mini|Kirche St. Nicolai in Großwerther Werther ist eine Gemeinde (mit knapp 3100 Einwohnern) und ein Ortsteil (mit 1450 Einwohnern) im Landkreis Nordhausen in Thüringen in Deutschland.

Geografie Die Gemeinde Werther liegt im Tal der Helme, im Nordhäuser Buntsandsteinland, einer Region des Nordthüringer Hügellandes. Sie grenzt im Südosten an die Goldene Aue. Die Kreisstadt Nordhausen ist etwa 2 km in östlicher Richtung entfernt.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Werther gehören acht Orte, die aus der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Helmetal hervorgingen. Dazu zählen: Großwechsungen mit rund 860 Einwohnern und dem dazugehörigen Weiler Schern Günzerode (ca. 220 Einwohner) Haferungen (ca. 155 Einwohner) Immenrode (ca. 100 Einwohner) und dem dazugehörigen Weiler Fronderode Kleinwechsungen (ca. 260 Einwohner) und die Flarichsmühle Mauderode (ca. 127 Einwohner) Pützlingen (ca. 120 Einwohner) Werther (ca. 1450 Einwohner) mit den historischen Ortsteilen Kleinwerther (im Norden) Großwerther (im Süden) Schate (südlich von Großwerther)

Geschichte Der Ort wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde des Erzbischofs Ruthard von Mainz im Jahr 1093 erwähnt. Der Name ist eine Variante des norddeutschen Werder (= Insel), was durch die Trockenlegung des umliegenden Gebietes durch Zisterziensermönche des Klosters Walkenried im 12. Jahrhundert zu erklären ist.

Im Ortsteil Kleinwerther stand an der Stelle des heute noch existierenden Schlosses des Rittergutes eine Wasserburg, die im 11. Jahrhundert erbaut und im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde. Drei Tonnenkeller unter dem noch vorhandenen Gutshaus und Reste der Wassergräben zeugen von der Anlage. Die Herren von Werthern wurden 1209 urkundlich erwähnt.M. KöhlerThüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig-Verlag 2001 S 273, ISBN 3-910141-43-9

Einen Ortsteil von Werther stellt auch die 1945 angelegte Neubauernsiedlung „Schate“ dar. Sie befindet sich kaum tausend Meter südlich der Ortslage am Fuß des Siechenberges und ging auf das ehemals dort befindliche, selbstständige Kirchdorf „Schate“ zurück, welches 1266 erstmals urkundlich Erwähnung fand, aber schon 1506 als Wüstung bezeichnet wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 500 und zeitweise bis zu 950 Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora beim Bau der Helmetalbahn auszehrende Zwangsarbeit leisten. Seit 1995 erinnert eine Gedenktafel am ehemaligen Schafstall, ihrem Unterbringungsort, an die NS-Verbrechen. Im März 1945 richtete die SS in Großwerther noch ein KZ-Außenkommando von Mittelbau-Dora ein, in dem 300 vorwiegend jüdische Frauen auf Zwischenstation ihres Todesmarsches aus dem KZ Groß Rosen bis zum KZ Mauthausen untergebracht waren. Außerdem mussten mindestens 145 ausländische Frauen und Männer seit Kriegsbeginn Zwangsarbeit leisten: in der Landwirtschaft von Immenrode, auf dem Gut in Großwechsungen, in Kleinwerther, in Großwerther und auf der Domäne der Gebrüder Rühmkorf in Günzerode.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 201f., ISBN 3-88864-343-0

Im Jahr 1951 wurden Großwerther und Kleinwerther zur Gemeinde Werther zusammengefasst.

Am 1. Januar 1997 wurden die Orte Großwechsungen, Günzerode, Haferungen, Immenrode, Kleinwechsungen, Mauderode und Pützlingen nach Werther eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997 Zugleich wurde die Verwaltungsgemeinschaft Helmetal, der alle Gemeinden und die Gemeinde Hesserode angehörten, aufgelöst.

Am 13. Februar 2015 wechselte Fronderode von der Gemeinde Friedrichsthal zur Gemeinde Werther.Fronderode gehört ab sofort mit zu Werther, Thüringer Allgemeine, abgerufen am 14. Februar 2015

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl: 1997 – 3823 1998 – 3825 1999 – 3813 2000 – 3821 2001 – 3803 2002 – 3751 2003 – 3681 2004 – 3655 2005 – 3622 2006 – 3600 2007 – 3581 2008 – 3516 2009 – 3450 2010 – 3377 2011 – 3329 2012 – 3333 2013 – 3280 2014 – 3290 2015 – 3293 2016 – 3235 2017 – 3249 2018 – 3216 2019 – 3166 2020 – 3133 2021 – 3086 2022 – 2962 2023 – 2967 2024 – 3047 Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Gemeinderat Der Gemeinderat in Werther besteht aus 16 Ratsmitgliedern:

Partei / Liste Sitze Stimmenanteil Bürgerbewegung Runder Tisch 6 33,2 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 3 20,6 % Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 3 19,8 % Wählergruppe Feuerwehr & mehr 2 12,1 % Bürgerinitiative Offenes Helmetal 1 7,9 % Die Linke 1 6,4 % (Stand: Kommunalwahlen in Thüringen am 26. Mai 2024)

Sehenswürdigkeiten St. Nikolai in Großwerther St. Philippus in Kleinwerther: Das Bauwerk entstand im Jahr 1572 durch den damaligen Ortsherren Philip von Werthern. Es handelt sich um eine rechteckige Saalkirche mit polygonalem Chor und einem dreigeschossigen Kirchturm. Das Bauwerk wird derzeit saniert und erhält dabei seinen ursprünglichen, für die Region charakteristischen Putz aus Gips (Stand 2020).Winfried Dolderer: Neuer Gipsputz nach alter Art – Sankt Philippus in Kleinwerther bekommt einen Außenputz nach einem historischen Verfahren, In: Monumente, Ausgabe 5/2020, S. 62 und 63. Schloss in Kleinwerther St. Peter und Paul in Großwechsungen St. Andreas in Günzerode St. Andreas in Haferungen Dorfkirche in Immenrode St. Michaelis in Pützlingen Dorfkirche in Kleinwechsungen

Wirtschaft und Infrastruktur In der Gemeinde Werther gibt es zwei Gewerbegebiete. Eines davon befindet sich im Ortsteil Werther „Am Mühlweg“ – direkt an der ehemaligen B 80 und 100 m vom Anschluss der A 38 entfernt. Das Gewerbegebiet ist zu 90 % ausgelastet. Das zweite Gewerbegebiet befindet sich im Ortsteil Großwechsungen „Hinter der Aue“ – dies ist über die B 243 zu erreichen. In diesem Gewerbegebiet gibt es noch freie Flächen, welche sich im Privateigentum befinden. Seit 2021 befindet sich an der Anschlussstelle 10 der A38 ein Autohof mit Tankstelle, Fast Food Restaurant, Lebensmittel-Discounter und einer Landmaschinen Werkstatt. Zusätzlich entstanden auf dem Gelände 50 Lkw-Stellplätze.

Verkehrsanbindung Werther ist über die Bundesstraße 243 sowie über die A 38 (sogenannte Südharztangente) erreichbar. Die Gemeinde verfügt im Ort Großwerther über einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden.

Persönlichkeiten Friedrich Georg Tuve (1759–1830), evangelisch-lutherischer Pastor Eberhard Herwarth von Bittenfeld (1796–1884), preußischer Generalfeldmarschall Richard Quelle (1870–1926), Verleger Walter Steinecke (1888–1975), Politiker (NSDAP) Selmar Bühling (1895–1977), Jurist, Politiker, Gründer der Vereinigung Heimattreue Erfurter

Literatur

Weblinks

Website der Gemeinde Werther

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordhausen Kategorie:Ersterwähnung 1093