mini|Blick auf die Kernstadt (Standort: West-Süd-West) mini|Blick vom Bosenberg her; im Hintergrund der Schaumberg mini|Altes Rathaus am Schlossplatz
St. Wendel () ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Nordosten des Saarlandes. Sie liegt rund 36 km nordöstlich der Landeshauptstadt Saarbrücken und ist nach dem heiligen Wendelin benannt.
Geographie Geographische Lage St. Wendel liegt an der Blies am Fuß bzw. westlich des Bosenbergs auf einer Höhe von 286 m ü. NN. (Fruchtmarkt). Höchste Erhebung ist der Bosenberg mit 485 m, die tiefste Stelle mit 260 m ist die Stelle, an der die Blies das Stadtgebiet nach Ottweiler verlässt.
Stadtgliederung Zu St. Wendel gehören 16 Stadtteile, diese sind Bliesen, Bubach, Dörrenbach, Hoof, Leitersweiler, Marth, Niederkirchen, Niederlinxweiler, Oberlinxweiler, Osterbrücken, Remmesweiler, Saal, Urweiler, Werschweiler, Winterbach und die Kernstadt St. Wendel.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 941 mm und liegt damit im oberen Fünftel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. Über 81 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der April; am meisten regnet es im Dezember. Im niederschlagreichsten Monat fällt etwa 1,6mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im mittleren Drittel. In 53 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.
Geschichte Wappen Blasonierung In Blau ein durchgehendes goldenes Kreuz, bewinkelt von vier silbernen/weißen Lilien. Die Stadtfarben sind: Blau-Weiß bzw. Blau-Silbern.
Historischer Hintergrund mini|Flagge der Stadt St. Wendel Der Ort St. Wendel hatte am 23. August 1332 unter Vermittlung des Trierer Landesherrn, Kurfürst Balduin von Luxemburg, durch Kaiser Ludwig den Bayern auf dem Reichstag zu Nürnberg Privilegien des Frankfurter Stadtrechtes erhalten.Roland Geiger: Erhielt St. Wendel 1332 Stadtrechte?, St. Wendel 2007. Aufgrund der historischen Zugehörigkeit des Ortes St. Wendel zum Erzstift Trier ist im heutigen Wappen das Trierer Georgs-Kreuz (Rotes Kreuz auf silbernem Grund) enthalten, allerdings in abweichenden Farben. Die heutige Farbenabweichung von silbernem Grund zu blauem Grund und von rotem Kreuz zu goldenem Kreuz wurde bei der Wappenbegründung nicht eigens erklärt. Das Gold des St. Wendeler Kreuzes stimmt überein mit dem Goldgrund des schottischen Löwenwappens, der blaue Grund entspricht dem blauen Grund der schottischen Flagge. Das rote Trierer Kreuz erschien bereits erstmals im Jahr 1442 in einem St. Wendeler Stadtsiegel, in dem der Schutzpatron der Stadt, der heilige Wendelin, enthalten ist und als Schild das Trierer Wappen trägt. An ihn erinnern im heutigen Wappenschild die vier Lilien, die dem schottischen Königswappen (Roter Löwe auf goldenem Grund umgeben von Zwillingsfäden mit Lilien) entnommen sind. Die legendarische Überlieferung bezeichnet nämlich den heiligen Wendelin als schottischen Königssohn. Im Jahr 1465 sandte die Pfarrei St. Wendel zwei Pfarrangehörige nach Schottland, um die legendarisch tradierte königlich-schottische Herkunft des heiligen Wendelin zu recherchieren. Nach angeblich positiver Bestätigung wurde fortan das schottische Löwenwappen im Siegel der Pfarrei St. Wendel geführt. Das St. Wendeler Kreuz-Lilien-Wappen mit der heutigen Blasonierung wurde im Jahr 1907 eingeführt. Die in der Gebietsreform des Jahres 1974 um die Gemeinden Bliesen, Bubach im Ostertal, Dörrenbach, Hoof, Leitersweiler, Marth, Niederkirchen im Ostertal, Niederlinxweiler, Oberlinxweiler, Osterbrücken, Remmesweiler, Saal, Urweiler, Werschweiler und Winterbach vergrößerte Stadt hat dieses historische Wappen ohne die früher geführte dreitürmige Mauerkrone bei der Regierung des Saarlandes zur Verleihung beantragt. Dem wurde mit dem Amtsblatt vom 24. November 1975, Seite 1251, entsprochen. Die blau-silberne/weiße Stadtflagge von St. Wendel greift den blauen Grund des Stadtwappens und das Silbern/Weiß von dessen Lilien sowie die Farben der Flagge Schottlands auf.Kurt Hoppstädter: Die Wappen des Saarlandes, I. Teil, Hrsg.: Historischer Verein für das Saarland e. V. in Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv der Regierung des Saarlandes (Zeitschrift für saarländische Heimatkunde, 3. Jg., Heft 1–4), Saarbrücken 1953, S. 87–88.Hermann Lehne, Horst Kohler: Wappen des Saarlandes, Landes- und Kommunalwappen, Saarbrücken 1981, S. 216–217.Stadt St. Wendel, Webseite: Stadtwappen/-signet. Abruf am 17. Februar 2021.Walter Hannig: in: Karl Schwingel (Hrsg.): Festschrift für Karl Lohmeyer, im Auftrag des Ministeriums für Kultus, Unterricht und Volksbildung herausgegeben, Saarbrücken 1954, S. 268ff.
Von den Anfängen bis Mitte des 19. Jahrhunderts Den Kern der Stadt St. Wendel bildete wahrscheinlich der Hof eines Grundherrn aus der Zeit der Merowinger (spätes 6. Jahrhundert) namens Baso. So entstand der Ortsname Basonevillare, d. h. Landgut des Baso. Dieser Name hätte sich in unserer Zeit vermutlich zu Bosenweiler weiterentwickelt – wäre die Wendalinusverehrung nicht gewesen. Basos Hof lag auf der Schulter des Bosenbergs, zwischen dem Todbach und dem Bosenbach. Mitte des 7. Jahrhunderts kaufte der Bischof von Verdun, Paulus, Basonevillare. Außerdem erbte er von einem fränkischen Adeligen, Adalgisil mit dem Beinamen Grimo, die Stiftung Tholey (damals noch ohne Kloster). Auf diese Weise kam das Gebiet von St. Wendel auf Jahrhunderte zu Verdun. Um 600 lebte hier vermutlich ein Mann, der nach seinem Tod von der Bevölkerung stark verehrt wurde. Daraus entstand der Kult um den heiligen Wendelin (lat. Wendalinus). Infolge dieser Verehrung entwickelte sich in den Jahrhunderten nach seinem Tode eine ausgedehnte Wallfahrt, was schließlich dazu führte, dass der alte Siedlungsname Basonevillare im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts durch St. Wendel ersetzt wurde.
Die Grafen von Blieskastel, deren Besitz sich vom nördlichen Lothringen zu beiden Seiten der Blies quer über den Hunsrück bis nach Bernkastel an der Mosel, dem heutigen Bernkastel-Kues, erstreckte, legten im 10. Jahrhundert in den Bliesniederungen (heute Bereich der Tiefgarage in der Mott) möglicherweise eine Wasserburg an, die dem Schutz des aufstrebenden Wallfahrtsortes diente. Diese Wasserburg bestand typischerweise aus einem aufgeschütteten Erdhügel mit einem Wohnturm, umgeben von einem Palisadenzaun und einem Wassergraben. Eine solche Anlage nannte man Motte. Aus dem Vorhandensein des Flurnamens „Mott“ wird in St. Wendel auf diese frühe Burganlage geschlossen; Belege und Anzeichen dafür sind sonst keine vorhanden.
Im 9. oder frühen 10. Jahrhundert entstand eine Kirche am Standort der heutigen Basilika, in der heute die Reliquie „Heiliger Wendalinus“ verwahrt wird. Parallel zur Wallfahrt entstanden mehrere Märkte, u. a. der Wendelsmarkt, der zentrale Markt der gesamten Umgebung für Vieh, Kleidung und Gebrauchsgegenstände. Burg, Hof und Kirche wuchsen erst im 14. Jahrhundert allmählich zusammen.
1326/28 erwarb der Trierer Kurfürst und Erzbischof Balduin von Luxemburg Burg und Dorf St. Wendel. Mit dem Erwerb St. Wendels durch Balduin entwickelte sich die Siedlung nach und nach zu einer mittelalterlichen Stadt. Erster kurtrierischer Amtmann (Burggraf) des Amtes St. Wendel wurde Jakob (Jacomin) von Montclair (Monkler).Zur Person vgl. den zum Jahr 1331 genannten gleichnamigen „Lombarden“ bei Wolfgang Jungandreas: Historisches Lexikon der Siedlungs- und Flurnamen des Mosellandes (Schriftenreihe zur Trierischen Landesgeschichte und Volkskunde 8). Trier 1962/63, S. 692. Als Vertreter des Kurfürsten ließ er nach 1328 eine neue Burg errichten. Es wird angenommen, dass auf Erzbischof Balduins Geheiß mit dem Bau der neuen Pilgerkirche begonnen wurde. Auf dem Reichstag zu Nürnberg erhielt Balduin 1332 von Kaiser Ludwig dem Bayern das sog. Sammelprivileg für 29 Städte, Dörfer, Burgen und Kapellen seines Bereichs, die er mit den Rechten, wie sie das Frankfurter Stadtrecht enthielt, ausstatten konnte. Der St. Wendeler Historiker Max Müller hat diese Urkunde in seinem Standardwerk Die Geschichte der Stadt St. Wendel. Von ihren Anfängen bis zum Weltkriege von 1927 als „Stadtrechtsurkunde für St. Wendel“ interpretiert, obwohl von einer förmlichen Verleihung der Stadtrechte zu diesem Zeitpunkt nichts bekannt ist. Balduins Nachfolger, Erzbischof Werner von Falkenstein, ließ jedenfalls erst 1388 eine 650 Meter lange Mauer rings um die Stadt errichten; den Zugang zur Innenstadt bildete damals ein einziges Tor im Osten (heute obere Balduinstraße, unweit der Einmündung vom Alten Woog). Zu dieser Zeit lebten etwa 500 Menschen in St. Wendel.
Der heutige Fruchtmarkt war schon lange Marktplatz gewesen, als er 1440 durch die Schenkung eines „Kaff“ genannten Platzes westlich der Kirche deutlich aufgewertet wurde. Diese Schenkung des Trierer Erzbischofs Jakob I. von Sierck an die Pfarrei erfolgte mit der Maßgabe, an dem genannten Platz eine gemeyne hallen und kauffheyß zum Schutz der Handelswaren vor regen und ungewidder zu errichten.Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 1A Nr. 3637. Daraus entstand später das erste Rathaus. In den Häusern rund um die Pfarrkirche siedelte sich die mittelständische Bürgerschicht (meist Handwerker und Händler) an. Es bildeten sich Zünfte, die ein Mitspracherecht in der Stadtverwaltung durch die Schöffen erlangten. 1455 entstand das St. Wendeler Hospital als private Stiftung; 1460 wurde unter dem Pfarrherr Nikolaus von Cues die Pfarrkirche fertiggestellt. Mitte des 15. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl auf 700 gestiegen.
mini|St. Wendel, Gemälde im Sitzungssaal des Rathauses „Kaiser Maximilian besucht anno 1512 die Stadt St. Wendel“, 2,50 m × 6,00 m (Walter Hannig)
Im Jahr 1512 besuchte Kaiser Maximilian während seines Aufenthaltes beim Trierer Reichstag die Stadt St. Wendel.„Vor Halbtausend Jahren...“, Festschrift zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers Maximilian I. in St. Wendel, St. Wendel 2012. Im September 1522 erlebte die Stadt die einzige Belagerung ihrer Geschichte durch die Truppen Franz von Sickingens. Nach zwei Tagen Dauerbeschuss auf die Mauer (die aber standhielt) und dreimaligem vergeblichen Sturm durch Sickingens Truppen kapitulierte die kurtrierische Besatzung (60 Reiter). Während Franz nach Trier weiterzog, verblieb sein Sohn Johann in der Stadt. Die Belagerung Triers musste am 14. September erfolglos abgebrochen werden, und Teile des Heeres zogen sich über St. Wendel zurück. Daraufhin erschienen zwei Kompanien trierischen Fußvolkes und ein Fähnlein Reiter vor der Stadt und verlangten die Übergabe. In der folgenden Nacht flüchtete Johann von Sickingen durch „eine Bresche in der Stadtmauer“. Diese Stelle, die niemals genau lokalisiert werden konnte, wird heute noch „Sickinger Loch“ genannt (vermutlich gab es dieses Loch in der Mauer gar nicht, da die Mauer nirgends eingestürzt war). An die Belagerung erinnert eine Inschrift und eine eingemauerte Kanonenkugel an einem Strebpfeiler an der Südseite der Wendalinusbasilika, die aber erst 1922 dort angebracht wurde.
1514 und 1589 wurden große Teile der Stadt durch Feuersbrünste in Schutt und Asche gelegt. Fast 50 Jahre später brachten Einquartierungen und Kontributionen (Beiträge zum Unterhalt von Besatzungstruppen) während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) die Stadt an den Rand des Ruins.
Am 2. Februar 1677 wurden alle Häuser von französischen Truppen unter dem General Comte de Bissy, dem Nachfolger Turennes, bis auf wenige Ausnahmen niedergebrannt (Lichtmess 1677). Die Stadtmauer wurde geschleift. Auch das alte Rathaus und die kurfürstliche Burg wurden verwüstet.