Die Hertha war das zweite Schiff der Victoria-Louise-Klasse, einer Klasse von fünf Kreuzern II. Klasse der Kaiserlichen Marine, die als Panzerdeckkreuzer ausgeführt waren. 1899 wurde das Schiff zum Großen Kreuzer umklassifiziert. Die Hertha wurde besonders im Auslandsdienst sowie ab 1908 als Schulschiff eingesetzt.

Planung und Bau Die Planungen für die Victoria-Louise-Klasse reichen bis in das Jahr 1890 zurück. Bereits im Etat für das Haushaltsjahr 1890/91 wurden die ersten Raten für die Neubauten „K“ (später Hertha) und „L“ (später Victoria Louise) angefordert. Der Reichstag gewährte die Rate für „K“, lehnte sie für „L“ hingegen ab. Daraufhin wurde der AG Vulcan Stettin der Auftrag für das Schiff zugesichert. Mit dem Bau wurde jedoch nicht begonnen, da zwischen dem Oberkommando unter dem Chef des Stabes Kapitän zur See Alfred Tirpitz einerseits und dem Reichsmarineamt unter Admiral Friedrich von Hollmann andererseits Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf den zu bauenden Kreuzertyp sowie der generellen Ausrichtung der Flotte bestanden. Das Oberkommando war einer Schlachtflotte zugeneigt und benötigte entsprechend einen Aufklärungskreuzer für die Flotte. Demgegenüber wollte das Reichsmarineamt, darin auch von Kaiser Wilhelm II. unterstützt, eine Kreuzerflotte aufbauen und sah dafür neben einem kleineren ungeschützten Kreuzer ähnlich der Schwalbe einen größeren, leicht gepanzerten Kreuzer vor. Dieser sollte sich an dem gerade im Bau befindlichen Panzerdeckkreuzer Kaiserin Augusta orientieren. Als das Reichsmarineamt für den Etat 1891/92 die zweite Rate für den Neubau „K“ beantragte, wurde bekannt, dass ein Baubeginn noch nicht stattgefunden hatte. Infolgedessen verweigerte der Reichstag nicht nur die zweite Rate, sondern zog auch die Freigabe der ersten Rate wieder zurück.

In den folgenden beiden Haushaltsjahren wurde der Neubau „K“ jeweils mit vorgesehen, aber beide Male erneut abgelehnt, im Etat 1895/96 schließlich tauchte er überhaupt nicht auf. Erst im Etat 1896/97 wurde er, gemeinsam mit „L“ (später Victoria Louise) sowie „Ersatz Freya“ (später Freya), wieder eingestellt und diesmal auch bewilligt, da inzwischen die Baupläne für die neue Schiffsklasse vorlagen. Nicht unwesentlich trug auch der Einsatz des Vorsitzenden der polnischen Fraktion im Reichstag, Józef von Kościelski, zum positiven Ergebnis sowohl in der Plenarsitzung als auch in der Budget-Kommission bei. Der vormalige Reichskanzler Leo von Caprivi hatte der Fraktion verschiedene Zugeständnisse eingeräumt, so dass von Koszielski, der als Berichterstatter für Marinefragen in der Budget-Kommission nicht ohne Einfluss war, sich als Dank an den ehemaligen Chef der Admiralität besonders für Marinefragen einsetzte. Letztlich brachte ihm dies den Spitznamen Admiralski ein, die Hertha wurde im Gegenzug auch Koszielska genannt.

Das Reichsmarineamt hatte sich in seiner Vorstellung durchgesetzt und die Neubauten wurden als Panzerdeckkreuzer ausgeführt, obwohl die Entwicklung in anderen Marinen klar zum Panzerkreuzer hin verlief.Stapellauf der französischen Dupuy de Lôme bereits im Jahr 1890. Wie bereits fünf Jahre zuvor zugesichert, erhielt die AG Vulcan in Stettin den Zuschlag für den Kreuzer und legte ihn im Oktober 1895 als erstes Schiff seiner Klasse auf Kiel. Zum Stapellauf stand der Neubau jedoch erst 16 Tage nach der gut ein halbes Jahr später begonnenen Victoria Louise am 14. April 1897 bereit. Die Taufe vollzog der älteste Sohn des Prinzregenten Luitpold, der spätere König Ludwig III., wobei das Schiff den Namen Hertha erhielt. Bereits ein Jahr später, am 20. April 1898, erfolgte die Abnahmeprobefahrt von Stettin nach Kiel. Während an der dortigen Kaiserlichen Werft die Endausrüstung erfolgte, wurde die Hertha von der einlaufenden Baden leicht gerammt, ohne dass schwerwiegende Schäden entstanden.

Erste Dienstzeit Am 23. Juli 1898 wurde die Hertha erstmals in Dienst gestellt. An diesem Tag begannen die Probefahrten des Schiffes. Dabei wurde die übliche Meilenfahrt von Oskar Messter mit einer von ihm entwickelten Kamera aufgezeichnet. Während der Probefahrten zeigten sich erhebliche Mängel der Kesselanlage. Die eingebauten Wasserrohrkessel vom System Belleville wiesen neben anderen Schwächen eine zu kurze Flammführung zwischen den Rohren auf, wodurch Rauchfänge und Schornsteine aufgrund der noch sehr heißen Rauchgase überhitzten und allmählich in sich zusammensackten.

Trotz der offenkundigen Mängel wurde die Hertha gemeinsam mit dem Kleinen Kreuzer Hela als Begleitschiff für die Kaiseryacht Hohenzollern bestimmt, die das Kaiserpaar auf den Staatsbesuch im Osmanischen Reich in den Orient bringen sollte. Die Hertha verließ am 18. September 1898 Kiel und traf, nachdem in Gibraltar Zwischenstation gemacht worden war, am 4. Oktober in Venedig ein, wo sich bereits die beiden anderen Schiffe aufhielten. Die folgende Rundreise führte nach Konstantinopel, Haifa, wo das Kaiserpaar ihre Reise ins Heilige Land begannen, Jaffa, wo sie sich wieder einschifften,Palästina-Chronik: dt. Zeitungsberichte von d. 1. jüd. Einwanderungswelle bis zum Ersten Weltkrieg: 2 Bde., ausgew., bearb. u. erl. von Alex Carmel, Bd. 2 ‹1883 bis 1914›, Langenau: Vaas, 1983, ISBN 3-883-60041-5, “Bericht über den Besuch Ihrer Majestäten des Deutschen Kaisers und der Deutschen Kaiserin im Heiligen Lande” (1. Dezember 1898), S. 202–209, hier S. 202. Port Said und Beirut, wo die Hertha am 11. November wieder aus dem Verband entlassen wurde. Anschließend lief das Schiff nach Kreta.

Bereits wenige Tage später musste die Hertha jedoch Genua anlaufen, um dort überholt zu werden. Die aufgrund der mangelhaften Kesselanlage auftretende ständige Überhitzung der Schornsteine hatte zu einem starken Zusammensacken ebendieser geführt, so dass sie mit Bordmitteln abgestützt werden mussten, eine Heimreise jedoch nicht mehr zu verantworten war. Die in Genua ansässige Ansaldo-Werft wurde damit beauftragt, die Konstruktionsmängel und die entstandenen Schäden zu beheben. In der Nacht vom 26. auf den 27. November erlitt der Kreuzer noch vor dem Eindocken weitere Beschädigungen, als sich während eines Orkans Teile der Vertäuung lösten und das Schiff mit einem Dampfer kollidierte, wobei unter anderem Bootsdavits abgerissen wurden. Die Reparaturen zogen sich schließlich bis Ende März 1899 hin.

Dienst im Ostasiengeschwader mini|links|Gemälde der Hertha im Ursprungszustand

Noch während die Hertha in Genua an der Werft lag, erhielt der Kreuzer, inzwischen neu als Großer Kreuzer klassifiziert, den Befehl zur Verlegung nach Ostasien. Das Schiff sollte das dortige Kreuzergeschwader verstärken. Diese Reise konnte am 14. April 1899 angetreten werden. Über mehrere Zwischenhäfen erreichte die Hertha am 21. Mai Singapur und damit das Gebiet der Ostasiatischen Station, am 8. Juni schließlich den neuen Liegehafen Tsingtau. Der Kreuzer löste dort die alte Panzerfregatte Kaiser ab und wurde vorübergehend Flaggschiff des Zweiten Admirals des Geschwaders, Konteradmiral Ernst Fritze.

In den folgenden Monaten unternahm die Hertha, zeitweise von weiteren deutschen Schiffen begleitet, einige Reisen durch das nördliche Stationsgebiet und traf schließlich am 4. November in Amoy ein, wo ein Treffen mit ihrem Schwesterschiff Hansa und dem Geschwaderflaggschiff Deutschland stattfand. Zwei Tage später wechselte der Zweite Admiral auf die Hansa, da die Hertha als neues Geschwaderflaggschiff vorgesehen war. Zuvor ging das Schiff jedoch für drei Monate nach Hongkong an die Werft, während die Deutschland mit dem bisherigen Geschwaderchef, Prinz Heinrich von Preußen, die Heimreise antrat. Am 17. Februar 1900 setzte sein Nachfolger, Vizeadmiral Felix Bendemann, seine Flagge auf der Hertha. Das Kreuzergeschwader bestand zu diesem Zeitpunkt neben der Hertha und der Hansa aus der Kaiserin Augusta sowie den Kleinen Kreuzern Gefion und Irene, zusätzlich waren ihm die beiden Kanonenboote Iltis und Jaguar unterstellt.

Nachdem der Geschwaderchef Anfang April seinen Antrittsbesuch beim japanischen Kaiser Mutsuhito gemacht hatte, traf sich die Hertha am 23. April mit den übrigen Kreuzern des Geschwaders in Tsingtau, um in den folgenden Tagen Verbandsübungen durchzuführen. Anschließend führten sie Reisen durch das Stationsgebiet durch, wobei die Hertha gemeinsam mit der Gefion den Jangtse bis Hankau befuhr. Anfang Juni sollte der Große Kreuzer vor Tanggu ankern, da Vizeadmiral Bendemann gemeinsam mit dem deutschen Abgesandten in Peking, Freiherr Clemens von Ketteler, einen Besuch am chinesischen Kaiserhof plante. Zu diesem kam es jedoch nicht mehr, da am 29. Mai die ersten Nachrichten von schweren Unruhen zwischen Peking und Tientsin eintrafen.

Einsatz während des Boxeraufstandes

Vorsorglich baten verschiedene Gesandtschaften um die Verstärkung ihrer Schutzwachen und um die Vorbereitung einer etwaigen Evakuierung an die Küste. Freiherr von Ketteler forderte darüber hinaus die Entsendung von Kriegsschiffen nach Tanggu an. Entsprechend traf die Iltis am 31. Mai vorzeitig dort ein und stellte am 4. Juni zwei Offiziere und 30 Mann zum Schutz der deutschen Niederlassung in Tientsin ab. Die anderen Schiffe des Geschwaders, mit Ausnahme der als Wachtschiff in Tsingtau zurückbleibenden Irene, wurden vom Geschwaderchef ebenfalls nach Tanggu beordert, wo die Hertha am 8. Juni eintraf.

Die Entwicklung im Pekinger Gesandtschaftsviertel, wohin inzwischen über 3.000 Menschen geflüchtet waren und das sowohl von Boxern als auch von regulären chinesischen Truppen angegriffen wurde, veranlasste den britischen Befehlshaber, Admiral Edward Hobart Seymour, einen Teil der Besatzungen seiner Schiffe einzusetzen, um den bedrohten Gesandtschaften zu Hilfe zu kommen. Seymour bat die Befehlshaber der anderen anwesenden Kriegsschiffe, seinem Beispiel zu folgen. So kam eine insgesamt 2.129 Mann starke internationale Truppe zusammen, an der die deutschen Schiffe mit 20 Offizieren, zwei Ärzten und 487 Mann beteiligt waren. Das Landungskorps der Hertha umfasste vier Offiziere und 120 Mannschaften unter Führung von Kapitän zur See Guido von Usedom, der auch den Befehl über das gesamte deutsche Aufgebot innehatte. Am 10. Juni verließ die Truppe unter dem Befehl von Admiral Seymour Tonggu in Richtung Peking, erreichte ihr Ziel jedoch nicht. Bereits am 12. Juni musste die Unternehmung abgebrochen werden, da die Bahnlinie nach Peking durch die Chinesen gesprengt worden war und auch der Nachschub bedroht wurde. Am 19. Juni schließlich trat der Verband den Rückmarsch an. Während eines Rückzugsgefechts erhielt von Usedom den bekannt gewordenen Befehl „The Germans to the front!“, woraufhin die deutschen Soldaten die vorderste Kampflinie übernahmen. Im Verlauf desselben Gefechts wurde der spätere Befehlshaber der Grand Fleet in der Skagerrakschlacht, John Jellicoe, verwundet und von Usedom nahm dessen Stellung ein. Das Landungskorps der Hertha verlor während des Vorstoßes insgesamt vier Matrosen, drei von ihnen erlagen nach mehreren Tagen ihren erlittenen Verletzungen.http://www.deutsche-schutzgebiete.de/sms_hertha.htm Abgerufen am 19. März 2010.https://www.boxeraufstand.com/expeditionsteilnehmer/verlustliste.htm boxeraufstand.com Abgerufen am 19. März 2010.

mini|Matrosen der Hertha während des Einsatzes in China