (früher Hexenverbrennungen, heute Napalm) und im abschließenden Gespräche der Herren Müller, um dem Konflikt eine politisch-imperialismustheoretische Deutung zu geben.

Die Erschröckliche Moritat … beschreibt den harmlosen Tagesablauf eines Kommunisten im Vokabular und mit den Klischeevorstellungen des Antikommunismus. Der Kommunist putzt sich die Zähne mit Branntwein und trinkt zum Frühstück Wodka. Er zieht „die Unterwanderstiefel“ an und geht an sein „illegales Untertagewerk“. Bereits „um neun Uhr zehn frißt er das erste Kind (blauäugig, blond)“. Er verstellt sich, spricht rheinisch statt sächsisch, und geht zum Friseur, um immer unauffällig „agitproper“ auszusehen. Er „kommunistet“ in der Hütte hinter dem Bahndamm, küsst dort die Frau, spielt mit den Kindern Verstecken, um schließlich nach vollbrachtem Untertagswerk auch die Unterwanderstiefel wieder auszuziehen.

Sänger der Linken Süverkrüp trat 1964 als einer von 13 Sängern beim ersten Festival Chanson Folklore International auf Burg Waldeck auf, das sich in den folgenden Jahren zur Pilgerstätte der Folk- und Liedermacherszene entwickelte. Bis 1969 traten hier auch noch Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey, Schobert & Black, Hannes Wader und viele andere, später berühmt gewordene, auf. Aus der DDR kamen Perry Friedman, Hermann Hähnel und Lin Jaldati dazu, international waren unter anderen Hedy West und Pete Seeger geladen. Auch Ivan Rebroff trat hier mit Folklore auf. Das Festival entwickelte sich schnell zum Szene-Treffen, mit der typischen Eigendynamik einer solchen Veranstaltung. Die Szene dort begann um sich selbst zu kreisen, zufrieden damit, da zu sein, und nach seiner Meinung ohne weitergehenden Anspruch. Sie wurde somit der bundesdeutschen Gesellschaft, die sie kritisieren wollte, ähnlicher. Bereits 1966 textete der Dauergast Süverkrüp spöttisch in Wünsche des Publikums.

Das Festival auf Burg Waldeck prägten schon früh innere Streitigkeiten. Die Debatte lief entlang den Frontlinien zwischen „Kunst“ und „Politik“, die es kaum mehr möglich machten, einen Weg zwischen beiden zu gehen. Schließlich scheiterte das Festival 1969 an diesem Streit.

Zusammen mit Hanns Dieter Hüsch, Franz Josef Degenhardt und Wolfgang Neuss bildete Süverkrüp das Quartett 1967. Er trat bei Ostermärschen, Betriebsbesetzungen und Festivals auf, beim ersten Festival für Arbeiterlieder, organisiert vom pläne-Verlag, ebenso wie bei den Essener Songtagen 1968 (25. bis 29. September 1968), „Europas erstem großen Festival für Folklore, Folksong, Chanson und gute populäre Musik“, wo er zusammen mit Hüsch und Degenhardt das Auftaktkonzert spielte. Neuss hatte kurzfristig abgesagt, da er nicht ohne Gage spielen wollte. Süverkrüp schrieb viele Lieder extra für solche Anlässe, die somit einen engen Zeitbezug besitzen. In dieser Zeit produzierte er auch mehrere Fernsehsendungen für den WDR wie Süverkrüps Laube oder Die Wegwerfgesellschaft.

Seine Texte wurden in dieser Zeit politisch direkter. Von einer Beschreibung des Alltags und linker politischer Kritik in vielen Facetten konzentrierte er sich thematisch auf den Monopolkapitalismus, dies oft in direkterer Form als seine damaligen Wegbegleiter. Der Deutschlandfunk sagte über ihn:

Bereits im 1968 veröffentlichten Lied 1968ster Psalm summiert er sein Kapitalismusbild, das für seine weiteren Veröffentlichungen prägend sein sollte.

Süverkrüp sah nur den real existierenden Sozialismus sowjetischer Prägung als chancenreichen Konkurrent des Kapitalismus und wandte sich auch gegen linke Kritiker desselben mit bissigem, oft aggressivem Humor. Bereits 1970 zieht er in Die Revolution ist beendet ein Resümee der Neuen Linken.