mini|Der weithin sichtbare und im Jahr 2005 in Betrieb genommene 109 m hohe Tower an der Haupteinfahrt zum Flughafen

Der Flughafen Wien-Schwechat ist der größte österreichische Flughafen. Er ist Heimatflughafen und Drehkreuz von Austrian Airlines und Basis von Ryanair, Wizz Air und Condor.

Der Flughafen befindet sich hauptsächlich auf dem Gebiet der südöstlich an Wien angrenzenden Stadt Schwechat und wurde 1938 zunächst als Militärflugplatz in Betrieb genommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er die Rolle des Flughafens für Wien vom Flughafen Aspern. Der Flughafen ist ein Knotenpunkt bei Flügen vor allem nach Osteuropa und in den Nahen Osten und der größte Arbeitgeber der Ostregion Österreichs. Im Jahr 2024 verbanden ihn 65 Fluggesellschaften mit 195 Zielen in 68 Ländern weltweit und es wurden 31,7 Millionen Passagiere verzeichnet. Die börsennotierte Flughafen Wien AG betreibt den Flughafen.

Geschichte Gründung als Militärflugplatz mini|Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Wiens Flughafen: Das ehemalige Flugfeld Aspern.

Der Flughafen wurde ab 14. Mai 1938 (Spatenstich durch Reichsluftfahrtminister Hermann Göring) auf dem „Heidfeld“ zwischen Fischamend und Schwechat als Fliegerhorst der deutschen Luftwaffe von Christoph Miller gebautFlorian Aicher, Uwe Drepper: Die klassische Moderne der Post. Callwey, München 1990, S. 178. und als „Luftwaffenstützpunkt Schwechat-Ost“/„Heidfeld“ bezeichnet. Es wurden fünf Hallen, eine Flugzeugwerft, mehrere Mannschaftsgebäude und eine Großgarage errichtet. Die Jagdfliegerschule 5 war hier untergebracht; auch aktive fliegende Einheiten wie die II./JG 27 (II. Gruppe des Jagdgeschwaders 27), die II./JG 52 und Teile der III./KG 51 lagen hier.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Austria (1937 Borders). S. 36–37. Abgerufen am 4. September 2014.

Im Jahr 1942 wurden Teile der Anlage den Heinkel-Werken (Rostock) übergeben, die hier Flugzeuge produzierten (Heinkel He 219 und He 162 „Volksjäger“). Zu diesem Zweck wurden ein Kompensierplatz und eine Einschussanlage errichtet sowie die 1.500 Meter lange Piste 12/30 befestigt. (Sie wird heute unter der Bezeichnung Piste 11/29 geführt) Dazu kamen noch mehrere Hallen. Das gesamte Heinkel-Planungsbüro wurde hierher übersiedelt. Teile des Flughafens dienten ab 7. Dezember 1944 als Außenlager des KZ Mauthausen (KZ-Schwechat II „Santa“), in dem Häftlinge untergebracht waren, die für die Heinkel-Werke und für die Brauerei Liesing / „Ostmärkische Brau AG“ Zwangsarbeit leisten mussten. Aus der Zeit vor 1945 sind auch heute noch zwei Verwaltungsgebäude (Objekte 610 und 620) und ein Hangar am Rollfeld (Objekt 230) erhalten. Am 6. und 7. April 1945 eroberten Truppen der Roten Armee den Flughafen und sein Umfeld.

Im Herbst 1945 wurde die Anlage vereinbarungsgemäß von britischen Besatzungstruppen übernommen, obwohl sie in der sowjetisch besetzten Zone Österreichs lag. Die Briten richteten die Royal Air Force Station Schwechat (RAF Schwechat) ein; ab 1946 flog British European Airways Wien im Linienbetrieb an. Auch die französische Besatzungsmacht nutzte den Flugplatz.Arbeitsgemeinschaft österreichischer Verkehrsflughäfen, abgerufen am 3. Juni 2009. Die Sowjets nutzten den historischen Wiener Flughafen Aspern, die US-Amerikaner den heutigen Militärflugplatz Langenlebarn. Ab 1953 erfolgte die Abfertigung durch die Austrian Handling Unit.Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 2: De–Gy. Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 340.

Ziviler Ausbau ab 1954 mini|Der Flughafen im Jahr 1993

Aus ebenjener Austrian Handling Unit ging die Wiener Flughafenbetriebsgesellschaft hervor, die am 11. Dezember 1953 gegründet wurde und am 1. Jänner 1954 Verwaltung und Abfertigung übernahm; der Wiener Flughafen war damit der erste privat verwaltete Flugplatz Österreichs.Nachhaltigkeitsbericht 2003/2004, S. 9. Im selben Jahr wurde das erste Abfertigungsgebäude errichtet. Das markante Bauwerk mit Kontrollturm (Objekt 240) beherbergte bis 2009 die Feuerwache 1 und wurde im Jahr 2016 abgerissen.Flughafen Wien: Allererster Tower fiel der Abrissbirne zum Opfer vom 1. September 2016. Erste Gesellschafter der heutigen Flughafen Wien AG waren bis 1992 die Republik Österreich (50 %) und die Bundesländer Wien und Niederösterreich (je 25 %). Im ersten Betriebsjahr wurden 53.786 Personen abgefertigt; rund 100 Mitarbeiter waren damals am Standort beschäftigt.

Von Dezember 1954 bis Mai 1955 fand ein Ideenwettbewerb für einen Generalausbauplan statt, um die Abfertigungsanlagen auf den zu erwartenden Luftverkehr der folgenden Jahrzehnte vorzubereiten. Wesentlichste Projekte darin waren die Verlängerung der Piste und der Bau eines neuen Terminalgebäudes. Am 27. März 1956 erteilte das Verkehrsministerium die Bewilligung zur Errichtung und zum Betrieb eines für den allgemeinen Verkehr bestimmten Flughafens. Die damals einzige Start- und Landebahn wurde 1954/1955 auf 2000 m, 1959 auf 3000 m und 1997 auf 3500 m verlängert. Das neue Abfertigungsgebäude, das heutige Terminal 2, wurde von 1956 bis 1960 errichtet und am 17. Juni 1960 eröffnet. In diesem Jahr wurden rund 409.000 Passagiere gezählt.

Die Gesamtanlage war bereits im Ausbauplan für ein Tandem-Parallelbahnsystem konzipiert worden. Im Hinblick auf die An- und Abflugrouten im Zusammenhang mit dem zunehmenden Flugverkehr wurde allerdings vom ursprünglichen Plan einer Parallelpiste Abstand genommen. Im Jahr 1962 begannen also die Planungen für eine zweite Landebahn in geänderter Lage (Richtung: 16/34), die 1972 vom Verkehrsministerium bewilligt und am 6. Oktober 1977 von Bundespräsident Rudolf Kirchschläger eröffnet wurde. Sie war das letzte Projekt des Generalausbauplans und bedeutete die endgültige Einstellung des Flugbetriebs am Flugfeld Aspern mit 30. April 1977. Der Flugverkehr wäre anderenfalls zu nahe an den neuen Anflugrouten gelegen. Im Jahr 1977 wurde als Ersatz für die Anlagen in Aspern ein General Aviation Center (GAC) und 1979 ein VIP- und Business-Center in Betrieb genommen.

Wichtigstes Nahverkehrsmittel zum Flughafen waren damals Linienautobusse der ÖBB, die alle 20 Minuten bei der City Air Terminal genannten Abfahrtsstelle beim Hilton-Hotel neben dem heutigen Bahnhof Wien Mitte abfuhren. Der Nachfolger dieser Busse ist der heutige Vienna Airport Bus (bis 2025 Vienna Airport Lines) der Österreichischen Postbus AG. Weitere Investitionen in den 1970er Jahren waren das erste Werftgebäude für Austrian Airlines, eine Frachtimporthalle und der unterirdische Flughafenbahnhof.

In den 1980er Jahren wurde ein Masterplan für das Jahr 2000 in Auftrag gegeben, der – anstelle von großangelegten Neubauten – die stufenweise Erweiterung des Bestands vorsah. Im Jahr 1982 erfolgte die Anbindung des Flughafens an die Ostautobahn A 4. 1986 wurde der erweiterte Ankunftsbereich eröffnet. (Er war in dieser Form bis 5. Juni 2012 in Betrieb.) In der Zeit vor der Öffnung des Eisernen Vorhanges wurde der Flughafen von Fluggästen aus dem Ostblock wegen der Neutralität Österreichs gerne genutzt. Im August 1986 begann der Bau von Pier Ost, der am 14. April 1988 in Betrieb ging. Er wurde damals mittels einer schlanken Brücke (ähnlich jener am Pier West) an die bestehende Abfertigungshalle angeschlossen. Im Jahr 1992 wurden das Terminal 1 und die angrenzende „Shopping Arcade“, eine Geschäftspassage, errichtet. Noch im Jahr 1988 wurde der weitere Ausbau der Terminalflächen erstmals geplant. Zu dieser Zeit wurden jährlich etwa 4,6 Millionen Passagiere abgefertigt. 1989 wurden erstmals mehr als 5 Millionen Passagiere gezählt. Da die Wachstumsschätzungen und die strategischen Ziele für das Jahr 2000 deutlich höher lagen als ursprünglich angenommen, wurden die geplanten Erweiterungen neu dimensioniert, von 9.000 m² auf 25.000 m² Nutzfläche.

Der erste Teil dieser Erweiterung (die sogenannte „Hallenerweiterung Süd“ mit der „Plaza“) wurde 1993 seiner Bestimmung übergeben; am 28. März 1996 wurde der Pier West fertiggestellt. Alle diese Anlagen wurden vom niederösterreichischen Architekten Franz Fehringer konzipiert.Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 6, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2004, ISBN 3-218-00741-0, S. 62. Im Jahr 1992 wurde aus der Flughafen Wien Betriebsgesellschaft die Flughafen Wien AG.

Im April 1998 wurde der Masterplan 2015 präsentiert. Seine Umsetzung wurde 1999 begonnen.Historische Entwicklung des Flughafens Wien – Schwechat, S. 7–10. Abgerufen am 2. Jänner 2015. Um die Belegungszeit von Piste 16/34 zu minimieren, wurden 1999 fünf neue Schnellabrollwege (davon zwei in Landerichtung 16 und drei in Landerichtung 34) gebaut. Auch ein zweiter Parallelrollweg wurde gebaut.

Betrieb im 21. Jahrhundert mini|Rechts der 109 Meter hohe neue Tower; das alte Gebäude im Vordergrund wurde 2005 abgerissen.

Seit der EU-Erweiterung 2004 sind die Passagierzahlen und auch die Frachtmengen stark angestiegen; der Flughafen ist logistisches Zentrum vieler Unternehmen, die von hier aus den gesamten Raum des früheren Ostblocks bedienen. Der Flughafen hat sich außerdem zu einem Luftfahrt-Drehkreuz nach Osteuropa, den Nahen und Mittleren Osten sowie für Langstreckenflüge entwickelt. So bedient Korean Air seit dem 15. September 2007 Seoul-Incheon dreimal wöchentlich mit einem Direktflug. Im Jahr 2016 wurden 34 Ziele in Osteuropa direkt angeflogen (zum Vergleich: In Frankfurt waren es 30).Geschäftsbericht 2016, S. 27. Außerdem ist die Präsenz vieler Billigfluggesellschaften gestiegen. Seit 2007 fliegt beispielsweise die britische Fluggesellschaft easyJet Wien an. Sie gründete am 18. Juli 2017 ein österreichisches Tochterunternehmen namens easyJet Europe, das wenige Tage später den Flugbetrieb aufnahm.

1999 wurden 11 Millionen Fluggäste gezählt, 2011 waren es doppelt so viele. Die Kapazität der Flughafeninfrastruktur wurde gemäß dem Masterplan 2015 erweitert.Zusammenfassung der Projekte von Treusch Architektur am VIE, abgerufen am 28. Juli 2014.

Von 2000 bis 2006 betrafen diese beispielsweise die Parkbereiche: So wurden die alten Parkhäuser 1 und 2 abgerissen, Parkhaus 3 wurde um drei Geschoße aufgestockt, Parkhaus 4 durch einen südlichen Anbau kapazitätsmäßig verdoppelt, die Parkhäuser 7 und 8 komplett neu errichtet; letztere sind vorrangig für am Standort beschäftigte Personen vorgesehen. Im Jahr 2003 begann der Ausbau des Flughafenbahnhofs zu einer fernzugtauglichen Verkehrsstation. In den Jahren 2004 bis 2007 wurde der Office Park errichtet und etappenweise in Betrieb genommen.

Von 2002 bis 2005 wurden Teile des westlichen Vorfelds im Bereich der AUA-Basis erweitert und im nordöstlichen Flughafenareal ein neuer Vorfeldbereich geschaffen. Neben der Erweiterung des Rollwegsystems und der Schaffung neuer Abstellpositionen, wurden damit auch die durch den (damals bevorstehenden) Bau des Terminals 3 entstehenden Flächenverluste ausgeglichen. Im Jahr 2005 wurden die Check-in-Kapazitäten mit Terminal 1A erweitert. Im selben Jahr wurde das Handling Center West und der neue Flugsicherungstower eröffnet. Mit 109 m ist er der höchste in Europa und der vierthöchste weltweit – nach Bangkok (132,2 m), Kuala Lumpur (132 m) und Atlanta (121 m).

Im Jahr 2006 ging das ausgebaute Air Cargo Center in Betrieb, das komplett neu errichtete VIP- und General Aviation Center wurde eingeweiht und auf der AUA-Basis ein Pilotentrainingszentrum der Lufthansa Flight Training errichtet. Für die Piloten der Austrian, die bis dahin ihre Trainings im Ausland absolvieren mussten, steht dieses Zentrum ebenfalls zur Verfügung. Heute ist es Teil des Vienna Aviation Campus.