Nachdruck der Erstausgabe Peter Hammer 1725bei Scheible in Stuttgart 1853rahmenlos|alt=|zentriert|295px Inhalt Buch : Magischer Lebensweg Buch : Die magisch-sympathetischeRezeptsammlung Buch : Der magische Ritus Buch : Magische Buchstabenquadrate Abraham von Worms ist ein laut Gershom Scholem möglicherweise fiktiver jüdischer Gelehrter (Pseudoepigraphie), dem ein umfangreicher magischer Text des 15. Jahrhunderts zugeschrieben wird, der in deutscher Sprache überliefert wurde. Der Autor stellt sich im ersten Satz von Buch I selbst als Abraham ben Rabbi Shimon bar Jehuda ben Rabbi Shimon vor.Georg Dehn (Hrsg.): Buch Abramelin. 1. Ausgabe, 2. Auflage. Edition Araki, 2001, S. 48, 2. Anmerkung 96.

Der Titel der ersten gedruckten Edition lautet:

Die egyptischen großen Offenbarungen, / in sich begreifend/ die aufgefundenen Geheimnißbücher Mosis; / oder/ des Juden Abraham von Worms/ Buch der wahren Praktik/ in der/ uralten göttlichen Magie und in erstaunlichen Dingen, / wie sie/ durch die heilige Kabbala und durch Elohym mitgetheilt worden./ Sammt der/ Geister= und Wunder=Herrschaft, / welche Moses in der Wüste aus dem feurigen Busch erlernet, alle Verborgenheit der Kabbala umfassend. / Aus der hebräischen Pergament=Handschrift von 1387 im XVII. Jahrhundert verteutscht und wortgetreu herausgegeben./ Köln am Rhein, bei Peter Hammer. 1725.

In Buch I veranschaulicht Abraham seinen magischen Lebensweg als Reisegeschichte der Jahre 1383 bis 1404 (Böhmen, Österreich, Ungarn, Griechenland, Konstantinopel, die Wüste Sinai, das südwestliche Palästina, ein Ort namens ArakiGeografische Lage: Araki || in Oberägypten nördlich Luxor, in direkter Nachbarschaft zu Nag Hammadi, Italien und Frankreich). Seine Suche führt ihn nach Araki, wo er kabbalistische Unterweisung erhält. Buch I auf der Suche nach wahrer „Kabbala und Magia“ schildert im Detail Magier unterschiedlicher Nationen in ihrer magischen Ausübung und beurteilt ihr Handeln. Die magisch-sympathetische Rezeptsammlung von Buch II diente im 18. Jahrhundert als Vorlage für Das sechste und siebente Buch Mosis. Buch III dokumentiert den ersten vollständig erhaltenen Ritus der Bändigung dienstbarer Geister zur höheren Ehre Gottes unter dem Patronat des Schutzengels. Abraham bezeichnet diese Magie selbst als „göttliche Weisheit und Kabbala“.Georg Dehn (Hrsg.): Buch Abramelin. 1. Ausgabe, 2. Auflage. Edition Araki, 2001, S. 78. Buch IV besteht überwiegend aus Buchstabenpalindromquadraten.Rick-Arne Kollatsch (Hrsg.): Des Abraham von Worms Buch der wahren Praktik von der alten Magie / Ein als jüdisch fingierter Magietext des frühen 17. Jahrhunderts. Band 1, Tredition GmbH 2021 Hamburg, ISBN 978-3-347-26288-1, S. 138-173. Der Hausausgeber interpretiert darin in Fußnoten sämtliche ursprünglich hebräischen bzw. griechischen Begriffe, die dort transliteriert zugrunde liegen. Sie sind für alle möglichen praktischen und phantastischen Zwecke systematisch gegliedert. Der ethische Anspruch dieser göttlichen Magie wird im 1. und 3. Buch verdeutlicht.

Leben Abrahams Georg Dehn (1954–2025), Herausgeber einer textvergleichenden Ausgabe, setzt die Geburt Abrahams von Worms zwischen 1355 und 1363 an. Er nimmt an, dass es sich um den Gelehrten Jacob Molin (oder Mölln) ben HaLevi (Akronym MaHaRil) handelt, der bis 1427 lebte. Abraham stamme aus dem Herkunftsgebiet der Aschkenasim, dem sogenannten SchUM (nach den Anfangsbuchstaben Speyer, Worms, Mainz).

Teile von Abrahams Leben werden in Buch I, Kapitel 1–12 in Form einer Reisegeschichte geschildert. Danach bereiste Abraham ab 1387 viele europäische und orientalische Länder auf der Suche nach göttlicher Weisheit. Abraham überliefert einen Selbstversuch mit HexensalbeAbraham von Worms: Das Buch der wahren Praktik in der göttlichen Magie. Hrsg. von Jürg von Ins, München 1988, S. 88. sowie einen Augenzeugenbericht über den berühmten Schneezauber des Mittelalters:

Rick-Arne Kollatsch (Hrsg.): Des Abraham von Worms Buch der wahren Praktik von der alten Magie / Ein als jüdisch fingierter Magietext des frühen 17. Jahrhunderts. 1. Buch 6. Kapitel, Band 1, Tredition GmbH 2021 Hamburg, ISBN 978-3-347-26288-1, S. 15, V. 17–24. Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel, Cod.Guelf. 47.13 Aug. 4° a1. Aus der vom Herausgeber transliterierten ältesten frühneuhochdeutschen Handschrift um das Jahr 1608.Georg Dehn (Hrsg.): Buch Abramelin. 2. Auflage. Edition Araki, 2001, Buch I, VI. Kapitel, S. 72. Schließlich begegnet er in der Nähe des Wüstendorfes Araki dem Weisen Abramelin. Ob Abramelin Abraham die Tora lehrte, bleibt ungewiss. Man erfährt lediglich, dass er den Autor für ein Jahr unterweist. Allein der Hinweis Abrahams, dass Abramelin ihn freundlich aramäisch begrüßte (Buch I, Kapitel IV), gibt einen Wink auf Abramelins jüdische Herkunft.

Nach seiner Rückkehr im Jahre 1404 begann Abraham sein Leben so einzurichten, dass er die 18-monatige Selbsteinweihung beginnen konnte. Die praktischen Ergebnisse dieses langwierigen Ritus dauern etwa von 1410 bis zu seinem Tod. Rätselhaft bleibt, wie es ihm gelungen sein soll, Berater der Schisma-Päpste und Vertrauter des römisch-deutschen Königs Sigismund zu werden. Dessen Hofschreiber Eberhard Windeck erwähnt Abraham, geschweige denn den MaHaRil, mit keinem Wort. Jedoch taucht ein Jude Abraham in den Regesten König Sigismunds 1418 und 1426 auf. Zum Dank für treue Dienste nimmt er ihn und „seine Familie samt Habe in des Reiches Schutz“.Reg.imp.XI: Altmann, Reg. Sigmunds 2. Bd; Sigmund. 1426. Ungar.40. Böm. 7. Nr. 6726 sowie Sigmund 1418. Ungar. 32 Röm. 8 Nr. 3156.

Textgeschichte Manuskripte Manuskripte von Abrahams Buch der wahren Praktik in der uralten göttlichen Magie… befinden sich in Dresden, Wolfenbüttel, Wien, Paris und Oxford. Die aramäische Version,Sefer Segullot Melachim. Anonymus. MS. OPP. 594, Oxford Bodleian Library. Oxford, Bodleian Library, beschränkt sich auf Buch I ohne Hinweis auf weitere Bücher.Davon ein kompletter Reprint In: Georg Dehn (Hrsg.): Buch Abramelin. Verlag Neue Erde, 1995, S. 464–501. Es handelt sich nach Gershom Scholem bei der Handschrift in Oxford um eine Rückübersetzung des 17. Jahrhunderts:

Gershom Scholem: Kabbalah. Meridian, New York 1978, S. 186Gershom Scholem: Von der mystischen Gestalt der Gottheit. stw 209. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972, S. 309, Fn. 23.

Scholem hat seine Einschätzung der Autorschaft im Laufe der Zeit geändert. So vertrat er noch 1927 eine jüdische Autorschaft. Er änderte diese Einschätzung später, nachdem er klare Hinweise für den Einfluss Pico della Mirandolas im Text gefunden hatte.Gerhard Scholem: Alchemie und Kabbala. Ein Kapitel aus der Geschichte der Mystik. (Schluß). In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Jahrg. 69 (N. F. 33), H. 3/4 (März/April 1925), S. 95f. Hier vertritt er eine jüdische Autorschaft. Ebenso in: Gerhard Scholem: Bibliographia Kabbalistica. Drugulin, 1927, S. 2, Nr. 8 und 9. In einer späteren Ausgabe von Alchemie und Kabbala geht er von einem christlichen Autor aus. Vgl. Gershom Scholem: Alchemy and Kabbalah. Spring Publications, 2006, ISBN 0-88214-566-5, S. 28, Fn. 40.

Die Wolfenbütteler Manuskripte vermutet Dehn als Quelle der französischen Handschrift in der Bibliotheque de l'Arsenal.Georg Dehn (Hrsg.): Buch Abramelin. 1. Ausgabe, 2. Auflage. Edition Araki, 2001, S. 39. Bisher in der Forschung unberücksichtigt blieben zwei mit ungenauen Angaben möglicherweise in Wien befindliche Manuskripte.„In Wien sollen sich eine deutsche und eine italienische Handschrift des Buches befinden. Dieser Hinweis Steinschneiders ließ sich bis dahin nicht verifizieren.“ Jürg von Ins: Das Buch der wahren Praktik in der göttlichen Magie. 1988, S. 49.

Sprache des Textes Im Gegensatz zur Angabe des Buchtitels der Edition Peter Hammer 1725, die lautet: Aus der hebräischen Pergament-Handschrift von 1387 im XVII. Jahrhundert verteutscht und wortgetreu herausgegeben, schrieb Abraham nach eigenen Worten (Buch II, 10. Kapitel) sein Buch auf Deutsch. Dies erklärt Abraham seinem Sohn Lamech,Abrahams Sohn Lamech wird in Buch I, nur im 10. Kapitel Buch II, in Buch III, nicht jedoch in Buch IV in Form einer Unterweisungsrede häufig namentlich angesprochen. der sich damals noch im Kleinkinderalter befunden haben muss, schriftlich: „Wer weiß, ob du noch dazu [zum Hebräischen] gelangst? Drum habe ich dir dieses ganze Buch in einfacher Alltagssprache geschrieben.“Georg Dehn (Hrsg.): Buch Abramelin. 2. Auflage. Edition Araki, 2001, S. 179, 2. Absatz Die Genauigkeit der deutschen Handschriften in Dresden und Wolfenbüttel wird durch spätere Abschriften vom deutschen Urtext Abrahams verständlich. Sämtliche deutsche Texte enthalten vier Bücher. Auch die Edition Peter Hammer ist sehr exakt und nach Georg Dehn mit dem ältesten bisher bekannten deutschen Text aus Wolfenbüttel (1608) fast übereinstimmend.

Die Herausgeber Peter Hammer Die erste bekannte Druckausgabe erschien vermeintlich 1725 mit der Verlagsangabe Peter Hammer, Köln am Rhein.

Tatsächlich gibt es für diese Ausgabe keinen Nachweis. Um 1850 erschien bei Johann Scheible in Stuttgart ein Druck dieser Ausgabe, weshalb vermutet wird, dass Scheible der eigentliche Herausgeber der auf 1725 vordatierten Buchdruck-Veröffentlichung war, der auch andere okkultistische Bücher erfolgreich publizierte. „Peter Hammer, Cölln“ bzw. die französische Form „Pierre Marteau, Cologne“ war eine im 17. und 18. Jahrhundert häufig verwendete fingierte Verlagsadresse.

„MacGregor“ Mathers Bis 1995 war Grundlage die dreifach rückübersetzte Ausgabe des Samuel Liddell MacGregor Mathers bei Schikowski 1957.Johann Richard Beecken (Hrsg.): Die heilige Magie des Abramelin von Abraham. Schikowski (1957) Zunächst übertrug Mathers 1897 eine französische HandschriftHs.Nr. 2351, »La sacrée Magie que Dieu donna à Moyse, Aaron, David, Salomon, e à d'autres saints patriarches et prophètes, qui enseigne la vraye sapience divine, laisée par Abraham à Lamech son fils, traduite de l'hebreu 1458« des 18. Jahrhunderts (Bibliothek de l'Arsenal, Paris) ins Englische.S.L. MacGregor-Mathers: The Book of the Sacred Magic of Abra-Melin the Mage as delivered by Abraham the Jew unto his Son Lamech – A Grimoire of the Fifteenth Century. Watkins, London 1898. Die französische Handschrift wurde vordem von einem Unbekannten aus dem Deutschen ins Französische übersetzt. Am 2. Juli 1897 stellte Mathers das englische Manuskript fertig und veröffentlichte es 1898 beim Watkins Verlag London.Jürg von Ins: Das Buch der wahren Praktik in der göttlichen Magie. 1988, S. 55 f.

Johann Richard Beecken Mathers englische Übersetzung, durch die Abrahams Buch im englischen Sprachraum bekannt wurde, brachte der Niederländer Johann Richard Beecken 1957 für Schikowski vom Englischen zurück ins Deutsche. Das fragwürdige französische Manuskript berichtet von Abrahams vollendeten 98 Jahren. Das Manuskript weist viele Transkriptionsfehler auf sowie Lücken wegen unverstandener Abkürzungen. In anderen, älteren und nachweislich ursprünglicheren Handschriften ist vom Alter Abrahams keine Rede. Mathers Übersetzung ins Englische aus dem Französischen enthält nur drei Bücher. Deutlich unterscheidet sich die Dauer der Einweihung bei Mathers in sechs Monaten von allen deutschen Texten, die achtzehn Monate angeben.

Jürg von Ins Erste textvergleichende, interdisziplinäre Versuche unternahm der Schweizer Ethnologe Jürg von Ins mit seinem 1988 herausgegebenen Band unter dem Titel Abraham von Worms: Das Buch der wahren Praktik in der göttlichen Magie. Er bringt vom Text Abrahams eine gekürzte Auswahl nach verschiedenen Handschriften und Drucken. Bemerkenswert seine Wirkungsgeschichte.Jürg von Ins (Hrsg.): Das Buch der wahren Praktik in der göttlichen Magie. (= Diederichs Gelbe Reihe). 1988

Oskar Rudolf Schlag