Die Zaunrüben (Bryonia) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Die etwa zwölf Arten sind in Eurasien und Nordafrika verbreitet.
Beschreibung mini|links|Unterirdischer Pflanzenteil der Rotfrüchtigen Zaunrübe (Bryonia dioica) mini|Illustration aus Johann Georg Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen der Rotfrüchtigen Zaunrübe (Bryonia dioica) mini|Blüte in Großaufnahme von Bryonia dioica mini|Kanarische Zaunrübe (Bryonia verrucosa) mit Früchten mini|Reife Früchte der Weißen Zaunrübe oder Schwarzbeerige Zaunrübe (Bryonia alba)
Vegetative Merkmale Zaunrüben-Arten wachsen als kletternde bis niederliegende, sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Die knolligen Wurzeln sind rübenförmig. Die oberirdischen, steif behaarten bis kahlen Sprossachsen werden bis zu 4 Meter lang und sterben im Herbst ab. Die Ranken sind unverzweigt.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite sind kreis- bis ei- oder spießförmig, drei- bis fünfkantig oder handförmig drei- bis fünflappig. Die Blattlappen sind eiförmig bis deltaförmig oder dreieckig. Auf den Blattspreiten sind keine Drüsen vorhanden.
Generative Merkmale Die Zaunrüben-Arten sind meist zweihäusig (diözisch), selten einhäusig (monözisch) getrenntgeschlechtige Pflanzen. Die Rotbeerige Zaunrübe (Bryonia dioica) ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), das heißt, es gibt weibliche und männliche Pflanzenexemplare. Bei der Weißen Zaunrübe (Bryonia alba) dagegen finden sich Blüten beiderlei Geschlechts an einem Pflanzenexemplar, sie sind also einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Kreuzungen zwischen diesen beiden Arten durch Carl Correns, einem der drei Wiederentdecker der Mendelschen Regeln, führten 1903 zur Entdeckung der genetischen Verankerung des Geschlechtssystems bei Pflanzen.
Die Blüten sind immer eingeschlechtig. 4 bis 16 männliche Blüten stehen in seitenständigen, traubigen oder büscheligen Blütenständen zusammen. Meist zwei bis sechs (ein bis zehn) weibliche Blüten stehen in seitenständigen, schirmtraubigen bis traubigen Blütenständen zusammen. Es sind keine Tragblätter vorhanden.
Die Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenbecher (Hypanthium) ist mehr oder weniger glockenförmig. Die fünf Kelchblätter sind lanzettlich bis deltaförmig. Die Blütenkrone ist trichterförmig-glockenförmig bis fast radförmig. Die fünf kahlen Kronblätter sind bei einer Länge von 3 bis 7 Millimetern länglich-eiförmig bis eiförmig-lanzettlich. Die Kronblätter sind weiß bis cremefarben, grünlich-weiß oder gelblich-grün oder gelblich. Meist ist der Kronschlund grün und es sind schwache grüne Linien vorhanden.
Bei den männlichen Blüten sind von den fünf Staubblättern vier in zwei Paaren verwachsen und eines frei und wirken wie drei Staubblätter. Die Staubfäden sind nahe dem Blütenbecherrand inseriert. Bei den weiblichen Blüten sind die einkammerigen Fruchtknoten eiförmig bis breit-ellipsoid und enthalten drei bis zehn Samenanlagen. Der schlank-säulenförmige Griffel endet in drei Narben, die zweilappig sind. Es können drei bis fünf Staminodien vorhanden sein oder sie fehlen.
Die bei Reife roten bis orangefarbenen oder schwarzen, beerenähnlichen Früchte sind kugelförmig, glatt, öffnen sich nicht und enthalten zwei bis acht Samen. Die eiförmigen oder länglichen und abgeflachten Samen besitzen keinen Arillus.
Inhaltsstoffe und Giftigkeit Die bei Reife roten oder schwarzen Beeren der Rotbeerigen und der Weißen Zaunrübe sind sehr giftig: Bereits 15 von ihnen können tödlich für ein Kind sein. Auch alle anderen Bestandteile der Pflanze, Wurzeln, Ranken und Blätter, sind giftig. Das Zerreiben der Beeren auf der Haut führt zu Hautreizung und Blasenbildung.
Ökologische Bedeutung
Sie sind die einzigen Futterpflanzen der streng auf sie spezialisierten (oligolektischen) Zaunrüben-Sandbiene (Andrena florea Fabricius 1793).
Systematik mini|Männliche Blüten von Bryonia syriaca mini|Blüte der Kanarischen Zaunrübe (Bryonia verrucosa) Taxonomie Die Gattung Bryonia wurde 1753 durch Carl von Linné Species Plantarum, Tomus II, S. 1012 aufgestellt. Als Lectotypus-Art wurde 1929 Bryonia alba durch Mary Letitia Green in Proposals by British Botanists, Seite 190.
Äußere Systematik Die Gattung Bryonia gehört zur Tribus Bryonieae in der Unterfamilie Cucurbitoideae innerhalb der Familie der Cucurbitaceae.
Arten und ihre Verbreitung Die Gattung Bryonia ist in Eurasien und Nordafrika verbreitet.
Es gibt etwa zwölf Arten in der Gattung Bryonia: Bryonia acuta (Synonym: Bryonia cretica subsp. acuta ): Sie ist in Portugal, Sizilien, Malta, Algerien, Tunesien, Marokko und Libyen verbreitet. Weiße Zaunrübe oder Schwarzbeerige Zaunrübe (Bryonia alba , Syn.: Bryonia dioica non nom. illeg., Bryonia monoeca non nom. illeg.): Sie ist von Nord- über Mittel- und Südosteuropa bis Westasien weitverbreitet. Sie ist in vielen Gebieten ein Neophyt. Bryonia aspera (Syn.: Bryonia afghanica , Bryonia haussknechtiana , Bryonia macrostylis ): Sie kommt in Westasien, in Zentralasien, im Kaukasusraum, in Indien und in Pakistan vor. Bryonia cretica : Sie ist im östlichen Mittelmeerraum verbreitet. Rotfrüchtige Zaunrübe oder Zweihäusige Zaunrübe (Bryonia dioica , Syn.: Bryonia cretica subsp. dioica , Bryonia digyna , Bryonia sicula ) Bryonia lappifolia : Sie kommt in Tadschikistan vor. Bryonia marmorata (Syn.: Bryonia cretica subsp. marmorata , Bryonia corsica ): Sie kommt nur auf Korsika und Sardinien vor. Bryonia melanocarpa : Sie kommt in Kasachstan vor. Bryonia monoica : Sie kommt in Zentralasien vor. Bryonia multiflora (Syn.: Bryonia lasiocarpa , Bryonia macrophylla ): Sie kommt in der Türkei, in Syrien, im Irak und im Iran vor. Bryonia syriaca (Syn.: Bryonia micrantha non nom. illeg.): Sie kommt in Syrien, Jordanien, im Libanon, in Israel und auf der Sinaihalbinsel vor. Kanarische Wildmelone oder Kanarische Zaunrübe (Bryonia verrucosa , Bryonia hederifolia ): Sie kommt nur auf den Kanaren vor.
Quellen Literatur C. Jeffrey: A review of the genus Bryonia L. (Cucurbitaceae). In: Kew Bulletin, Volume 23, 1969, S. 441–461. Stefanie M. Volz: Evolution of dioecy in the Cucurbitaceae genus Bryonia – a phylogenetic, phylogeographic, and SCAR-marker approach. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften an der Fakultät für Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, September 2008. Volltext-PDF. Stefanie M. Volz, Susanne S. Renner: Phylogeography of the ancient Eurasian medicinal plant genus Bryonia (Cucurbitaceae) inferred from nuclear and chloroplast sequences. In: Taxon, Volume 58, 2009, S. 550–560. Chapter 2 – Volltext-PDF. H. Schaefer, Susanne S. Renner: Phylogenetic relationships in the order Cucurbitales and a new classification of the gourd family (Cucurbitaceae). In: Taxon, Volume 60, 2011, S. 122–138. Guy L. Nesom: Cucurbitaceae.: Bryonia Linnaeus. – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Volume 6: Magnoliophyta: Cucurbitaceae to Droseraceae, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 6, 2015, ISBN 978-0-1953-4027-3.
Einzelnachweise T. Henning, N. Holstein, E. von Raab-Straube (2017): Cucurbitaceae. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Carl von Linné: Species Plantarum, 2, 1753, S. 1012. eingescannt bei biodiversitylibrary.org. Guy L. Nesom: Cucurbitaceae.: Bryonia Linnaeus. – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Volume 6: Magnoliophyta: Cucurbitaceae to Droseraceae, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 6, 2015, ISBN 978-0-1953-4027-3.
Weblinks
Inhaltsstoffe der Zaunrübe bei giftpflanzen.com awl.ch – Bryonia alba
Kategorie:Kürbisgewächse