Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO oder WKÖ), früher Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft (kurz: Bundeswirtschaftskammer), ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Sie koordiniert die Tätigkeit der Landeskammern, der gesetzlichen Interessensvertretungen der gewerblichen Wirtschaftstreibenden.
Allgemeines Die Wirtschaftskammer Österreich ist Teil der österreichischen Wirtschaftskammerorganisation. Jedes der neun österreichischen Bundesländer hat seine eigene Wirtschaftskammer (Landeskammer), bei der aufgrund des Wirtschaftskammergesetzes alle gewerblich tätigen Wirtschaftstreibenden (mit Ausnahme der Landwirtschaft und der freien Berufe, diese haben ihre eigenen Kammern). Mitglieder sind automatisch alle gewerblich tätigen Wirtschaftstreibenden aufgrund der gesetzlichen Mitgliedschaft (Pflichtmitgliedschaft). Die Wirtschaftskammer Österreich mit Sitz in Wien ist die zehnte Wirtschaftskammer, bei der alle Mitglieder der einzelnen Landeskammern zusammengefasst sind (aktiver Mitgliederstand 2024: 593.639)WKO Statistik Wien | Zahlen und Fakten zur Wiener Wirtschaft 2025 und übt neben Leit- und Koordinierungsfunktionen unter den Wirtschaftskammern österreichweite Agenden der Interessensvertretung und des Mitgliederservice, darunter die Vertretung der österreichischen Wirtschaft im Ausland, aus. Die größte Landeskammer ist die Wirtschaftskammer Wien.
Im Mittelpunkt der Aufgaben steht die Mitgestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der staatlichen Rechtsordnung sowie in der Außenwirtschaftsförderung. Dies wird durch Interessenvertretung, Beratungs-, Service- und Ausbildungsleistungen für die Unternehmer sowie, im Außenwirtschaftsbereich, durch die weltweite Präsenz in Österreichischen AußenwirtschaftsCentern erreicht.
Struktur
Die gesetzliche Interessenvertretung der nationalen Wirtschaft ist die Wirtschaftskammerorganisation, bestehend aus der Wirtschaftskammer Österreich (mit Sitz in Wien) und den Wirtschaftskammern in den 9 Bundesländern.
Sowohl die Wirtschaftskammer Österreich als auch die Wirtschaftskammern in den Ländern gliedern sich in sieben Sparten:WKÖ: Bundessparten und Fachorganisationen
Gewerbe und Handwerk Industrie Handel Bank und Versicherung Transport und Verkehr Tourismus und Freizeitwirtschaft Information und Consulting
Die Sparten sind Abteilungen der jeweiligen Kammer und dienen als Verbindungsglieder zwischen den – in ihnen jeweils zusammengefassten – Fachorganisationen und der jeweiligen Kammer.
Fachorganisationen: Fachgruppen und Fachverbände
Die Sparten gliedern sich wiederum in Fachorganisationen. Diese heißen in den Wirtschaftskammern der Bundesländer Fachgruppen und in der Wirtschaftskammer Österreich Fachverbände.
Innungen und Gremien
In der Landes- bzw. Bundessparte „Gewerbe und Handwerk“ heißen die Fachorganisationen nicht Fachgruppen bzw. Fachverbände, sondern meistens Innungen (z. B. Landesinnung Wien der Bäcker). In der Landes- bzw. Bundessparte „Handel“ heißen die Fachorganisationen meistens Gremien (z. B. Landesgremium Kärnten des Einzelhandels mit Lebens- und Genussmitteln).
Fachvertretungen
Ist die wirtschaftliche Bedeutung einer Gruppe zu gering, um die Errichtung einer Fachgruppe zu rechtfertigen, werden ihre Interessen vom Fachverband vertreten. Dieser Fachverband bedient sich mit den Fachvertretungen eigener Organe (z. B. Fachvertretung der Bauindustrie im Burgenland). Fachvertretungen besitzen im Gegensatz zu den Fachgruppen (Innungen, Gremien) keine eigene Rechtspersönlichkeit.
Abteilungen
In der Wirtschaftskammer Österreich am Sitz in Wien-Wieden gibt es zusätzlich zu diesen Sparten 23 Abteilungen, die politische, organisatorische und serviceorientierte Aufgaben erfüllen:
Politische Abteilungen für z. B.: Wirtschaftspolitik, Finanz- und Handelspolitik, Rechtspolitik, Sozialpolitik und Gesundheit, Umwelt- und Energiepolitik, Verkehrs- und Infrastrukturpolitik oder Bildungspolitik. Zentrale Abteilungen für Serviceeinrichtungen der Mitglieder wie Außenwirtschaft Austria, ICC Austria (Internationale Handelskammer), Frau in der Wirtschaft, Junge Wirtschaft, Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI), u. a. m. Abteilungen für interne Organisation wie Personal- und Organisationsentwicklung, Finanz- und Rechnungswesen etc.
Interessenvertretung Die etwa 120 Fachorganisationen vertreten die unterschiedlichen Branchen. Sie arbeiten in den genannten Sparten zusammen. Die größten einzelnen Fachorganisationen sind der Fachverband Gastronomie und der Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie.
Rechtsservice Angestellte Mitarbeiter erbringen kostenlose Beratungsleistungen in folgenden Rechtsbereichen, wobei regionale Unterschiede bestehen. Nicht jede Landeswirtschaftskammer bietet jedes Beratungsservice an: Arbeits- und Sozialrecht (u. a. unentgeltliche Vertretung der Mitglieder vor dem Arbeits- und Sozialgericht) Berufsausbildungsrecht Steuerrecht Gewerbe- und Betriebsanlagenrecht Mietrecht Umweltrecht Gesellschafts- und Wettbewerbsrecht Handelsrecht Außenwirtschaftsrecht Verkehrsrecht
Wahlen
Jede Wirtschaftskammer wird durch gewählte Funktionäre repräsentiert, die alle 5 Jahre in der Wirtschaftskammerwahl von allen Mitgliedern gewählt werden.
Wahlen 2010 Bei den letzten Wahlen im März 2010 ging der Österreichische Wirtschaftsbund (ÖWB), eine Teilorganisation der ÖVP, erneut als Sieger (70,9 % der Stimmen) hervor. Der ÖWB konnte zwar sein Ergebnis 2010 etwas verbessern. Allerdings lag die Wahlbeteiligung nur bei 41 % gegenüber 48 % bei der letzten Wahl 2005. Die anderen, in allen Landeskammern vertretenen Fraktionen sind der der SPÖ nahestehende Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) mit 11,5 %, der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) mit 8,6 %, die Grüne Wirtschaft (GRÜNE) 5,8 % sowie die Industrieliste der Österreichischen Industriellenvereinigung.
Wahlen 2015 Die Wirtschaftskammerwahlen 2015 fanden von 23. bis 26. Februar statt. Österreichweit wurden 8905 Mandate in 857 Fachgruppen vergeben, in über 200 Fachgruppen kandidierte nur eine Liste. Erstmals kandidierte auch UNOS (Unternehmerisches Österreich), die Wirtschaftskammer-Organisation von NEOS.Unos - Unternehmerisches Österreich. Abgerufen am 30. Jänner 2015.derStandard.at - Wirtschaftskammerwahl: Neos lassen Schwarze nur wenig zittern. 30. Jänner 2015, abgerufen am 30. Jänner 2015.
Der Wirtschaftsbund erreichte in allen neun Bundesländern mehr als 50 Prozent, auch in Wien konnte mit einem Ergebnis von 50,6 Prozent die absolute Mehrheit weiter knapp gehalten werden.derStandard.at - WKO-Wahlen: Wirtschaftsbund hält Absolute in Wien. APA-Meldung vom 27. Februar 2015, abgerufen am 27. Februar 2015.orf.at - ÖVP-Wirtschaftsbund hält Absolute in Wien. 27. Februar 2015, abgerufen am 27. Februar 2015. Die Wahlbeteiligung betrug 38,9 Prozent. Bundesweit erreichte der Österreichische Wirtschaftsbund 66,6 %, der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband 10,8 %, der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender 9,4 %, die Grüne Wirtschaft 9,1 % und die erstmals angetretene UNOS 2,0 %. 27. Februar 2015, abgerufen am 27. Februar 2015.
Die Grünen äußerten Zweifel am Wiener Wahlergebnis, die Wirtschaftskammer Wien wies die Vorwürfe zurück. Nach Ansicht der Grünen sei der ÖVP-Wirtschaftsbund in Wien tatsächlich nur auf 36,7 Prozent der Stimmen gekommen. Das hohe offizielle Ergebnis sei nur erzielt worden, weil beispielsweise Stimmen für überparteiliche Einheitslisten im Gesamtergebnis ausschließlich dem Wirtschaftsbund zugeschlagen worden sind. Laut Sozialdemokratischem Wirtschaftsverband kam der ÖVP-Wirtschaftbund in Wien auf 45 Prozent der Stimmen.derStandard.at - "Letztgültiges Endergebnis": Nur 45 Prozent für schwarzen Bund. APA-Meldung vom 2. März 2015, abgerufen am 3. März 2015.
Wahlen 2020 Die Wirtschaftskammerwahlen 2020 fanden von 2. bis 4. März statt. Der ÖVP-Wirtschaftsbund erhielt 69,6 Prozent der Stimmen und damit ein Plus von drei Prozentpunkten, die Freiheitliche Wirtschaft verlor 3,2 Prozentpunkte, erreichte 6,2 Prozent und fiel auf den vierten Rang hinter Sozialdemokraten und Grüner Wirtschaft zurück. Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) verlor 0,5 Prozentpunkte und landete bei 10,8 Prozent der Stimmen. Die Grüne Wirtschaft gewann 0,5 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent, UNOS, die Liste von NEOS, gewann 0,7 Punkte auf 2,7 Prozent der Stimmen. Der Wirtschaftsbund kam damit auf 74,7 Prozent der Mandate (plus 5,6 Prozentpunkte), der SWV auf 8,7 Prozent, die Grüne Wirtschaft auf 6,3 Prozent, die FW halbierte sich auf 4,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug 33,7 Prozent, nach 38,9 Prozent im Jahr 2015.
Wahlen 2025 Die Wahlen zur Wirtschaftskammer haben im Jahr 2025 spürbare Veränderungen im Wahl-Ergebnis gebracht.
Aufbau Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich ist seit dem 15. November 2025 vorerst interimistisch und ab 14. Jänner 2026 bis zum Ende der Amtsperiode 2030 dauerhaft bestimmt Martha Schultz. Sie wurde damit Nachfolgerin von Harald Mahrer, der zurückgetreten ist. Den Funktionären steht ein Stab von Mitarbeitern, die Kammerangestellten, zur Unterstützung bei den organisatorischen Aufgaben und zur Durchführung der Serviceleistungen zur Verfügung. An der Spitze der Angestellten steht ein Generalsekretär (Bundeskammer) bzw. ein Direktor (Landeskammern).
Präsidenten seit 1946 Julius Raab (1946–1953) Franz Gustav Dworak (1953–1961) Julius Raab (1961–1964) Rudolf Sallinger (1964–1990) Leopold Maderthaner (1990–2000) Christoph Leitl (2000–2018) Harald Mahrer (2018–2025) Martha Schultz (seit 2025)
Generalsekretäre Karl Kehrer (1979–1992) Anna-Maria Hochhauser (2004–2018) Karlheinz Kopf (2018–2024)Kurier: Wirtschaftskammer: Das Comeback eines Querkopfs. 30. Mai 2018, abgerufen am 31. Mai 2018. Wolfgang Hattmannsdorfer (2025) Jochen Danninger (seit 2025)
Finanzierung
Die Wirtschaftskammer finanziert sich durch die Grundumlage sowie die Kammerumlagen 1 und 2. (Stand November 2025)
Grundumlage
Alle Mitgliedern der 9 Wirtschaftskammern haben die Abgabe Grundumlage (GU) zur Finanzierung der Fachorganisationen zu entrichten. Auf Basis des Wirtschaftskammergesetzes (WKG) legt jede Fachorganisation die Regeln zur Berechnung der Höhe (Fixbetrag oder Mindestbetrag, Höchstbetrag, Berechnungsweise) autonom fest und wird vom Präsidium der Landeskammer genehmigt. Die Grundumlage wird seitens der Kammer jährlich vorgeschrieben.
Kammerumlage 1
Die Kammerumlage 1 (KU 1), quartalsweise: 0,28 % (seit 2024; bis 2023: 0,29 %, bis 2018: 0,30 %) (degressive Staffelung seit 2019: Für Teile der Bemessungsgrundlage über 3 Mio. und bis 32,5 Mio. Euro reduziert sich der Hebesatz um relativ 5 %, also seit 2024 auf 0,266 %); Bemessungsgrundlage ist die dem Kammermitglied in Rechnung gestellte Umsatzsteuer, weiters die vom Kammermitglied geschuldeten Einfuhrumsatzsteuer sowie jene Umsatzsteuerschuld, die aufgrund der an das Kammermitglied für dessen Unternehmen von anderen Unternehmern erbrachten Leistungen auf dieses übergegangen ist (Reverse charge) minus der Umsatzsteuer, die auf einen Eigenverbrauch entfällt. Die Freigrenze beträgt 150.000 Euro (steuerbarer Nettoumsatz im Inland pro Kalenderjahr).
Die Kammerumlage 1 ist an das zuständige Finanzamt zu entrichten und kommt zu 60 % der jeweiligen Landeskammer, zu 40 % der Wirtschaftskammer Österreich zugute.
Kammerumlage 2
Die Kammerumlage 2 (KU 2, auch bezeichnet als Dienstgeberzuschlag (DZ)): je nach Bundesland (Stand 2025) 0,31 % bis 0,40 % (= Bundeskammeranteil 0,12 % + jeweiliger Landeskammeranteil) ist der Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (DB, zum Familienlastenausleichsfond: 2025: 3,7 % der Lohnsumme) als Beitragsgrundlage.
KU1 und KU2 sind Selbstberechnungsabgaben, d. h. diese sind vom Kammermitglied selbst zu berechnen und (falls größer 0) monatlich oder quartalsweise an das zuständige Finanzamt zu entrichten.
Allgemeines