mini|Magenkrebs in fortgeschrittenem Stadium mini|Ein ulzerierendes Magenkarzinom (siehe Pfeil) bei einem Weißen Neuseeländer (Kaninchen).

Ein Magenkarzinom (Synonym: Magenkrebs) ist eine Krebserkrankung des Magens. Im Gegensatz zu den meisten anderen Krebsarten hat die Anzahl an Neuerkrankungen pro Jahr in den westlichen Ländern seit Jahren kontinuierlich abgenommen. Hauptrisikofaktoren für die Entstehung eines Magenkarzinoms sind eine nitrosaminreiche Ernährung sowie eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori. Zentrale Bedeutung in der Diagnostik des Magenkrebses hat die Magenspiegelung (Gastroskopie). Mittels kleiner Gewebeproben, die im Rahmen einer solchen Untersuchung gewonnen werden, kann die Diagnose genau vom Pathologen gestellt werden. Beim Fehlen von Metastasen (Tochtergeschwulsten) ist die Therapie der Wahl die operative Entfernung des Magens (Gastrektomie), verknüpft mit einer Entfernung der lokalen Lymphknoten (Lymphadenektomie). In Abhängigkeit vom Tumorstadium erfolgt bei lokalem Tumorstadium eventuell zusätzlich eine Chemotherapie vor der Operation, eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie, oder im Anschluss an die Operation (adjuvante Chemotherapie). Bei Vorliegen von Fernmetastasen ist keine heilende Therapie mehr möglich. In diesem Stadium wird bei Hinweis auf Behinderung der Magenpassage eine Umgehungsoperation (palliative Gastrektomie) durchgeführt. Fehlt diese Symptomatik, so wird in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand des Patienten eine palliative Chemotherapie durchgeführt.

Epidemiologie Weltweit stellt das Magenkarzinom den zweithäufigsten Tumor des Menschen dar.Chen Liu, James Crawford: The Gastrointestinal Tract. In: Vinag Kumar, Abul Abbas, Nelson Fausto (Hrsg.): Pathologic Basis of Disease. 7. Auflage. Philadelphia 2005, S. 823–826. In Deutschland macht Magenkrebs nur rund 5 % aller malignen Erkrankungen aus.C. Thomas: Histopathologie. Stuttgart, 2006, S. 139. Das Auftreten variiert regional erheblich. Länder mit hohem Auftreten sind Japan, Chile, Costa Rica, Kolumbien, China, Portugal, Russland und Bulgarien. In diesen Staaten ist das Auftreten rund vier- bis sechsfach im Vergleich zu Ländern mit niedrigem Risiko erhöht. In der westlichen Welt geht die Krebsart mittlerweile im Vergleich zu anderen Krebsarten zurück. So war sie 1930 die häufigste Krebstodesursache in den USA, heute ist Magenkrebs nur noch für rund 2,5 % der Krebstoten verantwortlich. Dies lässt sich durch ein besseres Langzeitüberleben der Patienten erklären, ist aber vor allem der Abnahme der Neuerkrankungsrate zu verdanken. Diese fiel von 38:100.000 in den 1930er-Jahren auf rund 5:100.000 im 21. Jahrhundert. In den meisten Staaten sind Männer gegenüber Frauen doppelt so oft von der Krankheit betroffen.

Im Jahr 2002 wurden in Deutschland knapp 20.000 Fälle diagnostiziert. Dort erkranken seither jedes Jahr über 15.000 Menschen neu an Magenkrebs, davon über 9.000 Männer.Deutsche Krebshilfe, aktuelle Statistik 2013. Männer sind etwas häufiger als Frauen betroffen (Verhältnis etwa 3:2). Der Häufigkeitsgipfel liegt jenseits des 50. Lebensjahres.

Risikofaktoren mini|Lage des Magens im Verdauungstrakt Zu den umweltbedingten Risikofaktoren zählen die Infektion mit Helicobacter pylori, bestimmte Ernährungsweisen und gesellschaftliche Faktoren. Eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori, einem Bakterium, das in der Magensäure überleben kann und auch Magengeschwüre begünstigt, steigert das Risiko von Magenkrebs um den Faktor fünf bis sechs. Zwar führt nicht jede Infektion zum Krebs, aber in fast allen Karzinomen vom intestinalen Typ kann eine Infektion nachgewiesen werden. Eisenmangel erhöht das Risiko, dass aus einer Helicobacter-Infektion ein Karzinom entsteht.J. M. Noto, J. A. Gaddy u. a.: Iron deficiency accelerates Helicobacter pylori-induced carcinogenesis in rodents and humans. In: The Journal of clinical investigation. Band 123, Nummer 1, Januar 2013, S. 479–492, . doi:10.1172/JCI64373. PMID 23257361. .

Eine Ernährung mit hohem Gehalt an Nitrat und Nitrit, das in schlecht aufbereitetem Trinkwasser oder Konservennahrung vorkommen kann, fördert auch die Krebsentstehung. Ebenso kann mit der Nahrung aufgenommenes Benzo[a]pyren zur Entartung beitragen. Auch Rauchen erhöht über einen bisher unbekannten Mechanismus das Risiko, an einem Magenkarzinom zu erkranken. Da diese Risikofaktoren vor allem bei Personen mit geringem sozio-ökonomischen Status vorhanden sind, tritt Magenkrebs in dieser Bevölkerungsgruppe gehäuft auf. Ferner gilt auch Alkoholgenuss als wahrscheinlicher Risikofaktor in der Entstehung von Magenkarzinomen.

Außerdem gibt es zahlreiche patientenbezogene Risikofaktoren, die Magenkrebs begünstigen. Eine chronische Magenschleimhautentzündung senkt auf die Dauer den Säurespiegel und macht so den Magen verwundbar für die Besiedlung mit Helicobacter. Ebenso führt sie durch die andauernde Entzündungsreaktion zu einer Umwandlung der Schleimhaut, bei der Magenschleimhaut durch Schleimhaut, die der des Darms ähnelt, ersetzt wird. Diese Läsionen gelten als Vorläufer eines Karzinoms vom intestinalen Typ. Patienten, bei denen eine teilweise Magenentfernung durchgeführt wurde, haben auch ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Dies wird auf den Fluss basischer Gallenflüssigkeit und Dünndarmsekret zurückgeführt. Adenome des Magens sind auch als Vorläufer von Magenkrebs anzusehen. Bei 40 % der entfernten Adenome findet sich ein Karzinom. Außerdem hat rund ein Drittel der Patienten mit Adenomen ein Karzinom an einer anderen Stelle des Magens. Das Ménétrier-Syndrom, bei dem Schleimhaut des Magens generell verdickt ist, wird als Krebsvorstufe des Magens angesehen.

Auch genetische Risikofaktoren fördern die Entstehung von Magenkrebs. 2023 wurden Mutationen an neun Genen beschrieben (APC, ATM, BRCA1, BRCA2, CDH1, MLH1, MSH2, MSH6, PALB2), die das Risiko für ein Magenkarzinom erhöhen.Yoshiaki Usui et al.: Helicobacter pylori, Homologous-Recombination Genes, and Gastric Cancer. In: New England Journal of Medicine. Band 388, Nr. 13, 2023, S. 1181–1190, doi:10.1056/NEJMoa2211807. BRCA-Netzwerk: Magenkrebs. Ferner haben Patienten mit Blutgruppe A ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Ebenso kommt es im Rahmen des autosomal-dominant erblichen Tumorsyndroms HNPCC gehäuft zu Magenkrebsfällen.Frank Mitros, Emanuel Rubin: The Gastrointestinal Tract. In: Raphael Rubin, David Strayer u. a. (Hrsg.): Rubin’s Pathology. 5. Auflage. Philadelphia 2008, S. 569. Fälle von Magenkrebs in der Familie erhöhen generell das individuelle Risiko des Patienten, selbst an Magenkrebs zu erkranken. Außerdem gibt es ein familiäres Magenkarzinomsyndrom, das auf einer Mutation von Cadherin beruht.

Chronische Magengeschwüre entarten nur selten maligne (in bis zu 3 % der Fälle), hinter einem chronischen, nicht abheilenden Magengeschwür kann sich allerdings auch ein unerkannter Magenkrebs verbergen.

Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr könnte vor Lungenkrebs und Krebs des oberen Verdauungstraktes (u. a. Magen) schützen. Vor allem Männer mit ursprünglich geringerem Konsum profitierten in der EPIC-EURGAST-Studie (2006) von einer Erhöhung auf 300 g Obst und Gemüse am Tag. Ein Zusammenhang mit anderen Krebsentitäten ist nicht belegt. Je höher der Vitamin-C-Spiegel im Blut war, desto geringer das Magenkrebsrisiko. Dies galt vor allem bei hohem Fleisch- und Wurstkonsum.Abgewandelt zitiert nach: Was schützt vor Krebs und Diabetes? In: MMW-Fortschr. Med. Nr. 24 / 2007 (149. Jg.), S. 16, dort zitiert nach EPIC-Symposium, Berlin, 25. April 2007.

Symptome Die Diagnose des Magenkarzinoms wird dadurch erschwert, dass Karzinome, die noch klein sind und operativ vollkommen entfernt werden könnten, in der Regel keinerlei Symptome verursachen. Erst spät zeigen sich für den Patienten Symptome wie ein Völlegefühl im Oberbauch, das bei weiterem Wachstum in dauerhafte Schmerzen übergehen kann. Appetitlosigkeit, oft zusammen mit Übelkeit und Brechreiz, ist ein häufiges Spätsymptom, führt aber selten zur Vorstellung beim Arzt. Schluckstörungen sind ein Symptom fortgeschrittener Tumoren am Mageneingang. Brechreiz und Übelkeit werden eher bei Tumoren des Magenausgangs beobachtet.Robert Mayer: Gastrointestinal Tract Cancer. In: Anthony Fauci u. a. (Hrsg.): Harrison’s Principles of Internal Medicine. Band 1, New York 2008, S. 571–573.

Seltene mit einem Magenkarzinom vergesellschaftete Symptome sind Thrombosen oberflächlicher Venen, hämolytische Anämien mit Mikroangiopathie und Acanthosis nigricans.

Teilweise werden Metastasen im Eierstock, auch Krukenberg-Tumor genannt, vor dem eigentlichen Magentumor entdeckt.

Diagnostik mini|Histologisches Präparat eines gering differenzierten Adenokarzinomes des Magens.

Bei der körperlichen Untersuchung des Patienten ist insbesondere auf vergrößerte Lymphknoten oberhalb des linken Schlüsselbeins zu achten (Virchow-Lymphknoten). Seltenere Orte einer lymphogenen Metastasierung sind die Region um den Bauchnabel und die linke Achselhöhle. Ebenso ist auf Zeichen von Aszites zu achten; - dies ist ein Zeichen von Tumoraussaat in das Bauchfell. Außerdem sollte eine Tastuntersuchung der Leber durchgeführt werden, da dies den häufigsten Absiedlungsweg von Magenkarzinomen darstellt. Eine Vergrößerung kann einen Hinweis darauf geben.Ch. Englisch-Fritz u. a.: Diagnostik beim Magenkarzinom. In: Der Onkologe. 14, 2008, S. 332–338.

Die gebräuchlichste Methode zur Diagnose eines Magenkarzinoms ist die Magenspiegelung. Im Rahmen dieser Untersuchung sind Gewebeproben zu entnehmen, da nur eine histologische Untersuchung Art und Dignität des Tumors sicher feststellen kann. Um diese Methode zu verbessern, wurden mehrere Farbstoffe entwickelt, die auf die Magenschleimhaut aufgetragen werden können. Der Farbstoff Methylenblau wird von Oberflächenzellen des Darmes aufgenommen. Der Nachweis von Darmschleimhaut im Magen oder der Speiseröhre ist ein Hinweis auf einen bösartigen Prozess oder eine Vorstufe dessen. Die Farbstoffe Indigokarmin und Kresylviolett verstärken den Kontrast des Schleimhautreliefs und lassen so Unregelmäßigkeiten leichter erkennen. Des Weiteren ist mittlerweile die Zoomendoskopie verfügbar, bei der die Schleimhaut unter 15- bis 150-facher Vergrößerung beurteilt werden kann. Eine weitere Technik ist das Narrow-Band-Imaging. Dabei wird durch einen Filter der Blauanteil des Lichts erhöht, so dass auch Unregelmäßigkeiten in der Schleimhaut besser gesehen werden können.

Bei vorhandenem Tumor muss dessen Ausbreitung festgestellt werden (Staging). Ein Mittel des Stagings ist die Endosonographie. Hierbei wird wie bei einer Magenspiegelung ein Endoskop in den Magen eingeführt. Aus dem Magen heraus wird mit Hilfe eines Ultraschallkopfs das umliegende Gewebe beurteilt. Eine weitere Untersuchung zur Suche von Tumorabsiedlungen ist eine Ultraschalluntersuchung des Bauch- und Beckenraumes. Die Computertomographie bietet eine weitere Möglichkeit, nach Metastasen zu suchen; - allerdings erfasst sie keine Absiedlungen, die kleiner als fünf Millimeter sind. In 20 bis 30 % der CT-Untersuchungen zeigt sich ein unauffälliges Bild, obwohl Absiedlungen ins Bauchfell vorliegen. Zur Diagnose dieser Metastasen ist die Laparoskopie die sensitivste Methode. Allerdings birgt sie als operativer Eingriff Risiken für den Patienten. In 3–5 % treten Komplikationen auf. In rund 0,1 % der Untersuchungen verstirbt der Patient an den Folgen des Eingriffs.

Tumormarker weisen bei der Diagnostik des Magenkarzinoms eine Sensitivität von 9 bis 30 % auf und stellen somit keine sinnvolle Maßnahme zur Entdeckung des Tumors dar.

Histopathologie