mini|Blick vom Kreishaus in Richtung Oberstadt mit der Nikolaikirche im Zentrum mini|Blick auf den Stadtkern und den im Hintergrund befindlichen Lindenberg aus westlicher Richtung. mini|Oberstadt
Siegen (mundartlich Seeje) ist eine Großstadt und Universitätsstadt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Landesteil Westfalen und gehört zum Regierungsbezirk Arnsberg. Sie ist Verwaltungssitz des Kreises Siegen-Wittgenstein und hat somit den Status einer großen kreisangehörigen Stadt.
Die Stadt liegt nordwestlich des Dreiländerecks Nordrhein-Westfalen – Hessen – Rheinland-Pfalz, ist Sitz der Kreisverwaltung und in der Landesplanung als Oberzentrum im südwestfälischen Verdichtungsraum eingestuft. Sie ist die Geburtsstadt des Barockmalers Peter Paul Rubens,siegen.de: Siegerlandmuseum, abgerufen am 14. August 2009. weshalb sie auch als Rubensstadt bezeichnet wird. Nach einer deutschlandweiten Satellitenbild-Auswertung innerstädtischer Grünflächen, die 2016 von der Berliner Morgenpost durchgeführt wurde,morgenpost.de: Das sind Deutschlands grünste Großstädte, abgerufen am 7. Oktober 2020. ist Siegen die grünste Großstadt Deutschlands.
Geographie Lage Siegen ist die südlichste Stadt Westfalens bzw. des Siegerlands. Sie liegt in einem verzweigten Talkessel der oberen Sieg. Neben der Sieg sind die größten Fließgewässer innerhalb des Stadtgebiets die Sieg-Zuflüsse Ferndorf, Weiß, Alche, Eisernbach und Gosenbach. Vom Talkessel zweigen noch zahlreiche weitere Nebentäler ab. Die Höhen der umgebenden Berge sind, sofern nicht besiedelt, von Niederwald bedeckt. Nördlich schließt sich das Sauerland an, im Nordosten das Wittgensteiner Land im Rothaargebirge, südlich der Westerwald und im Westen das Wildenburger Land.
Die nächsten größeren Städte in der Umgebung von Siegen sind (in durchschnittlicher Verkehrsentfernung) im Norden Hagen (83 km), im Südosten Gießen (70 km) und Frankfurt am Main (125 km), im Südwesten Koblenz (105 km) und im Westen Köln (93 km). Die räumlichen Entfernungen (Luftlinie) zu den umliegenden Großstädten betragen in etwa 65 km (Hagen), 95 km (Frankfurt), 65 km (Koblenz) und 75 km (Köln).
Die Stadt liegt an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.
Berge Im Kerngebiet Siegens liegen acht Berge:
Weitere Berge im Siegener Stadtgebiet sind zum Beispiel der Gilberg zwischen Eiserfeld und Hengsbach oder der Pfannenberg zwischen Eiserfeld und Salchendorf mit Spitze in Eiserfeld.
Ausdehnung des Stadtgebiets mini|Blick vom Oberen Schloss in nördliche Richtung
Die Gesamtfläche des Stadtgebiets beträgt rund 115 Quadratkilometer. Die maximale West-Ost-Ausdehnung beträgt elf, in nord-südlicher Richtung zwölf Kilometer. Die Stadtgrenze ist 48 Kilometer lang. Die höchste Erhebung der Stadt ist der Pfannenberg mit an der südlichen Stadtgrenze. Der niedrigste Punkt des Kreises liegt mit bei Niederschelden an der südwestlichen Stadtgrenze, die hier gleichzeitig die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz bildet. Der Waldanteil am Stadtgebiet beträgt rund 51 Prozent.siegen.de: Stadtwald, abgerufen am 28. Januar 2008.
Nachbargemeinden und -städte Die Stadt Siegen grenzt im Norden an die Stadt Kreuztal, im Osten an die Stadt Netphen, im Südosten an die Gemeinde Wilnsdorf, im Süden an die Gemeinde Neunkirchen und die Stadt Herdorf in Rheinland-Pfalz, im Südwesten an die Gemeinde Mudersbach (Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz), im Westen an die Stadt Freudenberg und im Nordwesten an die Gemeinde Wenden (Kreis Olpe).
Stadtgliederung mini|Gliederung des Stadtgebiets
Das Stadtgebiet Siegen ist in sechs Bezirke eingeteilt, die aus mehreren Orts- beziehungsweise Stadtteilen bestehen. Jeder Bezirk hat einen Bezirksausschuss, der jeweils aus 15 stimmberechtigten und 15 nicht stimmberechtigten Mitgliedern besteht. Die Bestellung der Ausschussmitglieder erfolgt durch den Rat der Stadt, entsprechend den Stimmanteilen der Kommunalwahl der Parteien im jeweiligen Bezirk. Die Bezirksausschüsse entscheiden über bestimmte Aufgaben des Bezirks. Diese Aufgaben werden in der Hauptsatzung der Stadt Siegen festgelegt.
Die Stadtteile Weidenau, Geisweid, Birlenbach, Langenholdinghausen, Buchen, Sohlbach, Dillnhütten, Niedersetzen, Obersetzen und Meiswinkel bildeten vom 1. Juli 1966 bis 31. Dezember 1974 die Stadt Hüttental, die Stadtteile Eiserfeld, Eisern, Gosenbach, Niederschelden und Oberschelden vom 1. Juli 1966 bis 31. Dezember 1974 die Stadt Eiserfeld.
Die sechs Bezirke Siegens und ihre zugehörigen Stadtteile Stadtbezirk Stadtteil Einwohner I (Geisweid) Birlenbach 1.122 I (Geisweid) Meiswinkel 614 I (Geisweid) Langenholdinghausen 1.950 I (Geisweid) Geisweid 13.880 I (Geisweid) Dillnhütten 251 I (Geisweid) Sohlbach 590 I (Geisweid) Buchen 688 I (Geisweid) Niedersetzen 592 I (Geisweid) Obersetzen 804 I (Geisweid) Siegen-Geisweid Gesamt 20.491 II (Weidenau) Weidenau 16.129 II (Weidenau) Siegen-Weidenau Gesamt 16.129 III (Ost) Kaan-Marienborn 3.543 III (Ost) Alt-Siegen (Giersberg) s. Stadtbezirk IV III (Ost) Bürbach 2.274 III (Ost) Volnsberg 241 III (Ost) Breitenbach 342 III (Ost) Feuersbach 393 III (Ost) Siegen-Ost Gesamt (ohne Innenstadt) 6.793 IV (Mitte) Alt-Siegen (nicht zu Bezirk III und V gehörig) 39.293 IV (Mitte) Siegen-Mitte Gesamt 39.293 V (West) Seelbach 2.182 V (West) Trupbach 1.781 V (West) Alt-Siegen (Wellersberg) s. Stadtbezirk IV V (West) Alt-Siegen (Fischbacherberg) s. Stadtbezirk IV V (West) Alt-Siegen (Achenbach) s. Stadtbezirk IV V (West) Alt-Siegen (Rosterberg) s. Stadtbezirk IV V (West) Siegen-West Gesamt (ohne Innenstadt) 3.963 VI (Süd) Oberschelden 1.171 VI (Süd) Niederschelden 5.139 VI (Süd) Eiserfeld 7.961 VI (Süd) Eisern 2.262 VI (Süd) Gosenbach 2.186 VI (Süd) Siegen-Süd Gesamt 18.719 Stadt Siegen 105.388 Quelle: Stadt Siegen/KECK-Atlas (Stand 31. Dezember 2024)
Stadtviertel Neben der Aufteilung des Stadtgebiets in Bezirke und Stadtteile werden noch Gebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Grenzen und Bezeichnungen jedoch nicht klar definiert sind. Als Beispiele sind unter anderem die Unter- bzw. Oberstadt, Hammerhütte, Lindenberg, Charlottental, Haardter Berg (mit der Universität) oder die Dreisbach anzuführen. Diese Gebiete können durchaus auch auf der Fläche von mehreren offiziellen Stadtteilen liegen, wie im Fall des Gebietes Sieghütte, das teilweise im Stadtteil Siegen-Mitte und zu Teilen in Weidenau liegt, außerdem kommt es ebenso zu räumlichen Überschneidungen zwischen einzelnen Gebieten. Die Gebiete sind am ehesten vergleichbar mit den aus anderen Städten bekannten Vierteln, Veedeln oder Kiezen und haben nur noch traditionelle, aber keine statistische oder verwaltungstechnische Bedeutung. Neben der teils weitreichenden Bedeutung für das Selbstverständnis ihrer Bewohner finden sie sich zur Orientierung auf Stadtkarten, in der Benennung von Buslinien sowie auf Hinweis- und Verkehrsschildern. So sind unter anderem mehrere Ausfahrten der Stadtautobahn Hüttentalstraße (HTS) nach den entsprechenden Gebieten benannt.
Klima Das Klima Siegens ist durch die Höhenlage bestimmt. Im Mittel fallen 938 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Im Spätherbst und Winter (November bis Januar) fällt der meiste Regen. Dies ist auch die Zeit mit den meisten Niederschlagstagen. Die geringsten Regenmengen und -tage weisen die Frühlingsmonate März, April und Mai auf. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 9,8 °C. Mit 18,8 °C ist es im Juli am wärmsten, im kältesten Monat Januar beträgt die Durchschnittstemperatur 1,4 °C.Wetterdienst: wetterdienst.de, abgerufen am 1. Oktober 2018.
Die Hauptwindrichtung ist Südwest bis West. Der Klimatyp nach Köppen und Geiger ist ozeanisch/Seeklima (Cfb).
Geschichte Allgemeine Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Der Name Siegen geht auf den vielleicht keltischen Flussnamen der Sieg zurück, ungewiss ist eine Verwandtschaft mit dem Namen des keltisch-germanischen Stammes der Sugambrer, der in vorchristlicher Zeit in Teilen des heutigen Nordrhein-Westfalen lebte. Erste urkundliche Erwähnungen des Ortes Sigena reichen bis in das Jahr 1079 zurück.Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 6, Nr. 3.
Die Spatenforschung hat für das Siegerland Erzförderung und „eine beachtliche latènezeitliche Eisenverhüttung“ für den Zeitraum von etwa 500 v. Chr. bis 100 n. Chr. nachgewiesen. Einzelne solcher Fundstellen befinden sich auch auf dem heutigen Gebiet der Stadt Siegen, so Schmelzöfen im Engsbach-Seifen bei Achenbach. Sie gehören zu den ältesten im Siegerland. Diese älteste Eisenverhüttung erfuhr eine mehrhundertjährige Unterbrechung, um im Frühmittelalter (10./11. Jahrhundert) wieder aufgenommen zu werden. Erzförderung und -verhüttung dauerten bis vor wenigen Jahrzehnten an.Paul Fickeler: Das Siegerland als Beispiel wirtschaftsgeschichtlicher und geogragraphischer Harmonie. In: Erdkunde. Archiv für wissenschaftliche Geographie, Bd. VIII, Lfg. 1, 1954, S. 15–51.
Auf einer Münze, die um das Jahr 1175 entstanden ist, wird Siegen unter der Bezeichnung „civitas“ (deutsch: Stadt) genannt.
Im Jahre 1224 wurde Siegen als eine aufs Neue erbaute oder wiederaufgebaute Stadt oder Landgemeinde (genauer lateinischer Wortlaut: „oppidi Sige de novo constructi“) in einer neunzeiligen Urkunde in lateinischer Sprache erwähnt, die Erzbischof Engelbert I. von Köln dem Grafen von Nassau, Heinrich dem Reichen, zum halben Miteigentum übertrug.Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 8, Nr. 8. Möglicherweise wurde der alte Siedlungsplatz von der Weiß-Mündung auf den Bergsporn verlegt, auf dem sich die Altstadt befindet. Es ist belegt, dass das Obere Schloss zu dieser Zeit schon existierte. Am 19. Oktober 1303 erhielt die Stadt das Soester Stadtrecht. Auf den 21. August 1345 datiert die erstmalige Erwähnung des Hof Winterbach rechts des Leimbachtals.Siegerländer Heimatkalender 1990, S. 20, 65. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur. Bis zum 1. Februar 1381 hatte die Stadt zwei Eigentümer. Erst dann ging sie gänzlich in die Hände der Nassauer über. Das älteste Siegel stammt vom 25. März 1309. Seit dem Jahr 1404 sind heute noch identifizierbare Straßen und Quartiere Siegens belegt.
Frühe Neuzeit mini|Siegen und das Obere Schloss (um 1600) mini|Siegen mit Siegbrücke (um 1618) Die Stadt Siegen bot im 16. Jahrhundert einen wehrhaften Anblick. Sie war von gewaltigen Mauern mit 16 Türmen und drei Stadttoren umgeben und besaß eine mächtige Burg. Die drei Tore der Siegener Stadtbefestigung waren das Kölner Tor nach Westen, das Löhrtor nach Süden und das Marburger Tor nach Osten. Mehrere Stadtbrände suchten die Stadt heim, von denen die vom 16. August 1593 und vom 10. bis 20. April 1695 urkundlich erwähnt sind. Der Großbrand in den Mittagsstunden des 16. August 1593, als sich fast alle Siegener zur Ernte außerhalb der Stadt befanden, war auf den Schmied Johann Busch in der Marburger Straße zurückzuführen. Dort waren Funken in den Flachs geflogen, was dazu führte, dass in kurzer Zeit 25 Wohnhäuser und 15 Scheunen vernichtet und 11 Häuser und 12 Scheunen schwer beschädigt wurden.Siegerländer Heimatkalender 1966: Meilensteine aus der Siegerländer Vergangenheit von Adolf Müller, Verlag für Heimatliteratur, S. 97.