Der Große Preis war eine Quizsendung des ZDF, die von 1974 bis Ende 1992 von Wim Thoelke moderiert wurde.
Mehrere Moderatorenwechsel und eine zwischenzeitliche Verlegung des Sendetermins von Donnerstag auf Samstag sowie die Verkürzung von 105 auf 60 Minuten, führte in der Summe zu rapide nachlassenden Zuschauerzahlen und zur Einstellung der Sendereihe binnen eines Jahres. Eine Neuauflage in den Jahren 2002 und 2003 blieb nahezu unbeachtet.Der Fernsehfriedhof: „Herr Thoelke, hier wird Ihr Lebenswerk zerstört!“ auf Quotenmeter.de vom 12. Januar 2012
Moderation Der Große Preis wurde moderiert von: Moderator/inFolgenvonbisSendetagSendebeginnSendeschlussHinweisWim Thoelke21905.09.197410.12.1992Donnerstag19:30 Uhr20:50 Uhr *Wolfgang Lippert104.04.1991Donnerstag19:30 Uhr20:50 Uhr **Hans-Joachim Kulenkampff609.01.199305.06.1993Samstag19:25 Uhr21:00 UhrCarolin Reiber610.07.199311.12.1993Samstag19:25 Uhr21:00 UhrMarco Schreyl1231.01.200222.05.2003Donnerstag20:15 Uhr21:15 Uhr *** * nach jeweiligem Show-Ende wurde von 20:50 bis 21:00 Uhr die Kurzsendung Die große Hilfe – Eine Bilanz der Aktion Sorgenkind ausgestrahlt** nur eine Folge – Vertretung für Wim Thoelke*** die für den 20. März 2003 vorgesehene Folge fiel wegen des Irakkriegs aus
Übergang von Drei mal Neun Der Große Preis folgte nahtlos der äußerst populären Donnerstagabend-Unterhaltungsshow Drei mal Neun und wurde dabei zu einem ebenso großen Erfolg. Die Unterschiede zum Vorgänger waren dabei: Drei mal Neun machte eine Sommerpause und erschien deswegen nur achtmal im Jahr. Der Große Preis indes lief das ganze Jahr hindurch, womit er es auf zwölf Folgen brachte. Trotzdem konnte Der Große Preis erheblich billiger produziert werden: Während Drei mal Neun als Wandershow von Stadt zu Stadt zog und aus großen Hallen übertragen wurde, stellte man Der Große Preis ausschließlich in einem Studio der Berliner Union-Film her. Die zur Sendung gehörende Multivisionswand ließ sich nicht zerlegen und infolgedessen auch nicht in eine andere Stadt transportieren. Anstatt der bisher bunten Mischung mit Showteil und Quiz stand jetzt das Quiz im Vordergrund. Zusammen mit dem Verzicht auf Orchester und Fernsehballett führten alle Änderungen zu günstigen Produktionskosten von etwa 250.000 DM je Folge.
Lange Zeit wurde Der Große Preis aufgezeichnet, erst ab der 150. Ausgabe am 12. Februar 1987 handelte es sich um eine Live-Sendung.
Team (Ära Thoelke) Mitarbeiter Zum Team gehörten ursprünglich Beate Hopf als Assistentin, Sigrid Müller als Protokollführerin, Marianne Prill zur Bedienung der Multivisionswand, Walter Spahrbier als Postbote, Janita Kühnl, Sylvia Bretschneider und der Notar Eberhard Gläser als Schiedsrichter.
Beate Hopf wurde in der ersten Ausgabe als Studentin der Theaterwissenschaften angekündigt. Ihr folgte in den 1980er Jahren Karoline Reinhardt. Den Schiedsrichter Eberhard Gläser empfanden die Zuschauer als übertrieben streng. Er ließ sogar einmal in der entscheidenden dritten Runde eine korrekte Antwort nicht zu, weil der Kandidat zuvor eine falsche Antwort gegeben hatte, obwohl er sich auf der Stelle korrigiert hatte. So löste ihn dann 1984 der Berliner Rechtsanwalt und Notar Nils Clemm ab.
Regie Die Regie führte Georg Martin Lange.
Kandidaten Für jede Sendung wurden drei Kandidaten ausgewählt, die sich mit einem selbst ausgesuchten Spezialgebiet bewarben, mit dem sie aber nicht beruflich verbunden sein durften. Nach einer Bewerbung wurden Kandidaten zunächst am Telefon 70 Fragen gestellt, von denen 80 % richtig zu beantworten waren, um in die engere Auswahl zu gelangen. Später erfolgte in terminlicher Absprache mit dem Kandidaten noch eine telefonische Prüfung mit Fragen aus seinem Fachgebiet. Danach wurde bei einem Besuch im Studio in Berlin die abschließende Auswahl getroffen. Auch nach der Annahme konnte es noch einige Monate oder Jahre dauern, bis man in die Show eingeladen wurde oder die Einladung letztlich ausblieb.
Zu jedem Kandidaten lud man einen Experten ein, beispielsweise Professoren des betreffenden Fachgebiets. Einer der am häufigsten auftretenden Experten war der Professor für Populäre Kultur an der Universität Hildesheim, Hans-Otto Hügel, als Literatur- und Medienexperte. Zum Thema Coco Chanel kam Karl Lagerfeld. Zum Thema Ephraim Kishon kam als Experte Ephraim Kishon selbst, der zufällig in Deutschland auf der Frankfurter Buchmesse weilte.
Bei den Folgen mit Kulenkampff und Carolin Reiber gab es vier Kandidaten, von denen drei an der zweiten Runde teilnahmen.
Organisatorisches Zur Aufzeichnung der Sendung, die zwei Tage, später (z. B. 1985) einen Tag vor der Sendung stattfand, wurden die Kandidaten und ihre jeweiligen Experten in unterschiedlichen Hotels im Zentrum von Berlin (West) untergebracht, um Absprachen oder Gerüchte über solche zu vermeiden.
Bisweilen stand zum Zeitpunkt der Sendungsaufzeichnung ein Ersatzkandidat zur Verfügung für den Fall, dass ein gesetzter Kandidat vorfristig ausfällt. Auch dessen Experte war dann mit im Studio zugegen.
Das Honorar für jeden Kandidaten betrug z. B. 1985 je Folge 250 DM zuzüglich Reisespesen, außerdem waren die Kandidaten gegen Unfälle im Studio versichert.
Ablauf (erste Studiodekoration, bis Ausgabe 149) Erste Quizrunde In der ersten Runde kamen die Kandidaten nacheinander, um sich befragen zu lassen. Dazu standen sie neben Wim Thoelke, der ihnen fünf Fragen zu ihrem Themengebiet vorlas, für die es jeweils 200 DM gab. Häufig konnten die Kandidaten alle Fragen beantworten und so mit 1000 DM Grundkapital in die nächste Runde kommen. In den 1980er Jahren hatte man die Masterfrage eingeführt: Sie war vorab zu benennen und brachte dann 400 DM ein.
Vor der ersten Runde stellte Thoelke erst einmal nur seine Assistentin vor, um mit einem unverzüglichen Beginn das gleiche Tempo wie schon bei Drei mal Neun in die Sendung zu bringen.
Zweite Quizrunde Zuerst stellte Thoelke sein übriges Team vor, verbunden mit den Themengebieten der zweiten Runde. Dazu waren die Spalten der Multivisionswand jeweils mit einem Thema überschrieben. Es konnte beispielsweise Österreich, Habsburger oder Schiffe sein. Immer dabei: A bis Z. Die Felder einer Zeile trugen alle die gleiche Nummer, nämlich von oben nach unten 20, 40, 60, 80 und 100. Nur ein Feld in der Mitte war stattdessen mit einem Fragezeichen versehen. Jedes Feld stand für eine Frage. Die Kandidaten saßen in futuristisch anmutenden Kugeln aus Plexiglas.
Der Kandidat mit den meisten Punkten wählte das erste Feld aus. So hörte man etwa: „A bis Z 100 bitte!“, dann wurde die Frage vorgelesen. Ursprünglich durfte nur der auswählende Spieler antworten, was sich aber nicht bewährte, so dass man Meldeleuchten in die Kugeln einbaute. Konnte der Spieler nicht antworten, verlor er den Betrag, und die Frage wurde wieder freigegeben. Bei korrekter Antwort durfte er das nächste Feld auswählen.
Die Fragen folgten vor allem dem humanistischen Bildungsideal. Themen wie Geschichte und Geographie kamen häufig und mit schwierigen Fragen vor, Naturwissenschaften und vor allem Technik spielten nur eine untergeordnete Rolle, wobei sich die wenigen Fragen leicht beantworten ließen.
Unter den Fragefeldern gab es einige besondere:
Joker Der Joker schenkte dem Kandidaten 100 Mark, auf dem Feld erschien ein im Gras dösender Wum.
Risiko-Frage Die Risiko-Frage löste eine Studioverdunklung aus, wobei sich auf der Multivision ein großes Bild zusammensetzte, mit dem Schriftzug „Risiko“ in verschiedenen Größen. Anschließend nannte Thoelke die Spielstände, welche auch auf dem Bildschirm erschienen, und fragte nach dem Einsatz. Der Kandidat musste einen Teil seines Guthabens setzen und dann innerhalb von dreißig Sekunden eine Frage beantworten.
Glücksfrage Die Glücksfrage brachte 500 Mark, weswegen auf dem Feld ein Kleeblatt mit einer 500 in der Mitte zu einer Erkennungsmelodie erschien. Die Frage konnte nicht weitergegeben werden, und man konnte mit ihr kein Geld verlieren.
Fritze Flink Bei einer Frage erschien Wolfgang Gruner als Berliner Taxifahrer Fritze Flink im Studio. Er erzählte im hohen Tempo eine Begebenheit, welche mit den Worten „… und nu frage ick Sie …“ in eine Frage an die drei Kandidaten mündete.
Gruner trat über hundertmal in der Show auf und eilte dafür von einer Vorstellung der Kabarettgruppe Die Stachelschweine herbei, zu deren Ensemble er gehörte.
? Das Feld ? musste zuletzt ausgewählt werden. Dann folgte eine aufwendigere Darbietung auf der Bühne (etwa ein Gesangsbeitrag eines eingeladenen Künstlers), woran sich die letzte Frage der Runde anschloss, oder umgekehrt. 1978 kam es zu einem Auftritt der Gruppe The Teens, der ihnen erstmals überregionale Wahrnehmung verschaffte.
Dritte Quizrunde Der Kandidat mit dem niedrigsten Spielstand kam als erstes an die Reihe, er durfte aus drei Umschlägen seine dreiteilige Frage (ursprünglich war es nur eine einteilige Frage) zu seinem Fachgebiet auswählen und musste sie binnen sechzig Sekunden beantworten. Anschließend bewertete sein Experte sie als richtig oder falsch, im ersten Fall verdoppelte sich der Spielstand, andernfalls verfiel er zugunsten der Aktion Sorgenkind. Danach folgten mit aufsteigender Punktzahl der Vorrunde die beiden anderen Kandidaten. Derjenige mit dem höchsten Gewinn durfte als Champion in der nächsten Sendung wiederkommen. Nachdem es in der ersten Folge keinen Sieger gab und Rudi Carrell am Samstag nach der Ausstrahlung in seiner Show Am laufenden Band von der neuen Sendung 3 mal 0 sprach, durfte der Gewinn aus der ersten Runde in jedem Fall behalten werden.
Gewinnsummen Die Gewinne sahen nach heutigen Maßstäben bescheiden aus, 10.000 Mark erforderten schon mutiges Vorgehen, also hohen Einsatz bei den Risikofragen und sofortiges Einschalten der Meldeleuchte. Die Champions wechselten in der Regel nach zwei bis drei Folgen; Heinrich Trapp stellte beispielsweise 1977 mit seinen sechs Auftritten mit dem Thema Leichtathletik bei den Olympischen Spielen die große Ausnahme dar.
Elemente der Show
Kandidatenkugeln Die Kandidaten saßen während der Sendung in futuristisch anmutenden Kugeln, die aus einem orangefarbigen Unterteil bestanden und deren Vorderteil sich zum Besteigen aufklappen ließ. Das Oberteil bestand hinten aus einer feststehenden Glaskuppel, über der eine weitere Kuppel lag. Diese wurden zur dritten Runde über das gesamte Vorderteil gezogen, damit der Kandidat vollkommen abgeschlossen saß. In der Kugel gab es eine Leuchte, um sich bei den Fragen der zweiten Runde melden zu können, sowie einen Monitor.
Multivisionswand Im Zentrum der Show befand sich eine Multivisionswand: Diaprojektoren beleuchteten in fünf Zeilen à sechs Spalten angeordnete Mattscheiben von hinten. Damit die Bilder gut zur Geltung kamen, hatte man das gesamte Bühnenbild sehr dunkel gehalten. Zu Beginn zeigten die einzelnen Felder den Betrag, den es für die betreffende Frage gab, nach Auswählen ein Bild für die betreffende Frage. Zwischendurch zeigte die Wand auch ein großes Bild, beispielsweise mit den Schriftzügen „Risiko“ bei der Risikofrage.
Wum und Wendelin Nach der zweiten Runde erfolgte eine Zeichentrickeinspielung mit Interaktion durch Wim Thoelke und der von Loriot erfundenen Zeichentrickfigur Wum, so wie es bereits aus Drei mal Neun bekannt war. Später kamen der Elefant Wendelin und der gelegentlich auftretende Außerirdische „Der blaue Klaus“ als Sidekicks hinzu. Dieser Teil wurde durch den charakteristischen Ruf „Thöööööölke“ Wums eingeleitet und war in der Produktion der teuerste Teil der Sendung.
Aktion Sorgenkind Änderung gegenüber Drei mal Neun