Wernau (Neckar) ist eine Stadt im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Wernau liegt am rechten Ufer des Neckars, südlich von Plochingen und etwa 25 km östlich von Stuttgart. Durch die Stadt fließt der Bodenbach dem Neckar zu. In früherer Zeit wurde das Tal des Bodenbachs auch mit dem Namen „Stubenthal“ bezeichnet. Schon im Jahr 1818 wurde dessen natürliche Dynamik durch die Anlage eines tiefer gelegten, künstlichen Flussbettes beendet. Die anschließende Auffüllung der Neckar-Altarme begann 1820 und erfolgte sukzessiv in mehreren Schritten. Die Kiesgewinnung, die zunächst neckaraufwärts voranschritt, erreichte bereits 1939 die Randzonen der heutigen Baggerseen (Großer und Kleiner See). Im Jahr 1981 wurden die Wernauer Baggerseen zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Gebiet umfasst heute etwa 45 Hektar. Ein weiteres 5,5 Hektar großes Schutzgebiet auf dem Gebiet der Stadt ist die Wernauer Lehmgrube.

Südöstlich zwischen Wernau und Kirchheim unter Teck gelegen befindet sich der Weiler Freitagshof, welcher zu Wernau gehört.

Nachbargemeinden Angrenzende Kommunen sind reihum die Gemeinde Deizisau im Nordwesten, die Stadt Plochingen im Norden, die Gemeinden Hochdorf im Osten und Notzingen im Südosten, die Städte Kirchheim unter Teck im Süden und Wendlingen im Südwesten sowie die Gemeinde Köngen im Westen, die alle auch im Landkreis Esslingen liegen.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Wernau.

Geschichte mini|Pfauhausen 1683, Forstlagerbuch von Andreas Kieser mini|Steinbach 1683 mini|Freitagshof 1683 Wernau entstand 1938 durch Vereinigung der Orte Pfauhausen und Steinbach. 1384 und 1681 waren Versuche, eine Gemeinschaft zu bilden, bereits nach kurzer Zeit wieder aufgegeben worden. Beide Dörfer waren stark landwirtschaftlich geprägt, jedoch reichte dies am Beginn des 20. Jahrhunderts bei weitem nicht mehr aus, um die materielle Existenz zu sichern. Der Großteil Einwohner verdiente sich sein Haupteinkommen als Arbeiter und Handwerker in den Betrieben des Umlands, vor allem in Fabriken des Neckartals in Plochingen und Esslingen oder im Ausbesserungswerk Stuttgart-Bad Cannstatt. Ein grundlegendes Problem war der Mangel von Industriebetrieben vor Ort, dem die Kommunen ab den 1930er-Jahren durch eine gezielte Ansiedlungspolitik von Gewerbe zu begegnen suchten. Die wichtigste Autorität vor Ort war die katholische Kirche, vertreten durch deren Gemeindepfarrer. In der Weimarer Republik war demnach die katholische Zentrumspartei die mit Abstand stärkste Kraft. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung 1919 erhielt die Zentrumspartei 61,3 Prozent (Steinbach) bzw. 78,5 Prozent (Pfauhausen) der Stimmen.

1924 strebte das Oberamt Eßlingen eine Vereinigung der beiden benachbarten Gemeinden an. Aufgrund des heftigen Widerstands beider Gemeinden scheiterte diese. Das Gemeinderatsprotokoll von Steinbach lieferte aus damaliger Sicht die Begründung: „Die Angehörigen beider Gemeinde leben seit Menschengedenken in einem recht gespannten Verhältnis zueinander. Woher dieses Verhältnis stammt, ist heute nicht festzustellen.“ Erst am 23. Juni 1936 beschlossen die Gemeinderäte beider Ortschaften die Fusion, nachdem der Bürgermeister von Pfauhausen aufgrund seines Widerstandes gegen die Zusammenlegung im Zuge eines von der NSDAP angestrengten Dienststrafverfahrens des Amtes enthoben worden war. Diese Einmütigkeit schien jedoch nur auf dem Papier zu existieren, denn die Gemeinde Pfauhausen schrieb am 29. Juni 1936 an Kreisleiter Eugen Hund: „Von einer einstimmigen Zustimmung (...) kann von Seiten Pfauhausen nie die Rede sein“. Ab 1936 übte Anton Bader (NSDAP) in beiden Gemeinden das Bürgermeisteramt aus. Im Februar 1937 kamen die Bürger beider Ortschaften zu Wort. Noch am gleichen Tag stellten die beiden Gemeinden gemeinsam beim Reichsstatthalter in Württemberg, Wilhelm Murr, den Antrag auf Zusammenschluss. Dieser wurde dann im April 1938 vollzogen.

Bis zur Gemeindefusion Pfauhausen Wie zahlreiche Funde insbesondere aus der Phase des Kiesabbaus im 20. Jahrhundert belegen, war das Neckartal im Bereich der Gemarkung Pfauhausen bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt. Reste römerzeitlicher Siedlungsspuren gab es im Bereich der Flur Maurenacker. Bei Bauarbeiten im Bereich des ehemaligen Schlossareals (früheres Backhaus am Schulweg) wurde im Jahr 1935 eine Perlenkette aus alemannischer Zeit gefunden.

An der Mündung des Bodenbachs in den Neckar, hatte sich bis zum 7. Jahrhundert der Ort Hausen gebildet, dessen Name typisch für Siedlungsgründungen im Zuge der fränkischen Landnahme ist. Begünstigt war dieser Siedlungsplatz gleichfalls durch eine Furt, die wohl schon in früher Zeit den Übergang von Altwegen über den Neckar ermöglichte. Im Bereich der ehemaligen Pfauhausener Burg zeugt noch heute die „Hohe Straße“ von einer solchen Altstraße.

Pfauhausen wurde erstmals 1274 in einer durch Herzog Konrad II. von Teck in Kirchheim ausgefertigten Urkunde als Pawenhusen erwähnt. In älteren Urkunden und noch im Liber decimationis von 1275 wird der Ort nur Hausen (Husen) genannt. Die Herren von Hausen, genannt Hochschlitz, die ihren Namen höchstwahrscheinlich von Pfauhausen ableiteten, herrschten bis ins 14. Jahrhundert hinein über den Ort. Anschließend etablierten sich durch verwandtschaftliche Verbindungen mit den Hochschlitz weitere Adelsgeschlechter in Pfauhausen, wodurch sich die grundherrschaftlichen Verhältnisse im Spätmittelalter zunächst vielschichtig gestalteten. Ab 1420 vollzog sich dann in Pfauhausen eine Konsolidierung der Grundherrschaft, als die ebenfalls mit den Hochschlitz verwandten Herren von Wernau Güter aufkauften, bis sie ein Drittel des Ortes besaßen. Im Jahr 1474 erlaubte Württemberg den Herren von Wernau die Errichtung eines eigenen Niedergerichts. Im Gegenzug musste Württemberg das Schatzungsrecht zugestanden werden. Die Blutgerichtsbarkeit wurde der Ortsherrschaft nachweislich erstmals 1621 als Reichslehen verliehen. Bis 1636 fiel in Pfauhausen und Steinbach der größte Teil der Bevölkerung der Pest zum Opfer. 1693 verbrannten französische Truppen den Ort samt dem Schloss. Nach dem Aussterben der Herren von Wernau gelangte Pfauhausen 1696 durch Heirat zur Herrschaft der Rotenhan aus Neuhausen in Vorderösterreich, wo der Ort bis 1769 verblieb. Am 23. November 1769 kaufte Fürstbischof Kardinal Franz von Hutten Pfauhausen zusammen mit Neuhausen, wodurch der Ort zum Fürstbistum Speyer gehörte und deshalb stets katholisch blieb. Pfauhausen war dem Ritterkanton Neckar-Schwarzwald inkorporiert. 1802 fiel die Ortsherrschaft an Baden und 1806 schließlich an Württemberg. Nach dem Übergang an Württemberg wurde der Ort zunächst dem Oberamt Köngen zugewiesen, bis er 1808 an das Oberamt Eßlingen kam. Pfauhausen löste sich ab 1830 bis 1845 von den Fronen, Grundzinsen, Kleinzehnten und anderen Gefällen.Pfauhausen auf LEO-BW Pfauhausen, seit der Eröffnung des Teilstücks Plochingen–Reutlingen im Jahre 1859 an der Bahnstrecke Plochingen–Immendingen gelegen, besaß vor 1896 einen Bahnanschluss. Dieser wurde im Jahre 1907 durch die Firma Leonhard Weiss erweitert und 1908 in Pfauhausen–Steinbach umbenannt. Bis 1936 war Josef Balle Bürgermeister von Pfauhausen.

Steinbach Es gibt Belege für menschliche Siedlung auf Steinbacher Gemarkung schon in der Steinzeit. Auf der Flur Brühl südöstlich des alten Ortskerns wurde eine Siedlung der neolithischen Rössener-Kultur entdeckt. Zahlreiche Feuersteingeräte und Scherben, die auf der Flur Bergäcker gefunden wurden, deuten ebenfalls auf eine jungsteinzeitliche Siedlung hin. Ein Alemannengrab im Bereich eines merowingerzeitlichen Friedhofes in der Flur Untere Kehlen lässt auf eine in der Nähe gelegene Ansiedlung schließen.

Ortsnamen mit der Endung -bach entstanden erst während der jüngeren Rodungsperiode im 7. und 8. Jahrhundert. Es ist aber durchaus möglich, dass ein fränkisches Gut an der Stelle des späteren Steinbachs einen anderen Namen hatte, ehe er im 8. Jahrhundert die heutige Bezeichnung erhielt.

Steinbach wurde erstmals im Liber decimationis 1275 urkundlich erwähnt. Ungesichert ist, ob es sich bei einem im Rotulus Sanpetrinus erwähnten Ernest de Steimbach um einen Angehörigen des örtlichen Adelsgeschlechts handelt. Die Grundherrschaft im Dorf und im Weiler Freitagshof war ursprünglich in den Händen der Herzöge von Teck und ihrer Dienstleute. So sind unter anderem die Familien Randeck und Hochschlitz belegt. 1299 verkaufte Herzog Hermann I. seine grundherrschaftlichen Rechte an das Kloster Salem. 1324 wurde die Kirche von Steinbach dem Kloster inkorporiert. Als Erbauer der spätmittelalterlichen Kirche ist für das 14. Jahrhundert ein Friedrich von Hochschlitz belegt. Noch bis in die 1950er Jahre stand im „Biegel“, der Bereich des heutigen Stadtplatzes, die Salemer Zehntscheuer, die unter Abt Georg II. Kaisersberger im Jahr 1569 (Wappensteine über dem Tor) errichtet worden war. Ebenso besaß das Kloster Anteile an der Steinbacher Mühle, die sich im Bereich der heutigen Stadthalle befand. 1335 verkaufte das Kloster Salem die Grundherrschaft an die Reuß von Reußenstein. In der Folge kam es zu einem regen Wechsel der Grundherrschaftsverhältnisse, bis die Herren von Wernau die Güter des Ortes zusammenfassten und 1470 an die Speth von Sulzburg verkauften. Deren Nachfolger waren dann die Laubenberg (um 1540), die Freyberg-Eisenberg (1608), die Bubenhofen (1653) und schließlich wiederum die Wernau (1666). Wenig später die Ortsherrschaft an die Herren von Liebenstein (1687), aus deren Hand sie an die von Palm (1744) gelangte. Erste Strukturen der gemeindlichen Selbstverwaltung werden durch die Erwähnung eines Gerichts 1567 erkennbar. In den Jahren 1772 bis 1780 kam es zu schweren Streitigkeiten zwischen der Gemeinde und der Ortsherrschaft bis hin zur offenen Rebellion, welche jedoch am Ende unterdrückt wurde. 1693 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges kam es im Zuge des „zweiten Franzoseneinfalls“ in Württemberg zu umfangreicheren Zerstörungen durch französische Truppen im Ort, bei denen angeblich auch das Schloss niedergebrannt wurde. Während der Koalitionskriege wurde Steinbach bei einem Streifzug französischer Truppen geplündert. Im Jahr 1805 kam Steinbach an Württemberg. Steinbach gehörte bis 1805 zum Ritterkanton Kocher und wurde nach dem Übergang an Württemberg zunächst dem Oberamt Köngen und dann 1808 dem Oberamt Esslingen zugewiesen. 1817 konnte Steinbach bei König Wilhelm I. die Aufhebung der Leibeigenschaft erwirken. Zudem konnten einige Abgaben durch zeitlich begrenzte Zahlungen abgelöst werden. Mit dem Zehntablösegesetz von 1848 konnten alle Lasten abgegolten werden, was in Steinbach bis 1854 geschehen war. Auch Steinbach blieb bedingt durch die Ortsherrschaft der Speth von Sulzburg während der Reformationszeit und danach stets katholisch.Steinbach auf LEO-BW Von 1889 bis 1923 war Mühleisen Bürgermeister von Steinbach. Von 1925 bis 1936 war Alois Ott Bürgermeister. Steinbach galt vor der Fusion mit Pfauhausen als das wohlhabendere der beiden Dörfer. Steinbach verfügte über mehr Markungsfläche und dessen Einwohner damit über mehr Grundbesitz, der hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt wurde.

Zeit des Nationalsozialismus