Die Bundesautobahn 20 (Abkürzung: BAB 20) – Kurzform: Autobahn 20 (Abkürzung: A 20) – ist mit 345,2 km der bislang längste zusammenhängende geplante Neubau einer Autobahn seit 1939 und löste die Bundesautobahn 61 als längste zweistellig benannte Autobahn Deutschlands ab. Sie beginnt (von Ost nach West) in Brandenburg am Kreuz Uckermark (A 11) und verläuft durch Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein, wo sie heute kurz vor Bad Segeberg endet.
Der westliche Teil der Autobahn befindet sich derzeit größtenteils noch im Planfeststellungsverfahren. Der niedersächsische Abschnitt wurde bis 2010 als Bundesautobahn 22 geplant.http://www.kuestenautobahn.info/ Es gibt erhebliche Kontroversen und erfolgreiche Klagen gegen die Planungen, die einen Weiterbau auf weiteren 200,4 km durch Schleswig-Holstein und Niedersachsen inklusive Elbquerung vorsehen. Die Autobahn soll am zukünftigen Dreieck Westerstede (A 28) enden. Sie bildet somit zukünftig auf 550 km Länge die nördlichste Ost-West Autobahn Deutschlands, die wegen der Nähe zur Ost- und Nordsee auch Küstenautobahn genannt wird.
Zwischen dem Kreuz Lübeck und der Anschlussstelle Stralsund fungiert sie als Abschnitt der Europastraße 22, von dort bis zur Anschlussstelle Neubrandenburg-Ost als Europastraße 251.
Verlauf Brandenburg Die Bundesautobahn 20 beginnt an der Kreuzung der Bundesautobahn 11 und der Bundesstraße 166 am Kreuz Uckermark. Sie führt Richtung Norden an Uckerfelde, Schenkenberg und Schönfeld vorbei. Dann überquert sie zwischen Damerow und Züsedom die Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern, um nahe der Landesgrenze weitestgehenden auf mecklenburgischer Seite weiter zu verlaufen. Einzig ein drei Kilometer langer Abschnitt zwischen Groß Luckow und Strasburg (Uckermark) befindet sich wieder auf brandenburgischer Seite.
Mecklenburg-Vorpommern mini|Wakenitz unter der A 20-Brücke alt=Autobahn 20 bei Wismar am 4. Juli 2021|mini|A 20 bei Wismar – Blickrichtung Rostock
Der östliche Teil der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern beginnt bei Züsedom. Von dort verläuft die A 20 in einer Bogenform nach Nordwesten. Sie verläuft südlich der Brohmer Berge und nimmt beim Autobahnkreuz Neubrandenburg-Ost einen Verlauf nördlich in Richtung Greifswald. Hinter Jarmen beim Kreuz Gützkow verläuft sie dann wieder weiter in Richtung Westen, parallel zur Ostseeküste. Die A 20 passiert Rostock, Wismar, Grevesmühlen und Schönberg, bevor sie an der Wakenitz die Landesgrenze zu Schleswig-Holstein überquert.
Schleswig-Holstein Südlich von Lübeck und der Gemeinde Groß Grönau beginnt die Bundesautobahn 20 auf schleswig-holsteinischer Seite. Der Flughafen Lübeck-Blankensee erhielt 2007 im Zuge der neugebauten Bundesstraße 207 die direkte Anschlussstelle Lübeck-Süd. Die A 20 verläuft um die Stadt Lübeck herum und endet (Stand 2021) als fertiggestellte Autobahn vor Bad Segeberg.
Planungen für den weiteren Ausbau Von Bad Segeberg bis zur Elbquerung in Glückstadt Alle weiterführenden Streckenabschnitte befinden sich in der Planung: Die A 20 soll die A 21 kurz nach Bad Segeberg kreuzen. Bei Wahlstedt soll sie vom Streckenverlauf der aktuellen B 206 abgehen und südlich parallel zur B 206 weiterverlaufen. Danach soll sie die Bundesautobahnen 7 und 23 kreuzen und weiter Richtung Süd-Westen verlaufen, dort durch einen neuen Elbtunnel (siehe folgender Abschnitt) Richtung Niedersachsen führen.
Nach der Kreuzung mit der B 431 soll die Autobahn die Elbe durch die sogenannte Elbquerung, einen 6,5 Kilometer langen Tunnel zwischen Glückstadt und Drochtersen unterqueren. Damit würden die Autobahnabschnitte in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen miteinander verbunden.
Niedersachsen Der niedersächsische Teil der A 20 soll mit der Elbquerung beginnen. Die Autobahn soll von hier aus weiter in Richtung Westen, an Bremerhaven vorbei, bis nach Westerstede verlaufen. Im Landkreis Stade soll die A 20 über das geplante Kreuz Kehdingen mit der A 26 Richtung Stade und Hamburg verbunden werden. Vom Kreuz Kehdingen aus soll die geplante Autobahn Himmelpforten nordwestlich umfahren, im weiteren Verlauf die Oste queren und Bremervörde ebenfalls nordwestlich umfahren. Nördlich an Beverstedt vorbei soll die A 20 bei Loxstedt über ein Autobahndreieck an die bestehende A 27 bei Bremerhaven anschließen. Nach sieben Kilometern auf der A 27 soll die A 20 mit einem Autobahndreieck an der ehemaligen Anschlussstelle Stotel beginnen und dann in westlicher Richtung durch den bereits bestehenden Wesertunnel der heutigen Bundesstraße 437 laufen. Danach soll die A 20 weiter nach Südwesten verlaufen, östlich von Schwei die B 437 kreuzen sowie Neustadt nordwestlich umgehen und in einem Bogen südöstlich um Jaderberg herum mit einer Querung der Jade bei Jade die A 29 auf dem Kreuz Jaderberg überqueren. Von dem Kreuz Jaderberg aus soll die Autobahn nordwärts durch das Dringenburger Moor führen, ehe sie schließlich bei Westerstede in die A 28 münden soll. Dieser Verlauf ging erstmals aus den am 18. Oktober 2007 veröffentlichten Unterlagen zum Raumordnungsverfahren und der landesplanerischen Feststellung vom Februar 2009 hervor.
Geschichte Frühe Planungen und erste realisierte Abschnitte (1934 bis 1990) Die ersten Planungen zur heutigen A 20 beginnen mit dem sogenannten „Grundnetz der Reichsautobahnen“, welches 1934 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der „Verein zur Vorbereitung einer Autostraße Hansestädte–Frankfurt am Main–Basel“ (HaFraBa) e. V. und Fritz Todt wirkten auf ein Autobahnkonzept hin, welches eine Ausrichtung auf Berlin haben sollte. Ziel war es dabei, Berlin direkt mit Stettin, Hamburg, Rostock und Stralsund zu verbinden. Die Verbindung Berlin-Stettin wurde in 2,5 Jahren gebaut und in Betrieb genommen. Eine nördliche West-Ost-Verbindung sollte die sogenannte Mecklenburger Nordlinie darstellen. Diese wurde im April 1937 in das Grundnetz der Reichsautobahnen aufgenommen. Bei Schwerin sollte diese Autobahn von der Strecke Berlin-Hamburg abzweigen und quer durch Mecklenburg-Vorpommern verlaufen, um schließlich bei Schmölln in der Strecke Berlin-Stettin zu enden (heutiges Kreuz Uckermark). Umgesetzt wurde die Mecklenburg-Nordlinie bis 1945 jedoch nicht. Lediglich etwa 130 Kilometer Erdarbeiten und 16 Kilometer fragmentierte Fahrbahndecke der Autobahn Berlin – Hamburg wurden begonnen. Während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit wurde die weitere Planung und Umsetzung einer Ostseeautobahn ausgesetzt.
Erneut begann die Diskussion über die Erschließung des Ostseeraums mit Autobahnen vom 17. April bis zum 22. April 1967 auf dem VII. Parteitag der SED. Die Planung und Umsetzung der Autobahn von Berlin nach Rostock (heute BAB 19/24) wurden dort beschlossen. Von Januar 1970 bis Oktober 1978 wurde diese gebaut. Im April 1983 begann der Bau der A 241 (Wismar -Schwerin), seit 24. August 2006 Teil der A 14, die als Zubringer zur A 20 gilt. Bis zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 konnte von der A 241 insgesamt nur 9,9 Kilometer einspurige Straße fertiggestellt werden.
Planung und Bau der Ostseeautobahn A 20 (1991 bis 2005) Im November 1989 fielen die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze wurde geöffnet; zum 3. Oktober 1990 traten die Länder der DDR der Bundesrepublik bei (Wiedervereinigung). Am 2. Dezember 1990 fand die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl statt und Helmut Kohl bildete das Kabinett Kohl IV. Am 9. April 1991 beschloss dieses Kabinett 17 Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE), wozu als VDE-Projekt Nr. 10 auch die A 20 von Lübeck bis Stettin als vierspuriger Neubau zählte. Im Zuge der Realisierung wurde am 7. Oktober 1991 die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) gegründet. Die A 20 wurde im Bundesverkehrswegeplan 1992 und im Bedarfsplan für Bundesfernstraßen 1993 im „vordringlichen Bedarf“ eingestuft. Mit der A 20 sollten der Ostseeküstenraum und große Bereiche des Landes Mecklenburg-Vorpommern besser an das westdeutsche und europäische Verkehrsnetz angebunden werden. Im Dezember 1992 machte der damalige Bundesverkehrsminister Günther Krause an der Anschlussstelle Wismar-West (B 108) den symbolischen ersten Spatenstich zum Bau dieser Autobahn.
Die A 20 wurde zeitweilig auch „Krause-Autobahn“ genannt. Ein Teil des Vorhabens wurde per Investitionsmaßnahmegesetz, ohne Planfeststellungsverfahren, genehmigt. Hauptaugenmerk wurde zuerst auf Teilstücke gelegt, in deren Umgebung Bundesstraßen und Ortsdurchfahrten besonders belastet waren. So kann seit Dezember 1997 das 26,4 Kilometer lange Teilstück zwischen Grevesmühlen und dem Autobahnkreuz Wismar und seit Ende 2000 das gesamte 91,1 Kilometer lange Teilstück zwischen Schönberg über Wismar nach Rostock befahren werden. Ende 2001 wurde der Abschnitt zwischen Lübeck und Genin (4,8 Kilometer) in Schleswig-Holstein und zwischen Pasewalk-Nord und Kreuz Uckermark fertiggestellt. 2002 wurde das Kreuz Uckermark mit Neubrandenburg-Nord verbunden, die Ortsumgehung abgeschlossen und die Peenetalbrücke bei Jarmen fertiggestellt. Am 7. Dezember 2005 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel die letzten Teilstücke bei Tribsees und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.spiegel.de:
Die Freigaben: VerkehrsfreigabeAbschnittLänge in kmNovember 1997AS Grevesmühlen – AK Wismar25,7Mai 2000AS Schönberg – AS Grevesmühlen15,616. Dezember 2000AK Wismar – AK Rostock49,918. Dezember 2001AK Lübeck – AS Lübeck-Genin6,4Dezember 2001AK Uckermark – AS Pasewalk-Nord31,4Dezember 2001AS Grimmen-– AS Grimmen-Ost5620977,4August 2002AS Gützkow – AS Jarmen6,8August 2002AK Rostock – AS Sanitz14,0August 2002AS Pasewalk-Nord – AS Friedland25,1Dezember 2002AS Friedland – AS Neubrandenburg-Nord21,4September 2003AS Tessin – Behelfsabfahrt Langsdorf14,8November 2003AS Sanitz – AS Tessin8,7November 2004AS Grimmen-Ost – AS Greifswald8,614. Dezember 2004AS Lübeck-Genin – AS Schönberg24,6Dezember 2004AS Jarmen – AS Anklam10,6November 2005AS Anklam – AS Neubrandenburg-Nord16,5DezemberBehelfsabfahrt Langsdorf – AS Grimmen-West17,1Dezember 2005AS Greifswald – AS Gützkow17,228. Juli 2009AS Geschendorf – AK Lübeck15,721. Dezember 2009Weede – AS Geschendorf6,25
Für den A-20-Abschnitt in Mecklenburg-Vorpommern wurden fünf Autobahnraststätten geplant, von denen bis November 2016 drei eröffnet wurden. Für die zwei verbleibenden wurden zwar die infrastrukturellen Vorbereitungen getroffen, allerdings fanden sich noch keine Investoren, die dort Raststätten bauen und eröffnen wollen, sodass die Flächen bisher wegen fehlender Sanitäranlagen lediglich eingeschränkt als Parkplatz genutzt werden können. In Höhe der Abfahrt Grimmen gibt es zudem einen Autohof mit Schnellrestaurant und Tankstelle. Grund ist laut Verkehrsministerium die zögerliche wirtschaftliche Entwicklung der Region, das geringe Verkehrsaufkommen und das dadurch hohe unternehmerische Risiko. Am 21. Juli 2016 wurde die Tank-/Raststätte 'Demminer Land' eröffnet. Sie liegt zwischen den Anschlussstellen Jarmen und Anklam und befindet sich nur einseitig auf der westlichen Seite der A 20, ist aber von beiden Fahrbahnen aus über eine Brücke erreichbar. Sie war damals die einzige Raststätte in Vorpommern.tank.rast.de: Tank & Rast eröffnet Serways Raststätte Demminer Land an der A 20
Niedersachsen, früher A 22 (2007 bis heute) Am 29. Mai 2007 stellte der damalige niedersächsische Verkehrsminister, Walter Hirche (FDP), den sog. Südkorridor als Vorzugsvariante für die A 22 vor. Im Jahr 2011 erwog die niedersächsische Landesregierung, die Autobahn-Verbindung nach Schleswig-Holstein nicht weiter zu verfolgen, da zu diesem Zeitpunkt seitens des Bundes nur begrenzte Mittel zur Verfügung standen.