Nouakchott (französisch [], , deutsch auch Nuakschott) ist die Hauptstadt Mauretaniens. Sie ist die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt des Landes und verfügt über den zweitgrößten Seehafen. Die Metropole ist in neun Gemeinden (Communes) gegliedert, die sich auf die drei Verwaltungsregionen Nouakchott Ouest, Nouakchott Nord und Nouakchott Sud verteilen.
Die verkehrsgünstige Lage Nouakchotts am Atlantischen Ozean im Süden des Landes wurde 1958 ausgewählt, um an der Stelle eines Dorfes mit 500 Einwohnern am Ende der französischen Kolonialzeit eine Hauptstadt für das unabhängig werdende Land zu errichten. Bei der Unabhängigkeit 1960 lag die Einwohnerzahl noch im vierstelligen Bereich. Das Stadtzentrum wurde nach westlichem Muster geplant, die Wohnquartiere der zahlreichen durch Landflucht infolge von Wirtschaftskrisen und Dürreperioden in den 1970er und 1980er Jahren Zugezogenen entstanden weitgehend ungeplant. Die auf über 1.440.000 im Jahr 2023 gestiegene Bevölkerung hat ständig mit der unzureichenden Infrastruktur zu kämpfen, die mit dem schnellen Wachstum der Metropole nicht Schritt halten konnte.
Geographische Lage Nouakchott ist umgeben von der südwestmauretanischen Region Trarza, deren nördlicher Teil zum Wüstengürtel der Sahara gehört. Die Stadt liegt auf der geografischen Breite von 18° und damit etwas nördlich des Übergangsbereichs von den südlichen Grasebenen der Trockensavanne zur Sahara. Größere Gebiete werden durch weiter vordringende Sanddünen charakterisiert, die parallel zum ganzjährig von Nordosten nach Südwesten wehenden Passatwind ausgerichtet sind. Diese Luftströmung treibt das warme Oberflächenwasser von der Küste ab und bringt kühles Meerwasser aus der Tiefe nach oben. Dadurch bleibt die Lufttemperatur im Küstenbereich gegenüber dem wüstenheißen Landesinnern geringer und mit Tagesschwankungen zwischen 20 und 35 °C relativ konstant. Die Niederschläge betragen im Jahresdurchschnitt 150 Millimeter. Sie fallen zwischen Juli und September als Sommerregen und verdunsten zum großen Teil. In Meeresnähe sorgen eine höhere Luftfeuchtigkeit und Nebelschleier für einen Bewuchs mit Gras und Büschen, der in einigen Außenbezirken die Stadt begrenzt. Nouakchott befindet sich an einem für Mauretanien klimatisch günstigen Standort. Gelegentlich überfluten heftige Regenfälle die Straßen und tiefer gelegene Wohngebiete.
Ein wenige Meter hoher Küstenstreifen mit Sanddünen trennt die tief gelegene flache Ebene dahinter vom Meer. Die obere Bodenschicht besteht aus quartären Sanden, die mit Muschelkalk vermischt sind. An manchen Stellen haben sich Evaporite abgelagert. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet beträgt 31 Meter, die überwiegende Stadtfläche liegt drei bis zehn Meter hoch. Dazwischen befinden sich zahlreiche kleinere Senken unter drei Metern Höhe über dem Meer.
Der Standort als Hauptstadt wurde hauptsächlich nach zwei Kriterien ausgewählt: zum einen die Lage ungefähr in der Mitte zwischen der senegalesischen Hauptstadt Dakar, in der die Verwaltung von Französisch-Westafrika ihren Sitz hatte, und der Hafenstadt Nouadhibou. Der Grenzübergang zum südlich gelegenen Senegal in Rosso ist 203 Kilometer entfernt.
Der andere Auswahlgrund war politisch. Die Hauptstadt sollte ein völkerverbindendes Symbol werden. Um keine Gruppe zu bevorzugen, schien eine „neutrale“ Lage zwischen dem Siedlungsraum der arabisch-berberischen Bidhans im Norden und dem Gebiet der schwarzafrikanischen Soudans am Senegalfluss geeignet.
Klimatabelle
Stadtbild mini|Villengebiet Las Palmas im Norden mini|Geplante Stadterweiterung des Bezirks Sebkha nach Westen. Am Horizont links (Richtung Meer) eine kompakte Wohnsiedlung der Mittelschicht mini|Zeltmarkt, hinten das Minarett der marokkanischen Moschee. Die Chaīma-Stoffbahnen werden im Marché Capitale vernäht und hier zweilagig zusammengesteppt mini|Cinquième Marché weiter im Süden mini|Blick auf die Stadt Die geografische Mitte der Stadt wird vom Kreuzungspunkt der beiden mehrspurigen Boulevards gebildet, die von einem Schachbrettmuster weiterer breiter Straßen umgeben sind. Die Hauptverkehrsader ist die ost-westlich verlaufende Avenue Abdel Nasser, die westwärts nach sechs Kilometern am Hafen endet und in östlicher Richtung zunächst durch ein weitläufiges Viertel mit Regierungsgebäuden führt und das Zentrum mit dem drei Kilometer nordöstlich gelegenen internationalen Flughafen verbindet. Die Avenue du Général de Gaulle durchquert ganz im Norden ein Villengebiet, anschließend das Geschäfts- und Botschaftsviertel und führt südlich der Hauptkreuzung durch mehrere Marktviertel bis zum mehrheitlich von Schwarzafrikanern bewohnten Cinquième Quartier im Süden.
Das frühere, Ksar genannte Dorf ist im heutigen ersten Bezirk Ksar aufgegangen, an dessen Ostrand der Flughafen liegt. Ein Ortszentrum ist nicht mehr erkennbar; planquadratisch angelegte Erdstraßen durchziehen das kilometerlange Meer aus eingeschossigen einfachen Wohngebäuden, die sich seitlich der Ausfallstraße nach Atar hinziehen.
Die ursprüngliche Einteilung umfasste nur vier Bezirke. 1986 wurde die Stadt in neun Stadtbezirke (franz. arrondissements, hassania moughataa) eingeteilt: Arafat (nach Jassir Arafat und der Ebene ʿArafāt bei Mekka) Dar Naim (arabisch „Haus/Land des Naim“) El Mina (arabisch „Hafen“), auf Stadtplänen auch Cinquième Quartier (französisch „fünfter Bezirk“) Ksar (arabisch, al-qaṣr, „Burg“, „Festung“) Riyadh (Riyadeh, nach der saudi-arabischen Hauptstadt Riad) Sebkha (hassania, „lehmige Senke“, Sabcha) Tevragh Zeina („die schöne Frau“) Teyarett („Tal zwischen zwei Dünen“) Toujounine (alter berbersprachiger Ortsname)Catherine Taine-Cheikh: Toponymie et urbanisation. (PDF; 1,9 MB) In: Espaces et sociétés en Mauritanie actes du colloque de Tours, 19 et 20 octobre 1995. Tours 1998, S. 77–86, hier S. 84f Zwei über die neun Bezirke hinaus neu hinzugekommene Stadtteile werden Las Palmas und Tensouelim genannt.
Tavragh-Zeina ist das zentrale Stadtviertel westlich von Ksar. Auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum durchquert die Avenue Abdel Nasser zunächst einen weitläufigen Bereich ohne Wohnhäuser, in dem sich der Präsidentenpalast, die Nationalversammlung, Ministerien, das Polizeihauptquartier und eine riesige kubische, weiß gestrichene Freitagsmoschee mit einem Dach aus zehn Kuppeln befinden. Hier wurde 1981 die erste Universität des Landes, die Université de Nouakchott für etwa 8000 Studierende eröffnet. Das Nationalmuseum von Mauretanien mit archäologischen Funden und maurischer Volkskunst ist im selben, von der Volksrepublik China finanzierten Gebäude (Haus der Partei und Kultur) untergebracht wie die Nationalbibliothek.Thomas Krings: Sahel. Senegal, Mauretanien, Mali, Niger. Islamische und traditionelle schwarzafrikanische Kultur zwischen Atlantik und Tschadsee. DuMont, Köln 1982, ISBN 3-7701-1202-4, S. 191f. Vorbei am Gebäude der Post folgen in Richtung der Hauptkreuzung die mauretanische Zentralbank (BMCI Bank), Flugbüros und direkt an der Kreuzung das höchste Bauwerk der Stadt, das etwa zehnstöckige Hotel und Kongresszentrum Al-Chaīma (arabisch „Zelt“), dessen Name sich durch zwei symbolisch zur Dachbekrönung erhöhte Nomadenunterkünfte rechtfertigt, die auf den Beginn der Stadtentwicklung verweisen. Etwa 200 Meter nordöstlich steht die von Saudi-Arabien errichtete Moschee.
Weitere Hotels, einige gehobenere Einkaufsläden und Botschaftsgebäude liegen an der Avenue du Général de Gaulle nach Norden. Nach 1,5 Kilometern in dieser Richtung folgt ein zweites Botschaftsviertel und mit dem neu benannten Bezirk Las Palmas ein Villengebiet mit breiten Straßen und Privatkindergärten. Die Sozialunterschiede in Mauretanien sind nirgendwo so deutlich zu sehen wie in der Hauptstadt.
Die übrigen Hauptstraßen im „vornehmen“ Geschäftsviertel tragen ebenfalls zum Zeichen ihrer Bedeutung die Namen großer damaliger Staatsmänner: Bourguiba, Kennedy, Gandhi oder Lumumba. Für die Hauptstraßen der südlich angrenzenden Medina im Stadtteil El-Mina schienen im übernommenen kolonialzeitlichen Denken die heute kaum noch bekannten Namen regionaler Prominenz aus Politik und Geschichte ausreichend zu sein.Taine-Cheikh: The (R)Urbanization of Mauritania. In: Catherine Miller (Hrsg.): Arabic in the City. Issues in Dialect Contact and Language Variation, S. 43f Die große Mehrheit der Nouakchotter Straßen trägt eine Nummer oder ist unbezeichnet und ist zudem nicht asphaltiert.
Der große Markt (Marché Capitale) bietet in zweigeschossigen Betongebäuden und auf den umliegenden Flächen ein großes Angebot an Nahrungsmitteln, Stoffen, besonders Obergewänder der Männer (Derra’a), Schmuck und Haushaltswaren. In den Räumen des oberen Stockwerks haben sich viele Schneidereien und sonstige Handwerksbetriebe eingemietet. Ein noch größerer Markt, der Cinquième Marché findet täglich rund zwei Kilometer südlich statt. Hier lebt eine mehrheitlich schwarzafrikanische Bevölkerung, das Warenangebot beinhaltet dementsprechend auch viel Kleidung aus dem Senegal. Hierzu gehören die leuchtendfarbigen M’boubous der Frauen. In dieser Gegend steht ein von Marokko im Stil der Koutoubia-Moschee errichtetes Gebetshaus. Den Platz davor belegt der einzige große Zeltmarkt des Landes, in welchem Frauen die weißen Chaīma-Stoffe zusammennähen.
Östlich der Ausfallstraße nach Rosso liegen die einfachen Wohnviertel mit einstöckigen Häusern, Arafat, und entlang der Straße nach Süden, Riad. Gleichfalls junge Stadterweiterungen Richtung Boutilimit nach Osten sind Toujounine und noch weiter außerhalb Tensouelim. Nördlich des Flughafens Richtung Atar dehnen sich etwa sechs Kilometer vom Zentrum die Stadtteile Dar Naim und Teyarett weiter aus. Sebkha ist ein nah der Stadtmitte im Westen gelegenes Neubauviertel des Mittelstandes. Hier liegt an der Avenue Abdel Nasser das moderne Landeskrankenhaus, ArchNet das zur Bauzeit in den 1980er Jahren mit 500 Betten das einzige größere Krankenhaus des Landes war. Weite ebene Flächen waren Richtung Meer im Jahr 2010 parzelliert worden und für eine zukünftige Bebauung mit größeren Wohneinheiten vorgesehen.
Um 1985 plante die ökologisch orientierte, in ganz Westafrika tätige Architektengruppe A.D.A.U.A. in einem Wohnbezirk eine Mustersiedlung von 115 Wohneinheiten aus kuppelüberwölbten Ziegelhäusern. Ein ähnliches Projekt war das Hôpital de Kaédi in der gleichnamigen Stadt. Die beabsichtigte Vorbildwirkung auf von der lokalen Bevölkerung zu erstellende Wohnhäuser blieb bei allen Projekten aus.
Geschichte Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Aus mehreren Stammesgruppen der nomadisierenden Bidhans bildete sich im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts das Emirat Trarza als eine von vier politischen Einheiten im Gebiet des heutigen Mauretanien, dessen Herrscher überwiegend zu den Banī Hassān gehörten und den seit der Almoravidenzeit eingebürgerten Titel Emir beanspruchten.
Das französische Kolonialgebiet erstreckte sich um 1900 bis zum Senegalfluss als nördlicher Grenze. Die von den mauretanischen Emiraten gelieferten Waren exportierten die Franzosen im 19. Jahrhundert über Saint-Louis und andere Häfen im Senegal. Dazu gehörte insbesondere Gummi arabicum, das im Südwesten überwiegend aus den Verek-Akazien-Wäldern um Boutilimit gewonnen wurde. Die beiden von den Europäern an der mauretanischen Küste angelegten Handelsplätze Portendik (anfangs „Marsa“, 40 Kilometer nördlich Nouakchott) und Arguin (südlich Nouadhibou) waren bereits Anfang des 19. Jahrhunderts aufgegeben worden.