Der Tiergarten Nürnberg ist ein 65 Hektar großer Landschaftszoo am Rande der Stadt Nürnberg im Lorenzer Reichswald am Schmausenbuck gelegen. Es werden gut 300 Tierarten gehalten, darunter zahlreiche gefährdete Arten. Der gesamte Nürnberger Tiergarten sowie das angrenzende Gelände am Schmausenbuck ist Bestandteil des Natura-2000-Netzwerkes und als Schutzgebiet DE6532372, Tiergarten Nürnberg mit SchmausenbuckNatura 2000: DE6533471, Nürnberger Reichswald (Abgerufen am 22. Juni 2013) ausgewiesen.

Geschichte Mittelalterlicher Tiergarten Die Tradition des Tiergartens beziehungsweise des Tierparks lässt sich in Nürnberg bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Hinweise auf den Burggräflichen Tierpark sind jedoch nur noch in Form von Ortsnamen zu finden: Das Tiergärtnertor und der angeschlossene Tiergärtnertorplatz. Der Wildpark erstreckte sich bis zu den Johannisfeldern in St. Johannis und zum Rohleder’schen Garten (heute im Gelände des Klinikum Nord). Über die Nutzung lassen sich nur Vermutungen anstellen.

Alter Tiergarten am Dutzendteich 1912 bis 1939 mini|Gründeraktie der Tiergarten Nürnberg AG vom 30. Juni 1911 Der Tiergarten Nürnberg wurde am 11. Mai 1912 auf dem Gelände der Bayerischen Landesausstellung von 1906 am Luitpoldhain (Koordinaten: ) eröffnet. Der Tiergarten war nach dem Vorbild von Hagenbecks Tierpark in Hamburg mit künstlich modellierten Landschaften gestaltet. Er erfuhr großen Publikumszuspruch (über 800.000 Besucher 1913) und überstand im Gegensatz zu anderen Zoos den Ersten Weltkrieg, die Hochinflation und die Weltwirtschaftskrise ohne Schließung.

Tiergarten am Schmausenbuck seit 1939 Nach der Machtübernahme durch die NSDAP kündigte sich schon 1934 das Ende des ursprünglichen Tiergartens an, da das Areal den Ausbauplänen des Reichsparteitagsgeländes am Dutzendteich im Wege stand, im Februar 1939 wurde schließlich der alte Tiergarten geschlossen. Im Mai 1939 konnte der neue Tiergarten nach zweijähriger Bauzeit auf einer bewaldeten Felslandschaft am Schmausenbuck als Landschaftszoo eröffnet werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftangriffe fast alle Gebäude und Gehege zerstört. Der Wiederaufbau, ab 1950 unter Leitung des Direktors Alfred Seitz, war Ende der 1950er Jahre abgeschlossen. Seitdem entstanden und entstehen auf dem großen Gelände immer wieder neue Anlagen. Im April 1998 kam es durch einen Kurzschluss im Terrarium zu einem Brand, bei dem vier Baumpythons und vier Warane starben.Felix Neubüser: Elefanten vor den Flammen gerettet. Brände in Zoos. In: Südkurier vom 15. November 2010

Mit 65 ha gehört der Tiergarten der Stadt Nürnberg zu den größten zoologischen Gärten Europas, er ist der zweitgrößte Deutschlands. Er ist charakterisiert durch großzügige Wald- und Wiesenlandschaften mit Weihern und ehemaligen Steinbrüchen, die zu weitläufigen naturnahen Gehegen umgestaltet wurden. Mit meist über einer Million Besucher pro Jahr (1.135.515 im Jahr 2017) wird er von der Bevölkerung gut angenommen; das Einzugsgebiet geht weit über die Stadtgrenzen hinaus. (Stand 2018: 1.186.352 Besucher)

Um die Jahrtausendwende wurden einige früher kritisierte Anlagen umgebaut wie beispielsweise die Gorillaanlage (seit 1997 neue Freianlage, 1300 m² groß) oder der 2004 eröffnete sogenannte Aquapark (Eisbären, Humboldt-Pinguine, Kalifornische Seelöwen). Hinzu kamen neue Anlagen wie das Großgehege der Schneeleoparden (2004), die Außenanlage für die Großen Tümmler und eine neue Tropenhalle (Lagune und Manatihaus, Eröffnung 2011).

2014 wurde das Bionicum eröffnet, ein Bildungszentrum mit interaktiver Ausstellung und Führungen.

2024 wurde der Klimawaldpfad eröffnet, ein barrierefreier Pfad mit Spielstationen und Ruhebänken.

Direktoren 1912–1945: Karl Thäter 1945–1950: Karl Birkmann 1950–1970: Alfred Seitz 1970–1990: Manfred Kraus 1991–2004: Peter Mühling 2004: Helmut Mägdefrau (Kommissarischer Leiter) seit 2005: Dag Encke

Artenschutz und Zuchtprogramme mini|Harpyie Der Tiergarten beteiligt sich an mehr als 30 Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEPs) und an verschiedenen Wiederansiedlungsprojekten von Tieren in freier Natur, zum Beispiel von Uralkäuzen und Przewalski-Pferden (Urwildpferde). Die Zuchtprogramme für Schabrackentapire, Karibische Seekühe, Lahilles Große Tümmler, Hirscheber und Harpyien werden in Nürnberg koordiniert.

Der Tiergarten Nürnberg unterstützt Organisationen, die für den Schutz bedrohter Tierarten eintreten. Ein Beispiel ist Yaqu Pacha, eine Gesellschaft, die 1992 im Tiergarten Nürnberg mit dem Ziel gegründet wurde, die wasserlebenden Säugetiere Südamerikas zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten.

Tierbestand Im Tiergarten wurden Ende 2020 insgesamt 6.824 Individuen aus 310 verschiedenen Tierarten gehalten, darunter 232 Wirbeltierarten, mit 2.708 Individuen.

Primaten Im Affenhaus, das aus dem Jahre 1939 stammt, aber zwischenzeitlich mehrfach umgebaut wurde, werden Weißhandgibbons, Berberaffen und Westliche Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) gehalten. Fritz war der älteste in einem europäischen Zoo gehaltene männliche Gorilla. Er starb im Alter von etwa 55 Jahren am 20. August 2018. Angeschlossen ist die 2000 m² große Gorilla-Freianlage. Im Giraffenhaus sind Bolivianische Totenkopfaffen untergebracht, die Zugang zu einer baumbestandenen kleinen Insel im Freien haben. Auf einem Affenfelsen im Eingangsbereich leben Guinea-Paviane.

Großsäugetiere Im Elefantenhaus, das noch aus dem Jahr 1939 stammt, aber zwischenzeitlich umgebaut wurde, leben derzeit keine Elefanten, sondern Panzernashörner und Visayas-Pustelschweine. Nachdem die 1962 in Thailand geborene Indische Elefantenkuh Kiri am 7. August 2007 nach einem am Vortag erfolgten Sturz nicht wieder aufzurichten war und eingeschläfert werden musste,Martin Droschke: Wer ein Herz hat […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 7. August. war die Afrikanische Elefantenkuh Yvonne, die im selben Gehege wie Kiri dieser den sturzverursachenden Stoß versetzt hatte, allein zurückgeblieben. Sie zog im Juli 2008 aufgrund ihres Alters in den Zoo Rostock um, da der Aufstieg in ihr Gehege im Tiergarten zu beschwerlich geworden war und sie in Rostock mit Sara eine neue Gefährtin hatte. Am 23. April 2009 wurde sie dort eingeschläfert, da sie nicht mehr alleine aufstehen konnte.

Eine Zeit lang war im ehemaligen Elefantenfreigehege alleine der männliche Kulan Marco einquartiert, der die mit ihm und seinen Artgenossen vergesellschafteten, teils noch sehr jungen Trampeltier-Stuten wiederholt angegriffen hatte.Schild an der ehemaligen Elefanten-Freianlage

Inzwischen wurde das Gehege umgestaltet und steht nun den Nashörnern zusätzlich zur Verfügung. Ob der Tiergarten wieder mit der Elefantenhaltung beginnen will, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Raubtiere Im Raubtierhaus, das in die Sandsteinfelsen hineingebaut ist und durch einen Tunnel betreten wird, werden Amurtiger und Asiatische Löwen gehalten. Beide Arten besitzen Freigehege, die durch Wassergräben von den Besuchern getrennt sind.

Mit Schneeleoparden, Kleinen Pandas, Geparden, Buntmardern und Mähnenwölfen werden weitere, teilweise seltene Raubtierarten gehalten. Im ehemaligen Gehege der Iberischen Wölfe werden nun Eurasische Luchse gezeigt. Nach dem Auslaufen der Brillenbärenhaltung wurde deren Gehege umgebaut und im Frühjahr 2015 mit Fischkatzen besetzt.

Im Aquapark sind neben Humboldt-Pinguinen Wasser bewohnende Raubtiere wie Fischotter, Kalifornische Seelöwen, Seehunde und Eisbären untergebracht. Im Naturkundehaus befindet sich eine naturnah gestaltete Anlage für Zwergmangusten. Seit 2013 leben in Nürnberg auch Erdmännchen. Sie bewohnen zusammen mit Fuchsmangusten eine im Juli eröffnete Anlage in Nachbarschaft zu den Giraffen.

Huftiere Kennzeichnend für den Landschaftszoo sind vor allem weitläufige Huftieranlagen, in denen neben Giraffen, Guanakos, Dybowskihirschen, Prinz-Alfred-Hirschen, Sibirischen Moschustieren, Visayas-Pustelschweinen, Chaco-Pekaris und Waldrentieren vor allem zahlreiche Hornträger zu sehen sind: Präriebisons, Wisente, Kaffernbüffel, Wasserbüffel, Elenantilopen, Mendesantilopen, Nilgauantilopen, Hirschziegenantilopen, Alpensteinböcke, Mähnenschafe, Mishmi-Takine und Gelbrückenducker. Ein Schwerpunkt des Zoos sind die Einhufer, die gleich in fünf Wildformen, Somali-Wildesel, Grevyzebra, Böhm-Zebra, Przewalski-Pferd und Kulan gehalten werden.

Im Tropenhaus sind tropische waldbewohnende Huftiere wie Schabrackentapire und Hirscheber untergebracht.

Darüber hinaus werden verschiedene Haustiere, wie Schottische Hochlandrinder, Zwergzebus, Trampeltiere, Alpakas, Poitou-Esel, Rotkopfschafe, Kamerunschafe und Zwergziegen gehalten, die vor allem im Kinderzoo zu sehen sind und teilweise gefüttert werden dürfen.

Nager Die Nagetiere sind durch Alpenmurmeltiere, Degus, Eurasische Biber und Europäische Ziesel vertreten. Eine Gruppe Schwarzschwanz-Präriehunde lebte am alten Flusspferdhaus, ist jedoch nach dem Winter 2014/2015 verschollen.

Beuteltiere Die Beuteltiere werden durch die Östlichen Grauen Riesenkängurus repräsentiert. Sie sind zusammen mit Emus in einer Gemeinschaftsanlage untergebracht.

Delphine und Seekühe Der Nürnberger Tiergarten eröffnete am 13. August 1971 ein Delphinarium, das einzige in Deutschland neben dem im Zoo Duisburg. Neben Vorführungen für die Tiergartenbesucher spielen Zucht, Forschung und seit jüngerer Zeit auch die Delphintherapie mit behinderten Kindern als Projekt der Universität Würzburg eine wichtige Rolle. Die Anlage besteht seit einer Erweiterung aus zwei Teilen; neben dem Delphinarium I, das unter anderem den Vorführungen dient, gibt es im Betriebshof noch ein Delphinarium II als Forschungs- und Aufzuchtstation. Dieser Bereich ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Es werden Große Tümmler und Kalifornische Seelöwen gehalten.

Im Juli 2011 wurde eine Freianlage mit submariner Landschaft nach Art einer Lagune fertiggestellt; das Projekt wurde unter der Bezeichnung Lagune 2000 bekannt und trägt seit Ende 2004 den Titel Delphinlagune. Das Vorhaben sah sich von Beginn an einer starken Kritik einzelner Tierschutzorganisationen ausgesetzt, die die Haltung von Delphinen in zoologischen Gärten grundsätzlich ablehnen.

In der Delphinlagune traten mehrere Baumängel zutage. Insbesondere gefährdet aus den Becken austretendes Salzwasser den umliegenden Boden. Vorübergehend wurde zur Eindämmung des Schadens der Wasserspiegel abgesenkt, langfristig soll die Anlage saniert werden. Die Maßnahmen waren zunächst für den Zeitraum von 2015 bis etwa 2018 geplant; als Ausweichquartier für die Delphine wurde das ehemalige Delphinarium II wieder in Betrieb genommen. Die tatsächliche Sanierung zieht sich mittlerweile bis in den Winter 2022/23 hin.

Für die Karibischen Seekühe entstand 2011, anschließend an die Delphinlagune, das große Manati-Haus mit tropischem Klima. Es wurde am 25. Mai 2017 nach dreiwöchigen Umbau- und Renovierungsarbeiten wieder eröffnet. Insgesamt ist das Manati-Haus 700 m² groß (22,5 m Breite; 32,5 m Länge), davon sind ca. 350 m² Wasseroberfläche. Das Manati-Becken hat ein Süßwasservolumen von 700.000 Liter, bei einer Wassertemperatur von 26–28 °C. Die Lufttemperatur ist 24–32 °C, während die Luftfeuchtigkeit ca. 70 % beträgt. Dies sorgt für das tropenähnliche Klima im Manati-Haus.

In der begehbaren Anlage leben auch Weißkopfsakis, verschiedene südamerikanische Schmetterlings- und Vogelarten, Schildkröten, Blütenfledermäuse und Pfeilgiftfrösche. Darüber hinaus beherbergt das Manati-Haus eine Kolonie Blattschneiderameisen. Insgesamt leben ca. 45 verschiedene Tierarten in dem Gebäude, zudem sind noch über 50 Pflanzen- und Baumarten dort beherbergt.

Kritik an der Delphinhaltung Der Tiergarten Nürnberg hält derzeit sieben Delphinweibchen (Stand 2024). Zwei von ihnen sind Wildfänge, die 1985 und 1990 in Amerika gefangen wurden.