Die Tonto-Apachen oder Dilzhę́’é, auch Dilzhe'e Apache („Volk mit hohen, hellen Stimmen“) sind die nordwestliche Gruppe der Westlichen Apachen, einer Stammesgruppe der Apachen im östlichen Zentral-Arizona im Südwesten der Vereinigten Staaten, weitere Gruppen sind die San-Carlos-Apachen (Tsékʼáádn - „Metate-Volk“), die White-Mountain-Apache (Dzil Łigai Si'án Ndee - „Volk der Weißen Berge“) und Cibecue-Apachen (Dishchíí Bikoh - „Volk des roten Canyon“) (nach Greenville Goodwin).

Andere Wissenschaftler und Anthropologen bezeichnen mit Westliche Apachen jedoch alle in Arizona westlich des Rio Grande lebenden Stämme der Apachen (außer den Diné [Navajo]) – und schließen somit die Apache Mansos („zahme Apachen“) nahe der Mission San Xavier del Bac südlich von Tucson und die Chokonen, Bedonkohe und Nednhi Bands der Chiricahua mit ein. Heute werden jedoch Letztere allgemein kulturell zu den Östlichen Apachen gezählt (siehe Liste der Apachen-Stämme).

Sprache Ihre Sprache, das Tonto oder Dilzhę́’é, ist eine Dialektvariante des Westlichen Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati'), und gehört zusammen mit dem Navajo (Diné bizaad) und dem Mescalero-Chiricahua (Ndee Bizaa) – zum Westlichen Zweig der südathapaskischen Apache-Sprachen der athapaskischen Sprache aus der Na-Dené-Sprachfamilie. Meist werden zwei Idiome unterschieden: Northern Tonto und Southern Tonto.

Da die Tonto Apache oftmals zusammen mit Wi:pukba/Wipukepa und Guwevkabaya/Kwevkepaya der Yavapai zweisprachige Bands bildeten – und somit sowohl Westliches Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati') als auch Yavapai (Hochland Yuma/Nördliches Pai) sprachen – verfügte der Tonto (Dilzhę́’é)-Dialekt über einen starken Yavapai-Akzent und weist daher im Gegensatz zu den anderen Varianten des Westlichen Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati') eine markante und für andere Apache eigenartig klingende Sprachmelodie auf, die häufig auch als „Singsang“ bezeichnet wird. Der Tonto (Dilzhę́’é)-Dialekt steht hierbei dem Navajo unter allen Apache-Sprachen am nächsten.

Heute sprechen noch ca. 1.000 Personen Tonto oder Dilzhę́’é (Stand: 2007),Tonto Apache and its position within Apachean wobei das Northern Tonto-Idiom in zwei mit Yavapai geteilten Reservationen gesprochen wird (der Yavapai-Apache Nation Indian Reservation (vormals Camp Verde) und Yavapai-Prescott Indian Reservation) und das Southern Tonto-Idiom in der Tonto Apache Reservation sowie in der ebenfalls mit Yavapai geteilten Fort McDowell Indian Reservation und in zwei von anderen Stämmen der Westlichen Apache dominierten Reservationen (der San Carlos Apache und Fort Apache Indian Reservation). Obwohl es ebenfalls Nachfahren von Nördlichen Tonto-Apache in der San Carlos und Fort Apache Indian Reservationen gibt, gibt es heute keine Sprecher des Northern Tonto-Idioms unter ihnen.

Namen Herkunft des Namens Apache Die heute allgemein gebräuchliche Stammesbezeichnung als Apache wurde ins Englische (und später in andere Sprachen) aus dem Spanischen übernommen; jedoch ist die Herkunft der Bezeichnung unsicher und umstritten.

Die heute meist akzeptierte Lehrmeinung ist, dass das Wort aus dem Shiwi'ma stammt, der Sprache der Zuni (A:shiwi), einem Pueblo-Volk, das die feindlichen aus dem Norden in den Südwesten vordringenden Südlichen Athapasken – insbesondere die Navajo – als A:bachu / ʔa·paču (Singular: Bachu / Paču – „Feind, Fremder“) bezeichneten. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die feindlichen Quechan (Yuma) die verbündeten Yavapai und Apache als E-patch („Kämpfende Männer“ oder „Jene, die kämpfen“) oder auf Grund der typischen Kriegsbemalung der Yavapai als Apatieh („Waschbär“) bezeichneten. Jedoch könnte sich die Bezeichnung auch aus zwei Wörtern der Yavapai – deren Sprache, wie die der Quechan zu den Cochimí-Yuma-Sprachen zählt – abstammen: ʔpačə („Feind“) oder Abaja („Das Volk“), der Eigenbezeichnung der Guwevkabaya/Kwevkepaya oder Südöstlichen Yavapai der Fort McDowell Reservation.

Die erste bekannte schriftliche Erwähnung der Stammesbezeichnung Apache in Spanisch erfolgte durch Juan de Oñate im Jahr 1598; daher ist die Herkunft aus der Sprache der Zuñi und Yavapai weiterhin umstritten, da Oñate den Namen kannte und niederschreiben ließ, bevor er während der Zweiten Oñate-Expedition im Jahr 1604 erstmals diese beiden Völker kennenlernte.

Eine weitere – jedoch wenig überzeugende – Herkunft könnte direkt aus dem Spanischen kommen: mapache („Waschbär“) oder apachurrar („zerschmettern, zerquetschen“), was sich auf die bei den Apache beliebte Kampftechnik mit Kriegskeulen beziehen könnte.

Zunächst bezeichneten die Spanier mit „Apachu de Nabajo“ (Navajo) in den 1620er Südliche Athapasken in der Chama-Region östlich des San Juan River; seit den 1640er begannen sie jedoch, zwischen den eigentlichen Navajo und den restlichen Apache zu unterscheiden; sodass bald der Zusatz „de Nabajo“ fallen gelassen wurde und „Apache“ zur Bezeichnung der sich nicht zu den Navajo (Diné) entwickelnden Südlichen Athapasken wurde.

Früher wurden Wi:pukba/Wipukepa („Nordöstliche Yavapai“) meist als Mohave-Apache (Apache-Mojave) sowie zusammen mit den Guwevkabaya/Kwevkepaya („Südöstliche Yavapai“) als Tonto Apache oder kurz Tonto bezeichnet, da sie oftmals in bilingualen Bands mit Tonto und San Carlos Apache zusammen lebten und neben der Sprache zudem auch viel Kultur der Apache übernommen hatten. Die Ɖo:lkabaya/Tolkepaya („Westliche Yavapai“) wurden zusammen mit den Hualapai (Walapai) sowie Havasupai als Yuma-Apache (Apache-Yuma) bezeichnet. Historisch und in älterer Fachliteratur werden die Yavapai meist als Apache Mohave (Apache-Mojave), Yavapai-Apache oder einfach als Apache bezeichnet, da im Norden Mexikos sowie im Südwesten der USA das Wort Apache oft zur Bezeichnung für „feindliche, kriegerische, räuberische Indianer“ gebraucht wurde, ohne sprachliche, ethnische und kulturelle Differenzierung (auch Mohave (Mojave) und sogar Comanche wurden vormals als Apache bezeichnet).

Herkunft des Namens Tonto Da – wie oben bereits angemerkt – die Tonto Apache meist zweisprachig waren und sowohl Westliches Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati') als auch Yavapai (Hochland Yuma/Nördliches Pai) sprachen, hat ihr Dialekt einen starken hörbaren Yavapai-Akzent und weist daher im Gegensatz zu den anderen Varianten des Westlichen Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati') eine markante und für andere Apache eigenartig klingende Sprachmelodie auf, die häufig auch als „Singsang“ bezeichnet wird. Daher wurden die Tonto Apache und San Carlos Apache zusammen mit ihren Yavapai-Verwandten von anderen Westlichen Apache als Dilzhę́’é (wörtlich: „Volk mit hohen, hellen Stimmen“) bezeichnet. Die verwandten, jedoch feindlichen Navajo (Diné) bezeichneten ebenfalls beide – Tonto Apache und Yavapai – als Dilzhʼíʼ dinéʼiʼ und unterschieden sie somit ausdrücklich von den übrigen Westlichen Apache, die sie Dziłghą́ʼiʼ („Volk der Berggipfel“) nannten.

Vermutlich wegen ihres starken Akzents wurden die Tonto Apache, San Carlos Apache und Yavapai (da diese ja ebenfalls zweisprachig waren und ihre „Muttersprache“ ebenfalls mit einem starken Apache-Akzent sprachen) sowohl von den Chiricahua Apache als Ben-et-dine oder Bíini' éedinée als auch von den mit diesen sprachlich-kulturell eng verwandten Mescalero Apache als Bini' Adinii oder Bínii édinénde („Volk ohne Verstand“’, d. h. „wildes oder verrücktes Volk“ oder „Jene, die man nicht versteht“)Etymology - Also, What About 'Tonto'? bezeichnet.

Da die meisten Lokalgruppen der Tonto Apache genau wie ihre Yavapai-Verwandten im Vergleich zu den halbnomadisch lebenden Westlichen Apache wenig bis gar keinen Ackerbau betrieben, sondern meist als Jäger und Sammler in unzugänglichen und von den meisten Handelsrouten abgelegenen Gebieten lebten, wurden Tonto Apache sowie Yavapai von diesen auch als Koun'Nde oder Go'hn („wildes, raubeiniges Volk“) bezeichnet. Die Spanier (und später Amerikaner) übernahmen wahrscheinlich diese Bezeichnung und nannten die beiden verbündeten Stämme (Tonto Apache und Yavapai) daher Tonto („dumm, wild“).

Die Tonto Apache bezeichneten sich genauso wie die anderen Westlichen Apache weder als Apache noch als Tonto, sondern einfach als Indee, Ndee, Nndee oder Innee (Nnēē) („Volk“). Jedoch wurde die Bezeichnung Dilzhę́’é keineswegs als respektlos oder erniedrigend seitens der Tonto Apache und San Carlos Apache empfunden, sie bezeichneten sich selbst oftmals als Dilzhę́’é, um sich von anderen Westlichen Apache abzugrenzen; ein Grund hierfür könnte sein, dass es auch eine andere Erklärung für die Bedeutung der Bezeichnung gibt, die wörtlich etwa „schnell-füßig oder trittsicher“ bedeutet. Auch die Westlichen Apache empfanden keineswegs die Chiricahua-Mescalero-Namensgebung als entwürdigend oder herabsetzend und bezeichneten sich selbst ebenfalls als Ben-et-dine („Volk ohne Verstand“).

Historische und weitere Bezeichnungen Die Spanier und Mexikaner nannten insbesondere die mächtigen White Mountain Apache früher oftmals herablassend Coyoteros oder Coyotero Apaches („Kojotenesser“, da sie in Notzeiten oftmals Kojoten oder ihre Hunde aßen) sowie die Westlichen Apache mit den oftmals verbündeten Yavapai Garroteros („Keulenmänner“, nach der bei den Apache beliebten Kampftechnik mit Kriegskeulen) oder als Gileños/Apaches de Gila (ein Sammelbegriff für alle Apache sowie nicht-Apache Gruppen die westlich des Rio Grande (im Südosten Arizonas und Westen New Mexicos) sowie entlang des Gila River oder der Gila Mountains lebten; einige der sog. Gila Apaches gehörten jedoch der Bedonkohe Band sowie der Copper Mines-Lokalgruppe der Chihenne Band der Chiricahua Apache an; nach 1722 bezeichneten die Spanier jedoch mit Gileños nur noch die heutigen White Mountain Apache sowie die Akimel O’Odham (Pima) als Gileños).

Die Amerikaner bezeichneten als Gileños oder Gila Apaches zuerst die Mimbres/Mimbreño-Lokalgruppe der Chihenne Band der Chiricahua Apache; später erweiterten sie den Begriff jedoch, sodass er die White Mountain Apache, Tonto Apache, Pinaleño/Pinal Apache und Arivaipa/Aravaipa Bands der San Carlos Apache sowie die als Mogollon(es) bezeichnete Bedonkohe Band und die Mimbres/Mimbreño-Lokalgruppe der Chihenne Band sowie die Chokonen und Chihuicahui-Lokalgruppen der Chokonenen Band der Chiricahua umfasste; die mit den Tonto Apache und San Carlos Apache verwandten und verbündeten Yavapai wurden daher oftmals auch einfach als Yabipais Gileños bezeichnet.

Die unter den Raubzügen der verbündeten Yavapai und westlichen Apache leidenden O’Odham (Oberen Pima) nannten alle Nördlichen Pai (Yavapai, Hualapai und Havasupai) sowie die Apache und Opata einfach Ohp oder O’Ob („Feinde“).

Die Seri (Comcaac) bezeichneten alle Apache in Seri (Cmiique Iitom), einer isolierten Sprache, als Hapatsoj (Singular: Hapats).

Stammesgebiet mini|Die Stammesgebiete der Apache im 18. Jahrhundert (Ch – Chiricahua, WA – Westliche Apache (inklusive Tonto Apache), N – Navajo, M – Mescalero, J – Jicarilla, L – Lipan, Pl – Plains Apache) Die Dilzhę́’é Apache (Tonto Apache) lebten meist östlich des Verde River (Tu Cho n’lin – ‘big water running’ – ‘großer fließender Fluss’), vom Salt River und den Mazatzal Mountains im Südwesten und dem Tonto Basin im Südosten, nordwärts entlang des East Verde River und Oak Creek bis in die San Francisco Peaks nördlich des heutigen Flagstaff und erstreckte sich ostwärts bis zum Little Colorado River. Die Gebiete westlich des Verde River wurden größtenteils von Gruppen der Yavapai bewohnt, jedoch überlappten sich die Stammesgebiete der Dilzhę́’é Apache und die der Yavapai am Oberen Verde River und östlich des Verde River oftmals und wurden gemeinsam genutzt.

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