mini|Die Kirche St. Michael in Krummin (2008) Die St.-Michael-Kirche ist ein aus dem 13. Jahrhundert stammendes Kirchengebäude des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters in Krummin auf der Insel Usedom.
Geschichte Der nordwestliche Teil der Insel Usedom umfasste früher das Land Bukow. Dort lag ein heute nicht mehr bestehender Ort gleichen Namens. Die Ansiedlung verfügte bereits 1230 über eine Kirche, welche dem heiligen Michael geweiht und durch Herzog Barnim I. und seine Mutter Miroslawa mit den Zehntabgaben der benachbarten Dörfer beschenkt worden war.PUB I 2, Nr. 268. In diesem Zusammenhang findet Krummin erstmals unter Crominino urkundliche Erwähnung.
Der erste Priester hieß Goswin (Gozwin),Hellmuth Heyden: Pommersche Geistliche vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. 1965 S. 35. wie aus einer Bestätigung der Bischofsabgaben durch den Bischof Konrad II.Jürgen Petersohn: Die Kamminer Bischöfe des Mittelalters. Schwerin 2015, S. 29–30. vom 12. August 1230 hervorgeht. Die Kirche war auf der Insel der äußerste Vorposten des Prämonstratenserklosters Grobe.Johann Joachim Steinbrück: Geschichte der Klöster in Pommern und den angrenzenden Provinzen. Stettin 1776. D. 111. Zur Zugehörigkeit des Landes Bukow. Sie wird als Vorgängerbau der heutigen Krumminer Kirche angesehen.
Erstmals wurde von der Michaeliskirche zu Krummin in einer Urkunde von 1290 gesprochen, in der dem Ritter Johann Voss das Patronatsrecht dieser Pfarrkirche, das ihm Barnim I. verliehen hatte, bestätigt wurde. Der Ritter Johann Voss gehörte zu den engsten Beratern des Herzogs Barnim I. und förderte besonders die Klostergründungen der Zisterzienser.
Da Krummin ähnlich wie Wollin zu den kleineren Klöstern gehörte, wird auch hier die Reformation ohne besondere Vorkommnisse vonstattengegangen sein. Das Kloster wurde durch Herzog Johann Friedrich visitiert und kam an das Amt Wolgast. Auch das Archiv mit den Originalurkunden kam nach Wolgast, wie aus der Registrierung des Jungfrauenclosters Crummin anno 1562 zu entnehmen ist.
Während des Dreißigjährigen Krieges gab es im Kloster und in der Kirche Brandschäden und große Verwüstungen. Das Pfarrhaus und fast das ganze Dorf waren niedergebrannt. Es wurde berichtet, dass die Kaiserlichen hier, wie überall in Pommern, auf so unerhörte Weise hausten, dass Kanzel und Altar, Bänke und Emporen herausgehauen und verbrannt wurden, die Kirche aber selbst dachlos dastand, mit einem hölzernen Turm daneben, in dem die Feinde von drei Glocken nur eine übrig gelassen hatten.Wilhelm Meinhold: Humoristische Reisebilder von der Insel Usedom. 1837, S. 10–11. Die Kirche wurde nach Ende des Dreißigjährigen Krieges mit Steinen des alten Klosters repariert und blieb über eine Zeit von 200 Jahren turmlos.
1662 setzte Christine von Schweden den Subdiakon von Wolgast, Bernhard Alberti, als Pfarrer für Krummin ein.Karla Bilang: Die Reformation. In: Kloster der Zisterzienserinnen und Kirche St. Michael in Krummin auf Usedom. 2008, S. 123. Nach der Chronik waren ab 1657 die Grafen von Wrangel Gutsherren und Kirchenpatrone, wobei rechtlich das Patronat der Krumminer Kirche immer landesherrlich geblieben war, aber die Gutsbesitzer als Patron im Kirchenbuch geführt worden sind. Bis 1720 gehörte Krummin zu Schwedisch-Pommern und das Kirchspiel zur Synode Wolgast. Mit dem Stockholmer Frieden blieb Wolgast schwedisch, die Insel Usedom aber wurde preußisch und Krummin kam in Generalverpachtung des Amtes Pudagla und zur Synode Usedom.
Baugeschichte mini|Chor mit nördlichem Anbau und schrägen Strebepfeilern Der Bau der heutigen Kirche in Feldsteinen und Ziegeln ist die ehemalige Klosterkirche des um 1302 gegründeten Zisterzienserinnenklosters Krummin und das einzige erhaltene klösterliche Gebäude auf der Insel Usedom. Auf einem Unterbau aus behauenen Feldsteinen wurde um 1260 bis 1270 ein Ziegelbau errichtet, wobei der Backstein nur die äußere Schale bildet. Der Kern der Wände besteht aus Feldsteinen. Da es in Krummin keine eigene Ziegelei gab, kamen die tiefrot gefärbten Backsteine von der Rykmündung und Eldena.Jens Christian Holst: Zur Baugeschichte der Dorfkirche in Krummin. In: 700 Jahre Kloster Krummin. 2005, S. 23, 25. Da die Klosterbauten der Zisterzienser von wandernden Handwerkern des Ordens errichtet wurden, die großen Einfluss auch auf die norddeutschen Kirchenbauten hatten, gab es an der Krumminer Kirche vorerst nur einen geraden Ostschluss.
Zum Beginn des 15. Jahrhunderts war die Kirche baufällig geworden und bedurfte dringend der teilweisen Erneuerung. In einem um 1440 datierten Brief des Herzogs Barnim VII. wurden alle Gläubigen zu Spenden für den Kirchenbau und für Messgeräte aufgerufen.Karin Hösch: Krummin, Michaelis-Kirche. 1994, S. 4. Die baulichen Veränderungen waren danach erheblich. Der Polygonalchor wurde bei diesem Vorhaben im spätgotischen Stil angefügt und wird von vier kräftigen Strebepfeilern gestützt. Am Außenanbau des Langhauses sind oberhalb der heutigen Fensteröffnungen die Spitzbögen von älteren Öffnungen zu erkennen.
Zu Klosterzeiten waren immer wieder Instandsetzungsarbeiten notwendig, so auch nach dem großen Brand von 1529. Nach der Reformation wurde 1563 St. Michael wieder Pfarrkirche. Da bei den Zisterziensern die Kirchen turmlos waren, erhielt die Krumminer Kirche vermutlich westseitig einen hölzernen Turm, der schon bei Beginn des Dreißigjährigen Krieges einstürzte. Die Kirche dürfte sich auch in dem kommenden Jahrhundert in einem elenden Zustand befunden haben. Über dem Langhaus soll um 1734 und über dem Chor vermutlich um 1780 ein neues Dachwerk gezimmert worden sein.Jens Christian Holst: Zur Baugeschichte der Dorfkirche in Krummin auf Usedom. 2005, S. 27. 1734 wurde der Chor aus Sorge um seine Standfestigkeit auf dem nach Osten abschüssigen und durch Gräber aufgelockerten Friedhofsgrund durch abgeschrägte Strebpfeiler gesichert. 1780 wurde der Chor dann mit den heutigen, weit ausgreifenden Pfeilern umstellt.
1846 ist auch Krummin ein königlich-preußisches Rittergut und Heinrich von Corswandt wurde mit dem Patronat der eigentlich königlichen Patronatskirche betraut. Die Großzügigkeit und Modernität, mit der Corswandt die Gutsbauten erneuern ließ, kamen auch der Restaurierung der Kirche zugute. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., durch die Bautätigkeit Heinrich von Corswandt in Krummin aufmerksam geworden, lieferte als Kirchenpatron von 1855 bis 1857 die Entwürfe für die bauliche Restaurierung, für den Neubau des Westturms und den Anbau von Sakristei und Patronatskapelle.Karla Bilang: Friedrich Wilhelm IV.-Neugotische Kirchenanbauten. In: Kloster der Zisterzienserinnen und Kirche St. Michael in Krummin auf Usedom. 2008, S. 140–142. Die durch Friedrich Wilhelm IV. eigenhändig angefertigten Originalzeichnungen sind nicht mehr auffindbar, angeblich wurden sie mit einer Urkunde in der Kugel des Kirchturmes deponiert. Doch nach Abnahme der im Zweiten Weltkrieg zerschossenen alten Turmkugel waren darin keine Schriftstücke enthalten.
Die Baumaßnahmen begannen 1855 noch unter Pastor Heinrich Zietlow mit der Erneuerung der neugotischen Chorfenster und Sternmuster in der Bleiverglasung. Unter Pastor Johann Heinrich Gadow folgten 1856 die beiden neuen Anbauten. Diese wirkten von außen wie ein Querschiff mit dreifach gebrochenen Apsiden. Der Nordflügel war die Begräbniskapelle der Corswandts mit separatem Eingang und Zugang zur Patronatsloge im ersten Stock. Im Mittelfeld des Balkons der Patronatsloge hängt das Wappen der Corswandts. Der Südflügel bildete die Sakristei mit eigenem Zugang für die Geistlichen und mit einer Loge für die Pastorenfamilien, die heute nicht mehr begehbar ist. Danach folgte von 1856 bis 1857 die Ausführung des zweigeschossigen neugotischen Westturmes, 1858 dann die Sicherung der Südwestecken durch die heutigen Strebepfeiler und die Aufmauerung der Strebepfeiler der Nordseite.
In den Jahren von 1859 bis 1862 erfolgte der innere Neuausbau der Kirche, den der Krumminer Gutsbesitzer von Corswandt förderte und zu dem der Preußenkönig Ausstattungsgegenstände stiftete. Beim Innenausbau fielen die Seitenemporen weg und die Westempore mit dem Orgelchor wurden vergrößert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es ruhig um die Kirche geworden. 1960 ließ der Bürgermeister die Friedhofsmauer abbrechen und die Feldsteine zum Ausbau des Rostocker Hafens abfahren.Akten der Krumminer Pfarrarchivs. Eine erste innere Renovierung erfolgte 1978 zur 750-Jahr-Feier der Kirche. 1979 erfolgten der innere Neuverputz und eine Reparatur des Turmhelmes. Militärische Tiefflugübungen und Überschallflüge vom nahen Flugplatz Peenemünde bewirkten bis 1990 auch hier Schäden an der Bausubstanz.Pfarrarchiv Krummin, Protest gegen den Flugbetrieb durch Pfarrer Rainer Berndt 1986.
Erst nach der Wende konnte von 1992 bis 1993 eine Totalsanierung des schadhaften Kirchengebäudes durchgeführt werden. Neben einer Schwammsanierung im Dach, der Beseitigung von Feuchteschäden an den Außenwänden und einer Neuverputzung des Langhauses kam es auch zur Neugestaltung des Chorbereiches mit neuem Altar und farbig gefassten Rundfenstern.
Die Kirche wurde auch nach der jüngsten Renovierung im Innenraum nach den zisterziensischen Grundgedanken, dem Verzicht auf Prunk und übermäßigen Schmuck, bewusst schlicht gehalten.
Baubeschreibung Die ehemalige Klosterkirche steht auf einer Anhöhe am Rande der kleinen Ortschaft in reizvoller Lage an der Krumminer Wiek.
Das Äußere Der dreijochige Saalbau über einem kreuzförmigen Grundriss mit einem leicht eingezogenem, polygonal geschlossenen Chor bekam erst im 19. Jahrhundert den ziegelsichtigen schlanken Westturm. Der zweigeschossige Turm mit seiner schlichten Dekoration und dem spitzbogigen Portal als oberer Abschluss nimmt zusammen mit der dahinterliegenden Langhauswand, welche von abgetreppten Strebepfeilern betont wird, die Funktion einer Eingangsfassade ein. Der schiefergedeckte Helm trägt ein vergoldetes Kreuz und erhebt sich über den vier Schildgiebeln mit geschmückten Kugeln sowie abgetreppten spitzbogigen Schallluken mit Brüstungsfeldern und Ecklisenen.
Die Längswände des Langhauses werden durch zweibahnige Spitzbogenfenster mit Rautenglas und Strebepfeiler gegliedert. An der Nordwand befinden sich heute noch drei zugemauerte Pforten aus Klosterzeiten. Die westlich gelegene kleine Rundbogenpforte war der Laieneingang für Frauen. Bei den beiden anderen östlich gelegenen handelt es sich um die Priesterpforte und die Nonnenpforte.
Der dreiseitig gebrochene Chor ist im Osten niedriger als das Langhaus und wird von Strebepfeilern umstellt. Der Chor wirkt am Außenbau verhältnismäßig klein, was durch die später angefügten Anbauten im Norden und Süden bewirkt wird. Diese treten mit drei Seiten hervor und sind mit spitzbogigen zweibahnigen Fenstern mit Scheitelkreis und Rutenglas und einem Zugang versehen.Karin Hösch: Krummin, Michaelis-Kirche. 1994, S. 5.
Am Außenbau lassen sich die verschiedenen Bauphasen gut nachvollziehen. Zu den ältesten Teilen gehört das Langhaus mit den vereinzelten Feldsteinquadern in den unteren Schichten, die Reste des Ursprungsbaus sein dürften. Der 1857 im Auftrag durch König Friedrich Wilhelm IV. errichtete Turm steht mit seinen regelmäßig gemauerten Ziegelsteinen im Kontrast zu der mittelalterlichen Mauerung des übrigen Gebäudes und erweist sich als späterer Bauteil. Ebenso verhält es sich mit den seitlichen Anbauten, die unorganisch an den Chor angefügt sind und durch ihre verputzten Mauern besonders hervorstechen.
Das Innere mini|Innenraum mit Blick zum Chor mini|Patronatsloge der Familie von Corswandt