mini|Titelseite der Erstausgabe von 1841. mini|Uli der Knecht, Brunnenfigur geschaffen von Arnold Huggler, vor dem Pfarrhaus in Lützelflüh, dem Wirkungsort von Pfarrer und Schriftsteller Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf) mini|Titelseite der bei Springer erschienenen «verhochdeutschten» Version (2. Auflage). Der Roman Uli der Knecht, schweizerdeutsch auch Ueli, von Jeremias Gotthelf (1797–1854) erschien 1841, der Folgeband Uli der Pächter 1849. Es handelt sich formal um einen episodenhaft angelegten Roman. Daneben ist der Roman aber als Bildungsroman/Erziehungsroman einzustufen, der – ganz im Zeichen von Gotthelfs Lehrtätigkeit – den Leser auf den richtigen Weg sowohl hinsichtlich des Geldes wie auch der Ehrfurcht vor Gott und dem Meister führen soll. Der Roman erschien erstmals 1850 in einer französischen Übersetzung;Ulric le valet de ferme ou comment Ulric arrive à la fortune, übersetzt von Adèle de Pierre, Neuchâtel 1850 1999 kam Raymond Laueners Neufassung heraus.Uli le valet de ferme, im Verlag L’Age d’Homme, Lausanne, ISBN 2-8251-1295-X 1885 erschien eine erste englische Übersetzung mit dem Titel Ulric, the farm servant.

Titel Der Roman erschien 1841 im Schweizer Verlag Ch. Beyel unter dem Titel Wie Uli, der Knecht, glücklich wird mit dem Untertitel Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute. Spätere Ausgaben erschienen aber schon bald mit dem gekürzten Titel Uli der Knecht (mit oder ohne Komma) und ohne Untertitel.

Sprache Die Sprache des Romanes ist – im Gegensatz zu anderen Werken wie beispielsweise Jacobs, des Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz (1846/47) – stark dialektal. So tauchen u. a. Begriffe wie «Chacheli» (= Tasse) auf, die auch im heutigen Sprachgebrauch des Berndeutschen nicht wegzudenken sind, aber auch eher vergessene Ausdrücke wie «Gunteräri» (= Gegenteil) auf (vom Französischen beeinflusster Sprachgebrauch der Berner Patrizier). Ein weiterer Punkt sind die Namen, die ebenfalls regionaltypischen Charakter haben (Bsp.: Vreneli). Andererseits ist der Name Uli eine «Verhochdeutschung», im Dialekt lautet der Name Ueli (Ue als Diphthong gesprochen).

1846 erschien bei Julius Springer eine «verdeutschte» Version unter dem Titel: „Uli, der Knecht. Ein Volksbuch. Bearbeitung des Verfassers für das deutsche Volk.“. Die Überarbeitung besorgte Gotthelf selbst, der dabei in ständigem Dialog mit dem deutschen Schriftsteller Ferdinand Schmidt stand. Diese verdeutschte Version ist heute weitgehend vergessen.

Nachdem Gotthelf durch die überarbeitete Version in Deutschland bekannt geworden war, kehrte man schon bald zur Originalfassung zurück. Ferdinand Vetter kombinierte 1886 für seine Ausgabe im Reclam-Verlag den Urtext von 1841 mit den Kapitelüberschriften von 1846, die in der Urfassung noch vollständig gefehlt hatten. «Unverständliche» Dialektwörter erklärte er in einem Glossar. Dieser Vorlage folgen seither alle Neuausgaben.

Wandel der Figuren Während die Meister Ulis kaum Veränderungen durchmachen, wandelt sich Uli im Verlauf des ersten Romanes von einem eher liederlichen Charakter hin zu einem gottesfürchtigen und zuverlässigen Mann, der schliesslich seine eigene Familie gründen kann. Lehrer von Uli sind seine Meister und nicht zuletzt auch Vreneli. Der Held des Romanes braucht ein Vorbild, einen Lehrmeister, um zu seinem Glück finden zu können.wie Holl: 1988 (117ff.) bereits sagt

Inhalt Angabe der wichtigsten Inhalte geordnet nach Kapiteln:

1. Es erwacht ein Meister, es spukt in einem Knechte Die Bäuerin und der Bauer sind wütend auf Uli (Merck), weil der in letzter Zeit zu viel getrunken hat und seine Arbeit nicht zufriedenstellend erledigt hat. Der Bauer redet also mit Uli, der sich uneinsichtig zeigt. Der Bauer stellt ihm ein Ultimatum von acht Tagen, um sich zu entscheiden. Ansonsten sei er entlassen. Zuerst regt Uli sich über den Bauern auf, doch als er nüchtern ist, regt er sich über sich selbst auf. Er wird aggressiv und glaubt, Anne Lisi sei schwanger – wovor er Angst hat.

2. Ein heiterer Sonntag in einem schönen Bauernhause Die Gottesfürchtigkeit der Bauersleute wird in Gegensatz zu Ulis Verschwendung gesetzt. Es sollen alle in die Kirche gehen, ausser Johannes und Uli, denn der Meister will erneut mit Uli sprechen. Dann kommt aber die Schwester des Meisters mit ihrer Familie. Johannes kann nicht mit Uli reden. Der Besuch scheint nicht so recht beliebt zu sein und als die überheblichen Leute aus dem Welschland gegangen sind, beginnt der Meister trotz Protestes von Uli die Nachtwache zu halten, um Gelegenheit zum Reden zu haben.

3. Eine Kinderlehre während der Nacht Der Bauer redet mit Uli und sagt ihm, dass nur er selbst in seiner Angst so böse gewesen sei. Und er sagt auch, dass er wisse, dass es wegen Anne Lisi ist. Uli entgegnet, er rechne sich keineswegs zu den Bösen, er sei noch einer der Besseren. Im Anschluss jammert Uli, wie schlecht es ihm gehe und dass er – im Gegensatz zu Johannes – keinen Menschen habe, dem er fehle, sondern nur sich selbst. Er beginnt zu weinen. Der Bauer tröstet ihn und sagt, auch Uli könne noch Haus und Hof erwerben, doch Uli glaubt nicht daran. Der Bauer lehrt Uli, dass jeder Mensch zwei Dinge habe: Zeit und Kraft, die man nur richtig einsetzen müsse, um glücklich zu werden. Der Pfarrer, von dem der Bauer seine Lehre nimmt, sagte noch: Man müsse Freude haben, auch am Dienst. Wenn man nur freudig, ehrlich und fleissig sei, so habe der Teufel wenig Chancen.

4. Wie eine schlechte Dirne einem braven Meister die Ohren des Knechtes auftut In diesem Moment kommt das brandschwarze Kalb (mit einem weissen Stern) zur Welt und unterbricht das Gespräch. Uli ist auf einmal sanft und zärtlich. Uli scheint sich im Folgenden zu bessern und ist voller Elan, arbeitet sorgfältig und ohne Aufforderungen. Er sieht ein, dass des Meisters Worte wahr seien und er noch ein Mann werden könnte. Uli rechnet immer wieder seine Finanzen durch, da taucht Anne Lisi auf. Es kommt zum Streit, denn Uli hatte bereits beschlossen, dass er mit Anne Lisi keinen Kontakt mehr haben möchte. Sie versucht ihn wieder für sich zu gewinnen, aber Uli bleibt hart und freut sich, dass er sich seiner Fesseln entledigen konnte. Er erzählt dem Bauern davon und auch von seiner Rechnung. Der Bauer sagt, er müsse halt einfach weniger in den Ausgang gehen, dann könne er bereits einiges sparen und bis Ende des Jahres auch seine Schulden begleichen.

5. Nun kommt der Teufel und säet Unkraut in den guten Samen Uli benimmt sich ordentlich, er geht wieder zur Kirche. Er hat sogar zwei Neutaler gespart und ist auch sonst sehr fleissig. Weil Uli nun bei dem Bauern beliebter ist, fangen die anderen Knechte und Mägde an zu sticheln. Auch ein dem Bauern feindlich gesinnter Nachbar wirft ein Auge auf Uli, da dieser es vorzieht, seine Mägde und Knechte zu seinen Schuldnern zu machen, damit er sie ausnutzen kann. Als das Spotten nichts nützt, versucht es der Nachbarbauer mit Lob. Damit erst bringt er Uli dazu, seinen Dienst langsam zu verachten. So wirkt das Gift des Nachbarn immer mehr.

6. Wie das Hurnussen dem Uli vom Unkraut hilft Ein Hornussen soll zwischen zwei Dörfern Erdöpfelkofen und Brönzwyler ausgetragen werden. Uli soll einer der Spieler sein, der die Ehre des Dorfes retten solle. Der Meister rät ihm vom Spielen ab. Als er absagen will, nimmt ihn der Nachbar beiseite und sagt, dass der Meister ihm nur seinen Spass verderben wolle. So sagt Uli dennoch zu. Die Erdöpfelkofer verlieren und Uli muss mit, um zu trinken. Er ärgert sich über sich selbst. Wie erwartet kommt es zu Streitereien und Schlägereien. Resli, der Nachbar, spinnt nun einen Plan, um Uli als den Schuldigen dastehen zu lassen. Er kann ihn auch dazu überreden mitzumachen, jedoch hört Ulis Meister zu und spricht anschliessend mit Uli. Er will Uli beistehen, aber nur, wenn dieser ihm treu ist. Wie es der gesagt hatte, wollen die anderen Uli betrügen. Der Meister regelt es mit Resli und alles scheint in Ordnung zu sein.

7. Wie der Meister für den guten Samen einen Ofen heizt Obwohl es eigentlich nicht Brauch ist, darf Uli in der warmen Stube lesen. Es gibt zuerst Streit, doch die Bäuerin schlichtet, besonders, als Uli sagt, der Meister habe ihm gesagt, er solle ins Haus kommen. Von da an, nach einem längeren Gespräch Johannes’ mit seiner Frau, kommen die Knechte an den Sonntagen immer in die warme Stube. Dann aber kommen auch andere Knechte und Mägde, bis der Bauer schliesslich ein Machtwort spricht, um die Ordnung wiederherzustellen.

8. Ein Knecht kommt zu Gelde, und alsbald zeigen sich die Spekulanten Uli hat den Lohn von einem ganzen Jahr erspart und will sich nur drei Hemden anfertigen lassen. Bald wollen sich alle Geld auslehnen, er gibt seinen gesamten Lohn her – in der Hoffnung, das Geld zurückzuerhalten. Die Leute vertrösten ihn immer wieder aufs Neue. Schliesslich fragt der Bauer ihn, was er habe, denn Ulis Zustand hatte sich verschlechtert durch die Sorgen. Der Bauer will ihm helfen und erhält von den 30 Kronen immerhin fünfzehn zurück, die er Uli in die Ersparniskasse legen lässt.

9. Uli steigt im Ansehen und kommt Mädchen in den Kopf Uli zeigt sich fleissig und sparsam. Bald steigt er im Ansehen der Leute. Auch die Mädchen beginnen sich zu interessieren, namentlich Stini, die Meisterjungfer, und Uersi, die Untermagd. Stini zankt immer, weil sie nur so ihre Zuneigung zeigen kann. Uersi hingegen macht Uli schöne Augen, um ihn zu gewinnen. Der Kampf zwischen den beiden Kontrahentinnen wird immer schlimmer, bis schliesslich Stini (von Uersi) ins Gülleloch gestossen wird und in einem letzten Kampf klar wird, dass Uli keine von beiden will.

10. Wie Uli um eine Kuh handelt und fast eine Frau gekriegt hätte Uli soll eine Kuh verkaufen, was er schliesslich mit einer Dublone Gewinn (die er behalten darf) auch tut. Auf dem Heimweg begegnet ihm Käthi, die Nachbarstochter, die mit vier Schweinen unterwegs ist, die sie kaum bändigen kann. Uli hilft. Unterwegs gehen sie noch in ein Wirtshaus und essen und trinken. Uli soll bezahlen, da Käthi nicht das richtige Kleingeld hat und die Neutaler noch nicht anbrauchen will. Schliesslich kehrt Uli heim, ist sich sicher, dass Käthi ihn heiraten werde, falls er wolle. Zu Hause überlegt Uli, ob er das Geld vollständig dem Bauern zeigen solle. Schliesslich tut Uli es und wird dafür mit Geld belohnt. Am Abend fragt Uli den Meister, ob Käthi überhaupt die richtige Frau für ihn sein könne und erzählt, was Käthi ihm auch erzählt hatte. Der Bauer meint, als Hausfrau sei sie untauglich, sie könne nur die Arbeit eines Knechtes ausführen, aber weder kochen noch nähen. Eine Bauerntochter würde nur zu hochnäsig sein und das Leben lang dem Mann vorhalten, dass sie einen Besseren hätte finden können. Uli dankt dem Bauern für den Rat, er will ihn befolgen.

11. Wie bei Uli Wünsche sich bilden, und wie der Meister sie ins Leben setzt