mini|Feliks Nowowiejski mini|Feliks-Nowowiejski-Museum (Geburtshaus von Feliks Nowowiejski) in Barczewo an der Stelle, wo das einstöckige Haus seiner Familie stand (später aufgestockt) mini|Gedenktafel am Geburtshaus von Feliks Nowowiejski
Feliks Nowowiejski (* 7. Februar 1877 in Wartenburg (Ermland); † 18. Januar 1946 in Poznań), abgerufen am 8. November 2016 (polnisch). war ein polnischer Komponist, Dirigent, Organist und Musiklehrer.
Leben Kindheit und Schulausbildung Feliks Nowowiejski war fünftes Kind von insgesamt elf Geschwistern. Sein Vater, Franz Adam Nowowiejski, 1830 in Wartenburg geboren, hatte polnische Wurzeln (sein Großvater, Jan Nowowiejski, 1730 in Wartenburg geboren, hatte seinerzeit die Polin, Anna Jabłońska aus Tollack, geheiratet). Er war in Wartenburg Schneidermeister mit eigener Werkstatt und führte dort auch eine Volksbücherei mit polnischen Büchern. Die Mutter Katharina Falk (* 1847), die zweite Ehefrau von Franz Adam Nowowiejski, war eine Deutsche aus dem Nachbardorf Wuttrienen. Während der Vater sich für das Polentum in Ermland engagiert einsetzte und auch Leiter des örtlichen polnischen Kulturvereins war, zeigte die Mutter, u. a. als Pianistin im Familienkreis, ein großes Interesse für die Kunst. Durch gemeinschaftlichen Gesang von landläufigen Volksliedern sowie Vortragen von Gedichten bekannter Dichterfürsten aus Polen und Deutschland als auch eigene, selbstgereimte Verse förderte sie das wohl von ihr geerbte große musische Talent ihres Sohnes Feliks. Trotz polnisch-patriotischer Einstellung des Vaters sprachen die Kinder besser Deutsch als Polnisch. So konnte Feliks selbst vor seiner Berliner Zeit sich schriftlich nur in Deutsch ausdrücken.
Nowowiejskis Familie lebte schon über mehrere Generationen im Ermland. 1883 wurde Feliks Nowowiejski Schüler der Elementarschule in Wartenburg (im Pfarrhaus der St. Anna-Kirche). Wegen seines musikalischen Talents – er komponierte schon mit 10 Jahren sein erstes Klavierstück (eine Suite von einfachen klassischen und zeitgenössischen Tänzen für Klavier: Polonaise, Menuett, Polka, Walzer, Galopp, Mazurka und Krakowiak) – kam er 1887 auf die Klosterschule in Heiligelinde, wo er in Harmonielehre unterrichtet wurde und Geige, Cello, Waldhorn, Klavier und Orgel spielen lernte. Die Ausbildung konnte er jedoch nicht abschließen, da er bald allein für den Unterhalt seiner Familie zu sorgen hatte. Im Jahr 1893 übersiedelte die Familie verarmt (Bankrott der väterlichen Werkstatt) nach Allenstein.
Musiker, Kompositionsstudium, künstlerisches Schaffen Feliks Nowowiejski wurde im Jahr 1893 als Violinist beim Preußischen Grenadier-Regiment-Orchester in Allenstein angestellt, wodurch er in der Lage war, für den Lebensunterhalt seiner Eltern und seiner Geschwister zu sorgen. Dort komponierte er Musikstücke für Militärkapellen und Liebhaberorchester. Dank eines Kompositionspreises für seinen Marsch Pod sztandarem pokoju (Unter dem Banner des Friedens) konnte er vom 1. April bis September 1898 am Stern’schen Konservatorium Berlin studieren. Von 1898 bis 1900 bekleidete er die Organistenstelle an der St.-Jakobus-Kirche in Allenstein. Nachdem er mit einem weiteren Musikpreis ausgezeichnet worden war, absolvierte er vom 15. Januar bis 16. April 1900 einen Dreimonatskurs an der Kirchenmusikschule Regensburg, um Kontrapunkt, den Palestrinastil und Gregorianischen Choral zu studieren. Danach studierte er in Berlin am Stern’schen Musikkonservatorium Theorie und Kontrapunkt bei Ludwig Bussler, Komposition bei Wilhelm Taubert und Gradus ad Parnassum bei Heinrich Bellermann und vervollkommnete sich gleichzeitig im Orgelspiel bei Otto Dienel sowie im Orchester bei Gustav Hollaender.
Nachdem Nowowiejski eine Kantate an die Königliche Akademie der Künste in Berlin eingesandt hatte, wurde er in die Meisterklasse für klassische Komposition unter Max Bruch aufgenommen (1900–1902). Gleichzeitig nahm er ein Studium der Musikwissenschaft und der Ästhetik an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin auf. In Berlin kam er in Kontakt mit polnischen Intellektuellen und entwickelte einen starken polnischen Patriotismus, der sich später oftmals in seinen Werken widerspiegelte (z. B. in Ermländische Motive, Rota, Polnische Brautwerbung oder Quo vadis?).
1902 erhielt Nowowiejski für sein Oratorium Powrót syna marnotrawnego (Heimkehr des verlorenen Sohnes) seine erste Auszeichnung, den Giacomo-Meyerbeer-Preis. Von den 4.500 Mark Preisgeld finanzierte er eine Studienreise durch Deutschland, Böhmen, Mähren, Österreich, Italien, Afrika, Frankreich und Belgien, auf der er unter anderem Antonín Dvořák, Gustav Mahler, Camille Saint-Saëns, Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo kennenlernte. 1904 gewann er zum zweiten Mal den Giacomo-Meyerbeer-Preis für seine Sinfonien in a-Moll (die er später zurückzog) und h-Moll (Nr. 1). Mit diesem Preisgeld setzte er sein Studium bei Max Bruch fort. Er war Kompositionslehrer und Chordirigent, gleichzeitig Organist und Chorleiter an der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin und danach dort an der Dominikanerkirche St. Paulus. 1903 komponierte er in Berlin das große Oratorium Quo vadis?. Nach der Uraufführung der Neufassung (von 1907) am 22. Oktober 1909 im Concertgebouw in Amsterdam wurde das Oratorium bis 1939 in mehr als 200 Städten in Europa, Nord- und Südamerika aufgeführt.Józef Baliński: Amour – tyrannie – foi, thèmes de l’opéra polonais «Quo vadis». In: Kinga Joucaviel (Hrsg.): Quo vadis? Contexte historique, littéraire et artistique de l’œuvre de Henryk Sienkiewicz. Presses Universitaires du Mirail, Toulouse 2005, ISBN 2-85816-766-4, S. 21–28, hier S. 25. Nach der von ihm dirigierten Aufführung in der Carnegie Hall in New York wurde Nowowiejski als der „neue Messias des Oratoriums“ gefeiert. Quo vadis? machte Nowowiejski weithin bekannt – und geriet danach beinahe in Vergessenheit.So klingt es, wenn Rom brennt: Nowowiejskis Oratorium „Quo Vadis“, deutschlandradiokultur.de, abgerufen am 6. Juli 2020.
Im Jahr 1909 ließ sich Nowowiejski in Krakau nieder, wo er als Direktor der Krakauer Musikgesellschaft fungierte. Gleichzeitig war er Organist und Kapellmeister der Warschauer Symphoniekonzerte. Am 15. Juli 1910 versammelten sich zum 500. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg die Krakauer auf dem Matejko-Platz und stimmten unter Nowowiejskis Leitung Maria Konopnickas Gedicht Rota an, das zum Widerstand gegen die Germanisierung der Polen aufruft, das Nowowiejski vertont hatte und das zu einem der bekanntesten polnischen patriotischen Lieder wurde.
Im März 1911 heiratete Nowowiejski in Kraków-Wawel die Krakauer Musikstudentin Elżbieta Mironow-Mirocka; die Eheleute bekamen die Tochter Wanda und die vier Söhne Feliks, Kazimierz, Adam und Jan.
Manchen polnischen Nationalisten galt Nowowiejski (aufgrund seiner ermländischen Herkunft und weil er eher auf Deutsch veröffentlichte statt auf Polnisch) nicht als „reiner“ Pole.Muzeum Archidiecezji Warmińskiej w Olsztynie: Ausstellung Fides – Ratio – Ars / Wiara – rozum – sztuka, Olsztyn 2015/2016 (dort zur Bazylika konkatedralna św. Jakuba w Olsztynie). Aufgrund zunehmender Anfeindungen in Polen zog Nowowiejski nach Beginn des Ersten Weltkriegs in das Deutsche Reich, nach Berlin. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen, schwor den Eid auf den Kaiser Wilhelm II. und diente als Kapellmeister im örtlichen Militärorchester. Nach der Beendigung des Ersten Weltkrieges ließ er sich im Jahr 1918 in Poznań nieder und war dort als Dozent an dem Musikkonservatorium, Komponist, Dirigent und Chorleiter tätig. Seine Auftritte als Redner beim Abstimmungswahlkampf des Plebiszites von 1920 im Ermland und Masuren zeugten von seinem erstarkten polnischen Patriotismus. Dadurch kam es zum Zerwürfnis mit seinem Lehrer Max Bruch, der erfolgreich dazu aufrief, Nowowiejski und dessen Musik zu boykottieren. Nowowiejski geriet in Deutschland mehr und mehr in Vergessenheit; seine Musik wurde nicht mehr in Veranstaltungsprogramme aufgenommen.
Zu Beginn des Überfalls auf Polen 1939 versteckte sich Nowowiejski bei den Schwestern des Elisabeth-Krankenhauses in Poznań und flüchtete anschließend nach Krakau; zuvor hatte er eine kurzzeitige Internierung erlebt wegen des Verdachtes der Spionage für Russland (aufgrund der Denunzierung eines Passanten).
Lebensende Nach einem schweren Schlaganfall im Dezember 1941 beendete er seine Laufbahn als Musiker. Kurz nach Kriegsende 1945 kehrte Nowowiejski nach Poznań zurück, wo er am 18. Januar 1946 starb. Seine letzte Ruhestätte (Ehrengrab) fand er in der Krypta der Verdienten der St.-Adalbert-Kirche in Poznań.
Wirkung mini|Berliner Gedenktafel an der Kirche St. Paulus in Berlin-Moabit Bereits vor dem Ersten Weltkrieg fand Felix Nowowiejskis Musikschaffen auch in Deutschland große Anerkennung, so z. B. durch die Aufführung des Oratoriums Quo vadis 1913 in Krefeld und die deutsche Uraufführung des Oratoriums Kreuzauffindung 1914, ebenfalls in Krefeld. In beiden Aufführungen wurden dem persönlich anwesenden Komponisten laut einer Zeitungsnotiz begeisterte Ovationen zuteil.Rheinische Volkszeitung, 9. März 1914, Ausgabe für Krefeld, Nr. 240, Rubrik Musikalisches. Uraufführung des Oratoriums „Kreuzauffindung“ von Felix Nowowiejski.
Durch die Kriegswirren sind einige seiner Musikstücke verschollen bzw. unwiederbringlich verloren gegangen. Einige seiner Kompositionen gelangten erst Jahre nach seinem Tod an die Öffentlichkeit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Nowowiejski auch in Deutschland langsam wieder Anerkennung; seine Werke wurden wieder in die Programme großer Musikveranstaltungen aufgenommen. Rudolf Innig spielte zahlreiche seiner Orgelwerke ein, darunter alle neun Orgel-Symphonien.
Einige seiner Melodien erschallen regelmäßig in polnischen Städten: Seine Melodie zum Lied Rota wird als Glockenspiel der 37 Glocken zu jeder vollen Stunde vom 82 Meter hohen Turm des Rechtstädtischen Rathauses in Danzig zu Gehör gebracht. Die Melodie zur polnischen Ermlandhymne O Warmio moja miła (O Du mein liebes Ermland) wird seit dem 22. Januar 1969 täglich, am 31. Dezember auch um Mitternacht, vom Turm des Rathauses in Olsztyn als Hejnał gespielt. Erstmals blies ein Trompeter die Melodie am 28. Oktober 1947. Bei der Übersendung des in Noten gefassten Gedichts an den Text-Autor schrieb Feliks Nowowiejski: „Ich habe das Liedchen mit ganzem Herzen komponiert, gedenkend der lieben, teuren Heimat, wo mehr inneres, wahres Glück herrscht als anderswo!“ Diese Melodie, gespielt vom Glockenspiel des Rathauses von Allenstein, ist auch vom Rathaus seiner Heimatstadt Barczewo täglich um 12 Uhr über Lautsprecher zu hören. Vom Glockenturm des alten Rathauses in Świnoujście (Swinemünde) erklingt das Lied Hymne an die Ostsee als Chorgesang.Die Hymne. youtube.com; abgerufen am 24. Juni 2015. (Spieldauer 3:44 Minuten) Das ist die Hauptmelodie seiner Oper Baltische Legende.
Aufführungen seiner Werke in Deutschland nach 1945 (Auswahl) 1959, Rostock: Oper Vineta, deutsche Erstaufführung 1989, Oberhausen, Luise-Albertz-Halle, QUO VADIS 1998, Düsseldorf, Johanneskirche: Quo vadis, unter Leitung von Oskar Gottlieb Blarr 2009, Berlin, Feliks-Nowowiejski-Festival vom 9. bis zum 11. Oktober: Orgelkonzerte in der St. Pauluskirche, in der Gedächtniskirche und der St. Johannis-Basilika 2012, Fulda: Quo vadis, anlässlich des Domjubiläums 2013, Krefeld, Lutherkirche: Orgelkonzert von Rudolf Innig 2014, Berlin und Warschau, Felix-Nowowiejski-Festival vom 7. bis zum 28. SeptemberZyklische Aufführung der neun Orgelsinfonien von Felix Nowowiejski, abgerufen am 6. Juli 2020. 2016, Poznań, Aula der Universität: Quo vadis, anlässlich seines 70. Todestages 2016, Theater Vorpommern (Greifswald, Stralsund, Putbus): Spielzeiteröffnung 2016/17 mit Auszügen aus der Legenda Bałtyku 2017, Görlitz, Kreuzkirche: Missa Stella Maris, op. 49, Nr. 4 2018, Oldenburger Staatstheater/Großes Haus, Aufführung der Ouvertüre zur Oper „Legende Baltyku“ Op. 28, von Felix Nowowiejski,