Kesten ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues an.

Geographie links|mini|Kesten

Geographische Lage Kesten liegt umgeben von Weinbergen in der Natur- und Kulturlandschaft des Moseltals der Region Trier und befindet sich in einer kleinen Talweitung am linken Ufer des Flusses. Nächstgelegene Mittelzentren sind Bernkastel-Kues und Wittlich. Die Universitätsstadt Trier liegt rund 28 Kilometer Luftlinie entfernt. Zur Gemeinde gehört auch der Wohnplatz Dreismühle.

Klima Kesten liegt in der Übergangszone vom gemäßigten Seeklima zum Kontinentalklima; es herrscht ein in Relation zu anderen Regionen Deutschlands sehr mildes Klima – im benachbarten Brauneberg wurde am 11. August 1998 die höchste jemals in der Bundesrepublik gemessene Lufttemperatur festgestellt (41,2 °C im Schatten).

Durch die Eifelbarriere liegt Kesten im Schutz und Regenschatten von Westwinden, die außerdem einen Föhneffekt bewirken können. Gleichzeitig wird eine Lufterwärmung durch geringen Luftaustausch mit dem Umland begünstigt. Damit verbunden ist aufgrund der ständigen Verdunstung des Moselwassers eine regelmäßig hohe Luftfeuchtigkeit, die im Sommer für teilweise belastendes, schwüles Wetter sorgt und zahlreiche Gewitter mit sich bringt.

Geschichte Ursprünge in der Römerzeit mini|hochkant=1.3|rechts|Der Kestener Sauerbrunnen am Waldrand im von höheren, schwer zugänglichen Bergen umgebenen und geschützten Talkessel des Dreisbachs. Beim Bau dieser Quellfassung kamen römische Ziegel zutage. Der keltische Ursprung des Gewässernamens deutet auf eine noch ältere, keltische Besiedlung hin. Die ältesten Siedlungsspuren, die bisher in Kesten gefunden wurden, stammen aus der Römerzeit. Die heutige Gemeinde liegt in einem Gebiet, das damals von der keltischen Volksgruppe der Treverer besiedelt war und von den Römern als Gallien bezeichnet wurde. Ab etwa 50 v. Chr. wurden die Kelten an der Mosel von Julius Cäsar unterworfen. In der Folgezeit wurde das Gebiet romanisiert und in die römische Provinz Belgica I (Belgica Prima) eingegliedert.

Es gibt in Kesten allerdings nur wenige archäologische Spuren aus dem Altertum und keinerlei schriftliche Überlieferungen. Im Jahre 1911 wurde im Dorf ein erster materieller Hinweis auf die Römer gefunden. Beim Tieferlegen seines Kellers fand der Bäcker Joh. Görres den unteren Teil einer mit Reliefdarstellungen geschmückten Säule.

Außerhalb des Dorfes, ca. 1 km Luftlinie westsüdwestlich der Kirche, im Tal des Dreisbach, wo sich heute eine Freizeitanlage befindet, wurden 1959 beim Ausschachten des dortigen Sauerbrunnens römische Ziegel gefunden. Daraus ergab sich, dass der Sauerbrunnen schon zu römischer Zeit eine Quellfassung hatte und somit wahrscheinlich auch eine römische Ansiedlung an dieser Stelle existierte.

Die nähere Umgebung dieses Orts, der gerne als der römische Ursprung von Kesten angesehen wird, war auf jeden Fall relativ dicht besiedelt. So befinden sich in einem Umkreis von nur 1 bis 2 km Luftlinie um den Sauerbrunnen herum weitere gut nachgewiesene römische Siedlungen, wie die befestigte Höhensiedlung der Burglay (4. und 5. Jh. n. Chr.) mit Körpergräbern in der Nähe, sowie eine kleine Villenanlage mit Bad (2. bis 4. Jh. n. Chr.) in der Gemarkung Minheim, eine mehrphasige Siedlung (ab dem 2. Jh. n. Chr.) mit mehreren Gebäuden und einer Großkelteranlage (4. und 5. Jh. n. Chr.) im Ort Piesport, Spuren von zwei Villenanlagen in der Gemarkung Osann-Monzel und eine Siedlung am gegenüberliegenden Moselufer im Ort Wintrich. Es ist auch bekannt, dass die Mosel eine lebhaft benutzte Verkehrsstraße gewesen ist, und die Moselschifffahrt in den Interessen der Bevölkerung des Moseltals einen breiten Raum angenommen hat.

mini|hochkant=1.3|rechts| Das Kestener Heidenloch ist ein offener Schieferfelsen mit einem Abri, ca. 110 Höhenmeter über der Mosel gelegen, am Berghang oberhalb der Kirche. An diesem Ort sollen die ersten Christen der Gegend Messe gehalten haben. Zwei in die Felswand gehauene Sitzbänke (hier von Vegetation verdeckt) bieten Platz für wenige Personen in der Halbhöhle, die in der Vergangenheit Weinbergsarbeitern bei Regen als Unterschlupf diente. Die Christianisierung dieser Gegend an der Mosel ist spätestens ab Mitte des 5. bis Mitte des 6. Jahrhunderts nachweisbar. Vermutlich in dieser Epoche wurde, so erzählt es jedenfalls eine tradierte Kestener Sage, den heidnischen Bewohnern am sogenannten Heidenloch, einer Felsformation in den Weinbergen oberhalb der heutigen Kirche mit einem auffälligen Felsüberhang, das Evangelium verkündet.

Kirche und Weinbau im Mittelalter Aus dem nachfolgenden Mittelalter ist bekannt, dass Kesten eine Ortschaft mit einer Kirche war und dort ein lukrativer Weinbau betrieben wurde. Der Ort findet ab dem 11. Jahrhundert Erwähnung in Urkunden, die die Nutzung des Grundeigentums vor allem durch und für den Klerus des Erzbistums Trier und für den regionalen Adel regeln. Aus einer anfänglichen Phase von teils gewaltsamen Grundstreitigkeiten im Bistum entwickelten sich für die kirchlichen Organisationen etwa ab dem 10. Jahrhundert beständige Herrschafts- und Eigentumsverhältnisse, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten blieben.

Der Ortsname von Kesten lautete in den älteren Urkunden aus dem 11. und 12. Jahrhundert Kestinde (1098) oder Chestene (1125) und vielleicht auch Casteneith (1067). Mit einigen im Mittelalter gefälschten Urkunden wurde suggeriert, dass der Ort bereits im 9. Jahrhundert Castanidum, und im 10. Jahrhundert Castandum villam oder Casteneith geheißen habe. So wurde gemutmaßt, dass der Ursprung des Namens wahrscheinlich im frühen Mittelalter läge. Nach Johann Leonardy, einem Privatgelehrten des 19. Jahrhunderts aus Trier, erinnert der Name Casteneith sofort an das lateinische Wort castanêtum, das Kastanienwald oder -wäldchen, bzw. ein Ort mit Kastanienbäumen bedeutet. Unter der Annahme, dass wie er sagt, „wo der Wein gedeiht da auch die Kastanie“, und mit dem Wissen, dass unter Karl dem Großen im 8. und 9. Jahrhundert viel für die Obstbaumzucht getan wurde, schloss er, dass der Ortsname wahrscheinlich in fränkischer Zeit vergeben wurde. Wenn auch nicht ganz auszuschließen sei, dass der Name schon von den Römern stammt, die dort einige nicht endemische Baumarten eingeführt haben, deren Bezeichnung auch aus der lateinischen Sprache übernommen wurde.

Verschiedene Schreibweisen des Kestener Ortsnamens aus dem Mittelalter Casteneith 1067 „Ruotholfi de Casteneith“ Kestinde Kestinte(n) Kesthintin 1098 „in Kestinde“, 1270 „apud Kestinde et Vilcingen“, 1294 „in Kestinde“, 1296 „apud Kestinten super Mosellam“, 1331 „ville de Kestinte“ 1238 „patroni ecclesie in Kesthintin“, Chestene Chestente Cestente 1125 „Bouo siquidem de chestene“ 1154 „Vineas in Chestente“ 1247 „de Cestente“, Kestene Kesten 1152 „et Kestene.“, 1157 „uineis quas habent Kestene“, ca. 1225 „cymitherio ecclesie de Kestene“, 1230 „in villa Kestene“, 1157 „Kesten“, 1217 „in ripa Moselle apud Kesten“, 1315 „Kesten“ (deutschsprachige Urkunde) Kestende Kestent(h)e Kestenten 1177 „Vineas quas habetis in … Kestende“, 1184 „Kestende“, 1219 Kestende, 1230 „apud villam Kestende“, 1236/37 „in villis Kestende“, 1268 „apud Kestende prope Monzelle“ 1190 „Kestente“, 1195 „Kestente“, 1198–1200 „apud kestente“, 1211–1212 „kestente“ oder „Kestenee“, 1238 „in villa Kestente“, 1239 „apud Kestente“, 1244 „de Kestente“, 1252 „in Kestente“, 1254 „in Kestente“, 1353 „ville Montzeyl prope Kestente“, 1393 „Kestente“, (o. D. „in Kestenden sitis“) 1241 „Kestenthe“ 1182 „predium in Kestenten“ Die ältesten urkundlichen Erwähnungen von Kesten finden sich ab dem 11. Jahrhundert. In einer Urkunde von 1067, mit der Herzog Gerard von Lothringen der Abtei Echternach eine Stiftung vermachte, zeichnete in der Zeugenliste ein gewisser Ruotholfi de Casteneith. Wenn es auch sonst keine weitere Information zu seiner Person oder seinem Bezug zum Ort gibt, wurde angenommen, dass es sich dabei um einen Rudolf mit einem Familiennamen von Kesten handelt.

Kesten gehörte zum Erzbistum Trier und unterstand der Gerichtsbarkeit eines vom Erzbischof ernannten Mitgliedes des hohen Adels, eines Obervogtes. Die Obervogtei war in 27 Ämter eingeteilt, an deren Spitze der Amtmann oder Vogt stand. Kesten lag im Amt Wittlich und gehörte zusammen mit Ürzig, Wehlen, Lieser, Maring, Noviand, Siebenborn, Filzen, Minheim, Niederemmel, Müstert, Reinsport und Piesport zu einer Gruppe von 13 Moselorten. 1197 übernahm der Erzbischof die weltliche Gewalt und damit auch die Rechtspflege. Und 1279 kaufte der Erzbischof Heinrich die Vogtei Wittlich für 1.400 Pfund Metzer Pfennige. Danach blieb die Vogtei, und damit Kesten für die folgenden fast 500 Jahre, in vollständiger Abhängigkeit der Trierer Erzbischöfe.

Die Grundherren von Kesten Simeonstift (ab 11. Jh.) Die erste sichere urkundliche Erwähnung von Kesten als Ort stammt aus dem Jahr 1098. Kaiser Heinrich IV. bestätigt darin auf Bitte des Erzbischofs Egilbert von Trier dem Trierer Simeonstift seine Besitzungen in verschiedenen Orten. Unter anderen werden in Reihenfolge moselaufwärts genannt „…, in Lisera, in Kestinde, in Wintriche, in Minnenheim, in Munstre, in Embelde, in Pizport, …“, also die Nachbargemeinden Lieser, Kesten, Wintrich, Minheim, Müstert, Niederemmel und Piesport. Der Besitz von Weinbergen und Hofhaus des Simeonstifts in Kesten und Steuerfreiheiten wurden danach gelegentlich wieder bestätigt, so 1154 durch Papst Adrian IV., 1195 durch Kaiser Heinrich VI. und 1212 durch Erzbischof Johann von Trier.

11. Jh. – Paulinstift mini|hochkant=1.3|rechts|Die Weinanbau-Lage Kestener Paulinsberg:Der horizontale Streifen am Steilhang zwischen der Kirche und dem Heidenloch (Felsen, Mitte oben) trägt seine Bezeichnung in Erinnerung an das ehemalige Trierer Paulinstift, das in Kesten mindestens 700 Jahre lang ein Weingut bewirtschaftete.Das Bild zeigt schätzungsweise 1/3 der heutigen ca. 40 ha großen Steillage, die sich noch nach rechts und links fortsetzt. Im gezeigten Bereich hießen die Einzellagen vor der Reform in den 1970er Jahren „Am Heiligenpfad, Im Kleingilgert auf’m Heiligenpfädchen, Auf’m Heiligenpfädchen, Auf’m neuen Weg beim Heidenloch, Im Kleingilgert, Im Kleingilgertsank, Auf'm Heiligenhäuschen.“ Die wichtigsten Weinberge des Paulinstifts lagen nördlich des Orts (rechts außerhalb des Bilds) an den Hängen des Braunebergs.

Unter den ältesten und bedeutendsten Grundeigentümern in Kesten war das Stift St. Paulin vor Trier das dort bis in die Gegenwart Namensgeber eines Hofguts und einer Weinlage ist. Dieses Stift war nach dem Trierer Domstift das älteste des Erzbistums. Seit der Einrichtung einer mensa capituli um 819 könnte es eigenes Grundeigentum gehabt haben. Vorher war das Stift als Ganzes und in Teilen Eigentum des Bischofs gewesen. Letztlich kann aber nur darüber spekuliert werden, ab wann das Stift zum ersten Mal über Grundeigentum in Kesten verfügte. Mit einer gefälschten Urkunde, wahrscheinlich um 1207 unter Verwendung echter und dann vernichteter Vorlagen hergestellt, wurde behauptet, dass der Erzbischof Egbert im Jahre 981 dem Stift unter anderem „in Castheneith quoque picturas quatuor“, also auch 4 Pichter in einer Ortschaft, die als Kesten identifiziert wird, restituiert haben soll. Das Original der Fälschung, wenn überhaupt je vorhanden, war schon 1542 verschollen und über den wahren Inhalt dieser Urkunde können nur Vermutungen angestellt werden. Im Grunde genommen ging es aber um die nachträgliche Legalisierung verschiedener mehr oder weniger gewaltsamer Transaktionen unter Erzbischof Poppo (1016 – † 1047) und Probst Adalberto (vor 993 – nach 1037), von denen auch Grundstücke in Kesten betroffen waren.